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Entweder animiert das Publikum die Athleten oder andersherum - wie der Sportler hier die 4.000 Zuschauer in der Halle in Dortmund. | © Carolin Bednara

Ramona Richter: Hinter den Kulissen der Hallen-DM 2018

Die rasende Reporterin hat sich wieder unter die deutsche Leichtathletik-Elite gemischt und war mittendrin zwischen Erfolg und Niederlage. Ihr persönlicher Bericht.

Am 17. und 18. Februar fanden dieses Jahr die Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund statt. Natürlich waren diese Daten auch in meinem Terminkalender rot markiert. Solche sportlichen Highlights sind nicht allein für Medienvertreter und Sportler interessant, sondern haben auch für die Zuschauer einiges zu bieten. Emotionale Momente hautnah vor Ort erleben, anstatt distanziert am Bildschirm.

Es ist ein Geben und Nehmen. Die Zuschauer tragen nämlich durch ihre Emotionen wiederum maßgeblich zur Gesamtstimmung der Athleten bei. Dann zum Beispiel, wenn das rhythmische Anfeuern die Stadionluft mit Adrenalin schwängert. Diese Begeisterung und Empathie des Publikums geht direkt ins Blut der Athleten über und pusht die Sportler nicht selten zu neuen Höchstleistungen.

Mehr als nur Zeiten und Weiten

Für mich als Sportjournalistin und Sportlerin bieten solche Tage immer die Möglichkeit, mehr zu erfahren. Nicht nur die Ergebnisse abzuwarten, sondern hinter den Kulissen das Drumherum einzufangen und zu erfahren, was in den Athleten vorgeht. Was sie bewegt, welche Ziele sie haben und welche Bedeutung der Wettkampf für sie und ihre fortlaufende Saison hat.

Ist es die erneute Titelverteidigung? Brauchen sie noch den Leistungsnachweis, um sich für die Hallenweltmeisterschaft in Birmingham im März 2018 zu qualifizieren? Oder ist es der erste Wettkampf nach einer langen Verletzungspause? Entscheidend sind für mich immer die Hintergründe, um die jeweilige Leistung am Ende richtig bewerten und einordnen zu können.

Bereit fürs Interview? Zeit zum Durchatmen bleibt den Athleten wenig, denn meist wird ihnen prompt das erste Mikro unter die Nase gehalten. | © Carolin Bednara
Hier spricht die rasende Reporterin mit dem amtierenden Deutschen Meister über 10 km Straße Amanal Petros. | © Carolin Bednara

Hinschauen - zuhören - zeigen

Kurz vor dem Start spürt man förmlich die innere Anspannung und Konzentration der Sportler. Die meisten sind in sich gekehrt, fokussiert und schotten sich von neugierigen Pressefragen ab. Verständlich. Deshalb halte ich mich da lieber erst einmal zurück, beobachte nur und warte, bis das Rennen vorbei ist.
 Dann wollen natürlich alle ihr Mikrofon hinhalten und fahren ihre Ellenbogen aus. Oder man hat einen guten Draht zu den Athleten und vereinbart schon im Vorfeld ein Interview (wie ich das oft mache). Vor Ort einmal nett lächeln, mit Diktiergerät und Kamera winken und schon ruft man das unabhängig vom Ergebnis bekundete Interesse in Erinnerung. So habe ich zuweilen das Privileg, als Erste meine Fragen stellen zu dürfen.

Mindestens 100% sind gefragt

Für den Wettkampf, der oft wenige Minuten oder sogar nur ein paar Sekunden lang ist, gilt es, die Energie zu bündeln und auf den Punkt zu entladen. So lange, bis sich das restliche Adrenalin dann entweder in überschwänglicher Euphorie entlädt oder ins genaue Gegenteil kippt: Enttäuschung und Frustration.

Mit Enttäuschung und Frustration bleiben die Athleten im Falle eines „schlechten“ Ergebnisses dann schnell allein. Rückschläge und Niederlagen sind eben uninteressant und bleiben unbeachtet. Stolze Sieger hingegen werden umringt von Presseleuten. Was hier zählt, sind überraschende Glanzleistungen, neue persönliche Bestzeiten oder gebrochene Rekorde.

Und zurecht sollen so unfassbar starke Auftritte wie der der 23-jährigen Konstanze Klosterhalfen gebührend gefeiert werden. Sie unterbot den mehr als 30 Jahre unangefochtenen deutschen Hallenrekord über 3.000 mit knapp sechs Sekunden und setzte die Messlatte schwer erreichbar tief auf 8:36:01 Minuten. Wie viele Jahre sie den wohl halten wird?

Oder der doppelte Triumph der Sprinterin Tatjana Pinto, mit zweifacher Bestzeit und doppeltem Titelgewinn, jeweils über 60 m und 200 m.

Die Sprinterin Tatjana Pinto kann selbst noch nicht wirklich realisieren, was sie da eben auf der Bahn abgeliefert hat. | © Carolin Bedn

Ein ständiges Auf und Ab - nicht nur am Wettkampftag

Natürlich sollen besondere Leistungen die verdiente Anerkennung bekommen. Jeder Sportler weiß aber auch, dass ein Hoch nicht ewig anhält. Dass eine Verletzung oder persönliche Umstände einem plötzlich einen Strich durch die Rechnung machen können und damit den Erfolg ausbremsen.

Sebastian Keiner | © Carolin Bednara

Ein Athlet muss sich also immer wieder aufs Neue beweisen. Dabei ist manchmal ein objektiv als Misserfolg abgestempeltes Ergebnis für denjenigen sogar ein souveränes Comeback nach langer Verletzungspause.

Oder ein Sieg wird als normale Erwartung registriert, dabei ist er eben doch viel mehr als das! Wie bei Sebastian Keiner, der aufgrund von mehreren Verletzungen über Monate außer Gefecht gesetzt war und sich mit seinem Meistertitel über 1.500 m in Dortmund nun endlich wieder Mut zusprechen kann. Dieses Erfolgserlebnis wird ihn für die Heim-EM im Sommer (7. bis 12. August 2018) enorm motivieren.

Die Geschichte dahinter verrät also oft erst, wie eine Leistung richtig zu interpretieren ist und was sie am Ende für eine Wirkung auf den Sportler hat.

So sah das Publikum beispielsweise den WM-Teilnehmer von London 2017, Timo Benitz, der sich auf den dritten Platz über 3.000 m kämpft. Übersahen aber womöglich das Tape an seiner linken Wade und hatten deshalb keine Ahnung davon, wie ihn seine gereizte Achillessehne während der letzten Runden schmerzlich auf die Probe stellte. Mit diesem Wissen hat er meiner Meinung nach, trotz erschwerter Bedingungen, eine starke Leistung abgeliefert. Zumal das Rennen der Männer eine kräftezehrende Angelegenheit war und von ständigen Tempowechseln geprägt.

Mittelstreckler Timo Benitz (gelbes Trikot) kämpft sich trotz Schmerzen noch auf einen souveränen dritten Platz im Rennen über 3.000 m. | © Carolin Bednara
Glücklicherweise wird die überschüssige Energie der 60-m-Hürdensprinter rechtzeitig nach Zieleinlauf abgefangen. | © Carolin Bednara

Sich zuwenden, wenn sich andere abwenden

Gerade weil Leistungssport so gefühlsüberladen ist, sollte nicht nur die eine „schillernde“ Seite der Sieger transportiert werden. Misserfolge sind nichts, wofür man sich schämen muss, sondern nur menschlich. Und manchmal braucht der Athlet genau dann den Support von außen, um wieder auf Erfolgsspur zu kommen – auch wenn es das aktuelle Ergebnis nicht rechtfertigt.

Ramona Richter
© Inger Diederich

Über Ramona Richter


Ramona Richter ist sprichwörtlich als „Rasende Reporterin“ bei Laufevents mit Kamera, Diktiergerät und Laufschuhen dabei. An der Startlinie als passionierte Asics-Frontrunnerin, im Ziel mit der Laufelite vor der Kamera. Die studierte Bewegungswissenschaftlerin ist sportlich vielseitig aktiv und lebt im Norden von Hamburg.

Veröffent­lichungsdatum: 06.03.2018
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