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Biohacking: Willkommen in der Zukuft! | © iStock.com/jacoblund

Biohacking: Was steckt hinter dem Trend aus den USA?

Der Traum vom ewigen Leben: Biohacker wollen ihn erfüllen. Das Hacken von Körper und Geist soll stark, schlau und schlank machen. Was ist wirklich dran?

Wenn man sehr viel Geld und sehr viel Zeit hat, dann kommt man mitunter auf verrückte Ideen. Vielleicht gehört in vielen Fällen auch noch ein großes Ego dazu. So scheint es zumindest beim Amerikaner David Asprey der Fall zu sein, der in der Computerbranche zu Geld kam und nun alles daran setzt, sich und anderen den Traum vom ewigen Leben zu erfüllen. Asprey ist der Gründer vom Bulletproof Lab, nennt sich Biohacker und entwickelt seit 20 Jahren Fitnessgeräte, Maschinen, Infusionen und Nahrungsergänzungsmittel, die für ein längeres Leben sorgen sollen. Er hackt den Menschen, wie Computerhacker ein technisches System hacken, und manipuliert Körper und Geist, damit die Zellen langsamer altern – für mehr Gesundheit, mehr Power, mehr Wohlbefinden.

1.400 Euro im Monat für Kältetraining & Co.

Und weil Asprey Geschäftsmann ist, teilt er sein Wissen und seine Erfindungen mit anderen und hat in Santa Monica, dem Hotspot der Körperkultur und der Selbstdarsteller, sein erstes „Fitnessstudio“ eröffnet, in dem gesundheitsbewusste Trendsetter sich biohacken können. Das Training besteht aus Fitnesseinheiten, Vitamininfusionen, Meditationen und Kältetherapie und soll stark, schlau und schlank machen, innerlich und äußerlich verändern, Supermenschen erschaffen. Erreiche die beste Version von dir – und das in kürzester Zeit, lautet das Versprechen. Der Weg dahin ist vor allem eins: teuer. Je nach gebuchtem Paket zahlt man schnell 1.400 Euro im Monat für Besuche im Biohacking Lab.

Im Silicon Valley werden Millionen in Unternehmen investiert, die lebensverlängernde Technologien erforschen. | © iStock.com/yunava1

In der Kältekammer soll das Fett schmelzen

Das High-End-Training beinhaltet dann etwa Sessions im Höhentrainer, einer Kapsel, die einen Luftdruck wie auf dem Mount Everest simuliert und die Zellteilung anregen soll. Oder auf einem Spinningrad, auf dem dem Trainierenden mittels einer Sauerstoffmaske gezielt Sauerstoff entzogen wird. 20 Minuten auf dem Bike sollen effektiver sein als zwei Stunden Spinning. Ein anderes Trainingsgerät ermittelt computergesteuert den individuell optimalen Widerstand zum Muskelaufbau, und soll besonders schnell stärker machen, wieder ein anderes arbeitet mit Kältepolstern, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Und in der Eiskammer, gefüllt mit flüssigem Stickstoff, sollen bereits drei Minuten bei -200 °C das Fett zum Schmelzen bringen, die Haut straffen und die Muskeln regenerieren. Hinzu kommen Meditationen in Spezialkapseln, Vitamininfusionen und jede Menge Nahrungsergänzungsmittel, die man kaufen kann. Asprey hat übrigens auch den bekannten Bulletproof Coffee erfunden. Ein Filterkaffee mit Butter und Kokosöl, der bis mittags satt machen, Energie liefern und das Abnehmen unterstützen soll.

Jeder von uns kann ein Biohacker sein

Ob das nun alles wirklich Wunder bewirkt und das Leben verlängert, ist umstritten, bewiesen ist es auf jeden Fall nicht. Wissenschaftler und Ärzte kritisieren Asprey und seine Arbeit immer wieder, sie sei nicht fundiert, Geldmacherei. Andere Biohacker gehen sogar noch weiter als Asprey, experimentieren mit Eigeninjektionen von Medikamenten, wollen Krebs heilen, die Gene verändern. Im April starb der umstrittene Biohacker Aaron Traywick, der,  obwohl auch er kein Mediziner war, an Gentherapien forschte. Auf der anderen Seite werden im Silicon Valley Millionen in Unternehmen investiert, die lebensverlängernde Technologien erforschen. Ganz unter den Teppich kehren kann man das Thema also auch nicht. Und völlig verkehrt sind die Ansätze vom Biohacking ja nicht. Denn grundsätzlich bedeutet es ja erst einmal nur eines: Zu verstehen, wie unser Körper funktioniert und darauf angemessen zu reagieren, um möglichst fit und gesund zu bleiben. Wie funktioniert der Stoffwechsel und das Immunsystem? Wie arbeitet unser Gehirn, und wie unsere Muskeln? Wie wirkt sich Stress auf das Wohlbefinden aus? Wie die Ernährung? Wenn du dich als System verstehst, kannst du dich und deine Gesundheit gezielt optimieren. Einzig: Dafür brauchst du keine teuren Spezialstudios und schon gar keine Unmengen an Nahrungsergänzungsmitteln oder Sessions in futuristischen Meditationskapseln. Biohacking kannst du zu Hause betreiben – und machst es vielleicht sogar schon.

Die drei Säulen des Biohackings: Body, Food, Mind

Drei große Bereiche sind es, die beim Biohacking im Fokus stehen: der Körper, die Ernährung und der Geist. Um es einmal ganz simpel auszudrücken, könnte man sagen, dass der Schlüssel zu einem gesunden Leben folgender ist:

Bewege dich regelmäßig, beuge Übergewicht vor und baue Muskeln auf; ernähre dich gesund und ausgewogen und versorge deinen Körper mit allem wichtigen Nährstoffen, die er braucht; sorge dafür, dass du nicht zu gestresst bist und ausreichend regenerierst.

Wenn du dich gesund und ausgewogen ernährst, brauchst du keine Nahrungsergänzungsmittel. | © iStock.com/RossHelen

Der Körper: ohne Bewegung geht es nicht

Sitzen ist das neue Rauchen, heißt es in letzter Zeit häufiger. Und tatsächlich: Viele Deutsche bewegen sich erschreckend wenig. Das kann das Risiko für Übergewicht und andere Krankheiten deutlich erhöhen. Wenn du also noch nicht regelmäßig Sport treibst, komme in Bewegung. Zum anfangen ist es nie zu spät und jeder Schritt zählt! In der Biohacking-Szene gelten intensive Intervalltrainings wie HIIT als besonders effektiv. Auch gezieltes Kältetraining kannst du leicht in deinen Alltag einbauen.

Die Ernährung: Clean Eating

Die meisten Ärzte und Ernährungsberater sind sich einig: Wenn du dich gesund und ausgewogen ernährst, brauchst du keine Nahrungsergänzungsmittel. Mit einem bunten Speiseplan versorgst du deinen Körper mit allen Nährstoffen, bist leistungsfähig und konzentriert. Viele Biohacker schwören auf Clean Eating, essen frische, unverarbeitete Lebensmittel und entlasten den Körper zusätzlich durch Intervallfasten. Das fördert übrigens auch den Prozess der Autophagie, der vor diversen Krankheiten schützen kann.

Der Geist: Stress lass nach

Stress macht dick und krank. Übe dich in Gelassenheit. Mit Meditationen, Yoga oder Achtsamkeitstraining wirkst du Stress effektiv entgegen. Für einen ausgeruhten, fitten Geist brauchst du außerdem ausreichend guten Schlaf. Zum Mindhacking gehört auch, kontinuierlich an deiner Disziplin und Willensstärke sowie deinen Gewohnheiten zu arbeiten und die schlechten durch gute zu ersetzen. Für mehr Power und Motivation – jeden Tag.

Allgemein

Tipp: Versuche generell, deinen Körper so gut wie es geht zu verstehen und recherchiere intensiv zu den einzelnen Bereichen. Auch wir haben viele spannende weitere Artikel zu den Themen Fitness, Food und Body & Soul, die dich beim Biohacking unterstützen.

Nicole Benke
© Martin Szymanski

Über #BeatYesterday-Autorin Nicole Benke


Nicole Benke liebt gutes Essen – am liebsten selbst gekocht aus frischen Produkten der Saison. Von Crash-Diäten hält die Food-Journalistin gar nichts. Sie findet: Eine gesunde Ernährung soll Spaß machen, darf nicht verkrampft sein und muss auch mal Raum für Genuss bieten. Denn strikte Verbote machen nur schlechte Laune. Und wer kann die schon gebrauchen?

Veröffent­lichungsdatum: 03.08.2018
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