Langsamerer Ball und ein Schläger mit Löchern
Padel-Tennis, oft auch nur Padel genannt, ist eine Mischung aus Tennis und Squash und hat mit Wassersport nichts zu tun. Der Schläger erinnert lediglich ein wenig an ein Kanu-Paddel – daher der Name. Das Spielfeld ähnelt einem normalen Tennisplatz mit einem Netz in der Mitte. Es ist mit 20×10 Metern aber ein wenig kleiner und von Glaswänden umgeben, die ebenfalls als Spielfeld genutzt werden können. Du benötigst drei Mitstreiter, denn Padel wird fast ausschließlich als Doppel ausgetragen, also zwei gegen zwei. Das Punktesystem ist Tennisspielern ebenfalls geläufig: Die Zählweise 0, 15, 30, 40, Spiel sowie der Satz bis 6 bzw. der Tie-Break sind identisch.
Die Padel-Tennis-Regeln weichen in einigen Aspekten allerdings von den klassischen Tennisregeln ab: So wird der Aufschlag ausschließlich von unten ausgeführt. Aufgrund dieser Änderung rückt die benötigte Kraft beim Padel in den Hintergrund und von den Spielern werden mehr Spielwitz, Übersicht und Ballgefühl gefordert. Auch die Bälle sind weniger hart als beim Tennis und dadurch etwas langsamer, von Größe und Material her aber identisch. Der verkürzte Kunststoff-Schläger gleicht von der Form eigentlich eher einer Bratpfanne als einem Paddel. Ohne Saiten, dafür aber mit zahlreichen Löchern, die den Luftwiderstand verringern sollen. Auch diese Modifikation bedeutet weniger Geschwindigkeit, mehr Präzision.
Nutze die Wände für dein Spiel
Die größte Abweichung zum herkömmlichen Tennis stellen natürlich die Wände dar, die du geschickt mit in dein Spiel einbinden kannst. Wirst du beim Tennis überlobbt oder passiert, ist der Punkt oft verloren. Beim Padel kannst du den Ball jedoch noch zurückspielen, wenn er nach dem Bodenkontakt gegen die Rückwand in deine Richtung zurückspringt. Erst wenn der Ball ein zweites Mal auf der eigenen Spielhälfte aufkommt, bekommt die gegnerische Mannschaft den Punkt. Das sorgt in der Regel für spektakuläre und intensive Ballwechsel und eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Geübte Squash-Spieler sind hier klar im Vorteil. Trifft der Ball in der gegnerischen Hälfte jedoch zuerst auf die Seitenbegrenzung und berührt danach den Boden, wird er als „aus“ gewertet.
Wer hat’s erfunden? Ein Mexikaner
Wie es die Gründungslegende besagt, wurde Padel-Tennis im Jahr 1965 von einem Mexikaner namens Enrique Corcuera erfunden – und zwar aus der Not heraus. Er wollte sich eigentlich einen Tenniscourt errichten lassen, hatte dafür jedoch nicht genug Platz auf seinem Grundstück. Also ließ er einen kleineren Court errichten und nutzte die Mauern als natürliche Begrenzung, die von seinen Gästen beim Spiel in die Ballwechsel integriert wurden. Daraufhin ließ er den gesamten Platz ummauern, änderte die Spielregeln ein wenig und erfand einen neuen Sport – das Padel-Tennis. Von dort gelangte die Idee nach Spanien und Argentinien, wo Padel das traditionelle Tennis schon überholt hat, was die Schlägerverkäufe angeht.

Padel-Tennis ist schnell zu erlernen
Klassisch Tennis zu spielen ist recht anspruchsvoll und benötigt viele Trainingsstunden, um allein die Grundlagen zu erlernen. Squash verlangt dem Körper und seinen Gelenken oft alles ab. Beim geselligen Padel-Tennis kommt dagegen schon nach wenigen Einheiten echter Spielspaß mit guten Ballwechseln auf. Wenn du ein wenig Ballgefühl mitbringst, kannst du schon nach einer Stunde Übung eine ansehnliche Figur abgeben – ohne Vorkenntnisse in anderen Racketsportarten. „Die Wand verzeiht einiges“, ist ein oft gehörter Spruch. Auch ältere Semester können beim Padel noch gut mithalten, da die Laufintensität geringer ist.
Auch dein Portemonnaie freut sich: In der Regel brauchst du außer Sportkleidung und Sportschuhen mit einem griffigen Profil nichts in eine Padel-Halle oder auf einen Padel-Platz mitzubringen. Schläger und Bälle liegen meist zum Ausleihen bereit. Und falls du Gefallen finden solltest, musst du für ein Racket auch nur zwischen 30 und 100 Euro investieren. Profischläger können allerdings bis zu 400 Euro kosten.
Padel-Tennis wächst rasant – auch in Deutschland
Seit die Ära von Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich vorbei ist, kriselt das Tennis in Deutschland. Erfolge von Spitzenspielern sind selten geworden, die Mitgliederzahl des Deutschen Tennis Bundes nimmt Jahr für Jahr ab. Ganz anders verläuft die Kurve beim Padel-Tennis: Auch wenn die Käfig-Variante des Racketsports hierzulande noch ein Schattendasein fristet, bekommt der Freizeitspaß immer mehr Zulauf.
In Süd- und Mittelamerika ist Padel bereits äußerst beliebt, auch in Spanien boomt die Mischung aus Tennis und Squash. Mehr als 70.000 Plätze finden sich auf der iberischen Halbinsel. Padel-Tennis gilt derzeit als die weltweit am schnellsten wachsende Sportart überhaupt. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland 35 Padel-Plätze in acht verschiedenen Bundesländern, weitere werden eröffnet.

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