Ich bin wieder in Kalifornien. Sonne und Palmen statt Regen und kahle Bäume. So habe ich es am liebsten, bevor das Jahr zu Ende geht. Es war turbulent. Zu viele Meilen auf zu vielen Highways. Jetzt will ich es ruhig ausklingen lassen, allein. Klar, werde ich meine Familie vermissen und sie mich. Aber ich sehne mich auch nach der Wüste. Sie ist einsam, weit und rein. Also fahre ich morgen dorthin, mit Truck und Trailer. Ich werde schreiben, radfahren, Bilder sichten, Salate essen, meinen neuen Vortrag produzieren und zurückblicken. Auf die vergangenen zwölf Monate, die Begegnungen, die Erlebnisse. Und ich werde planen. Die nächsten Projekte, die neuen Reisen.

Die Straßen schüren Sehnsucht
Eigentlich tue ich das ohnehin ständig, wenn ich unterwegs bin. Die endlosen Straßen, auf denen ich fahre, schüren die Sehnsucht und lassen mich träumen. Aber zum Ende des Jahres bekommt das Planen eine besondere Bedeutung: Es wird verbindlich. Schließlich bricht das neue Jahr bald an, und nach dem Planen kommt die Vorbereitung. Also bloß keine Zeit verlieren, sonst müsste das nächste Abenteuer womöglich warten.
Für meine ersten großen Reise habe ich von der Idee bis zur Umsetzung mehr als zehn Jahre gebraucht. Nicht, dass die konkrete Vorbereitung so lange gedauert hätte. Aber in Gedanken habe ich unentwegt lange Listen geschrieben, um nichts zu vergessen und die Reise weiter zu verzögern.

Die wichtigste Lektion: Loslassen
Zum Glück hat sich das geändert. Das war vielleicht die wichtigste Lektion auf all meinen Reisen. Loslassen. „If you want to hear God laugh, tell him your plans.”, sagen sie hier in Amerika so gerne. Wer zu viel plant, wird am Ende ausgelacht. Von Gott oder dem Schicksal, das es oft anders meint als wir. Aber ganz ohne Planung geht es eben auch nicht. Bei einem neuen, epischen Abenteuer versuche ich, vor Ort zu recherchieren. Deshalb bin ich ein Jahr vor meiner Kanutour auf dem Yukon nach Alaska gereist und eine Woche auf dem Fluss gepaddelt. Ich habe mit Einheimischen gesprochen, Literatur gekauft, Museen besucht. In einem lag ein Kanu aus Birkenrinde ausgestellt. So schön, dass ich mir später auch eines für meine Reise gebaut habe.

Überheblichkeit ist eine Gefahr
Auch das Vorankommen aus eigener Kraft ist mir wichtig, egal ob mit dem Boot oder Rad. Ich trainiere nicht dafür. Ich versuche, fit zu bleiben, mache Krafttraining und achte auf meine Ernährung. Erst während der Reise stellt sich der Körper auf die eigentliche Belastung ein und wird irgendwann richtig fit. Auch für die Ausrüstung verschwende ich mittlerweile kaum Zeit. Über die Jahre hat sich Equipment bewährt. Anderes nicht so funktioniert, wie ich mir das erhofft hatte. Auf diesen Erfahrungsschatz kann ich bei der Gepäckzusammenstellung für die nächste Reise zurückgreifen.
Doch genau da liegt aber auch eine Gefahr. Man wird überheblich. Ich war es im vergangenen Jahr bei meiner Reise auf dem Missouri. Ist ja nur ein weiteres Abenteuer, ich weiß, wie so was geht, dachte ich. Bis mir der Fluss das Zepter aus der Hand riss und ich anfing, zu hadern. Mit dem Hochwasser, schlechten Camps und dem nervigen Beladen des Bootes. Das muss beim nächsten Mal anders werden. Ich will von Anfang an die Reise genießen, im Moment sein. Das klingt nach einem guten Plan. Vielleicht sollte ich ihn aufschreiben.

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