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Roller Derby in Madrid: Tattoos und Kriegsbemalung gehören bei vielen Spielerinnen zum Sportoutfit. | © iStock.com/AndresGarciaM

Roller Derby: Rempel-Sport auf Rollschuhen

Frauen auf Rollschuhen und in verrückten Outfits rangeln um die Vorherrschaft auf der Rennbahn. Roller Derby ist ein Sport zwischen Kampf und Lebensgefühl.

Ein Sport für starke Frauen statt für Heulsusen

Mädels auf Rollschuhen erinnern dich an Glitzer und Diskokugeln? Dann hast du vermutlich noch nichts von der Sportart Roller Derby gehört. Bei diesem Sport siehst du eher Rangeleien statt Pirouetten und Netzstrumpfhosen statt Glitzer-Haarbänder. Und aus den Lautsprechern dröhnt nebenbei Punkmusik. Weltweit betreiben vor allem Frauen den Mannschaftssport, bei dem blaue Flecken zum guten Ton gehören – ganz nach dem Motto „Bruises are a girl‘s best friend”. Roller Derby zählt zu einer der am stärksten wachsenden Frauensportarten unter Amateuren. Stabilität und Sicherheit auf den Skates sind dabei genauso wichtig wie Geschick und Muskelkraft.

Roller Derby – das ist die Grundidee

Wenn du zum ersten Mal ein Spiel siehst, wirst du vielleicht mit fragendem Blick am Rand stehen. So geht es zumindest vielen Zuschauern, die Roller Derby das erste Mal live erleben. Du kannst dir den Spielablauf so vorstellen: Auf einer ovalen Rennbahn treten zwei Mannschaften für zweimal 30 Minuten gegeneinander an. Jedes Team schickt fünf Spielerinnen auf die Bahn, darunter eine Läuferin und das vierköpfige „Pack“. Die Läuferin (auch „Jammerin“ genannt) ist durch den Stern an ihrem Helm zu erkennen und versucht, möglichst viele Gegner zu überholen. Das Pack, also die vier Blockerinnen, versuchen mit Rempeln, Blocken und Schubsen die Überholmanöver der Gegnerinnen zu verhindern. Nach dem „Booty Block“ (mit dem Hintern blockieren) ist vor dem „Charly Sheening“ (gemeint ist ein strategisches Manöver, um den Gegner in den Wahnsinn zu treiben) – um nur zwei der vielen typischen Fachbegriffe des Roller Derbys zu nennen. Für jede überrundete Spielerin der gegnerischen Mannschaft gibt es einen Punkt, für Fouls oder unerlaubte Manöver Strafzeiten. Dabei sind maximal sieben Fouls für eine Spielerin pro Spiel erlaubt. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel. Soweit die Grundidee. Das dicke Regelwerk ist aber noch deutlich umfangreicher. Wichtige Raumregeln legen zum Beispiel fest, wie weit sich die Spielerinnen im Block voneinander entfernen dürfen.

Warum Roller Derby auch eine politische Bewegung ist

Roller Derby ist nicht nur ein Sport, sondern auch ein Statement. Die Vereine und Spielerinnen können wenig mit traditionellen oder konservativen Rollenbildern anfangen. Tattoos und Kriegsbemalung gehören bei vielen Spielerinnen zum Sportoutfit. Jeder ist willkommen, Statur, Alter oder Größe sind erst einmal egal. Die Vereine leben außerdem eine sehr offene Gender-Politik: In den Frauenteams darf jeder mitspielen, der sich nicht eindeutig als Mann fühlt. Der Slogan „Walls are just for Roller Derby“ ist auf vielen Fan-Pullis zu lesen. Außerdem wird großer Wert darauf gelegt, die Sportart demokratisch weiterzuentwickeln. Gemeinsam prüfen die Mitglieder deshalb regelmäßig das Regelwerk und stimmen ab, ob und wie die Regeln geändert werden sollen.

Ein Sport für starke Frauen statt für Heulsusen. | © iStock.com/AndresGarciaM

Vom Showkampf zu einer ernsthaften Sportart

Die Geschichte des Roller Derbys beginnt übrigens in den USA. Dort wurde der Sport in den 70er-Jahren als eine Art Wrestling-Show auf Rollschuhen bekannt. Glitzer, Netzstrumpfhosen und Kampfnamen waren das Markenzeichen. Anfang der 2000er hat Roller Derby dann einen neuen Hype erfahren. Es ging mehr um eine feministische Bewegung und den Gemeinschaftssinn. Seitdem hat sich Roller Derby weg vom reinen Entertainment hin zu einem Mannschaftssport entwickelt, auch wenn die Outfits und Derby-Kampfnamen überlebt haben. Gerade die Kampfnamen spielen im Roller Derby eine bedeutende Rolle. Sie geben den Spielerinnen eine spezielle Identität. In einer weltweiten Datenbank werden so alle Spielerinnen gelistet. Sie nennen sich zum Beispiel „Bambi Bloodlust“, „Ice Ice Booty“ oder „Pussy Riot“. Genauso verrückt sind oft auch die Outfits – manche kommen im Minirock, andere malen sich Totenschädel oder Blutspritzer ins Gesicht.

Roller Derby ist gleichzeitig Sport und Lifestyle

Die Spielerinnen trainieren etwa dreimal die Woche, gehen zusammen ins Fitnessstudio, spielen am Wochenende Turniere. Sie verbringen also viel gemeinsame Zeit. Roller Derby ist eben auch eine Art Lifestyle. Den Mannschaften ist das starke Gemeinschaftsgefühl auch außerhalb der Rennbahn sehr wichtig. Gleichzeitig darf niemand beim Roller Derby zimperlich sein. Verletzungen sind praktisch unvermeidbar und lange nicht jede, die mal beim Training vorbeischaut, bleibt auch dabei.

Bei diesen Vereinen kannst du dir selbst ein Bild machen

In Deutschland gibt es mittlerweile in vielen Städten Rollschuh-Teams und sogar eine eigene Bundesliga. Das Team vom Bear City Roller Derby aus Berlin ist nach Stuttgart das zweitälteste Team in Deutschland. In Hamburg kannst du Roller Derby bei den Harbor Girls spielen. Die Mannschaft gehört übrigens zum FC St. Pauli. Auch in Russland, Ägypten, Abu Dhabi und im Iran spielen einige Mädchen und Frauen mittlerweile begeistert Roller Derby. Die Teams treten in Europa- und Weltmeisterschaften gegeneinander an und skaten um den Pokal.

Du bist männlich und möchtest Teil der Sportbewegung sein?

Obwohl Frauen den Sport sehr stark dominieren, haben viele Vereine auch Männerteams. Außerdem werden zusätzliche Posten in der Regel von Männern besetzt: Sie dürfen zum Beispiel als Schiedsrichter Punkte zählen. Und nach dem Spiel heißt es: Gemeinsam feiern. Mit Gegnern genauso wie mit den Fans.

Veröffent­lichungsdatum: 10.05.2018
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