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Shelma Jun lebt in New York. Regelmäßig flüchtet sie aus der Großstadt in entlegene Gegenden und verbringt dort beim Klettern, Wandern und Campen Zeit mit ihren besten Freundinnen. | © Garmin

„Gemeinsam sind wir stärker“

Stadtplanerin Shelma Jun lebt in New York. Die Stadt schenkt ihr Energie. Regelmäßig flüchtet sie auch in entlegene Gegenden. Dort verbringt sie beim Klettern, Wandern und Campen Zeit mit ihren besten Freundinnen.

Als ich in der fünften Klasse war, hatte ich eine kurze Phase, in der ich darauf bestand, nur Jungsklamotten zu tragen. Meine Mutter hat das wahnsinnig gemacht. Letzten Endes bekam ich die Sachen meiner älteren Schwester, die ihr zu klein geworden waren. Ehrlich gesagt, kann ich mich gar nicht mehr an den genauen Grund für meine Sturheit erinnern, aber ich glaube, es hatte damit zu tun, dass ich dachte, Jungs seien in der Natur besser aufgehoben als Mädchen. Während ich mit meiner Pfadfinderinnen-Gruppe Kekse verkaufte und friedlich auf einem See paddelte, war mein Bruder mit seinen Pfadfinder-Freunden in der Wüste und seilte sich in Canyons ab. Vielleicht dachte ich, wenn ich Jungsklamotten anziehe, könnte ich mich unter die Jungs mischen und bei ihnen mitmachen.

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Weiblichkeit ist keine Schwäche

Zwei Jahrzehnte später trage ich roten Lippenstift, Männer-Flanellhemden und klettere auf Berge – manchmal sogar alles gleichzeitig. Ich bin so dankbar, dass mein Körper stark genug ist, um Felswände hochzuklettern, aber ich setze das nun nicht mehr mit Männlichkeit gleich. Ich betrachte das eher als natürliche Stärke und auch als Bestandteil des weiblichen Körpers. Zu einigen dieser Erkenntnisse kam ich durch den Kontakt mit einer Community, die aus starken, aufgeweckten und mutigen Frauen besteht. Diese Frauen sind meine Kolleginnen, meine Kletterpartnerinnen und meine Mentorinnen. Und viele von ihnen sind mittlerweile meine engsten Vertrauten. Einige dieser Freundschaften entstanden während der Organisation des ersten Kletterfestivals für Frauen. Heute plane und veranstalte ich mit diesen Frauen gemeinsam Projekte und Kletterabenteuer.

Eine Community für Frauen aus der ganzen Welt

Als ich mich dazu entschloss, ein Kletterevent zu organisieren, wusste ich erstmal gar nicht, wo ich anfangen sollte. Ich wusste nur: Das Event soll Kletterinnen zusammenbringen. Ich hatte noch nie an einem Kletterfestival teilgenommen und die Reichweite meiner Kletter-Community beschränkte sich im Grunde auf die Grenzen von New York City. Als ich das Festival dann bekannt gab, meldeten sich Frauen aus aller Welt bei mir. Sie boten mir ihre Unterstützung, beispielsweise durch Kontakte in die Industrie an, oder sie stellten sich als Fotografinnen und für Workshops zur Verfügung. Ich war überwältigt vom Ausmaß dieser Hilfe und mir wurde klar, dass der Zusammenhalt dieser Community der Schlüssel zum Erfolg der Veranstaltung werden wird.

Shelma Jun: „Wir müssen uns den aktuellen Standards der Kletterwelt nicht anpassen.“ | © Garmin

Viele Festivals konzentrieren sich rein auf das Erlebnis des Besuchers. Für uns steht allerdings an erster Stelle, dass sich jede Teilnehmerin willkommen fühlt und auch etwas mitnimmt. Das Besuchererlebnis ist dabei nur eines unserer Ziele. Ein weiteres Anliegen ist es, Teilnehmerinnen mit Menschen bekannt zu machen, die eine Art Vorbildfunktion erfüllen. Unter den Frauen, die unsere Foren und Vorträge leiten, sind Guides, Sportlerinnen, Moderatorinnen und Kursleiterinnen. Diese ausschließlich weibliche Crew spielt für mich eine wichtige Rolle, weil sie mich daran erinnert, dass wir Frauen Expertinnen sein können … dass wir Führungspersonen sein können … dass wir Mentorinnen sein können.

Angemessen entlohnt werden

Einer meiner Grundsätze ist, Frauen für ihr Handwerk und ihre Fähigkeiten zu bezahlen. Das hat die Art und Weise, wie ich die Kletter-Festivals strukturiere, sehr beeinflusst.

Die Diskussion darüber, dass Frauen in den gleichen Positionen, für die gleiche Arbeit und mit der gleichen Ausbildung schlechter bezahlt werden als Männer, ist leider immer noch aktuell.

Shelma Jun

Wenn wir fordern, dass Frauen für ihre Arbeit angemessen entlohnt werden, dann müssen wir auch diejenigen bezahlen, die ihre Expertise bei solchen Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Um diesem Prinzip Ausdruck zu verleihen, haben wir die Gehälter für Referenten jedes Jahr kontinuierlich erhöht.

Gemeinsam wachsen

Letztlich ist das Festival nur eine Basis, um eine Verbindung zwischen Frauen zu schaffen, die die Natur lieben. Der Fokus liegt nicht auf dem Event selbst, sondern darauf, wie wir es als Instrument einsetzen, um Frauen zu unterstützen und den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft zu stärken. Und die Community wächst immer weiter.

Ich hoffe wir können das Festival auch weiterhin nutzen, um herauszufinden, warum Frauen so gerne mit anderen Frauen klettern. Was ist so besonders daran? Wieso können „gewöhnliche“ Kletterbedingungen dieses Gefühl nicht vermitteln? Ich fände es toll, wenn wir die Kletter-Community dazu bewegen könnten, ihre Umgebung und die Entwicklungen besser zu reflektieren. Wir müssen uns den aktuellen Standards der Kletterwelt nicht anpassen. Zusammen können wir sie neu auslegen und definieren.

Mehr über Shelma Jun: www.flashfoxy.com

Veröffent­lichungsdatum: 21.02.2019
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