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Erik Spickschen hat sich beruflich seiner Passion, dem grünen Tee, gewidmet. | © Charlotte Bruch

Matcha Matcha, Baby! Vom Topmanager zum Tee-Experten

Erik Spickschen hat sich beruflich seiner Passion, dem grünen Tee, gewidmet. Auch wenn er nicht mehr von Erfolg getrieben ist, wird womöglich eine ganz große Nummer draus.

Erik Spickschen hat eine Vision: Der grüne Tee, bisher ein Getränk für Liebhaber und Kenner, soll seinen Weg in den Mainstream finden. Und er, Erik, will es möglich machen. Im Moment schweigt Erik. Er streicht seine halblangen, braunen Haare hinters Ohr. Mit beiden Händen umfasst er dann die kleine japanische Teetasse, führt sie gelassen zu seinem von einem hippen Dreitagebart eingerahmten Mund und trinkt. Der Tee riecht nach gemähtem Gras und schmeckt auch so. Die Sorte Kabusecha ist nichts für Einsteiger. Der Tee wird während der letzten zehn Tage seiner Reife beschattet. So entsteht sein intensives Aroma. Bedächtig stellt Erik die Tasse auf einem gelben Stoffuntersetzer ab. Erst dann beginnt er in dosiertem Tempo zu sprechen. Dieser Mann hat die Langsamkeit mittlerweile im Blut. Das war allerdings nicht immer so.

Der Kabusecha wird während der letzten zehn Tage seiner Reife beschattet und hat einen besonders markanten Geschmack. I © Charlotte Bruch

Die Herbstsonne fällt in den kleinen Laden, der „Macha Macha“ heißt und die Wiege für Eriks Vorhaben ist. Was Erik und sein Team im „Macha Macha“ ausprobieren und lernen, möchten sie in vielen weiteren Filialen anwenden. So soll der grüne Tee „zu den Menschen kommen“. Allerdings behutsam und ohne Druck, denn hier wird nichts übers Knie gebrochen. Erik sagt Sätze wie: „Wer es eilig hat, sollte noch langsamer gehen.“ Oder:

Ich arbeite mit dem Leben, nicht dagegen.

Erik Spickschen

Ein Leben für den Erfolg

Das Rüstzeug, etwas Großes auf die Beine zu stellen, hat er. Auch wenn man es ihm heute kaum glauben mag, sein früheres Leben lebte er für den Erfolg.

Erik war immer schon ein guter Geschäftsmann. Schon während seines BWL-Studiums betrieb er einen Delikatessenhandel, den er nach ein paar Jahren an einen Hamburger Feinkostimporteur verkaufte. Dann stieg er in die Personalberatung seines Mathe-Tutors ein, die er später gemeinsam mit einem Freund übernahm. Bald hatten die beiden die Idee, eine Art Google für Stellenanzeigen aufzubauen. Der Weg war nicht leicht, aber Erik war gewillt, sein Glück zu erzwingen, und so ging 2005 nach zwei anstrengenden Jahren Kimeta an den Start, bis heute gehört sie zu den erfolgreichsten Meta-Suchmaschinen für Stellenanzeigen in Deutschland. Sie durchforstet verschiedene Jobbörsen und Unternehmensportale nach Jobangeboten.

Erik reflektiert: „Ich wollte vor allen Dingen wirtschaftlich erfolgreich sein und ich habe dafür viel geopfert. Mit viel zu langen Arbeitszeiten. Hab meine eigenen Kinder, als sie noch ganz klein waren, viel zu wenig gesehen.“ 2007 erlitt er nach einem Bandscheibenvorfall einen Nervenzusammenbruch. War eine Zeit lang arbeitsunfähig. Die vielen Überstunden, der Hausbau, die Familie – alles wurde ihm zu viel.

Langsamer Richtungswechsel

Im Januar 2011 kam die endgültige Erkenntnis, dass er einen neuen Weg einschlagen muss. „Mir wurde klar, dass ich keine Leidenschaft mehr hatte.“ Erik erkannte, was seine wahre Passion ist: das Unbekannte ergründen und neue Projekte anschieben. Und nicht das systematische Management. Sein Partner bei Kimeta reagierte ungläubig. Nach Jahren der harten Arbeit wollte er hinschmeißen? Jetzt, wo sie endlich begannen, die Früchte zu ernten? Es wurde ein langsamer Ausstieg. Verbrannte Erde zu hinterlassen war noch nie Eriks Stil. Nach eineinhalb Jahren schließlich war sein Nachfolger eingearbeitet und Erik konnte guten Gewissens seine Kisten packen.

Eriks Idee: Die Welt muss grünen Tee lieben, damit er in Japan wiederentdeckt wird. | © iStock.com/nevarpp

Eriks Impuls für den Einstieg ins Teegeschäft

Die Businesswelt hinter sich lassend ging es gen Osten auf Weltreise. Japan war schon immer seine Leidenschaft gewesen. Während der Schulzeit hatte er sich in japanische Gärten verliebt.

Es war wie ein Atmen in ganz frischer Luft!

Erik Spickschen

Seine Begeisterung ging so weit, dass er regelmäßig von seiner Heimat Darmstadt nach Frankfurt fuhr, um dort japanisch zu lernen. Neben BWL hatte er auch Japanologie studiert.

Fast drei Monate verbrachte er nach dem beruflichen Schlussstrich in Japan und wanderte den 88-Tempel-Weg. Auf der Reise stellte er mit Schrecken fest, dass grüner Tee in Japan aus der Mode gekommen ist. Es war leichter, einen Kaffee zu bekommen als einen guten grünen Tee. Tee hat ein staubiges Image, gilt als Alteleutegetränk, und wenn junge Menschen ihn trinken, dann gesüßt aus der PET-Flasche.

Sofort stand die Idee: Die Welt muss grünen Tee lieben, damit er in Japan wiederentdeckt wird. Erik hatte eine neue Aufgabe und hat die letzten sechs Jahre genutzt, um zum Experten für grünen Tee zu werden. Vor seinem Aha-Moment in Japan hatte er zwar gerne Sencha getrunken, ein Tee-Fachmann war er aber nicht.

Zurück im „Macha Macha“

Das Gebäck für den Tag trifft ein: Knallgrüne Matcha-Kekse mit einer knusprigen Hülle und einem weichen Kern, Matcha-Torte, aber auch französische Windbeutel finden ihre Plätze auf Etageren und in Vitrinen. Allein für die süßen Leckereien lohnt sich ein Ausflug ins „Macha Macha“. Von den erlesenen Tees ganz zu schweigen. Der Umgang im Team ist fröhlich, fast ausgelassen. Der Patissier ist Japaner, die Tee-Expertin am Tresen kommt aus Berlin.

Allein für die süßen Leckereien lohnt sich ein Ausflug ins „Macha Macha“. I © Charlotte Bruch

Die Langsamkeit, die Entschleunigung, die Tatsache, dass grüner Tee auf Knopfdruck nicht zu machen sei, dass man sich Zeit nehmen muss, ihn zuzubereiten und zu trinken, das alles liebe Erik an dem Getränk. Hinzu komme die Jahrtausende alte Tradition und nicht zu vergessen die vielen positiven gesundheitlichen Aspekte.

Das erste kleine Geschäft

„Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt“, ist Erik überzeugt. Daher erschien es logisch, mit einer kleinen Teestube zu starten, der Vorgängerin des „Macha Macha“. Heute lacht er über seinen naiven ersten Wurf. „Die Gäste saßen an einer Bar und mussten sich zum Tee hin ausrichten. Man konnte die Köpfe nicht zueinander drehen. Das lud nicht zur Konversation ein und etwas anderes als japanische Tees gab’s auch nicht.“ Er grinst. „Das war schon ein sehr spitzes, sehr enges Konzept.“ Der Laden fand zwar sein Publikum, aber eben Menschen wie Erik, die anderswo schon zu Tee, japanischer Kultur oder Zen gefunden hatten. Die breite Masse blieb dem Laden fern.

Erik wird immer wieder unterbrochen, weil Mitarbeiter eintreffen, ihn freudig mit einer Verbeugung begrüßen oder seine Meinung einholen. Ein Rest der Pionierstimmung schwebt noch in der Luft, die den Laden bis zu seiner Eröffnung vor ein paar Wochen durchdrungen haben muss.

Das „Macha Macha” in Berlin: Bald soll es mehr Filialen geben. I © Charlotte Bruch

Das „Macha Macha“ – ein zweiter Neuanfang

Zu Jahresbeginn 2018 startete er noch mal neu: mit neuem Team und neuem Konzept. Das „Macha Macha“ lädt zum Verweilen ein. Es gibt eine Ecke, in der man traditionell auf dem Boden sitzen kann, ansonsten aber Tische und Stühle. Und es gibt auch andere Getränke als grünen Tee. So können Teetrinker und nicht Teetrinker auch zusammen herkommen. Aber natürlich ist das Macha Macha auch ein Fachgeschäft. Es ist immer jemand an der Bar, der beraten, den Tee richtig dosieren und bei perfekter Temperatur aufgießen kann. Das dürfen die Gäste auch selbst machen. Dafür gibt es kleine Thermoskannen, die mit dem Teeset an den Platz kommen. Und wer sich in eine Sorte verliebt, kann ein Päckchen kaufen. Kenner finden hier Sorten, die anderswo nicht leicht zu bekommen sind. Das Macha Macha überrascht nun Tee-Neulinge und Tee-Kenner gleichermaßen.

Bald soll es mehr Filialen geben. Deutschlandweit, irgendwann vielleicht europa- oder weltweit. Erik ist ein Gründer, ein Anschieber, ein Macher, aber einer, der gelernt hat „nein zu sagen“ und den Erfolg nicht erzwingen wird. Wenn er kommt, dann kommt er. Und nicht nur auf eine Tasse grünen Tee und einen Matcha-Keks bleiben.

Das „Macha Macha” findest du bisher nur in der Hauptstadt: Hasenheide 16, 10967 Berlin.

© Charlotte Bruch

Über #BeatYesterday-Autorin Charlotte Bruch


Eigentlich arbeitet Charlotte beim Fernsehen, ist aber eine große Anhängerin der aktiven Freizeitgestaltung und freut sich, dass sie bei #BeatYesterday ihre Erfahrungen beim Ausprobieren neuer Sportarten teilen kann. Essen ist aber wahrscheinlich ihre größte Leidenschaft. Sie kann ganze Sonntage in der Küche stehen und experimentieren. Wenn etwas Leckeres und Gesundes rauskommt, erzählt sie dir hier, wie es geht.

Veröffent­lichungsdatum: 12.02.2019
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