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Eine Nahrungsunverträglichkeit kann einem dem Spaß am Essen verderben. | © iStock/SIphotography

Nah­rungs­mittel­unver­träglich­keiten: wenn Essen krank macht

Essen sollte Genuss sein. Doch nicht jeder verträgt alle Lebensmittel. Was du über Laktoseintoleranz & Co. wissen musst.

Manch einer reagiert auf Laktose, Gluten, Fruktose oder Histamin mit unangenehmen Beschwerden wie Bauchkrämpfen oder Durchfällen. Schuld daran ist meist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Allgemein

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist keine Nahrungsmittelallergie. Eine Allergie ist eine Fehlreaktion des Immunsystems.  Dieses sieht bestimmte Bestandteile von Lebensmitteln als gefährlich an und bildet Antikörper gegen sie, was eine allergische Reaktion hervorruft. Bei einer Unverträglichkeit handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, bei der der Körper nicht in der Lage ist, bestimmte Stoffe zu verdauen und zu verwerten. Die Symptome betreffen überwiegend den Magen-Darm-Trakt.

Viele Deutsche verzichten auf Gluten und Laktose ohne ärztliche Diagnose. | © iStock/AndreyPopov

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: viele Selbstdiagnosen

Die Zahlen dazu, wie viele Deutsche unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden, variieren. Auch deshalb, weil viele sich selbst diagnostizieren und nicht zum Arzt gehen. In den Supermärkten findest du immer mehr Speziallebensmittel, die frei von Laktose oder Gluten sind. Gut für die, die tatsächlich an einer Unverträglichkeit leiden und auf Ersatzprodukte angewiesen sind. Doch oft besteht bei Käufern keinerlei medizinische Notwendigkeit, diese Produkte zu kaufen, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Eine Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergab etwa, dass rund 80 Prozent der Käufer von laktosefreien Lebensmitteln gar keine nachgewiesene Laktoseintoleranz haben.

Allgemein

Spezielle Lebensmittel ohne Laktose oder Gluten sind sinnvoll für alle, die an einer Unverträglichkeit leiden. Wer das nicht tut, muss die Produkte auch nicht kaufen, denn sie sind nicht gesünder, als das „Original“, oft aber deutlich teurer. Wenn du eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vermutest, gehe auf jeden Fall zum Arzt, bevor du – unter Umständen ganz unnötigerweise – auf bestimmte Lebensmittel verzichtest.

Die bekanntesten Lebensmittelunverträglichkeiten im Überblick

Laktoseintoleranz sorgt für Magen- und Darmbeschwerden. | © iStock/spukkato

Laktoseintoleranz

Ein Enzymmangel ist schuld daran, wenn du keine oder nur wenig Laktose (Milchzucker) verträgst. Normalerweise spaltet das Enzym Laktase den über Lebensmittel aufgenommenen Milchzucker im Darm auf – die Bestandteile Glukose und Galaktose werden dann als Energielieferanten verwertet. Wird Laktase aber in zu kleinen Mengen produziert oder wirkt das Enzym nicht richtig, wird zu wenig Milchzucker abgebaut. Dieser gelangt dann unverdaut in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien vergoren. Und genau das führt zu den typischen Beschwerden einer Laktoseintoleranz wie Blähungen und Durchfall. Eine Laktoseintoleranz kann genetisch bedingt sein („primäre Laktoseintoleranz“) oder seltener auch in Folge von Krankheiten oder Operationen am Magen-Darm-Trakt entstehen („sekundäre Laktoseintoleranz“).

Problematische Lebensmittel: Lebensmittel, die von Natur aus Milchzucker enthalten – also Milch und daraus hergestellte Milchprodukte wie Quark, Joghurt und einige Käsesorten, aber auch Süßigkeiten wie Schokolade oder Fertiggerichte, denen Milchzucker zugesetzt ist.

Typische Beschwerden: Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall, Übelkeit

Diagnose: durch Atemtest beim Arzt

Therapie: Reduzierung, seltener kompletter Verzicht auf laktosehaltige Lebensmittel. Die Einnahme von Laktasetabletten vor dem Genuss von Lebensmitteln, die Milchzucker enthalten, kann die Beschwerden ausbremsen.

Gut zu wissen: Viele Betroffene vertragen eine gewisse Menge an Laktose, da eine Restaktivität der Laktase meist noch vorhanden ist. Du musst also eventuell gar nicht komplett auf laktosehaltige Produkte verzichten. Mal ein Joghurt oder eine Scheibe Käse wird – je nach Schweregrad – häufig durchaus beschwerdefrei vertragen. Ein Arzt oder Ernährungsberater helfen dir, deine individuelle Toleranzgrenze auszuloten. Gut zu wissen: Lange gereifter Käse ist praktisch milchzuckerfrei und wird in der Regel gut vertragen. Als Kuhmilchalternativen eignen sich Pflanzendrinks wie Mandel- oder Sojamilch.

Bei der Glutenunverträglichkeit handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. | © iStock/Edalin

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Die Zöliakie ist ein Sonderfall, denn sie ist keine richtige Allergie, aber auch keine klassische Intoleranz. Die Zöliakie ist eine Autoimmunkrankheit, eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Betroffene reagieren auf das Klebereiweiß Gluten, das in Getreide vorkommt. Normalerweise wird Nahrung im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt, Nährstoffe werden dann ins Blut transportiert. Daran beteiligt sind Falten im Darm, die sogenannten Darmzotten. Bei einer Zöliakie löst die Zufuhr von Gluten eine Entzündung in der Darmschleimhaut aus, in deren Folge sich diese Zotten zurückbilden. Die Folge: Typische Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall und langfristig häufig Nährstoffmängel.

Problematische Lebensmittel: Glutenhaltiges Getreide wie Weizen (auch alte Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut ), Dinkel, Roggen, Gerste, Grünkern, handelsüblicher Hafer und aus glutenhaltigem Getreide hergestellte Produkte, auch Panaden und unter Umständen Cornflakes, Nudeln aus Weizen, das asiatische Paniermehl Panko. Tipp: Eine vollständige Übersicht findest du auf der Seite der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V.

Typische Beschwerden: Z.B. Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Magenschmerzen, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nährstoffmängel

Diagnose: Bluttests in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie

Therapie: Gegen Zöliakie gibt es keine Medikamente. Wenn du unter Zöliakie leidest, musst du konsequent und für immer auf glutenhaltige Produkte verzichten. Selbst Lebensmittel, die nur kleinste Spuren Gluten enthalten, sind tabu.

Gut zu wissen: Quinoa, Amaranth und Buchweizen gehören zum sogenannten Pseudogetreide (Scheingetreide) und sind glutenfrei. Auch Hirse und Reis enthalten kein Klebereiweiß. Als Mehlalternative eignen sich zum Beispiel Kastanienmehl, Hülsenfrüchtemehle, Traubenkernmehl, Hanfmehl, Lupinenmehl oder Nussmehle.

Neben der Zöliakie gibt es noch die Weizenallergie (löst u.a. Hautreaktionen aus und wird über eine Antikörperbestimmung im Blut und einen Pricktest festgestellt) und die Weizensensitivität, die ebenfalls zu Bauchschmerzen oder Durchfällen führen kann, bei der aber wahrscheinlich nicht das Gluten der Auslöser ist. Die gründliche Diagnose beim Arzt ist deshalb entscheidend, damit die richtige Therapie gefunden wird.

Bei einer Frucktzuckerunverträglichkeit veträgt man nur kleine Mengen Fructose. | © iStock/Olha_Afanasieva

Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktose-Malabsorption)

Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit ist die Aufnahme von Fruchtzucker (Fruktose) aus dem Darm ins Blut gestört. Betroffene vertragen nur kleine Mengen Fruchtzucker. Normalerweise schleust GLUT-5, ein Transportprotein, Fruchtzucker aus dem Dünndarm ins Blut. Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit produziert der Körper jedoch zu wenig GLUT-5. In der Folge gelangt Fruktose in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien verstoffwechselt und löst Beschwerden wie Krämpfe und Durchfall aus.

Problematische Lebensmittel: Z.B. Obst (besonders Weintrauben, Datteln, Rosinen), Säfte, Softdrinks, Honig, Süßigkeiten, viele Light-Produkte, Fertiggerichte und Fertigsaucen

Typische Beschwerden: Blähbauch, Blähungen, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Durchfall

Diagnose: Atemtest beim Arzt

Therapie: Ein kompletter Verzicht auf Fruchtzucker ist meistens nicht nötig. Im Rahmen einer Ernährungsberatung wird getestet, wie viel du individuell verträgst. Dafür musst du meist zunächst komplett auf Fruktose verzichten, darauf folgt eine Testphase, bei der nach und nach Lebensmittel ausgeschlossen bzw. als Ursache für die Beschwerden identifiziert werden. Einzig bei der sehr seltenen, angeborenen hereditären Fruktoseintoleranz (wird über einen Bluttest festgestellt) muss konsequent und ein Leben lang komplett auf Fruchtzucker verzichtet werden.

Gut zu wissen: Beeren, Papaya und auch Aprikosen enthalten relativ wenig Fruchtzucker und werden oft gut vertragen. Glukose (Traubenzucker) erleichtert zudem die Fruktoseaufnahme im Darm.

Es gibt bisher noch keinen 100 Prozent zuverlässigen Test um eine Histaminintoleranz nachzuweisen. | © iStock/Lisovskaya

Histaminintoleranz

Histamin ist ein natürlicher Stoff, der vom Körper selbst produziert wird, aber auch in vielen Lebensmitteln steckt und unter anderem an der Verdauung, der Immunabwehr und am Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist. Bei manchen ist der Abbau von Histamin, wahrscheinlich durch einen Enzymdefekt, gestört – ein Histaminüberschuss im Körper kann dann zu Bauchschmerzen und Durchfällen, aber auch vielen anderen Symptomen wie Herzrasen oder Kopfschmerzen führen. Oft leiden Betroffene zusätzlich unter einer Laktoseintoleranz oder Fruktoseunverträglichkeit.

Problematische Lebensmittel: Geräucherte, getrocknete und eingesalzene Fleisch- und Wurstwaren, fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut, Rotwein und lange gereifter Käse enthalten relativ viel Histamin. Daneben gibt es Lebensmittel, sogenannte Liberatoren, die die Freisetzung von Histamin im Körper fördern. Dazu gehören z.B. Tomaten, Erdbeeren, Zitrusfrüchte und Schokolade.

Typische Beschwerden: Kopfschmerzen, Migräne, Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschläge, Nesselsucht

Diagnose: Es gibt wenig wissenschaftliche Daten, eine eindeutige Diagnose ist schwer, da es bislang keinen 100 Prozent treffsicheren Test gibt. Der Arzt nähert sich meist, indem andere Krankheiten ausgeschlossen werden.

Therapie: Verzicht auf stark histaminhaltige Lebensmittel. Die Verträglichkeit anderer Lebensmittel ist individuell sehr verschieden, mithilfe einer Ernährungsberatung findest du deinen für dich passenden Speiseplan.

Gut zu wissen: In Sachen Histaminunverträglichkeit muss noch viel geforscht werden. Oft vergeht sie wieder oder entsteht in bestimmten Lebensphasen. Besonders häufig betroffen scheinen etwa Frauen mittleren Alters.

Nicole Benke
© Martin Szymanski

Über Nicole Benke


Nicole Benke (37) liebt gutes Essen – am liebsten selbst gekocht aus frischen Produkten der Saison. Von Crash-Diäten hält die Food-Journalistin gar nichts. Sie findet: Eine gesunde Ernährung soll Spaß machen, darf nicht verkrampft sein und muss auch mal Raum für Genuss bieten. Denn strikte Verbote machen nur schlechte Laune. Und wer kann die schon gebrauchen?

Veröffent­lichungsdatum: 03.05.2018
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