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Die Kraft der Bitterstoffe

Bitter macht vielleicht nicht lustig, aber gesünder. Bitterstoffe kurbeln die Verdauung an, helfen Nährstoffe besser aufzunehmen und unterstützen beim Abnehmen.

Schon im Mittelalter spielten Bitterstoffe eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden. Denn: Sie steigern nachweislich die Magensaftsekretion und die Produktion der Gallenflüssigkeit und kurbeln die Verdauung an. Darüber hinaus stimulieren sie die Leber, die effektiver arbeiten kann, wirken Blähungen und Verstopfung entgegen und sind auch bei einer Darmsanierung oder Antipilztherapie gute Helfer. Da sie die Schleimhäute unterstützen und elastisch halten, können wir zudem noch Nährstoffe und Vitamine besser aufnehmen.

Gut zu wissen:
Ihre Wirkung tritt bereits ein, wenn unsere Zunge den Geschmack aufnimmt. Denn die gesamte Oberfläche des Organs ist mit Bittersensoren ausgestattet, sie haben eine Warnfunktion auch bei Vergiftungen.

Auch, wenn du Heißhunger auf Süßes verspürst, können Bitterstoffe helfen: Der Appetit auf Süßes verliert sich, wenn du etwas Bitteres isst. Mit dieser doppelten Wirkung helfen Bitterstoffe auch beim Abnehmen.

Gemüse enthält heute weniger Bitterstoffe als früher

Doch die bittere Wahrheit ist: Wir essen heute meist zu wenig davon, haben uns nach und nach geschmacklich umerzogen und die Bitterstoffe aus den Lebensmitteln verbannt. Aus den meisten Gemüsesorten sind sie regelrecht weggezüchtet worden, damit diese milder und angenehmer schmecken. Damit haben wir uns das Geschmacksempfinden für bittere Lebensmittel abtrainiert, die Reizschwelle für Bitterstoffe ist heute bei vielen Menschen sehr hoch.

Wir können uns wieder an den Geschmack gewöhnen

Die gute Nachricht: Unser Bitterempfinden kann trainiert werden. Da die Wirkung der Bitterstoffe beginnt, wenn unsere Rezeptoren sie wahrnehmen, sollten wir uns nach und nach wieder an den Geschmack gewöhnen. Bittere Lebensmittel geschmacklich abzumildern kann langfristig nicht die Lösung sein. Menschen, die sehr empfindlich sind, können anfangen, leicht bittere Lebensmittel in ihren Alltag zu integrieren – wie etwa Spargel, Oliven, Olivenöl, Sprossen.

 

Bei diesen drei Lebensmitteln solltest du unbedingt zugreifen:

Artischocken

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Sie sehen mit ihrer bläulichen Farbe und den Knospen nicht nur elegant aus, sondern schmecken auch richtig gut: feinherb, leicht bitter und nussig. Dazu sind sie gesund: Die Bitterstoffe (wie Cynarin) und Flavonoide regen den Stoffwechsel an, stärken die Leber, können die Cholesterinwerte senken und gegen Übelkeit wirken. Dazu punktet die Artischocke mit viel Kalium, Magnesium, Eisen und mehreren Vitaminen (wie etwa Vitamin C, B1, Provitamin A).

Zubereitung:
Artischocken können roh gegessen werden, ihren typischen Geschmack entwickeln sie aber beim Garen in Salzwasser (wichtig: immer Zitrone mit dazu geben, da sie sich sonst verfärben). Vorher die ganze Artischocke abspülen, den Stiel abbrechen (etwa über einer Tischkante) und die äußeren Blätter und die Spitze abschneiden.

Grünkohl

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Der Krauskopf trumpft mit einem Nährstoffmix auf, der unser Immunsystem stärkt und die Zellen schützt. Mit einem Vitamin-C-Gehalt von 105 Milligramm pro 100 Gramm schlägt Grünkohl ganz locker Zitronen (53 mg / 100 g) oder Orangen (50 mg /100 g). Er enthält außerdem viele verdauungsfördernde und sättigende Ballaststoffe, sowie Kalium, Calcium, Magnesium und vieles mehr.

Gut zu wissen:
Je länger der Grünkohl auf dem Feld stehen geblieben ist, desto milder ist er. Die Kälte wandelt in den Blättern einen Teil der Stärke in Zucker um, der Kohl wird dadurch bekömmlicher, sein Aroma nimmt zu.

Zubereitung:
Heute genießt man ihn roh im Salat, knabbert ihn abends als Chips oder mixt ihn zu kerngesunden Smoothies – Grünkohl ist vielseitig zuzubereiten, sollte aber vorher gehackt oder püriert werden. So kann unser Körper alle Inhaltsstoffe optimal aufnehmen. Vorsicht nur beim Kochen: Wenn Grünkohl zu lange und zu heiß gart, gehen wichtige Nährstoffe verloren.

Löwenzahn

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Er wurde bereits in der Antike als Magenmittel eingesetzt. Löwenzahn enthält reichlich Bitter- und Gerbstoffe, jede Menge Vitamine (wie A, C, E) und wichtige Mineralstoffe (wie Calcium, Magnesium, Eisen, Kalium) und liefert darüber hinaus viele Proteine, was ihn auch für Vegetarier und Veganer interessant macht. Mit seinem Wirkstoffmix regt er die Leber an, stärkt die Gallenfunktion und hat eine antibakterielle Wirkung. Außerdem ist er harntreibend und entwässernd.

Zubereitung:
Löwenzahnblätter können Salaten, Suppen, Säften oder grünen Smoothies einen besonderen Geschmacks- und Vitalkick geben. Ab Frühjahr kannst du sie wieder selbst am Wegesrand pflücken – aber etwas Abstand von den Straßen halten.

Diese Lebensmittel haben ebenfalls viele Bitterstoffe:
Bitterorange, Grapefruit, Endiviensalat, Kresse, Meerrettich, Steckrübe, Radiccho, Chicoree, Rosenkohl – und Schokolade.

Ja, richtig gelesen – allerdings ist hier die Rede von dunkler Bitterschokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 70 Prozent. Die Kakaobohne trumpft mit sekundären Pflanzenstoffen auf, die den Blutdruck senken können, gut fürs Herz sein sollen und Glückshormone freisetzen können. Ich finde: Das kann uns doch die leicht bittere Note richtig versüßen, oder?

Bruntje Thielke

Über Bruntje Thielke


Job und Familie halten die Hamburger Journalistin Bruntje Thielke (44, verheiratet, ein Sohn) ordentlich auf Trab. Was früher nur Bauchgefühl war, spiegelt sich in Zahlen wider, seit die Food-Expertin eine Fitness-Uhr trägt. An den meisten Tagen zeigt das Gerät weit mehr als die empfohlenen 10.000 Schritte an, die wir pro Tag zurücklegen sollten.

Veröffent­lichungsdatum: 07.11.2017
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