Männer und Frauen ticken bekanntlich grundverschieden. Sie achtet gewissenhaft auf ihre Gesundheit, er geht nie zum Arzt. Er schweigt abends auf dem Sofa, sie erzählt detailliert von ihrem Alltag. Sie will gemeinsam kochen, er lieber allein vor seinem Computer hocken. Soweit die gängigen Vorurteile über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Und sogar nachts, wenn vermeintlich alle Katzen grau sind, gibt es sie: Denn Frauen schlafen ganz anders als Männer – und am besten allein.
Und das ist noch nicht einmal ein Vorurteil, sondern von Verhaltensforschern der Universität Wien in einer Studie belegt. Demnach schlafen Frauen ohne ihren Partner an ihrer Seite deutlich besser. Bei Männern ist es genau umgekehrt. Ihr Schlaf ist ruhiger und tiefer, wenn sie die Nacht neben ihrer Liebsten verbringen. Sie wachen nicht so oft auf und sind morgens spürbar erholter als nach einem Solo-Schlaf. Die Frau dagegen reagiert empfindlich auf jede Bewegung des Mannes, ihre innere Uhr ist wesentlich störanfälliger.
Frauen leiden öfter unter Schlafstörungen
Heißt das, dass Frauen die kuschelige Romantik unter den Laken am nächsten Morgen mit Augenringen, zerknittertem Gesicht und großer Müdigkeit bezahlen? Oder anders gefragt: Ramponieren Männer das gute Aussehen ihrer Partnerinnen ausgerechnet dort, wo sie die schönsten Momente mit ihnen verbringen – im Bett?
Zumindest der Zusammenhang von Schlafmangel und Falten ist unbestreitbar. Auch bekannt ist: Wer zu wenig schläft, ist schneller gereizt, nimmt leichter zu, ist unkonzentrierter und anfälliger für Krankheiten. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Es ist wissenschaftlich erwiesen durch eine Studie der Uni Leipzig mit 10.000 Probanden, dass 42 Prozent der befragten Frauen über Schlafstörungen klagten – aber nur 29 Prozent der Männer.

Frauen sind auch im Schlaf auf die Familie fixiert
Experten erklären das unterschiedliche Schlafverhalten mit der Evolution, schließlich ist die Nachtruhe im Doppelbett eine relativ moderne Erfindung. Früher dagegen schlief der Mensch im Rudel – und das gibt dem Mann bis heute offenbar das beruhigende Gefühl von Geborgenheit. Die mit Speeren und Keulen bewaffnete Gruppe bot den frühzeitlichen Jägern schließlich Schutz vor Raubtieren und Feinden. Frauen dagegen waren schon in der Steinzeit auch im Schlaf auf ihre Familie und insbesondere die Kinder fixiert. Soll heißen: Der Mann an ihrer Seite kann ähnliche Reflexe auslösen wie ein Säugling. Also Leichtschlaf, Alarmbereitschaft und schnelles Aufwachen.
Jeder dritte Mann schnarcht
Erschwerend kommt dazu, dass Männer zum Schlafraub nicht nur die Steinzeit-Keule nutzen, sondern oft auch noch ein Folter-Repertoire, das mit harmlosem Kissenklau beginnt und über Eiskalt-Luft aus aufgerissenen Fenstern bis hin zu markerschütterndem Schnarchen reicht. Immerhin 30 Prozent aller Männer schnarchen. Zwei der Gründe: Alkohol und Übergewicht.
Auch nächtliche Tritt-Attacken oder Spontan-Umarmungen sind eher typisch für das „starke“ Geschlecht – laut Schlafforschern träumen Männer eher von Sex und Waffen, Frauen von Gefühlen.
Frauen können schlechter abschalten
Das passt zu einer weiteren Erkenntnis von Schlaf-Experten: Männer können besser Verdrängen. Pflichtgefühl? Wird nachts mit dem Licht ausgeschaltet. Frauen dagegen fühlen sich meist stärker für das soziale Gefüge verantwortlich. Ihnen gelingt es abends schlechter, Sorgen und Probleme abzuschütteln.
Sex wirkt sich positiv auf die Nachtruhe aus
Und die Moral der Schlechte-Nacht-Geschichte? Lieber getrennte Zimmer statt Doppelbett? Das muss jedes Paar selbst entscheiden. Schließlich ist für viele das gemeinsame Schlafen ein wichtiger Bestandteil ihrer Beziehung. Durch die Nähe und Wärme im Bett entsteht eine einzigartige Geborgenheit und Intimität.
Im Zweifel hilft auch hier eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis. Denn eins haben beide Geschlechter nachts gemein: Die Studie der Universität Wien zeigt – Sex wirkt sich bei Männern und Frauen gleichermaßen positiv auf den Schlaf aus. In diesem Sinne: Gute Nacht!
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