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Garmin Rally: Wie Daten Radfahrer:innen besser machen

Sogenannte Powermeter versorgen Radfahrer:innen mit wichtigen Leistungsstatistiken. Wie diese Pedalsysteme funktionieren und was sie können – Produkttesterin Nadin Eule-Mau beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Es wird Frühling am Rande Berlins. Ein Rasenmäher quäkt in einem Vorgarten, Primeln blühen am Straßenrand, die Sonne entlockt der Straße die ersten sommerlichen Asphaltgerüche. Sogar der Wind meint es – zur Abwechslung – gnädig. Für Nadin Eule-Mau perfekte Bedingungen. Rauf aufs Rad und los. Viele Stunden in der Woche trimmt sie ihren Körper auf dem Bike. Kilometer an Kilometer, mal Straße, mal Waldweg, am liebsten in Brandenburg. Die Heimat eben. „Auf dem Rad, da kann ich mich auspowern und gleichzeitig entspannen”, sagt Nadin. So wie heute an einem lauwarmen Tag im März.

Dieses Mal ist sie nicht allein auf dem Rennrad. Ihre Begleiter tritt sie buchstäblich mit Füßen. Es sind Garmin-Rally-Pedalen, mit denen sie los strampelt. „Mit diesen Wattmess-Geräten bekomme ich viele wichtige Informationen während und nach dem Training. Mit dem Rally-System kann ich viel fokussierter trainieren”, sagt Nadin.

Als Bloggerin und Produkttesterin setzt sich die 41-Jährige auf ihrer Website „Eiswürfel im Schuh“ regelmäßig mit technischen Innovationen auseinander. Sie inspiziert die Alltags- und Trainingstauglichkeit von schnittigen Helmen, smarten Sportuhren oder – wie in diesem Fall – sogenannten Wattmess-Pedalsystemen. Wie diese funktionieren und was sie alles können, das weiß Nadin Eule-Mau.

Nadin Eule Mau auf ihrem Rad
Nadin Eule Mau spult jede Woche viele Trainingskilometer ab. © Oliver Eule

#BeatYesterday.org: Was ist der Rally und wie können Radfahrende das Gerät nutzen?

Nadin Eule-Mau: Der Rally ist ein Wattmess-Pedalsystem (Powermeter) von Garmin. Die hochfunktionale Technik ist in einer Pedale integriert und für verschiedene Kurbelsysteme verfügbar. Als Rally RS für SPD-SL (Shimano) und als Rally RK für Keo (Look).

Der Rally wird mit seinem Gewinde einfach in das Kurbelsystem des Fahrrads geschraubt und ersetzt die herkömmlichen Pedale. So können die Sensoren viele Werte wie die Balance des Trittes, die Wattzahl oder
Powerphasen messen.

Besonders wichtig: Das sogenannte Plug-and-Play-System ermöglicht es, dass Radfahrende das Powermeter rasch abschrauben und auf einen anderen Fahrradtypen montieren können. In den meisten Fällen sind die Pedalen im Handumdrehen auf ein neues Rad übertragbar. Sogar ein Wechsel von einem Rennrad- auf ein Mountainbike-Pedalsystem ist möglich. Der Rally von Garmin ermöglicht eine hohe Trainings- und Alltagsflexibilität.

Einseitig oder beidseitig?

Das Wattmess-Pedalsystem Rally können Radfahrende sowohl ein- wie auch beidseitig einsetzen. Für Einsteiger:innen, die ein Powermeter erstmals ausprobieren wollen, ist ein einseitiger Start auf nur einer Pedale zunächst eine günstigere Alternative. Das beidseitige Rally-System ist kostenintensiver und lohnt sich erst bei regen Gebrauch – bietet dafür aber noch mehr wichtige Daten.

Die neuen Garmin Rally am Rad von Nadin Eule Mau
Der Rally liefert den Sportler:innen viele wichtige Cycling Dynamics. © Oliver Eule

#BeatYesterday.org: Was können Radfahrer:innen mit dem Rally anstellen?

Nadin: Mit so einem Powermeter lässt sich das Training auf dem Rad deutlich optimieren. Der Rally feedbackt, wie effizient Radsportler:innen in die Pedale treten. Wo vergeuden sie Kraft, wie effektiv übertragen sie Energie auf die Pedalen, wo liegen Verbesserungspotenziale?

Der Rally beantwortet diese Fragen und bietet den Radfahrenden viele Einblicke in sogenannte Cycling Dynamics. Die vier wichtigsten sind:

Sitzende/stehende Position: Wie lange sitzen Radfahrende während einer Tour im Sattel, und wie häufig stehen sie in den Pedalen? Das verrät der Rally. Auch erfahren die Sportler:innen, in welcher Position sie am meisten Kraft auf die Pedalen übertragen können. So finden sie heraus, ob es sich beispielsweise lohnt, an Steigungen stehend in die Pedalen zu treten.

Power Phase (PP): Radfahrende sehen, in welcher Phase des Trittes und in welchem Winkel sie die meiste Energie auf die Pedalen bringen.

Platform Center Offset (PCO): Der PCO hilft zu erkennen, wie gut die Kraft auf die Pedalen übertragen und wo Effizienz eingebüßt wird. Analysieren Sportler:innen diese Werte richtig, können sie ihre Fußposition anpassen und mehr Leistung aus der Anstrengung herausholen.

Balance rechts/links: Zeigt unter anderem an, mit welchem Bein Rahdfahrer:innen mehr Kraft auf die Pedale bekommen und wie stark die Leistungsunterschiede zwischen der linken und rechten Seite sind.

#BeatYesterday.org: Wie können Athlet:innen ihr Radtraining mit dem Rally steuern?

Nadin: In Brandenburg ist es fast immer windig. Und auch wenn es keine richtigen Berge gibt, wellt sich die Straße mancherorts durchs hügelige Land. Je nach Streckenwahl oder Windbedingungen unterscheidet sich der Anspruch einer Trainingsschleife. Da ich auch nach Lust und Laune meine Routen wähle, kann ich anhand von Werten wie der Distanz, Dauer oder Geschwindigkeit nicht immer meine erbrachte Leistung adäquat auswerten. Habe ich Rückenwind, bin ich schneller, ohne dass ich mehr Watt getreten habe. Habe ich Gegenwind, bin ich langsamer, habe aber vielleicht mehr Energie investieren können. Die Wattmessung meiner Rally-Pedalen hilft mir, mein Training richtig zu gestalten und einzuschätzen. Ich nehme mir vor, Wattbereiche zu treten, und wie schnell ich am Ende dann bin, ist beinahe nebensächlich. Anhand der Wattwerte und meiner physiologischen Daten bewerte ich meine Trainingsleistungen sehr rational.

Mit den Cycling-Dynamics-Daten kann ich auch ohne professionellen Coach meine Technik optimieren. Ich sehe, wo ich Energie verschwende und wie ich runder treten kann. So beuge ich langfristig Verletzungen vor, weil ich meine Kraft besser dosiere. Ich kann die Überlastung eines Beines vermeiden und gegebenenfalls meine Sitzposition anpassen. Mit dem Rally können Radfahrende ihr Fahrradtraining und ihr technisches Können zügig auf ein anderes Level hieven.

Warum Watt?

Wer einmal auf dem Ruder- oder Fahrradergometer geschwitzt hat, ist bereits mit Wattzahlen vertraut. Denn neben Geschwindigkeit und Distanz wird üblicherweise die Wattzahl eingeblendet. Die Leistungseinheit Watt zeigt Sportler:innen an, wie viel Energie sie in einer Zeitspanne auf ein Sportgerät übertragen konnten.

Welche Vorteile hat das Watt-Training?

  1. Während eines Wettkampfes wird die Herzfrequenz durch die empfundene Aufregung und die damit verbundene Ausschüttung von Adrenalin verfälscht. Die Herzfrequenz eignet sich daher nicht immer, um das aktuelle Leistungsniveau korrekt einzuschätzen. Wattzahlen geben die Performance deutlich verlässlicher wieder.
  2. Beeinflussen äußere Faktoren wie das Terrain und die Windverhältnisse die Trainingsergebnisse. Wer über eine hügelige Strecke fährt und mit Gegenwind kämpft, muss mehr Watt treten, um genauso schnell voranzukommen wie bei Windstille und auf ebener Fahrbahn. Watt-Werte liefern also präzisere Trainingsfeedbacks als die Durchschnittsgeschwindigkeit oder die zurückgelegte Distanz.
  3. Radfahrer:innen können mit einer Watt-Messung ihr Leistungsniveau erfahren und sich in anstrengenden Rennsituationen an diesen Werten orientieren. So beugt das Watt-Training Verletzungen vor, da Radfahrende eine nahende Muskelüberlastung früher erkennen.

 

#BeatYesterday.org: Welche Zusatzgeräte sind für Radsportler:innen empfehlenswert?

Nadin: Die Fahrradcomputer aus der Edge-Serie und beispielsweise die Forerunner-Smartwatches von Garmin ergänzen das Powermeter ideal. Denn der Rally integriert sich kompatibel in die bestehende Produktfamilie. Der Edge zeigt in Echtzeit die Daten auf dem Bildschirm an, die das Powermeter gerade misst. So erhalten Radfahrer:innen während des Trainings alle relevanten Livedaten (sogar grafisch) und können während der Belastung die Technik anpassen. Sie erkennen sofort, wie ein Wechsel der Fahrposition das eigene Fahrvermögen positiv oder negativ beeinflusst.

Auch der Forerunner kann die Daten auf seinem Display abbilden. Der Forerunner misst alle physiologischen Daten wie die Herzfrequenz und den VO2max-Wert präzise. Auch diese Werte kann der Edge in Echtzeit auf dem großen Display am Lenker anzeigen. So erhalten Fahrer:innen alle Informationen, die sie während des Trainings brauchen. In der App Garmin Connect sind die Statistiken nach den Einheiten übersichtlich aufbereitet und dauerhaft einsehbar. Übrigens: Der Rally harmoniert auch mit den Rollentrainern von Tacx.

#BeatYesterday.org: Für wen ist der Rally speziell geeignet?

Nadin: Grundsätzlich für alle Fahrer:innen, die ambitioniert mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die auf dem Bike ihre Fitness verbessern möchten oder an sportlichen Zielen arbeiten. Wer sich gerne mit Zahlen, Werten und Statistiken beschäftigt, kann sich in der Connect App komplett verlieren und Stunden mit der Auswertung der Trainingsfahrten verbringen. Ich habe einen guten Bekannten, der nicht wirklich sportlich ambitioniert ist, der aber trotzdem das gesamte Equipment besitzt und wertschätzt. Weil er daran Spaß hat, jede Tour in kleinsten Zahlen zu analysieren. Und weil er sich mit der Technik gut ausgerüstet fühlt.

Um es abzukürzen: Wer die Zeit auf dem Fahrrad liebt und das Gefährt sportlich nutzt, kann mit dem Powermeter Rally sehr viel Trainingsspaß dazugewinnen.

#BeatYesteray.org: Worauf sollten Radfahrer:innen beim Kauf eines Powermeters achten?

Nadin: Grundsätzlich sollten alle Radsportliebhaber:innen darauf achten, wie und wann sie so ein Gerät einsetzen möchten. Wird lediglich ein Rad regelmäßig bewegt, können auch permanent verbaute Systeme ratsam sein. Trainieren Sportler:innen häufiger auf verschiedenen Bikes oder gar Fahrradtypen, sollten sie flexibel einsetzbare Geräte wählen. So können sie das Wattmess-Pedalsystem auf allen Rädern nutzen. Dafür bietet der Rally von Garmin alle Möglichkeiten.

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Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht, Baujahr 93, schrieb vor #BeatYesterday für zahlreiche Online- und Printmedien. Sein Highlight: Ein Date mit LeBron James. Beim Schreiben hält er es wie seine Oma: Kein Leser soll hungernd den Tisch verlassen müssen.

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