Lukas Kaufmann lebt das #BeatYesterday-Mantra von Garmin wie kaum ein anderer. Als manche ihn noch in der Schulzeit sportlich abschrieben, gab er sich selbst eine zweite Chance.
Mittlerweile ist der Österreicher einer der besten Ultraradfahrer der Welt, sowohl im Rennrad- als auch im Mountainbike-Bereich fährt er weit vorne mit. Im Interview berichtet er von zwei der härtesten Rennen seines Lebens. Einmal quer durch Amerika – und einmal gegen sich selbst.

Über Lukas Kaufmann
Der Radprofi, Jahrgang 1994, stammt aus einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Linz. Er fährt zumeist Mountainbike-Rennen, nimmt aber auch an Straßenrennen teil. Sein Credo: „Ich möchte Vorbild für diejenigen sein, die sich gerade zu ihrem persönlichen Ziel aufmachen.“
#BeatYesterday.org: Lukas, es sind ein paar Wochen seit dem wohl härtesten Abenteuer deines Lebens vergangen. Wie gehts dir damit?
Lukas Kaufmann: Joar, es wird besser. Die Finger sind noch etwas taub, die Zehen auch. Ich bin sehr müde. Immerhin sind die Wunden an meinem Gesäß verheilt. Das leidet während der mehr als 150 Stunden im Sattel besonders.
#BeatYesterday.org: Du deutest es an. Hinter dir liegt ein großes sportliches Abenteuer. Berichte den Leserinnen und Lesern davon.
Lukas: Ich war in den USA, bin dort ein bisschen Fahrrad gefahren. Von der Westküste an die Ostküste. 4.923 Kilometer, fast 40.000 Höhenmeter. Alles am Stück.
#BeatYesterday.org: Du sprichst vom Race Across America, dem härtesten Radrennen der Welt. Wie können sich das die Leserinnen und Leser vorstellen?
Lukas: Wichtig ist, dass das Rennen eigentlich schon zwei Wochen vor dem Start beginnt. Ich war bereits vor dem Rennen in Oceanside, Kalifornien, ein paar Tage in der Wüste. Ich musste mich an die heißen Temperaturen während des Rennens gewöhnen. Sonst steckt der Körper die Hitze im Wettkampf nicht weg. Und heiß war es wirklich in der Wüste. Mein Edge zeigte mir an einem Tag 46 Grad Celsius an – im Schatten. Der Rest ist einfach Fahrradfahren, so lange es geht, so wenig Schlaf wie möglich. Einmal quer durch die Vereinigten Staaten.
©www.alexzauner.com
#BeatYesterday.org: Wieso hast du dich in diesem Jahr das erste Mal dieser Tortur gestellt?
Lukas: Es war ein Traum von mir. Eigentlich würde ich mich eher als Mountainbiker beschreiben, fahre normalerweise Events wie die Salzkammergut-Trophy. Das RAAM, wie das Race Across America auch heißt, ist dagegen noch mal ein ganz anderes Level. Dem wollte ich mich stellen. Vielleicht hat das auch etwas mit meiner Vergangenheit zu tun.
#BeatYesterday.org: Was genau meinst du?
Lukas: In jungen Jahren war ich etwas dicker, um nicht zu sagen: sehr übergewichtig. Als ich damals mit dem Radl an Volksrennen teilgenommen habe, bin ich meist Letzter geworden. Außer es hat sich jemand verfahren, dann hatte ich Glück und wurde Vorletzter. Das ist kein Scherz: Ich könnte alte Ergebnislisten rauskramen.

#BeatYesterday.org: Das klingt absurd, wenn man dich anguckt. Heute bist du Profisportler und irre trainiert, fährst am Stück fast 5.000 Kilometer. Wie kam der Wandel?
Lukas: Das fing in den Sommerferien an, ich war damals 13 Jahre alt. Am zweiten Tag waren wir im Freibad, da gab es fiese Sprüche von anderen Jungs. Ich weiß gar nicht, ob das Wort Mobbing schon damals für mich existierte, aber das beschreibt es ganz gut. Durch diese Situation hat mich endgültig der Ehrgeiz gepackt. Ich habe so zwischen 15 und 20 Kilogramm in diesen Ferien verloren.
#BeatYesterday.org: Das erklärt noch nicht das „Wie“.
Lukas: Damals aus der Situation heraus sagte meine Mutter zu meinem Vater und mir, dass wir doch immer mal eine große Radtour machen wollten. Zum Opa nach Wien, von meinem Heimatort an die Donau und danach mehr als 150 Kilometer den Fluss entlang – das war so eine lose Idee. Nun wollte ich mehr Sport machen, und deshalb haben wir das tatsächlich spontan umgesetzt. Abends haben wir noch auf Karten geschaut, wie wir mit dem Radl am besten an die Donau kommen. Anschließend ging es am nächsten Morgen um fünf Uhr los. 16 Stunden später kamen wir beim Großvater an. Dieses Erlebnis hat sehr viel Kraft gekostet – und mich doch entscheidend motiviert. In den Wochen danach bin ich immer wieder ausgiebige Touren gefahren oder war mit meinem Vater in den Bergen wandern.
#BeatYesterday.org: Würdest du sagen, dass du ein Talent hattest?
Lukas: Talent? Ich weiß nicht. Was mir auffiel: In den Trainingscamps des Fahrradvereins hatten meine Kumpels, die besser fahren konnten, irgendwann keinen Bock mehr. Wenn die jammerten, dass es jetzt auch reichen würde, dass sie genug haben, fing für mich der Spaß erst an. Ähnlich war es beim Wandern. Je länger es ging, desto mehr Freude hats gebracht.
#BeatYesterday.org: Abnehmen – das schaffen viele zumindest kurzfristig. Das Problem: Irgendwann kommen die Kilos zurück. Wie im Daumenkino sieht man den Bauch wieder wachsen. Wie bist du dran geblieben?
Lukas: Ich habe schnell Erfolge gesehen. Bei dem Rennen, bei dem ich zuvor abgeschlagen Letzter wurde, fuhr ich plötzlich auf den dritten Platz. Ist auch kein Wunder, dass es leichter geht, wenn man seinen 20 Kilogramm schweren Rucksack ablegt. Außerdem hat mein Körper seine Ernährung umgestellt. Ich formuliere das absichtlich so. Es war, als ob sich der Körper durch den Sport von den ungesunden Sachen entwöhnte. Ich brauchte kein McDonalds mehr. Sogar die Leberkässemmel, die ich immer nach dem Besuch in der Kaufhalle verschlang, rührte ich nicht mehr an. Zur Wahrheit gehört auch: Ich habs damals mit dem Nichtsessen übertrieben. Wurde immer dünner. Sogar so dünn, dass meine Mutter Angst hatte, dass ich magersüchtig bin. Wir waren deswegen auch beim Arzt.
#BeatYesterday.org: Wie hast du dein Gewicht konsequent gehalten, den Bewegungsdrang beibehalten?
Lukas: Ich bin sportlich breit aufgestellt. Ich fahre gerne Rad, aber eben nicht nur. Wenn ich nach der Saison im Oktober erst mal keine Lust aufs Fahrradfahren habe, bewege ich mich in anderen Disziplinen. Im letzten Winter habe ich 100.000 Höhenmeter bei Skitouren zurückgelegt. Im Jahr davor war ich viel joggen. Diese Abwechslung ist wichtig für den Kopf. So bleibe ich motiviert und am Sport dran, wenn mich das Radfahren mal nicht reizt.
#BeatYesterday.org: Was ist dein Tipp für Menschen, die eine ähnliche Erfahrung machen wollen?
Lukas: Hört auf euren Körper. Wenn ihr richtig hart Sport gemacht habt, total durchgeschwitzt seid, nur etwas trinken wollt, dann denkt ihr wahrscheinlich als allererstes an Wasser und nicht an Cola. Auf diesen Impuls sollten wir Menschen viel stärker hören. Der Körper weiß oft am besten, was er braucht.
#BeatYesterday.org: Lass uns nun über das Race Across America sprechen. Dieser irren Tour von der West- an die Ostküste. Leidest du gerne?
Lukas: Ich würde das Leiden nicht als spaßig bezeichnen. Aber ich fahre nun mal gerne lange Rennen, und ich weiß, dass das nicht immer lustig ist. Das Leiden ist also in Ordnung. Ich bin mir ja bewusst, dass das Training wunderschön ist – und die Zeit nach dem Wettkampf auch.



#BeatYesterday.org: Wie lange warst du in den USA während des offiziellen Rennens unterwegs?
Lukas: 8 Tage. 23 Stunden und 12 Minuten. Bis auf 17 Stunden saß ich die ganze Zeit auf dem Rad. Geschlafen habe ich laut meinen Daten in Garmin Connect nur 10 Stunden und 15 Minuten. Manchmal auf einer Luftmatratze neben der Strecke. Oder im Begleitfahrzeug im Kofferraum.
#BeatYesterday.org: Wie hält man das durch?
Lukas: Es ist witzig, wie sich der Körper an eine Belastung gewöhnt. So empfand ich die ersten drei Nächte, in denen ich noch halbwegs ausgeschlafen war, richtig schlimm. Auch tagsüber war es zäh. Ich war teilweise so fertig, dass ich Straßenabzweigungen sah, die gar nicht existierten. Die Erschöpfung führte zu der einen oder anderen Fata Morgana. Die letzten drei Nächte waren dagegen fast ein Klacks. Der Körper zog jetzt mit.
©www.alexzauner.com
#BeatYesterday.org: Gab es trotzdem den Moment, wo du dachtest: Das packe ich nicht? So ein Wendepunkt, der über das Ankommen entscheidet?
Lukas: Das war bei der Hälfte. 2.500 Kilometer hatte ich zu diesem Zeitpunkt in den Beinen. In der folgenden Nacht verlor ich plötzlich all meine Energie. Ich habe keine Kraft auf die Pedale bekommen. Mein Rally von Garmin, das die Wattzahl misst, die ich trete, lieferte dem Radcomputer immer schlechtere Werte. Ich verzweifelte auf dem Rad! Mein Kopf war voll da, aber der Körper gehorchte ihm nicht mehr. Bei den Füßen kam keine Kraft an. Ich dachte: Wenn ich hier weiter so über die Straße krieche, schaffe ich das Zeitlimit nicht.
#BeatYesterday.org: Wie hast du es geschafft?
Lukas: Ich habe mich erst mal für 45 Minuten hingelegt und geschlafen. Mein Team-Chef, der zigmal beim RAAM war und schon andere Fahrer betreute, hat mir zugesprochen. Er sagte, dass es den anderen auch so mies geht wie mir. „Die vor dir, die hinter dir – alle sind gleich fertig.“ Ich sollte warten, bis die Phase vorbei ist. Ich habe mit meiner Frau telefoniert, die mich dann auch sofort aufbaute. Locker bleiben, nicht verzweifeln. Und tatsächlich: Ich kam raus aus diesem Loch. Wahrscheinlich hing es mit der Übermüdung zusammen.

#BeatYesterday.org: Was nimmt man in so einer Lage fürs Leben mit?
Lukas: Dass es aus Wellen besteht. Es geht hoch, es geht runter. Und manche Tiefs sind eben sehr tief. Wer ein Problem anerkennt und dranbleibt, der kommt aber auch wieder ins nächste Hoch. Im Grunde gehts im Leben immer ums Dranbleiben.
#BeatYesterday.org: Was ist grundsätzlich das Schlimmste an dieser Belastung?
Lukas: Neben dem fehlenden Schlaf ist es die Ernährung. In den neun Tagen habe ich nur Flüssigkeit zu mir genommen. Und zwar Krankenhausnahrung für Menschen, die nicht richtig essen können. Normalerweise bekommt eine Patientin oder ein Patient zwei bis drei Flaschen am Tag. Da ist alles drin: Kohlenhydrate, Fett, Proteine und Vitamine. Ich hab mir am Tag 12 bis 13 Flaschen reingehauen. Immerhin gab es drei Geschmacksrichtungen. Irgendwann konnte ich das Zeug trotzdem nicht mehr sehen, musste es runterwürgen. Während des Events habe ich insgesamt 140 Liter Nahrung und Wasser getrunken. Oder umgerechnet 81.000 Kalorien.
#BeatYesterday.org: Was war deine erste Mahlzeit nach dem Rennen?
Lukas: Eine Pizza, die ich mir direkt in der Unterkunft bestellt habe. Speck, Zwiebeln, Mais, Paprika. Bin leider eingeschlafen, dann später neben dem Pizzakarton aufgewacht. Das war eine Wohltat. Wenngleich ich nach ein paar Bissen schon satt war. Der Magen wird eben kleiner, wenn man ihm länger als sieben Tage keine feste Nahrung zuführt.
#BeatYesterday.org: Wir sprachen über die Herausforderungen und den Wendepunkt des Rennens. Was war der beste Moment?
Lukas: Fünf Kilometer vor dem Ziel habe ich das Meer gesehen. Man muss wissen: Als es in Kalifornien losging, sind wir direkt am Pazifik gestartet. Nur 100 Meter Sandstrand trennten uns vom Meer. Ich hab mich damals umgedreht und mir gesagt: Ich will das Wasser wiedersehen. Nach 5.000 Kilometern war es kurz vor Atlantic City so weit! Ein episches Gefühl. Ich wusste: Jetzt hab ich es geschafft!

#BeatYesterday.org: Wie ging das Rennen für dich aus?
Lukas: Ich bin Zweiter geworden und kam nur fünf Stunden hinter dem Sieger ins Ziel. Was mir auch viel bedeutet hat: Ich war erst der 19. Fahrer, der diese Strecke in unter neun Tagen geschafft hat, und das bei all den Legenden, die hier mitgefahren sind. Das ist für mich als Mountainbiker ein Riesenerfolg – ich hätte aber natürlich lieber gewonnen.



#BeatYesterday.org: Vom übergewichtigen Schuljungen zum Zweitplatzierten beim Race Across America. Was für eine Reise! Wie geht sie für dich weiter?
Lukas: Momentan erhol ich mich, es ist, wie eingangs gesagt, immer noch zäh. Die Gedanken schwirren aber schon los. Quer durch Australien – kein Wettkampf, aber eine offizielle Strecke, die mich reizt. Vom Nordkap nach Gibraltar wäre auch ein Erlebnis, das ich mir vorstellen kann. Oder noch mal zum RAAM und dann aber gewinnen. Das Rennen hat mir jedenfalls gezeigt, was ich auf dem Rennrad schaffen kann.
Mach dein Fahrrad zum Multitalent
Egal ob Rennrad, Gravel oder Mountainbike. Den nächsten Triathlon, ein Abenteuer oder die Fahrt zur Arbeit. Wir haben Technologien auf die du dich verlassen kannst. Fahrradspezifische Routenführung, Abbiegehinweise, Sicherheitsfunktionen oder eine detailierte Trainingsanalyse – die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Welches ist dein nächstes Garmin-Gerät?
Diskutiere über diesen Artikel und schreibe den ersten Kommentar:
Jetzt mitdiskutierenDiskutiere über diesen Artikel