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Boxen gilt als eine der effektivsten Sportarten überhaupt. | © iStock.com/shevtsovy

Schlag dich fit: Boxen im Test

Starke Muskeln, mehr Konzentration, weniger Stress: Boxen gilt als supereffektives Workout. Autorin Nicole hat es ausprobiert.

„Zeit!“ brüllt der Trainer. Meine Arme brennen, mein Herz pocht, Schweiß läuft mir über die Stirn. An den Fenstern des schmucklosen Raumes im Hamburger Schanzenviertel sammelt sich Kondenswasser. Zeit. Endlich. Denn „Zeit“ heißt hier: Pause. Ich bin beim Boxtraining – und die kurzen Momente zwischen den einzelnen Übungen fühlen sich wie Urlaub an. „Ich könnte doch mal Boxen ausprobieren!“ hatte ich in der Redaktionskonferenz des #BeatYesterday-Magazins vielleicht etwas zu leichtfertig gesagt. Und nun stehe ich hier. Mit acht anderen Frauen, die das alles schon etwas länger zu machen scheinen. So sehen sie jedenfalls aus: hoch konzentriert, leichtfüßig, mit Mundschutz.

Boxen macht stark und wirkt gegen Stress

Boxen gilt als eine der effektivsten Sportarten überhaupt, die alle Muskelgruppen anspricht. Du trainierst Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit, und vor allem auch Konzentration und Koordination. Ein ganzheitliches Training, das dich stark macht, Selbstdisziplin und Selbstvertrauen fördert und noch dazu als echter Stresskiller wirken soll. Boxen ist also etwas für alle, die Kraft aufbauen möchten, Abnehmen und etwas für ihren Kopf tun wollen. Einsteigen kann jeder – die meisten Boxclubs bieten Anfängerkurse und auch spezielle Kurse für Frauen an, auch Workshops wie Managerboxen sind nicht selten. „Boxen leert den Kopf“, sagt der Trainer zu Beginn der Stunde zu mir. Ich bin skeptisch.

Boxen: Ein ganzheitliches Training, das dich stark macht, Selbstdisziplin und Selbstvertrauen fördert. | © iStock.com/wabeno

Frustrierend: Meine Füße führen ein Eigenleben

Das wohl größte Vorurteil gegenüber dem Boxsport ist, dass man sich „einfach prügelt“. Klar, aus dem Fernsehen kennen wir das: die blauen Augen und blutigen Nasen. Aber darum geht es hier nicht. Im Training wird vor allem die Technik geübt. Allein, am Sandsack, zu zweit in Partnerübungen. Wie man schlägt, wie man sich schützt, wie die Füße sich zu bewegen haben, wie die Hüfte ein- und wieder ausdrehen muss. Und das alles gleichzeitig. „Rechte Hand hoch! Die Schlaghand ist IMMER am Kinn! Stehe breiter! Schritt vor, Schritt zurück!“ Ich dachte, das permanente Hochhalten der Arme mit den schweren Handschuhen würde für mich das Anstrengendste hier werden. Von wegen. Es ist die Koordination von Armen und Beinen, von Schritten und Schlägen, die mich fertigmacht. Warum sieht das so leicht aus und ist so verdammt schwer? „Muss ich mein Gewicht dabei nach vorn oder nach…“ – „Keine Fragen! Üben!“, fährt mich der Trainer streng an.

Ich dachte, das permanente Hochhalten der Arme mit den schweren Handschuhen würde für mich das Anstrengendste hier werden. Von wegen. Es ist die Koordination von Armen und Beinen, von Schritten und Schlägen, die mich fertigmacht.

Nicole Benke, #BeatYesterday-Autorin

Die Dynamik im Raum ist super

Die anderen tänzeln. Ich hüpfe. „Du darfst nicht so springen“, sagt meine Trainingspartnerin, die mir verrät, dass sie auch noch nicht so lange dabei ist. Wir versuchen gerade, uns gegenseitig an Schulter oder Hüfte zu „ticken“, bewegen uns dabei durch den Raum. Es ist anstrengend, erfordert meine volle Konzentration. Und: Es macht Spaß! Ich mag die Dynamik hier. Das ist kein Hochglanz-Fitnesskurs. Niemand scheint darüber nachzudenken, wie die anderen wohl sein Outfit finden. Es riecht wie früher in der Schulturnhalle. Und alle nehmen es verdammt ernst. „Ich schaue mir gerade ganz viele Youtube-Videos an“, flüstert meine Partnerin mir zu. „Ich will es richtig verstehen, um besser zu werden.“

Am Ende lächelte er wieder: Autorin Nicole mit Boxtrainer Torben Koop vom Epeios Boxclub in Hamburg. | © Nicole Benke

Meine Deckung? Eindeutig verbesserungswürdig.

Auch mein Ehrgeiz ist geweckt. Denn ich ärgere mich: Immer wieder erwischt sie mich an der linken Schulter. An meiner Deckung muss ich definitiv arbeiten. „Zeit!“ heißt es da wieder. Wir schlagen uns ab. Ein Lächeln, gut gemacht. Auch das überrascht mich positiv: der Teamgeist. Man hilft sich, man lobt, feuert sich an, wortlos. Hätte ich beim Boxen so auch nicht erwartet – schließlich ist es ein klassischer Einzelkämpfersport. Am Ende geht es noch mal ans Eingemachte. Schnelle kurze Schläge gegen den Sandsack, minutenlang, dabei die Knie hochziehen. Die Muskeln brennen. Weiter, weiter, weiter. – „Wechsel!“ – Runter auf den Boden. Füße hoch, seitliche Crunches. Mehr. Noch mehr. Keine Pause. – „Wechsel! Schneller!“ – Zurück an den Boxsack. Noch mal richtig Gas geben, ich falle gleich um. Boxen ist auch ein forderndes Athletiktraining.

Und dann ist sie vorbei, meine erste Boxstunde. Nach einer kurzen Pause fühle ich mich fit und energiegeladen, ausgepowert und zufrieden. Und merke, dass ich in den letzten 60 Minuten tatsächlich an nichts gedacht habe, was außerhalb dieses Raumes stattfindet. Ich war ganz bei mir. Boxen macht den Kopf frei – der Trainer hatte es ja gleich gesagt.

Nicole Benke
© Martin Szymanski

Über #BeatYesterday-Autorin Nicole Benke


Nicole Benke (37) liebt gutes Essen – am liebsten selbst gekocht aus frischen Produkten der Saison. Von Crash-Diäten hält die Food-Journalistin gar nichts. Sie findet: Eine gesunde Ernährung soll Spaß machen, darf nicht verkrampft sein und muss auch mal Raum für Genuss bieten. Denn strikte Verbote machen nur schlechte Laune. Und wer kann die schon gebrauchen?

Veröffent­lichungsdatum: 01.06.2018
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