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Anspruchsvoller Teamsport: Es gibt gute Gründe, warum jeder mal gegen den Ball treten sollte. | © iStock.com/bowdenimages

Warum jeder mal gegen den Ball treten sollte

Fußballer machen Athletik- und Ausdauertraining - aber Athleten und Ausdauersportler spielen selten Fußball. Vielleicht sollten sie es doch mal tun ...

Beim kleinen Hans-Peter zuhause war es wie in manchen Elternhäusern: Fußball mochten sie nicht, da gab’s Schmutz und Verletzungen, womöglich fanden sie das Gekicke auch zu prollig für ihren Sohn. Der ging brav zur Leichtathletik, wurde Deutscher Jugendmeister im Weit- und Dreisprung – und spielte daneben heimlich Fußball.

Leichtathletik und Fußball lassen sich schwer vergleichen. Das ist wie Birne und Apfel.

Hans-Peter Briegel, Ex-Fußballprofi und Leichtathlet

Kraftvoll, aber unbeholfen

Fußball und der ganze andere Sport, das sind oft zwei Welten. Fußball-Verweigerer – unter den „eigentlich“ sportlichen Typen – zeigen sich in jungen Jahren. Weil sie lieber ans Reck gehen, Waldläufe machen oder Bahnen im Becken ziehen, als sich mit der großen Mehrheit der Kinder ins Getümmel zu stürzen. Die Folgen sind zu sehen, wenn zum Beispiel Leichtathleten spaßeshalber mal bolzen: kraftvoll, aber unbeholfen.

Hans-Peter, Nachname Briegel, war einer der wenigen Grenzgänger. Mit 17 wechselte er zum Fußball, seine Entscheidung gegen die Tartanbahn und für den Rasen hatte sicher etwas mit der Chance zu tun, reich und berühmt zu werden. Das klappte gut: mit dem Spitznamen „Walz von der Pfalz“ wurde Briegel Nationalspieler, in der 1980ern Europameister und zweimal Vize-Weltmeister. Athletisch war er sowieso allen voraus, und seine anfangs etwas seltsame Technik wurde schnell besser. „Leichtathletik und Fußball lassen sich schwer vergleichen. Das ist wie Birne und Apfel“, findet Briegel.

Viele Athleten meiden den Ball, wenn sie in ihrem Sport nichts mit ihm zu tun haben. | © iStock.com/Dziggyfoto

Die Bundesliga macht Yoga

Allerdings findet ein Austausch über die Grenze hinweg nur in einer Richtung statt. Der Fußball, wo die Grundlagen früher eher beiläufig trainiert wurden, hat Erfahrungen aus anderen Sportarten über Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit begierig aufgesogen. Jeder Profiklub hat mindestens einen Athletiktrainer, viele streuen auch Yoga und Gymnastik ein.

Andersherum meiden viele den Ball, die in ihrem Sport nichts mit ihm zu tun haben. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe: zum Beispiel Schmerzen an den Schienbeinen. Obendrein ist man sehr wahrscheinlich nicht der Beste, jedenfalls nicht sofort. Das fühlt sich unfair an gegenüber typischen Pausenhof-Kickern: die können vielleicht keine drei Kilometer ohne Pause laufen und würden beim Yoga vollkommen lächerlich aussehen – aber sie beherrschen den Ball. Sie ahnen, was als nächstes passiert. Und sie können ihren Körper im Zweikampf geschickt einsetzen.

Während der WM kann sich keiner entziehen

Aber es gibt noch bessere Gründe, es doch mal zu tun. Zuerst, weil man sich während der Weltmeisterschaften in Russland sowieso schwer entziehen kann. Dann natürlich das Team-Erlebnis: gemeinsam ein Spiel noch drehen, sich aufeinander einstellen, taktische Rollen verteilen – das sind Dinge, die ein noch so tolles Fitnessprogramm nicht bieten kann.

Den wichtigsten Grund weiß Hans-Peter Briegel: „Ich hatte schon in meiner Zeit als Leichtathlet immer viel Spaß dabei.“

Raimund Witkop

Über #BeatYesterday-Autor Raimund Witkop


Raimund Witkop hat als Sportjournalist (u.a. Welt am Sonntag, FAZ) auch über den Profi-Radsport berichtet. Privat kommt er vom Fußball und ist beim Tennis gelandet. Seine 6-jährige Tochter vermittelt ihm einen neuen Blick auf den Sport: Wettkampf zu mögen, muss man lernen. Die Übung, in der sie ihn als erstes überflügeln wird, steht aber schon fest: ein Rad schlagen.

Veröffent­lichungsdatum: 06.07.2018
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