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Sobald der Frühling beginnt und die Bäume und Gräser blühen, meldet sich auch der lästige Heuschnupfen zurück. | © iStock.com/Cineberg

Pollenallergie? So klappt dein Training im Freien trotzdem

Eine Allergologin verrät, worauf Sportler mit Heuschnupfen achten sollten, welche Tricks die Symptome mindern und wann das Training sogar gefährlich werden kann.

Die Nase läuft, die Augen tränen, das Atmen fällt schwer und die Glieder schmerzen. Während die Symptome ganz unterschiedlich ausfallen, haben alle Allergiker dennoch eines gemeinsam: Sobald der Frühling beginnt und die Bäume und Gräser blühen, würden sie sich am liebsten nur noch zu Hause verkriechen – schließlich ist das die einzige Chance, dem lästigen Heuschnupfen aus dem Weg zu gehen.

Diese ollen Pollen!

Heuschnupfen ist mit deutlichem Abstand die häufigste Allergie in Deutschland. Schätzungsweise 25 Millionen Menschen leiden darunter. Die Häufigkeit der Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren beinahe verdoppelt. Birkenpollen sind dabei der absolute Superstar unter den Allergenen.

Trotzdem: Du willst auch im Sommer nicht auf das Fitnessstudio oder andere geschlossene Räume ausweichen, sondern auch weiterhin in der freien Natur trainieren? Egal ob Mountainbiken, Joggen oder Walken, wir erklären dir, wie du trotz Pollenallergie Sport im Freien machen kannst, welche Tricks die Symptome mindern und wann du unbedingt aufs Training verzichten solltest.

Eine Allergie ist keine banale Erkrankung und kein saisonaler Schnupfen, denn dahinter steckt eine Fehlregulation des Immunsystems.

Dr. Sibylla Chantraine, Fachärztin für Allergologie in Hamburg

Was sind Allergien

„Eine Allergie ist keine banale Erkrankung und kein saisonaler Schnupfen, denn dahinter steckt eine Fehlregulation des Immunsystems“, warnt Dr. Sibylla Chantraine, Fachärztin für Allergologie in Hamburg. Genauer gesagt: Eine Allergie ist so etwas wie ein großer Irrtum des Immunsystems, welches normalerweise dafür verantwortlich ist, Bakterien, Viren und Schadstoffe aus der Umwelt abzuwehren. Bei Allergikern kommt es jedoch zu einer falschen Bewertung. Das Immunsystem glaubt dann, in den Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern, den sogenannten Allergenen, gefährliche Angreifer zu erkennen – und fährt schwere Geschütze auf, um sie zu bekämpfen: Die Abwehrzellen produzieren gegen die vermeintlichen Krankheitserreger maßgeschneiderte Antikörper in übertrieben hoher Zahl. Diese veranlassen die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen wie Histamin. Und genau dieser Botenstoff löst Symptome wie geschwollene Augen und Naselaufen, Niesattacken und Reizhusten aus. Das ist in erster Linie nervig, kann aber auch gefährlich werden.

„Es geht hier nicht darum, die Pollensaison irgendwie zu überstehen. Denn wenn man die Allergie nicht behandelt, kann sie chronisch werden. Zudem kann im weiteren Verlauf ein sogenannter Etagenwechsel entstehen, sodass die Patienten zusätzlich ein Asthma entwickeln“, erklärt Dr. Chantraine. Darüber hinaus können sich die allergischen Kriegsschauplätze ausbreiten, das bedeutet, es kommen mit der Zeit immer weitere Sensibilisierungen hinzu.

„Es gibt mittlerweile nicht verschreibungspflichtiges, kortisonhaltiges Nasenspray, entsprechende Augentropfen ohne Konservierungsstoffe sowie rezeptfreie Antihistaminika, die die Beschwerden mindern. Dennoch ist es wichtig, dass Patienten vor der Einnahme zu einem Allergologen gehen, um das Panel der Allergene zu bestimmen“, empfiehlt die Expertin. Nur so könne man herausfinden, worauf überhaupt reagiert wird und zu welchen Jahreszeiten man aufpassen sollte. Das sei besonders wichtig für Leute, die viel verreisen, denn schon in europäischen Ländern wie Spanien oder der Türkei ist das Pollenmuster im Frühjahr ganz anders.

Schätzungsweise 25 Millionen Menschen leiden unter einer Pollenallergie. | © iStock.com/Alkimson

Darum können Pollenallergien mit dem Alter schlimmer werden

Als Kind war dein Heuschnupfen nicht annähernd so schlimm wie heute? Das hat einen Grund: Hat das Immunsystem einen Schadstoff einmal bekämpft, behält es Gedächtniszellen zurück. Dadurch kann es bei einem erneuten Angriff schneller reagieren. Diese Informationsspeicherung ist sinnvoll und ziemlich clever, wenn es um wirkliche Bedrohungen geht. Der Organismus erkennt diesen Fremdstoff übrigens selbst noch wieder, wenn er über Jahre hinweg keinen Kontakt mit ihm hatte. Eine Allergie, die nicht behandelt wird, kann mit der Zeit schlimmer werden. Denn die Reaktionen können bei erneutem Kontakt mit dem Allergen von Mal zu Mal stärker ausfallen, weil der Körper nun bereits auf minimale Reize reagiert.

Es geht hier nicht darum, die Pollensaison irgendwie zu überstehen. Denn wenn man die Allergie nicht behandelt, kann sie chronisch werden.

Dr. Sibylla Chantraine, Fachärztin für Allergologie in Hamburg

Wichtig: Was Sportler mit Pollenallergie unbedingt beachten sollten

Die drei wichtigsten Indikatoren, nach denen ein Sportler entscheiden sollte, ob er trotz einer Pollenallergie draußen trainiert, sind laut der Ärztin die folgenden:

  1. „Höre ehrlich in dich hinein und mache es von deiner körperlichen Verfassung abhängig. Wer morgens mit geschwollenen Augen aufwacht und nur schwer atmen kann, sollte es bleiben lassen.“
  2. „Nimm vorher die notwendigen Medikamente! Idealerweise 30 Minuten, bevor du das Haus verlässt, um einen optimalen Schutz zu gewährleisten.“
  3. „Prüfe die aktuelle Pollenbelastung in deiner Region. Ich empfehle die kostenlose App vom Deutschen Polleninformationsdienst, denn die Belastung kann sogar innerhalb einer Stadt unterschiedlich ausfallen.“
    Es gibt auch für einige Garmin-Modelle eine passende App in Connect IQ, so hast du die Pollenflug-Vorhersage direkt auf dem Uhrendisplay.

„Wenn es eine hohe Pollenbelastung gibt und jemand gar keine Medikamente nimmt, würde ich deutlich von einem Training abraten. Da wir durch die körperliche Anstrengung vermehrt Pollen einatmen, kann es sonst zu schweren allergischen Reaktionen wie einem Asthmaanfall, einem Kreislaufzusammenbruch kommen“, warnt Dr. Sibylla Chantraine.

Weitere Tipps und Maßnahmen für allergiebetroffene Sportler

Die Fachärztin empfiehlt, in der Pollenhauptsaison lediglich gemäßigt im Freien zu trainieren, um sich fit zu halten, den Anspruch, persönliche Bestleistungen aufzustellen, aber lieber auf Herbst/Winter zu verschieben. „Sport ist ja für viele weit mehr, als nur Bewegung an der frischen Luft, es hat etwas mit Leistung zu tun und damit, an sein Limit – und darüber hinaus – zu gehen. Das führt häufig dazu, dass Menschen nicht mehr auf ihren Körper hören und sämtliche Symptome einfach ignorieren und wegdrücken. Das sollte man auf gar keinen Fall tun.“

Wer sich nicht nur von seinem Ehrgeiz steuern lässt, sondern auch empfänglich für die Signale des eigenen Körpers bleibt, kann auch in der Pollensaison trainieren. Denn generell werden besonders Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren oder Walken bei Patienten mit Asthma sogar empfohlen, weil sie die Atemmuskulatur stärken.

So kannst du die allergischen Reaktionen mindern:

  • Vermeide abrupte Wechsel zwischen Ruhe- und Belastungsphasen, um die Atemwege zu schonen. Das heißt: Wärme dich vor dem Sport langsam auf und beende das Training mit einem Cooldown.
  • Ob du es wahrhaben willst oder nicht, deine Leistungsfähigkeit ist durch die Allergie eingeschränkt. Übertreibe es daher nicht und lege Pausen ein, wann immer du dich erschöpft fühlst.
  • Versuche, möglichst durch die Nase zu atmen, denn sie ist wie ein Filter und fängt Pollen ab, bevor sie in die Atemwege gelangen. Alternative: ein Tuch vor dem Mund tragen.
  • Eine enganliegende Brille schützt die empfindlichen Bindehäute vor Blütenstaub und starkem Lichteinfall.
  • Nach dem Sport solltest du die Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen, sondern direkt in die Waschmaschine geben oder in einem Wäschekorb verstauen, denn Stoff und auch Haare sind ideale Pollenfänger und verteilen diese in der Wohnung. Also wenn möglich, beim Training ein Cap tragen und danach duschen.

Darum macht Feinstaub Pollen noch aggressiver

Feinstaub hat mit sichtbarem Staub wenig zu tun – und genau lässt uns seine Präsenz und die damit einhergehende Gefahr manchmal leider nicht ganz so ernst nehmen. Mit dem Begriff sind winzig kleine Partikel in der Luft gemeint, mit einem Durchmesser unter zehn Mikrometer. Ein Mix aus Ruß, Reifen- und Bremsabrieb, Plastikteilchen und sogar Rückstände aus Abfallbeseitigung und Düngung. Vor allem in Großstädten ist die Feinstaubbelastung extrem hoch. „Feinstaub wird besonders tief in die Bronchen eingeatmet und gelangt teilweise bis zu den Lungenbläschen, wo auch der Blutaustausch stattfindet. Schon das allein reizt die Schleimhäute und führt zu Atemwegsentzündungen“, erklärt die Hamburger Allergologin. „Zudem nehmen die Partikel Pollen quasi Huckepack und schleusen sie auch tief in den Körper mit ein, was die Immunreaktionen noch zusätzlich verstärkt.“ Von Faustregeln wie „morgens bis 8 und abends nach 19 Uhr ist das Training am besten“, hält die Expertin nichts. Sie empfiehlt zur Orientierung ausschließlich den Belastungs-Check mithilfe der Pollen-App.

Können sich Allergiker das Wetter zunutze machen?

Nach dem Regen zu laufen ist ideal, heißt es, weil er die Luft reinigt. Aber stimmt das wirklich? „Es ist durchaus so, dass der Blütenstaub nach dem Regen auf den Boden gedrückt wird, doch besonders bei Graspollen kommt es durch den hygroskopischen Druck dazu, dass sie platzen und allergene Eiweißkomponenten entlassen. Dadurch können die Beschwerden sogar noch stärker werden“, klärt die Allergologin auf. Und obwohl es oft zutrifft, dass man am Meer und in den Bergen freier durchatmen kann, würde sich die Ärztin auf die Signale des eigenen Körpers in Verbindung mit der App verlassen.

Vermeide abrupte Wechsel zwischen Ruhe- und Belastungsphasen, um die Atemwege zu schonen. | © iStock.com/nd3000

Kreuzallergien – bestimmte Lebensmittel können allergische Reaktionen verstärken

Wer Heuschnupfen hat, kann auch auf Stoffe allergisch reagieren, die auf den ersten Blick gar keine Ähnlichkeiten mit der Pollenart haben. Bei Menschen, die auf Birkenpollen sensibilisiert sind, sind es häufig Kernobst, Nüsse, Karotten und Curry.

Diese Kreuzreaktionen entstehen, weil sich die Oberflächenstrukturen einiger Allergene, wie die Proteine in Birkenpollen und Äpfeln, so ähnlich sind, dass sie die Antikörper nicht unterscheiden können und deshalb ebenfalls allergische Reaktionen ausgelöst werden. Wird die zugrunde liegende Pollenallergie therapiert, können bei 50 % der Betroffenen auch die Lebensmittelallergien verschwinden.

Wenn jemand immer zu einer bestimmten Saison Schwierigkeiten mit eindeutig allergischen Symptomen hat und vom Arzt eine Sensibilisierung nachgewiesen ist, würde ich zu einer Immuntherapie raten. Und zwar so zügig wie möglich.“

Dr. Sibylla Chantraine, Fachärztin für Allergologie in Hamburg

Für wen macht eine langfristige Immuntherapie Sinn?

Augentropfen, Nasensprays oder Tabletten erleichtern das Leben vieler Allergiker. Dennoch behandeln diese Medikamente immer nur die Symptome und unterbinden somit die chronischen Erkrankungen. Eine Immuntherapie zielt auf die Ursachen ab und strebt eine Toleranz gegenüber dem konkreten Allergen an. Für wen macht das Sinn?

„Wenn jemand immer zu einer bestimmten Saison Schwierigkeiten mit eindeutig allergischen Symptomen hat und vom Arzt eine Sensibilisierung nachgewiesen ist, würde ich zu einer Immuntherapie raten. Und zwar so zügig wie möglich“, empfiehlt Fachärztin Sibylla Chantraine. Denn anfangs reagiert der Patient meist nur auf ein Allergen, hier sind die Erfolgsaussichten der Behandlung sehr gut. Wird lange gewartet, wird’s schwieriger, denn mit der Zeit kommen immer weitere Allergien dazu, was eine Therapie umfangreicher und die Aussicht auf völlige Beschwerdefreiheit geringer macht. Eine Immuntherapie ist im Idealfall nach drei bis vier Jahren abgeschlossen. Die Kosten dafür werden von den gesetzlichen wie auch privaten Krankenkassen übernommen.

Welche Behandlung ist für mich am besten geeignet?

Für die langfristige Behandlung hat man die Wahl zwischen der Hyposensibilisierung, die in einer ärztlichen Praxis mithilfe von Spritzen durchgeführt wird, und neuerdings auch der sublingualen Immuntherapie in Tablettenform für zu Hause. „Es gibt für beide Therapieformen ausgezeichnete Präparate. Wer Angst vor Spritzen hat, ist mit den Tabletten wahrscheinlich besser beraten. Gleiches gilt für alle, die beruflich viel unterwegs sind und nicht die Zeit finden, regelmäßig bei ihrem Arzt vorbeizugehen“, so Allergologin Chantraine. „Für welche Form man sich am Ende auch entscheidet – jede dieser Immuntherapien ist besser als gar keine Behandlung.“

Über Anna-Lena Koopmann


Für ihren Job hat die Lifestyle-Journalistin Anna-Lena Koopmann schon die verrücktesten Fitness- und Food-Trends ausprobiert, von absurden Promi-Diäten bis hin zu abgefahrenen Workout-Hypes. Das Einzige, was sie bisher wirklich überzeugt hat: HIIT-Training und die basische Ernährung. Warum? Beides ist gesund, wahnsinnig effektiv und macht zuverlässig bessere Laune. Was will man mehr?

Veröffent­lichungsdatum: 03.04.2018
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