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Hypnose ist eine Technik, die den Trancezustand als bewusstseinsverändernden Zustand nutzt. | © iStock.com/maxsomma

Keine Angst vor Hypnose! Sie kann dir helfen

Weißt du, was „Hypnose“ bedeutet? Autorin Judith klärt auf und verrät dir, welche Techniken dich im Sport, Beruf oder Privatleben weiterbringen können.

Eine zierliche Frau liegt, nur auf Kopf und Fersen gestützt, zwischen zwei Stuhllehnen. Ihr Körper ist maximal angespannt, wie es ihr im bewussten Zustand wohl niemals möglich wäre. Nun steigt auch noch ein Mann auf ihre Hüfte. Sie bleibt steif wie ein Brett. Eine magisch anmutende Darbietung, in der Unmögliches möglich erscheint. Das ist Blitzhypnose, wie du sie vermutlich aus Magazinbeiträgen und Shows aus dem Fernsehen kennst. Menschen verhalten sich willenlos und hinterher erinnern sie sich an nichts. „Was die Zuschauer da sehen ist real. Allerdings ist es in meinen Augen auch höchst unethisch“, sagt Janin Tesmer-Laß, Diplom-Psychologin und Hypnotherapeutin. Unethisch, weil die Menschen im Anschluss mit der Verarbeitung der Ergebnisse und Folgen, mit denen sie im Nachhinein konfrontiert werden, allein gelassen werden. Schließlich ist die Vorstellung längst beendet. Im Fall der oben beschriebenen „Menschlichen Brücke“ wäre äußerst schmerzhafter Muskelkater im ganzen Körper eine sehr wahrscheinliche Folge. Die Expertin erklärt:

Hypnose ist eine Technik, die den Trancezustand als bewusstseinsverändernden Zustand nutzt. In Trance ist man in der Lage, Prozesse anzustoßen, Kräfte zu mobilisieren oder Emotionen im Unterbewusstsein zu erreichen, die mit eingeschaltetem Verstand nur sehr schwer erreichbar wären. Und genau darin liegt die therapeutische Kraft der Hypnose.

Janin Tesmer-Laß

Seriöse Hypnose geht so

Frau Tesmer-Laß arbeitet als Mental Coach mit ihren Klienten im leichten bis mittleren Trancezustand. Das reiche völlig aus, um die gewünschten Ergebnisse zu erreichen, so die Mentaltrainerin. Sie möchte den Verstand ausdrücklich an Bord haben. Er ist während der Sitzung lediglich auf die Zuschauerbank „verbannt“. Am Mikrofon auf der Bühne steht das Unterbewusstsein, das ungehindert durch „innere Kritiker“ frei kommunizieren kann. Der Klient kriegt dennoch alles mit und kann sich hinterher auch an alles erinnern. „In meiner Rolle als Coach nutze ich mein theoretisches und technisches Wissen, um dem Unterbewusstsein gewisse Impulse anzubieten, damit der Klient dann für sich herausfinden kann, was ihn weiterbringt. So erreichen wir als Team das Ziel“, erläutert Frau Tesmer-Laß.

Im Grunde ist es allen Menschen möglich, mit Hilfe von Hypnosetechniken in Trance zu gehen. | © iStock.com/Victor_Tongdee

Fast jeder kann sich in Trance versetzen

Verfällst du manchmal auch in einen Tagtraum? Dein Fokus verschwimmt und du starrst für Außenstehende „ins Leere“. In Wahrheit blickst du aber auf Bilder, die sich vor deinem inneren Auge abspielen. Dieser Zustand ist nichts anderes als Trance. Also ist es im Grunde allen Menschen möglich, mit Hilfe von Hypnosetechniken in Trance zu gehen. „Das ganze Verfahren ist eigentlich völlig unspektakulär, insofern, weil es einen natürlichen Mechanismus nutzt. Die Wirkung ist aber grandios!“, betont die Psychologin.

Vorteile der Hypnose im Vergleich zu anderen Mentaltrainings

Im bewussten Zustand ist die linke Hirnhälfte, die zuständig ist für Logik, Sprache und Verstand, dominant. So wie bei herkömmlichen Mentaltrainings. In der durch Hypnose erreichten Trance ist zusätzlich die rechte Hirnhälfte besonders aktiv. Vorstellungsvermögen und Visualisierungsfähigkeiten nehmen deutlich zu und schaffen einen direkten Zugang zum Unterbewusstsein und zu unbewussten Prozessen.

Autorin Judith hat im Zuge ihrer Recherchen eine Hypnose-Sitzung bei Frau Tesmer-Laß getestet. Lies hier ihren Erfahrungsbericht.

Hypnose hilft bei vielen Dingen

Die Einsatzgebiete von Hypnose reichen von der Bekämpfung von Phobien, Versagensängsten oder Nikotinsucht über das Therapieren von Depressionen, Migräne, Übergewicht oder chronischen Schmerzen bis hin zur schmerzloseren Geburt („Hypnobirthing“). Einige Operationen können sogar unter Hypnose und ohne Einsatz von Narkosemitteln stattfinden. Manager nutzen die Techniken, um noch erfolgreicher zu sein. Und für die meisten Leistungssportler – zunehmend auch für Hobbysportler – ist Sporthypnose ein fester Baustein im Trainingsplan.

Mehr Leistung durch Sporthypnose

Leistungssportler bauen ihre Karriere auf drei Säulen auf: körperliche Fitness, technisches Können und mentale Stärke. Alle drei gilt es zu trainieren. Der Gehirnmuskel lässt sich am besten mit Mentaltraining stärken:

Sportler wünschen sich den „Flowmodus“. Den Zustand optimaler Leistungsfähigkeit und den kann man über Sporthypnose programmieren und im Wettkampf dann auf Knopfdruck abrufen.

Janin Tesmer-Laß

Laut der Expertin funktioniert das, weil das Gehirn zwischen Realität und Fiktion nicht unterscheiden kann, sobald innere Bilder aufgerufen werden. „Wenn ich mich also aktiv in diese positiven oder negativen Situationen vergangener Erfolge oder Niederlagen während eines Trance-Zustands hineinversetze, kann ich verankerte Muster abrufen, aktivieren und dann tatsächlich nachhaltig verstärken oder verändern“, so die Expertin.

Einer ihrer Klienten, ein junger Tennisspieler mit großem Potenzial, scheiterte bei Turnieren wiederholt bereits in der zweiten Runde. Der Druck, unter den er sich selbst setzte und die „Erwartungen“ der Sponsoren ließen ihn in der Wettkampfsituation nur 40 Prozent seines Könnens abrufen. „Bereits nach zwei Sitzungen ist er in ein Turnier gegangen und hat es direkt gewonnen. Das konnte er selbst kaum fassen“, erzählt Janin Tesmer-Laß.

Der „Flowmodus“ kann über Sporthypnose programmiert und im Wettkampf auf Knopfdruck abgerufen werden. | © iStock.com/GeorgeRudy

Stille Botschaften mit Silent Subliminals

Ergänzend zur Hypnose, setzte die Hypnotherapeutin bei diesem Klienten eine Technik ein, die in Deutschland gerade erst im Kommen ist: Silent Subliminals. Hierbei werden exakt auf den Klienten abgestimmte positive, motivierende Sprachbotschaften (Affirmationen) aufgezeichnet. Im Anschluss wird der hörbare Frequenzbereich aus der Audiodatei gelöscht. Übrig bleibt vermeintliche Stille. Hört man diese „tonlose“ Restsequenz über Kopfhörer an, dringt die Botschaft im niedrigen, für uns Menschen nicht hörbaren, Frequenzbereich direkt ins Unterbewusstsein. Ohne vom Verstand blockiert oder als nervend empfunden zu werden. Silent Subliminals wirken so als unbewusste positive Verstärkung und erweitern damit das Wirkungsspektrum der Trance.

Sporthypnose bringt auch dich weiter

Wenn du einen aktiven und ambitionierten Sport ausübst, weißt du genau, dass sich im Grunde alles zwischen den Ohren entscheidet. Ein bestärkender Gedanke kann dich zwei Wiederholungen mehr schaffen lassen, ein negativer Gedanke lässt dich viel zu früh abbrechen. Mindsets wie Selbstvertrauen und Fokussierung kannst du gezielt durch Hypnosetechniken festigen und gleichzeitig Ängste, Stress und innere Blockaden abbauen. Wohlwissend preist die Mentaltrainerin die Methode an:

Nicht jeder braucht Sporthypnose. Nur eben diejenigen, die mehr Spaß und Erfolg haben wollen.

Janin Tesmer-Laß

Es ist ein Effekt, den man auf viele Bereiche im Leben projizieren kann: „Egal auf welchem Niveau ich bin, wenn ich dafür sorgen kann, dass es mir besser geht, ich mehr Selbstvertrauen habe, dann ist meine Leistung auch besser. Aus dem einfachen Grund, weil mein Kopf frei ist.“ Das liegt am zustandsgebundenen Gedächtnis. Nur wer ruhig und konzentriert ist, kann Gelerntes optimal abrufen.

Deshalb zählen auch immer mehr Leute, die nicht aus dem Profibereich kommen, zu ihren Klienten. Egal ob Einzelsportler wie Läufer, Radfahrer, Tennisspieler, Golfer oder Reiter oder Mannschaftssportler wie Beachvolleyballer – den Flowmodus, ohne Druck und Stress, wünscht man sich in jeder Sportart.

Nur wer ruhig und konzentriert ist, kann Gelerntes optimal abrufen. | © iStock.com/yuran-78

In Trance von den Profis lernen

Um eine Bewegung optimal ausführen zu können braucht man etwa 10.000 perfekte (!) Wiederholungen, bis der Ablauf verinnerlicht und im motorischen Gedächtnis verankert ist. In Trance ist es allerdings möglich, korrekte Bewegungsabläufe, die als Video angeschaut werden, schneller und nachhaltiger zu erlernen – ganz ohne reale Trainingseinheiten. Denn in Trance ist man in der Lage, die rechte Hirnhälfte, in der Emotionen und ein Teil des motorischen Gedächtnisses liegen, ungehindert anzusteuern. Klingt wie „Gehirnwäsche“? Ist es auch, aber im positiven Sinne: „Das Lernen am Modell im Trancezustand ist das effektivste Lernverfahren, das es überhaupt gibt“, erläutert Hypnotherapeutin Janin Tesmer-Laß. „So erreiche ich, dass mein inneres Ich quasi in das Vorbild hineinschlüpft, und mein motorisches Gedächtnis dadurch in der Lage ist, zu spüren, wie sich die optimale Bewegungsausführung anfühlt, ohne dass mein Körper in diesem Moment die Bewegung ausführt. Im Anschluss fällt es mir aber tatsächlich leichter, den Ablauf in der Realität korrekt umzusetzen.“

Woran erkenne ich einen guten Hypnose-Therapeuten?

Hypnotherapeuten gibt es viele. „Man kann sich an einem Wochenende in Hypnose schulen lassen. Aber wer möchte sich von einem Arzt operieren lassen, der in einem Wochenendkurs den Umgang mit dem Skalpell gelernt hat?“, vergleicht Expertin Janin Tesmer-Laß streng. Deshalb rät sie, bei der Suche darauf zu achten, dass der Hypnotherapeut auch ein Psychologe ist. Nur mit fundiertem Wissen sei man als Mental Coach notfalls für alles gewappnet, was unter Hypnose möglicherweise zum Vorschein kommen könnte und kann entsprechend Hilfestellung geben.

© Janin Tesmer-Laß

Über Janin Tesmer-Laß


Janin Tesmer-Laß ist Diplom-Psychologin, klinische Psychologin, Sportpsychologin, Mental Coach und Hypnotherapeutin. Sie betreibt bis heute Golf und Beachvolleyball als Wettkampfsport und weiß aus eigener Erfahrung, wie stark sich die mentale Verfassung auf die Leistung auswirkt. In ihrer Praxis hilft sie mit therapeutischer- und (sport)psychologischer Individualarbeit, Workshops und Coachings Spitzensportlern, Profis und ambitionierten Hobbysportlern sowie Menschen aus anderen Bereichen zu „Mentalhelden“ zu werden.

Portrait Judith Sylla
© Judith Sylla

Über #BeatYesterday-Autorin Judith Sylla


Beruflich ist Judith seit 17 Jahren in der Medienwelt unterwegs, und genauso lange in der Sport- und Fitnesswelt. Bisher allerdings rein privat. Für #BeatYesterday kann sie ihre Leidenschaft nun mit ihrem Beruf verbinden und über die neuesten Trends, Forschungsergebnisse und Tipps in Sachen Training und Ernährung schreiben. Sie liebt das Experimentieren mit ihrem Körper und das Austesten ihrer Leistungsgrenzen. Judiths Erfolgsrezept nach jahrelangem Ausprobieren: Aus allem das Sinnvollste rauspicken und kombinieren. Sie freut sich, ihre Erfahrungen mit euch zu teilen, und euch damit direkter zum Ziel zu führen.

Veröffent­lichungsdatum: 12.10.2018
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