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Mythos „Hypnose“: Kann man sich hinterher wirklich an nichts mehr erinnern? | © iStock.com/SvetaZi

So fühlt sich Hypnose an – ein Erfahrungsbericht

Mythos „Hypnose“: Kann man sich hinterher wirklich an nichts mehr erinnern? Autorin Judith ließ sich von einem Mental Coach in Trance versetzen.

Meeresrauschen zieht von meinem linken Ohr zum rechten, und wieder von rechts nach links. Hin und her und her und hin. Möwenschreie sind in der Ferne zu hören. Ich sitze in einem Liegestuhl an einem abgelegenen Bergsee. Dunkle Tannen säumen das Ufer. Die Sonne funkelt auf dem kristallblauen Wasser. Neben mir sitzt meine Amygdala. Es geht ihr schon viel besser. Schließlich ist es schon eine Weile her, seit ich sie aus meinem Kopf genommen und zur mentalen Kur geschickt habe. Ich bin ganz ruhig und entspannt.

In Wirklichkeit sitze ich in der Praxis von Mental Coach Janin Tesmer-Laß in Hamburg. Auf meinen Ohren sitzen Kopfhörer, durch die ich eine geloopte Audiosequenz höre: Meeresrauschen, das abwechselnd auf den linken und rechten Lautsprecher gepegelt ist. Dieser regelmäßige Seitenwechsel sorgt dafür, dass meine gestresste Amygdala (griechisch „Mandel(Kern)“) im Lymbischen System meines Gehirns zur Ruhe kommt und entspannen kann. Die Hypnotherapeutin verstärkt diesen Effekt zusätzlich durch Anleitung.

Unter hypnotherapeutischer Anleitung lässt Meeresrauschen das Gehirn zur Ruhe kommen. | © iStock.com/IakovKalinin

Rückblick: Warum ich bei einer Hypnosetherapeutin sitze

Im Rahmen meines Artikels über Sporthypnose spreche ich mit Diplom-Psychologin und Mentaltrainerin Janin Tesmer-Laß. Zusätzlich vereinbart ist eine Hypnose-Sitzung für diesen Erfahrungsbericht. Im Vorfeld definiere ich ein „Problem“ oder vielmehr einen Zustand, den ich gerne durch Hypnose positiv verändern möchte. Bei mir ist es vordergründig das „Stressessen“, das ich mir in den letzten Jahren angewöhnt habe. Belastet mich etwas, oder stehe ich vor einem Berg von Aufgaben, esse ich, obwohl ich keinen Hunger habe. Hinterher fühle ich mich nicht besser, sondern im Gegenteil, eher noch schlechter. Und hilfreich ist der unnötige Snack im ganz normalen Wahnsinn, angefüllt mit familiären und beruflichen To-dos, letztendlich auch nicht. Das zwischenzeitliche Futtern hat mir nämlich Zeit geraubt und mich daran gehindert, währenddessen wichtige Dinge zu erledigen. Derart logische Gedanken helfen mir in solchen Momenten leider wenig. „Automatismus“, denke ich jedes Mal, „einfach eine dumme Angewohnheit geworden“. Ich möchte sie schon längst loswerden. Aus eigener Kraft und mit Verstand schaffe ich es aber nicht. Als Vorbereitung auf den Termin schicke ich vorab eine sehr ehrliche Selbstreflexion an die Therapeutin. Schließlich will ich ja das Bestmögliche aus der Hypnose-Sitzung mitnehmen. Für zwei Stunden ist der Termin angesetzt. „Ganz schön lange“, denke ich noch auf meinem Weg dorthin.

Allgemein

Hypnose:

In Hypnose nutzt man den Trancezustand als bewusstseinsverändernden Zustand, um tiefliegende Prozesse anzustoßen, Kräfte zu mobilisieren oder Emotionen im Unterbewusstsein zu erreichen, die mit eingeschaltetem Verstand nur sehr schwer erreichbar sind.

Trance ist wie Tagträumen – das kann eigentlich jeder

Nach einem kurzen Vorgespräch und einer ersten Definition meines Ziels geht es los. Ohne große Aufklärung über das weitere Vorgehen bittet mich Frau Tesmer-Laß, gewisse Bilder vor meinem geistigen Auge abzurufen. Ich starre auf die Wand vor mir. Mein Fokus verschwimmt und ich befinde mich in einer Art Tagtraum. Ich nehme in meinem „persönlichen Kinosaal“ Platz und visualisiere unter Aufforderung der Hypnotherapeutin verschiedene Dinge und Aktionen auf meiner „imaginären Leinwand“. Da ich das Gefühl habe, dass mein Verstand sich noch zu sehr einmischt, schließe ich schon bald meine Augen. Jetzt werden die Bilder klarer, ich spüre einen zunehmenden Entspannungszustand. Mein Verstand ist zwar noch da, aber nicht mehr „handlungsfähig“. Mein Unterbewusstsein hat die Kommunikation übernommen. Ja, im Trancezustand spreche ich mit der Therapeutin, schließlich muss sie ja erfahren, was ich auf der Leinwand alles sehe.

Im Trancezustand übernimmt das Unterbewusstsein die Kommunikation mit der Therapeutin. | © iStock.com/KatarzynaBialasiewicz

Im „Magic Room“ ist alles möglich

In meinem imaginären „Magic Room“ geht es dann heiß her. Durch weitere Visualisierung und Aktionen, die ich dort ausführe, lege ich nach und nach die eigentliche Ursache offen. Schritt für Schritt gelange ich mit Hilfe von Mental Coach Tesmer-Laß an eine mögliche Lösung. Schließlich drücke ich den Zünder und im nächsten Moment explodiert das schlammfarbene Objekt, das ich zuvor geformt hatte, mit einem dumpfen Geräusch. Ich stehe außerhalb meines „Magicrooms“, die Glaswände schützen mich vor der zähflüssigen Masse, die im nächsten Moment herunterfließt und mir nun die Sicht in den Raum versperrt. Es fühlt sich gut an. Ich bin entspannt und meine Körpermitte ist angenehm warm. Ich rufe wieder mein vorheriges „Problembild“ vor meinem geistigen Auge auf. Es sieht nun ganz anders aus. Jetzt gefällt es mir. Ich entschließe mich dazu, es so an meine „imaginäre Pinnwand“ zu heften. Auf die kann ich immer blicken, wenn mich wieder eine typische Situation im Alltag ereilt. Bestenfalls wird sich dann wiederholt dieses wohlige Gefühl einstellen.

Langsam komme ich zurück ins Hier und Jetzt und öffne vorsichtig meine Augen:
„Wie lange schätzen sie, haben wir miteinander gesprochen?“, fragt mich Frau Tesmer-Laß.
„20 bis 30 Minuten“, ist meine gefühlsmäßige Einschätzung.
„Es war eine Stunde. Zeitverzerrung ist ein Hypnosephänomen“, sagt Frau Tesmer-Laß und schmunzelt.
„Wahnsinn, das hätte ich niemals gedacht!“, antworte ich erstaunt.

Frau Janin Tesmer-Laß arbeitet mit ihren Klienten im leichten bis mittleren Trancezustand. Das genügt, um die dominante linke Gehirnhälfte (zuständig für Logik, Sprache und Verstand) aufs „Abstellgleis“ zu schieben und die rechte Hirnhälfte besonders aktiv werden zu lassen. Vorstellungsvermögen und Visualisierungsfähigkeiten nehmen deutlich zu und schaffen einen direkten Zugang zum Unterbewusstsein. Dennoch kann man sich im Nachhinein noch an alles erinnern.

Gefahr erkannt – jetzt wird sie gebannt!

In einem weiteren Gespräch erklärt mir die Therapeutin Allgemeines über den Aufbau des menschlichen Gehirns. Im Speziellen kommt sie dann auf die Amygdala zu sprechen. Die Amygdala sitzt in unserem „Säugetierhirn“ und sorgt beispielsweise für das Einstarten des Fight-or-Flight-Mechanismus, der in lebensbedrohlichen Situationen die Leitung zum Verstand kurzzeitig kappt. Nur so hat der Körper die Möglichkeit, blitzschnell und instinktiv reagieren zu können, ohne von abwägenden Gedanken daran gehindert zu werden. Nach der Gefahrensituation beruhigt sich die Amygdala wieder und wartet im Dornröschenschlaf auf die nächste Situation. Im stressigen Alltag von heute ist die Amygdala jedoch oftmals chronisch gereizt und deshalb in Dauerbereitschaft. Vergleichbar mit einem Menschen, der in einem Krisengebiet lebt und zu jeder Zeit an jedem Ort mit einer lebensbedrohlichen Situation rechnen muss. Die auslösenden Reize in unserer Leistungsgesellschaft (z.B. ständige Reizüberflutung, Multitasking) bewirken dieselben körperlichen und hormonellen Prozesse. Unter Dauerstress kann das Gehirn also nicht unterscheiden, ob wirklich Lebensgefahr droht oder nicht. Meine Amygdala ist im Alltag also in ständiger Alarmbereitschaft. Was sich durch schnelle Reizbarkeit und Unzufriedenheit ausdrückt. Kurzum: Ich muss mich schleunigst um meine Amygdala kümmern und eine entspannte Work-Life-Balance schaffen.

Im stressigen Alltag befindet sich das Gehirn in Dauerbereitschaft. | © iStock.com/wigglestick

Stressabbau mit „Bilateraler Stimulation“

Helfen soll mir dabei das anfangs erwähnte Meeresrauschen. Diesem Audio-Loop lausche ich seit meiner Sitzung täglich vor dem Einschlafen. Das Gedankenfeuerwerk, das dabei zunächst in meinem Kopf stattfindet, lasse ich bewusst zu, ohne einzelnen Gedanken nachzuhängen. Irgendwann ebbt es ab und ich bin ganz entspannt. Das mal links mal rechts gelagerte Geräusch sorgt dafür, dass sich meine Augen unter den geschlossenen Liedern automatisch von links nach rechts bewegen. Dadurch vernetzen sich beide Hirnhälften und intensive Verarbeitungsprozesse finden statt. So wie es bei uns allen während der REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement) erfolgt, in der wir träumen. Bilaterale Stimulation ist also auch ein Tipp für alle, die Schlafprobleme haben, denn eine längere Session hilft beim Einschlafen oder ersetzt versäumten Schlaf.

Wenn du wissen möchtest, wie oft und wie lange du dich in welcher Schlafphase in der Nacht befunden hast, ist ein Fitness-Tracker von Garmin ideal für dich. Synchronisiert mit Garmin Connect, gibt dir der wöchentliche Überblick eine gute Orientierung wie groß dein Schlafdefizit tatsächlich war.

„Keiner verlässt meine Praxis so, wie er reingekommen ist“

Aus Frau Tesmer-Laß‘ Sicht ist nach einer Hypnosesitzung insofern nichts mehr genauso wie es vorher war, da man ja innere Prozesse angestoßen hat. Fehlkonditionierung und Blockaden sind gelöst. „Es ist also immer schon eine positive Veränderung da. Gerade bei „einfacheren“ Dingen wie Phobien, Prüfungs- oder Flugangst oder beim Abnehmen können schon zwei Sitzungen Wunder wirken“, erklärt sie mir.

Was mich betrifft kann ich sagen, dass mir die regelmäßige Bilaterale-Stimulations-Session in jedem Fall sehr gut hilft, am Abend runterzukommen. Ein täglicher Kurztrip mit meiner Amygdala zum abgelegenen Bergsee lässt die Aufgaben zwar nicht weniger werden, dennoch merke ich, dass ich sie zum Teil gelassener angehen kann. Ganz nach der japanischen Redensart: Wenn du es eilig hast, gehe langsam! Hektik bringt keinen Vorteil. Entsprechend haben die typischen Futter-Momente auch merklich abgenommen. Regt sich doch mal ein Snack-Impuls in mir, werfe ich einen Blick auf meine imaginäre Pinnwand. Und schon erfüllt sich ein entspanntes, wohliges Gefühl. Gelüste und Hungergefühl sind verschwunden.

© Janin Tesmer-Laß

Über Janin Tesmer-Laß


Janin Tesmer-Laß ist Diplom-Psychologin, klinische Psychologin, Sportpsychologin, Mental Coach und Hypnotherapeutin. Sie betreibt bis heute Golf und Beachvolleyball als Wettkampfsport und weiß aus eigener Erfahrung, wie stark sich die mentale Verfassung auf die Leistung auswirkt. In ihrer Praxis hilft sie mit therapeutischer- und (sport)psychologischer Individualarbeit, Workshops und Coachings Spitzensportlern, Profis und ambitionierten Hobbysportlern sowie Menschen aus anderen Bereichen zu „Mentalhelden“ zu werden.

Portrait Judith Sylla
© Judith Sylla

Über #BeatYesterday-Autorin Judith Sylla


Beruflich ist Judith seit 17 Jahren in der Medienwelt unterwegs, und genauso lange in der Sport- und Fitnesswelt. Bisher allerdings rein privat. Für #BeatYesterday kann sie ihre Leidenschaft nun mit ihrem Beruf verbinden und über die neuesten Trends, Forschungsergebnisse und Tipps in Sachen Training und Ernährung schreiben. Sie liebt das Experimentieren mit ihrem Körper und das Austesten ihrer Leistungsgrenzen. Judiths Erfolgsrezept nach jahrelangem Ausprobieren: Aus allem das Sinnvollste rauspicken und kombinieren. Sie freut sich, ihre Erfahrungen mit euch zu teilen, und euch damit direkter zum Ziel zu führen.

Veröffent­lichungsdatum: 12.10.2018
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