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Ein Laptop, ein Handy, eine freie Ecke am Küchentisch – und fertig ist das Homeoffice. | © iStock.com/FlamingoImages

Nachgefragt: Expertenwissen zum Thema Homeoffice

In Ruhe von zu Hause arbeiten – für einige die Erfüllung, für andere unvorstellbar. Mit diesen Experten-Tipps schaffst du eine gute Basis für Homeoffice-Tage.

Ein Laptop, ein Handy, eine freie Ecke am Küchentisch – und fertig ist das Homeoffice. Laut einer Studie des Bundesarbeitsministeriums würden fast 40 Prozent aller Deutschen gerne von zu Hause arbeiten – zumindest ab und zu. Doch für wen ist das Homeoffice eigentlich geeignet? Und hat es wirklich nur Vorteile? Job-Coach Cornelia Paul aus Hamburg beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Arbeit von daheim.

BeatYesterday (BY): Homeoffice oder fester Büroarbeitsplatz – was ist besser?

Cornelia Paul (CP): Da gibt es nicht die eine, absolute Antwort. Manche Jobs lassen sich einfach nicht aus dem Homeoffice machen. Bei Ärzten etwa oder Köchen versteht sich das von selbst. Aber auch Angestellte, die mit sensiblen Daten arbeiten, können nicht einfach von zu Hause arbeiten. Gibt es diese Einschränkungen allerdings nicht, ist für mich der Königsweg, wenn man beides kombinieren kann. Also ein paar Tage in der Firma arbeitet und ein paar Tage im Homeoffice. Ich als Coach beispielsweise kann perfekt von zu Hause aus akquirieren, meine Klienten indes kann ich dort nicht betreuen. Und so gibt es viele Jobs, die beides erfordern, aber auch beides möglich machen – das ist für mich ideal.

BY: Etwa 40 Prozent der Deutschen würden gerne ab und zu im Homeoffice arbeiten – aber laut Statistischem Bundesamt machen es nur zwölf Prozent. Warum ist das so? Sind deutsche Chefs zu misstrauisch?

CP: Es gibt heute immer noch die Glaubenssätze von Verfügbarkeit und Kontrolle im Arbeitsalltag. Und das nährt die Vorurteile, dass Mitarbeiter im Homeoffice vor allem Kaffee trinken, sich um ihre Wäsche kümmern und ihre Kinder betreuen. Diese Annahmen wecken häufig Missgunst unter den Kollegen und das Misstrauen der Chefs. Doch das ist nicht fair und auch nicht richtig. Menschen, die im Homeoffice arbeiten und so natürlich auch mal mehrere Dinge unter einen Hut bringen können, sind in der Regel ausgeglichener und zufriedener. Wenn es einem Chef also primär um Kontrolle geht, schränkt er mit einem Homeoffice-Verbot sich und andere ein.

BY: Ist Kontrolle wirklich immer angebracht?

CP: Es kann natürlich Einzelfälle geben, in denen Homeoffice nicht funktioniert. Aber je klarer die Aufgabenfelder definiert sind, desto weniger Kontrolle bedarf es doch. Ob ein Mitarbeiter morgens sein Kind in die Kita bringt und dafür abends länger arbeitet, ist bei vielen Bürotätigkeiten erst mal egal. Hauptsache das Resultat stimmt. Im Übrigen arbeiten viele Homeoffice-Mitarbeiter zu Hause mehr als im Büro.

Im Homeoffice schaffen die Mitarbeiter also in kürzerer Zeit mehr, das belegt auch eine Studie der Stanford University. | © iStock.com/gpointstudio

BY: Warum ist das so?

CP: Zum einen liegt das an praktischen Dingen: Sie müssen keine langen Anfahrtswege einplanen, haben alles griffbereit und werden auch nicht von ihren Kollegen abgelenkt. Das macht sie an sich schon effizienter. Im Homeoffice schaffen die Mitarbeiter also in kürzerer Zeit mehr, das belegt auch eine Studie der Stanford University. Die meisten schätzen auch die Möglichkeit, zu Hause arbeiten zu können und wollen ihrem Chef und ihren Kollegen zeigen, wie gut das funktioniert. Und auch, wenn ein Kollege oder sein Kind einmal krank ist – erledigt er vielleicht doch noch die eine oder andere Aufgabe zu Hause, für die er nicht extra ins Büro fahren würde oder könnte.

BY: Ist aber nicht auch gerade das ein Risiko? Neigen Mitarbeiter im Homeoffice zur Selbstausbeutung?

CP: Das hängt sehr von der Mentalität des Einzelnen ab. Klar ist natürlich: Im Homeoffice ist man ständig mit Arbeit konfrontiert, das macht es schwerer, abzuschalten und führt auch dazu, dass man zu viel macht. Das ist ja heute für viele Menschen ohnehin ein Problem. Wiir sind alle ständig erreichbar, können sofort reagieren, wenn etwas ist. Deshalb finde ich auch, dass Homeoffice vor allem an einzelnen Tagen Sinn ergibt – eben als Ergänzung. Und von Vorteil ist es für diejenigen, die sich ihre Arbeit gut einteilen können. Das ist im Übrigen nicht nur eine Sache der eigenen Mentalität, manche Jobs geben ja feste, zeitliche Strukturen vor – wie etwa im Bereich des Telefonmarketings.

BY: Was rätst du Menschen, die von zu Hause arbeiten?

CP: Also erst einmal gilt im Homeoffice (wie in fast allen anderen Arbeitsbereichen auch), dass ein vertrauensvolles Miteinander den Alltag erleichtert. Und zu Hause ist es noch wichtiger als im Büro, strukturiert und bewusst an seine Arbeit heranzugehen. Es müssen klare Prioritäten gesetzt werden. Menschen, die sich leicht ablenken lassen (etwa von dem Wäscheberg in der Ecke), sollten sich einen Bereich suchen, in dem sie ungestört arbeiten können. Aber das Wichtigste: Habe kein schlechtes Gewissen, im Homeoffice zu arbeiten, sonst kommst du nur in die Rechtfertigungsschleife und machst am Ende mehr, als dir guttut.

© Lilli Lafeld

Über Cornelia Paul


Cornelia Paul aus Hamburg ist zertifizierter Systemischer Management Coach (SMC) und zertifizierte Expertin für die Motivations-Potenzial-Analyse MPA. Mehr zu ihr unter www.cornelia-paul-coaching.de.

Bruntje Thielke

Über #BeatYesterday-Autorin Bruntje Thielke


Job und Familie halten die Hamburger Journalistin Bruntje Thielke (verheiratet, ein Sohn) ordentlich auf Trab. Was früher nur Bauchgefühl war, spiegelt sich in Zahlen wider, seit die Food-Expertin eine Fitness-Uhr trägt. An den meisten Tagen zeigt das Gerät weit mehr als die empfohlenen 10.000 Schritte an, die wir pro Tag zurücklegen sollten.

Veröffent­lichungsdatum: 18.01.2019
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