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Vermodern zum größten Teil im Wald: die letzten von einst 1.500 Trimm-dich-Pfaden aus den 70ern. | © iStock.com/d70photographie

Trimm-dich-Pfade – ein urbanes Revival

Die letzten von einst 1.500 Trimm-dich-Pfaden aus den 70ern vermodern im Wald. Neue Outdoor-Fitness-Stationen erwachsen in Citylage: stahlglänzend und ziemlich cool.

Wer in einer bestimmten Zeitspanne – sagen wir zwischen 1950 und 1980 – in Westdeutschland geboren ist, kennt mit Sicherheit Trimmy. Ein blendend gelaunter Comic-Quadratkopf, der die lahmen Wohlstandsbürger seit 1970 zum Sport antrieb. Klimmzüge, Liegestütze, Knie- und Rumpfbeugen, gern mit Holzklötzen in der Hand, und dazwischen Laufstrecken von einigen hundert Metern, bis zur nächsten Station. Der Begriff „Trimm-dich-Pfad“ wurde 1973 in den Duden aufgenommen, zu Spitzenzeiten gab es 1.500 davon in Deutschland – jedes noch so kleine Gehölz war für ein Training im Freien ausgestattet. Das Ganze war eine ungeheuer erfolgreiche Fitness-Kampagne, die der organisierte Sport zusammen mit Politik und Versicherungsunternehmen vorantrieb.

Die Idee erfasste damals den gesamten deutschsprachigen Raum. Die Schweiz war sogar der Urheber des Trends, dort hießen die Strecken „Vitaparcours“. Namensgeber war eine Versicherung, Begriff und Design dieses Schweizer Modells waren auch in der Bundesrepublik verbreitet. In Österreich waren die Bürger mit den „Waldmeilen“ im Rennen. Auch die DDR erschuf 1972 ein Massen-Sportprogramm unter dem Slogan „Eile mit Meile“, hinter dem sich Lauf- und Rad-Wettbewerbe verbargen. Egal wie die Programme auch hießen, sie lösten eine regelrechte Bewegungswelle aus und animierte zum gemeinsamen Sporttreiben.

Kraftmaschinen wie aus dem Studio

Heute sind die allermeisten Exemplare von damals abgebaut oder dem natürlichen Verfall überlassen. Doch an prominenten Stellen blitzen vermehrt Nachfolger auf. Chromglänzende Maschinen und Gestelle, die nicht mehr viel mit dem rustikalen Charme von damals zu tun haben: Die Idee des Fitness-Parcours an frischer Luft kehrt zurück. Die Webseite www.trimm-dich-pfad.com listet etliche auf. Sie haben kein einheitliches Design mehr, sondern bieten durch Individualität reichlich Abwechslung. Finanziert meist von Städten und Gemeinden, finden sich in bester Citylage mal bewegliche Kraftmaschinen wie aus dem Studio, mal feste Gestelle, die zum funktionalen Training einladen. Professor Martin Halle, Sportmediziner von der TU München, begrüßt dieses Comeback: „Kraft, Koordination und Ausdauer – bei den Trimm-dich-Pfaden von damals war eigentlich alles dabei, was auch aus heutiger Sicht wichtig ist.“

Kraft, Koordination und Ausdauer – Fitnessparks und Trimm-dich-Pfade lasse keine Trainingswünsche offen. | © iStock.com/vavlt

Fitnessparks: Im Kreis statt auf der Strecke

Dennoch gibt es deutliche Unterschiede zu früher: Es sind keine Laufstrecken mehr dazwischen eingeplant und die Stationen stehen nicht verteilt in einem Wäldchen, sondern eng im Kreis in beliebten Parks, neben Spielplätzen oder anderen Sportanlagen. In diesen Trainings- oder Fitnessparks wird gemeinsam trainiert, man kommt leicht ins Gespräch, zum Beispiel darüber, ob man gerade eher Calisthenics, Parkfit oder Freeletics bevorzugt.

Wie viele Deutsche damals wirklich tief im Gehölz trainierten, weiß niemand so genau – wie heute auch. Die Geräte stehen im öffentlichen Raum, wie sinnvoll – oder überhaupt – sie genutzt werden, lässt sich nur per Stichprobe erahnen. Ein „Double Health Walker“ (laut Internet kostet der immerhin 5.000 Euro) am Rande eines neuen Spielplatzes in Hamburgs schicker Hafencity wird von den Kleinen auf recht halsbrecherische Weise einfach mitbespielt. Bei den installierten Outdoor-Geräten an der Alster, neben der Parade-Laufstrecke, der Stadt, treffen sich Erwachsene, die es erkennbar ernst meinen mit dem Mix aus Intervalltraining und funktionalem Workout.

Und sollte keine öffentliche Fitness-Station in der Nähe sein, kannst du auch die Stadt zum Trimm-dich-Pfad machen.

Ein Piktogramm reicht nicht mehr

Ein wesentlicher Aspekt ist komplizierter geworden als zu Zeiten von Trimmi: Reichte damals ein einfaches Piktogramm, um die Übung zu erklären, müssen heute große und eng beschriftete Schautafeln her. Ein Ganzkörper-Training nur mit Haltegriffen und Bänken erklärt sich nicht von selbst. Aber Unterstützung ist nicht weit – der coole Typ am nächsten Gerät erklärt in einer Pause vielleicht, was alles geht und wie es richtig gemacht wird. Trimmi ist wieder da, er sieht nur anders aus.

Raimund Witkop

Über #BeatYesterday-Autor Raimund Witkop


Raimund Witkop hat als Sportjournalist (u.a. Welt am Sonntag, FAZ) auch über den Profi-Radsport berichtet. Privat kommt er vom Fußball und ist beim Tennis gelandet. Seine 6-jährige Tochter vermittelt ihm einen neuen Blick auf den Sport: Wettkampf zu mögen, muss man lernen. Die Übung, in der sie ihn als erstes überflügeln wird, steht aber schon fest: ein Rad schlagen.

Veröffent­lichungsdatum: 08.08.2018
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