Sightjogging meint das Bewundern von Sehenswürdigkeiten im Laufschritt. Krakau ist perfekt für solch einen sportlichen Stadtrundlauf, hier reihen sich die Hot Spots aneinander. Die geschichtsträchtige Architektur der 750.000-Einwohner-Metropole gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Straßen der Altstadt schmücken sich mit mittelalterlichen Bürgerhäusern, klassizistischen Villen und prunkvollen Adelspalästen.
Lebensader, Wegweiser, Flaniermeile, Laufstrecke
Einige Fassaden zeigen sich bereits in neuem Glanz. Unmittelbar daneben verlangen Baustellen Achtsamkeit vom Läufer. Doch viele Häuser verzaubern noch mit morbidem Charme vergangener Zeiten. Gerade hinter diesem bröckelnden Putz pulsiert das Leben. Kneipen und Bars, Galerien und Ateliers, Clubs und Restaurants – vegan, ayurvedisch oder koscher – ziehen Menschen aus der ganzen Welt an. Genau wie die Weichsel. Der Fluss bestimmt das Stadtbild. Er ist Lebensader, Wegweiser, Flaniermeile, Laufstrecke.
Als Wahrzeichen präsentiert sich die mächtige Königsburg, einst Residenz der polnischen Herrscher. Auf ihrem hohen Thron, dem Wawel-Berg, gibt sie dem Läufer von fast jedem Punkt der Stadt Orientierung. Ihr Burginneres muss über unzählige Treppenstufen erklommen werden und bringt den Läufer direkt ins Schwitzen. Als Lohn offenbart sich eine Fülle verschiedener Epochenbauten: Schloss und Kathedrale, Türme und Tore, Basteien und Kasernen – und Kirchen. Wie überall in Krakau. An scheinbar jeder Ecke steht ein christliches Gotteshaus. Immer prachtvoll ausgeschmückt bis auf den letzten Zentimeter, immer mit einem Plätzchen zu Ehren Papst Johannes Paul II., ehemaliger Bischof der Stadt.
Kontrastprogramm mit morbidem Charme
Je näher der Läufer dem Marktplatz kommt, desto mehr muss er sein Tempo drosseln. Spätestens hier zeigt sich, dass Krakau ein beliebtes Touristenziel ist. Der 200 mal 200 Meter große, auf Hochglanz polierte Rynek Główny ist voller Menschen. Weiße Kutschen warten auf Fahrgäste. In den Tuchhallen, Krakaus ältestem „Einkaufszentrum“ aus der Renaissance, freuen sich Gäste mit Faible für Farbe und Glitzer über die üppige Souvenirauswahl. Der Läufer entsinnt sich der Garmin Pay-Funktion auf seiner Smartwatch. Aber ach… keine Tasche! Er muss wohl noch mal wiederkommen.
Die Laufrunde führt weiter zum ehemaligen jüdischen Viertel Kazimierz. Ein Kontrastprogramm, vor allem mental. Vor dem zweiten Weltkrieg lebten hier 70.000 jüdische Einwohner. Gedenktafeln, Synagogen und Wandmalereien erinnern daran, mancherorts auch Klezmer-Musik, die aus einem der Gewölbekeller auf die Straße weht. Steven Spielberg drehte hier an Originalschauplätzen den Film „Schindlers Liste“. Die Bernatka-Brücke mit ihren schwebenden Metallfiguren verbindet Kazimierz mit dem anderen Weichselufer. Hier steht die frühere Emaillefabrik von Oskar Schindler, heute ein Ort, an dem der Geschichte der geretteten Juden gedacht wird. Das MOCAK – Museum für zeitgenössische Kunst – ist direkter Nachbar in diesem für Krakau ungewöhnlich trist anmutenden Quartier.
Stadtrundlauf in Bildern

Die Bernatek-Brücke verbindet das Kazimierz-Viertel mit dem Stadtteil Podgórze. Benannt nach einem Mönch aus dem 19. Jahrhundert, spannt sich das 145 Meter lange Bauwerk über die Weichsel. © Marieke Sobiech

Seit 2010 können Fußgänger, Läufer und Radfahrer an dieser Stelle den Fluss überqueren. Begleitet werden sie dabei von künstlerischen Figuren, die scheinbar schwerelos einen „Drahtseilakt“ am Geländer vollführen. © Marieke Sobiech

Mit dem Bau der barocken Peter-und-Pauls-Kirche wurde Ende des 16. Jahrhunderts begonnen. Am Eingang erheben sich zwölf Statuen der Apostel. Sie sind längst nicht mehr original, sondern Kopien der zweiten Generation. Die Vorgängerskulpturen wurden durch Witterung und Luftverschmutzung geschädigt. © Marieke Sobiech

Kazimierz, das Jüdische Viertel, war als eigene Stadt gegründet worden. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Heimat von etwa 65.000 Juden zu einem Krakauer Stadtteil. Die meisten von ihnen wurden während des Zweiten Weltkrieges ermordet. Die Erinnerung daran prägt bis heute das Stadtviertel. © Marieke Sobiech

Kazimierz ist nicht nur das historische Gedächtnis der Stadt. Das Viertel ist bei Studenten sehr beliebt, aber auch bei Touristen. Jüngere Gäste sind hier auch nachts auf nicht allzu leisen Sohlen unterwegs. Augenzwinkernd erinnern Plakate an die Nachtruhe der Anwohner. © Marieke Sobiech

200 Meter an jeder Seite misst der Rynek Główny. Der quadratische Marktplatz ist bis heute das Zentrum der Stadt und gilt als einer der größten mittelalterlichen Plätze Europas. Ringsum bilden Palastbauten, Bürgerhäuser und Kirchen die Kulisse für den prächtigen Mittelpunkt: die Tuchhallen. © Marieke Sobiech

Die Tuchhallen werden als Krakaus ältestes Einkaufszentrum bezeichnet. Schon im 13. Jahrhundert wurde an diesem Standort Handel getrieben mit – kaum überraschend – Tüchern. Viele Umbauten und Restaurierungen später erstrahlt die Renaissance-Architektur nun wieder. Tücher findet man hier kaum noch, dafür schöne handgefertigte Souvenirs. © Marieke Sobiech

„Place to kiss“: Krakau zieht zahlreiche Studenten, Kreative und Künstler an. Das sieht man auch den Gemäuern und Straßen an: An jeder Ecke zieren phantasievolle Graffiti, eindrückliche Botschaften und witzig-spielerische Aufforderungen die Stadt. © Marieke Sobiech

Krakau gilt als schönste Stadt Polens. Zu Recht. Dennoch gibt es auch hier Orte, die durchaus eine Geschmackskontroverse auslösen können – wie die Kunstpalme, die auf das Hotel „Paradise“ am Bahnhof hinweist. © Marieke Sobiech

„Once upon a time“ ist der Name eines Restaurants in Kazimierz, das die Gäste auf eine Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Umgeben von der Kulisse ehemaliger jüdischer Werkstätten und Geschäfte – sowohl außen als auch innen – werden hier koschere Speisen serviert, im Hintergrund spielt Klezmer-Musik. © Marieke Sobiech

Das Juliusz-Słowacki-Theater, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts auf den Resten eines Klosters, war seinerzeit das größte Krakauer Bauvorhaben – und zugleich das erste Gebäude mit elektrischer Beleuchtung. Es gilt bis heute als eine der bedeutendsten polnischen Bühnen. © Marieke Sobiech

Helena Rubinstein, berühmte Namensgeberin der Kosmetikmarke, war gebürtige Krakauerin. Ihr Weg zum Erfolg begann jedoch nicht hier, sondern in Australien, später in Großbritannien und den USA. An sie und weitere Persönlichkeiten der Stadt erinnern diese kunstvollen Malereien. © Marieke Sobiech

Das MOCAK, Museum für Gegenwartskunst in Krakau, steht seit 2011 in dem früheren Industriebezirk Zabłocie. Marode Fabrikblöcke und moderne Wohnbauten bilden eine spannende architektonische Umgebung für den Museumsneubau. Die Ausstellungen zeitgenössischer Kunst ziehen jährlich mehr als 120 000 Besucher an. © Marieke Sobiech
Königliche Motivation kurz vor dem Ziel
Auch die asphaltierten Wege entlang der Weichsel haben schon bessere Zeiten gesehen. Die Zahl der Schlaglöcher ist noch überschaubar, sodass der Lauf nicht zum Slalom gerät. Diese letzte Wegstrecke direkt am Wasser pustet nach all den Eindrücken den Kopf frei. Und schon bald tauchen am Horizont die vertrauten Türme der Königsburg auf. Der Anblick motiviert: Im Sprint geht’s zurück zum Start- und Zielpunkt.
Schon gewusst? Viele Smartwatches von Garmin verfügen über eine Kartendarstellung am Handgelenk. Damit kannst du selbst an entlegensten Orten dein Ziel finden – oder dich bei einer Laufrunde durch Krakau navigieren lassen. So kommst du auch problemlos wieder nach Hause. Oder lade dir das Komoot-Widget über Garmin Connect herunter, um Routen direkt auf der Uhr zu verfolgen.
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