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Sportfotografie: Es darf nach Schmerz aussehen

Phil Pham fotografiert Sportler wie Florian Neuschwander oder die Fußballer des FC Bayern. Wie atemberaubende Aufnahmen entstehen und Freizeitsportler mit dem Handy #BeatYesterday-Momente einfangen – ein Interview.

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Ein Mann, breitschultrig, muskelbepackt, akkurater Haarschnitt, weiße Shorts, schreit und ballt die Faust im Scheinwerferlicht. Der andere liegt brach, Füße und Arme ermattet auf dem Ringboden weggestreckt, der Körper ergeben.

Das Foto, das Muhammad Ali unmittelbar nach seinem Knock-out-Schlag gegen Sonny Liston zeigt, gilt als Ikone der Sportfotografie. Stärke und Schwäche, Sieg und Niederlage haben sich selten so eng auf ein Bild geschmiegt.

Von Fotos wie diesen träumen auch Amateursportler. Heldenhaft aussehen bei einer heldenhaften Tat, das Einfrieren eines #BeatYesterday-Momentes auf Zelluloid oder in der Cloud. Doch das ist oftmals Wunschdenken. Stattdessen trüben totale Gesichtsentgleisungen oder schlechte Lichtverhältnisse die Erinnerungsstücke.

Dabei braucht es nicht mal eine teure Kamera für super Fotos. Sagt Phil Pham, ein aufstrebender Fotograf aus München, der bereits einige der besten deutschen Sportler inszenieren durfte. Worauf es beim Fotografieren ankommt und warum sich das Anstrengen lohnt – ein Experten-Interview.

Mensch, Umwelt und Licht inszeniert Phil Pham zu tollen Aufnahmen. © Phil Pham

#BeatYesterday.org: Phil, sag mal, wann hast du gemerkt, dass du ein Talent für Fotos hast?

Phil Pham: Das kam erst spät. Ich habe zunächst viel lieber selbst Sport gemacht.

#BeatYesterday.org: Was für Sport?

Phil: Ich stand sehr gerne und oft auf dem Skateboard. Habe mit Freunden ganze Tage an den Rampen abgehangen. Irgendwann fing ich an, unsere Tricks und Stunts zu fotografieren. In unserer Gruppe hatte ich das meiste Talent an der Linse.

#BeatYesterday.org: Mittlerweile fotografierst du für große Marken Sportler wie Flo Neuschwander oder Spieler des FC Bayern München.

Phil: Bis dahin war es eine lange Reise. Es fing damit an, dass die ersten Magazine aus dem Skateboard-Bereich Fotos von mir haben wollten. Ich hatte das Glück, dass ein Skater aus meiner Gruppe international erfolgreich wurde. Plötzlich kamen deutlich mehr Anfragen, das Taschengeld tröpfelte durch die Honorare immer regelmäßiger rein. Ich studierte damals Ethnologie, wusste aber nicht, was ich damit später anfangen sollte. Als die ersten Anfragen kamen, ob ich nicht auch dies und das fotografieren könnte, wurde das Hobby zu einer beruflichen Perspektive.

#BeatYesterday.org: Die Fotos von Flo während seines „Laufen-Projekts“ sind beeindruckend geworden. Waren das One-Shot-Wonder?

Phil: Bei vielen Terminen kann ich Set-ups einige Male wiederholen. Bei Flo war das tatsächlich etwas anders. Der hatte nicht viel Zeit, er war richtig motiviert und wollte weiter ballern. Freundlich und nett wie immer sagte er: „Macht fix Jungs, ich will gleich weiter.“ Wir hatten die Spots glücklicherweise gut erkundet, die Bildsprache und der Hintergrund waren schon definiert, ehe Flo angaloppiert kam. Ohne Vorarbeit wäre es zeitlich kniffliger gewesen.

#BeatYesterday.org: Wie wichtig ist die Vorbereitung auf ein Foto?

Phil: Es bringt mir oft den entscheidenden Vorteil, wenn ich präzise verstehe, was ich fotografiere. Beim Skateboard kannte und konnte ich die Tricks. Arbeite ich für andere Bereiche, fließt viel Zeit in meine Vorbereitung. Als ich den Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul fotografieren durfte, stöberte ich tagelang in Fotoarchiven nach genialen Motiven, schaute Dutzende Youtube-Videos. Ich wollte die Phasen, in denen die besten Fotos möglich sind, auskundschaften. Beim Hoch- und Weitsprung war das der Scheitelpunkt in den Flugphasen, in anderen Disziplinen der Anlauf. Neben dieser Akribie bin ich auch etwas nerdig geprägt. Ich nutze eine App, die mir auf die Minute genau anzeigt, wie hoch die Sonne an einem Tag X zu einer bestimmten Tageszeit steht. So kann ich die Lichtverhältnisse besser einschätzen.

Fotograf Phil Pham fotografierte schon Läufer-Ass Florian Neuschwander. © Phil Pham

#BeatYesterday.org: Auch Freizeitsportler wollen gerne gute Fotos von den Leistungen ihrer Sportpartner machen oder sich selber inszenieren. Sie haben weder das Equipment, das Know-how oder die Zeit. Wie können auch unter diesen Umständen tolle Fotos gelingen?

Phil: Manchmal braucht es nur eine neue Perspektive. Auf den Boden legen, hinhocken, eine Anhöhe ersteigen. Fotos von oben kommen immer gut. Wer gute Sportfotos machen will, sollte den Hintergrund beachten. Wenn das Motiv sorgsam gewählt ist, die Perspektive ungewöhnlich erscheint, sind die Aufnahmen meistens besonders und spannend.

#BeatYesterday.org: Nun hat die Joggerin oder der Radfahrer für gewöhnlich keine Spiegelreflex-Kamera bei Lauf-Events oder der Nachmittagsrunde dabei.

Phil: Auch mit dem Handy sind gute Fotos möglich. Was viele iPhone-User nicht wissen: Auf modernen Modellen können sie die Grundhelligkeit der Kamera schon vor dem Fotografieren ganz einfach einstellen. So entstehen– angepasst an die Lichtverhältnisse – sofort viel bessere Aufnahmen. Viele kennen die Funktion nicht und lösen das am Ende über den Filter.

#BeatYesterday.org: Mit Filtern wird besonders in Social Media viel Schindluder betrieben. Gibt es Grundregeln?

Phil: Wer ein Bild bereits bearbeitet hat, sollte nicht noch zusätzlich ein sogenanntes Pre-Set bei Instagram darüberlegen. Das sieht sehr komisch aus und hat mit dem ursprünglichen Motiv wenig zu tun. Andererseits sollten blasse Hauttypen keine bläulichen Filter wählen, dann droht der Zombie-Effekt. Menschen, die nach dem Sport mit Rötungen oder anderen, persönlich empfunden Makeln auf der Haut hadern, sollten wärmere, also eher rötliche Pre-Sets vermeiden.

#BeatYesterday.org: Ein viel beschriebenes Problem: Es ist schwer, besonders schnelle Ziele einzufangen. Fahrradfahrer zum Beispiel. Auf vielen Aufnahmen erscheinen sie verschwommen.

Phil: Das ist vor allem eine Technikfrage. Je höher die Belichtungszeit, desto schärfer eingefroren wirkt das Bild. Bei 1/2000 erwartet einen gestochene Schärfe, bei 1/60 nicht immer. Bei schlechterem Equipment hilft es, wenn der Fotograf die Bewegung mitgeht. Rollt der Biker vorbei, schwingt ein geübter Fotograf parallel mit. Im Idealfall ist der Radfahrer scharf zu sehen, der Hintergrund etwas verschwommen. Diese Technik verlangt jedoch viel Geschick.

Was anstrengend ist, darf auch nach Leiden aussehen. © Phil Pham

#BeatYesterday.org: Ebenfalls beliebt sind Selbstauslöser. Der Countdown zählt runter, die Pose wird eingenommen, das Gesicht ballt sich zum Grinsen – knips. Ist das das beste Prozedere?

Phil: Ich würde lieber ein Video machen. Das Handy positionieren, die Filmaufnahme starten, dann vorbeilaufen. Aus den Frames des Videos, also den einzelnen Teilbildern, lassen sich oft coole Fotos herausfriemeln. Die kann jeder screenshotten und als Bild abspeichern.

#BeatYesterday.org: Bleibt ein letztes Thema: Selfies. Die sind insbesondere bei Läufern und Radfahrern, die ihre Fotos in der App Garmin Connect teilen, sehr beliebt.

Phil: Ich habe zwei Tipps. Erstens: Den Hals leicht emporstrecken, ihn etwas verlängern. Dass der Nacken dann komisch aussieht, erkennt niemand auf Selfies. Und zweitens: Die hintere Kamera des Handys nehmen. Die ist qualitativ hochwertiger als die Selfie-Cam auf der Displayseite. Außerdem ist es bei Selfies von Vorteil, sich nicht die ganze Zeit selbst zu sehen. Dabei entstehen häufig ungewollte Grimassen.

#BeatYesterday.org: Was würdest du Sportlern, die ihre #BeatYesterday-Momente für die Ewigkeit festhalten wollen, noch raten?

Phil: Mehr Mut zur Anstrengung! Ich liebe die Emotionen, die verzerrten Gesichter auf Sportfotos. Das sieht nicht nach Topmodel aus, ja. Aber es ist authentisch und stellt den Moment, den Einsatz und die Qual viel besser dar. Was Schmerz bereitet, darf auch danach aussehen.

Perspektive wechseln: Der Fotograf empfiehlt Motive von oben. © Phil Pham

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Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht, Baujahr 93, schrieb vor #BeatYesterday für zahlreiche Online- und Printmedien. Sein Highlight: Ein Date mit LeBron James. Beim Schreiben hält er es wie seine Oma: Kein Leser soll hungernd den Tisch verlassen müssen.

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