„Wenn ich alleine meine Runde drehe, wird mir irgendwann langweilig.“
Das ist eine beliebte Ausrede von Hobbyläufern. Manche probieren es mit akustischer Begleitung wie dem neuen Lieblings-Podcast, einem Hörbuch oder der zusammengestellten Spotify-Playlist. Klappt bei manchen, aber nicht bei allen. Es tickt ja auch nicht jeder wie Marathonläufer und Bestsellerautor Haruki Murakami. Der schreibt, dass ihn das Laufen befreit, weil er sich jedes Mal „geistig entleeren kann“. Einen Begleiter? Den braucht Murakami nicht.
Wer lieber als Herdentier in der Gruppe läuft, hat nicht zwangsläufig mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Die Verbindlichkeit einer Laufverabredung lässt aber bei vielen trotzdem Vorfreude und Motivation deutlich steigen. #BeatYesterday.org hat vier Läufertypen definiert, die sich in einer Gruppe besonders wohlfühlen.
1. Die Spaßläufer
Wettkampfgedanke, Ehrgeiz und neue Bestzeiten sind hier sekundär. Die Spaßläufer gehen ein- bis zweimal die Woche zu privaten oder öffentlichen Lauftreffs. Sie wollen sich fit halten und soziale Kontakte knüpfen. In der Gruppe läuft man bei gemäßigtem Tempo fünf bis zehn Kilometer und peilt im Sommer verschiedene Lauf-Events an. Etwa den örtlichen Stadtlauf oder Spaß-Veranstaltungen wie den „Holi Run“, bei dem die Teilnehmer in weißer Kleidung kommen und auf der Strecke mit bunten Farben vollgepanscht werden, ganz nach der Tradition des indischen Fests. Weitere beliebte Events sind etwa der „Zombie Run“ (Läufer müssen auf der Strecke scheinbar Untoten ausweichen) oder der siebentägige Nordseelauf, bei dem jede Etappe auf einer anderen Insel gestartet wird.

2. Die Kollegenläufer
Sport in der Mittagspause? Für viele undenkbar. Dabei ist die aktive Bewegung das Beste, was Schreibtischtäter im Joballtag für ihre Körper tun können. Ein sogenannter Kollegen-Läufer ist Felix Niestedt. Er arbeitet für das Job-Netzwerk Xing in der Hamburger Innenstadt. „Zweimal die Woche laufen wir in einer Gruppe von etwa zehn bis zwölf Kollegen um die Außenalster. Das ist nicht nur befreiend, sondern vor allem nett, weil ich die anderen auch mal außerhalb des Büro-Umfelds erlebe“, sagt der 32-Jährige. Duschen gibt es im Xing-Gebäude. Der einzige Haken: Das anschließende Mittagessen oder ein kurzer Snack finden aus Zeitgründen meist am Arbeitsplatz statt. Die regelmäßige Kollegenrunde soll im Sommer 2020 ausgeweitet werden. Im August will die Xing-Gruppe beim „MOPO Team-Staffellauf“ im Hamburger Stadtpark an den Start gehen. In Fünfer-Teams läuft jeder fünf Kilometer. „Unser Arbeitgeber sponsert uns Laufshirt und -Hose. Immerhin sind hier 10.000 Läufer am Start“, sagt Felix Niestedt.
Laufgruppen via Garmin-Connect organisieren
Über eine eigene Gruppe in der Garmin-Community-App „Connect” kannst du deinen eigenen Lauftreff organisieren und sogar gemeinsame Challenges zur Motivation festlegen. Alternativ können Garmin-Nutzer in der App nach bereits bestehenden Laufgruppen suchen.
3. Die Vereinsläufer
Sie träumen von New York, aber das nächste Ziel ist erst einmal der Marathon in der Heimat oder in einer anderen nahegelegenen Stadt. Verschiedene Events bieten zwar über ihre Websites vereinzelt Vorbereitungsläufe an, wer es aber wirklich ernst meint, schließt sich einer Laufgruppe oder einem Laufverein an. Die Ziele sind bei den meisten klar definiert: Schneller werden, Technik verbessern und mit Experten den fachlichen Austausch zu Schuhen, Equipment und Ernährung suchen. Die meisten peilen eine Marathonzeit von unter vier Stunden an und gehen mit dem entsprechenden Ehrgeiz zur Sache. Der Vorteil: Lauftrainer, die einen gezielt coachen können, sind vor Ort. So wie der mehrmalige Hamburger Marathonmeister Mourad Bekackcha, der viele Jahre Mitglied bei „Hamburg Running“ war. Er sagt: „In einem Laufverein arbeitet man ganz gezielt an Übungen und Technik, damit man schneller wird – der richtige Ort für alle, die ihre Marathonzeit verbessern wollen.“
4. Die Running-Crew-Läufer
Running Crews tauchten zum ersten Mal vor ein paar Jahren in deutschen Großstädten auf. Die Idee: Hobbyläufer verabreden sich an einem Ort, gerne auch nachts und laufen jedes Mal einen neuen Parcours. Bei Running Crews in New York, London oder Amsterdam kommen mitunter hunderte Läufer zusammen, um durch den Asphaltdschungel zu rennen. Spaß, Interaktion, ein lockerer Umgang, aber auch Ehrgeiz werden hier zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis verknüpft. Den meisten Läufern geht es darum, Lifestyle mit einem urbanen Lebensgefühl zu paaren. Die Großstadt, das Ballungsgebiet für Millionen Menschen, Autos und öffentliche Verkehrsmittel, soll anders erfahren werden: nämlich laufend. Knox Robinson, Mitbegründer der New Yorker Running Crew „Black Roses NYC“, sagt: „Die Läufer in Running Crews haben meistens eine starke Verbindung zur Straßenkultur, Hip-Hop, Kunst oder gutem Essen. Ich empfinde Laufen als Teil dieser Kultur und brauche keine Coaches oder jemanden, der mir sagt, wie ich besser laufen könnte.“
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