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Natalie Geisenberger - hochkonzentriert auf der Bahn.
Natalie Geisenberger - hochkonzentriert auf der Bahn. | © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Natalie Geisenberger: „Erfolg macht einfach süchtig!“

Diese Frau ist verdammt schnell – und verdammt gut: Wir haben mit Rodlerin Natalie Geisenberger über das Geheimnis ihres Erfolgs gesprochen.

Liebe Natalie, du rodelst, seitdem du zehn Jahre alt bist. Nun ist das ja nicht gerade der klassische Mädchensport. Wie kamst du dazu?

Ich war schon immer sportlich sehr aktiv und meine Eltern haben das gefördert. Ich durfte alles ausprobieren, was ich wollte – bin zum Beispiel Ski Alpin gefahren, voltigiert, geklettert und habe Triathlon gemacht. Zum Rodeln kam ich über die Schule: Da gab es einen sehr engagierten Sportlehrer, der sportbegeisterte Kinder zum „Schnupperrodeln“ eingeladen hat. Und weil ich experimentierfreudig war, habe ich es einfach mal ausprobiert.

Und warst direkt begeistert?

Nein, eher im Gegenteil. Ich hatte keine Ahnung vom Rodeln, wurde ohne große Erklärung auf einen Schlitten gesetzt und die Bahn runter geschickt. Natürlich nur die letzten paar Kurven, es war also noch nicht sehr schnell. Aber ich konnte nicht lenken, weil ich ja gar nicht wusste, wie das geht. Es war mehr wie in einer Wasserrutsche. Das fand ich langweilig.

Meinem Vater zuliebe bin ich noch einmal auf die Bahn gegangen.

Natalie Geisenberger, Deutschlands erfolgreichste Rennrodlerin

Trotzdem bekam der Sport noch eine zweite Chance.

Meinem Vater zuliebe bin ich noch einmal auf die Bahn gegangen. Er wollte mich so gern rodeln sehen. Heute bin ich ihm dankbar, dass er mich überredet hat. Beim zweiten Versuch habe ich dann in Ansätzen gemerkt, dass ich eben doch nicht nur Passagier auf dem Schlitten bin, sondern die Richtung beeinflussen kann. Das war am Anfang natürlich nicht unbedingt besser, weil das Gefühl dafür noch komplett fehlte. Aber plötzlich hatte ich den Drang in mir, das zu perfektionieren.

Der Rest ist Geschichte: Du bist dabeigeblieben, richtig gut geworden und hast in deiner Karriere alles erreicht, was man sich als Sportlerin wünschen kann. Darunter sieben WM-Titel und zwei Mal olympisches Gold. Was fasziniert dich am Rodeln besonders?

Die Kombination aus Präzision und Schnelligkeit. Als Rodler musst du auf den Punkt konzentriert sein. Es ist ein Rennsport, und der ist nicht ungefährlich. Die Spur auf ein paar Zentimeter genau zu halten, aerodynamisch perfekt auf dem Schlitten zu liegen, mich am Start immer wieder an meine körperlichen Grenzen zu bringen und bei der Einstellung des Schlittens ans Limit, aber nicht darüber hinaus zu gehen: Das fordert mich immer wieder neu heraus. Dazu kommen die hohen Geschwindigkeiten und die Fliehkräfte – die geben mir einen richtigen Kick. Eine Fahrt dauert nur etwa 50 Sekunden, aber die sind einfach extrem intensiv.

Natalie als glückliche Weltcup-Siegerin.
Natalie als glückliche Weltcup-Siegerin. | © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Aktuell steckst du mitten in den Vorbereitungen für die olympischen Winterspiele im Februar 2018 in Südkorea. Wie sieht ein typischer Tag bei dir momentan aus?

Den gibt es nicht! Jeder Tag ist anders. Zu den Weltcuprennen, die seit Mitte November jedes Wochenende stattfinden, kommt das Athletiktraining, das Arbeiten am Schlitten und natürlich auch Dinge wie Pressekonferenzen oder Interviews. Es ist richtig viel los gerade und nicht einen Moment langweilig. Ich liebe es!

Wie sieht dein Training aus, wenn kein Wettkampf vor der Tür steht?

Beim Rodeln ist es wichtig, dass ich meinen Körper immer vollkommen unter Kontrolle habe. Deshalb arbeite ich permanent an meiner Ausdauer, trainiere Kraft, Schnellkraft und Koordination. Natürlich sehr viel im Kraftraum und in der Halle, aber wir gehen eben auch mal Klettern, Surfen oder Kajakfahren. Außerdem trainiere ich gern auf der Slackline, das ist super für die Koordination und Konzentration. Ich trainiere, abgesehen von zwei Wochen Urlaub nach der Saison, das ganze Jahr über zehn Einheiten in der Woche, die jeweils etwa zwei Stunden dauern.

Aufgeben war für mich nie eine Option.

Natalie Geisenberger, gewann bereits zwei Mal olympisches Gold

Kennst du als Profi auch den berühmten inneren Schweinehund?

Aber klar! Sehr gut sogar. Wer kennt den nicht? Manchmal hat man einfach keine Lust. Die Frage ist, wie man mit ihm umgeht. Aufgeben war für mich nie eine Option. Mich motivieren dann meine Erfolge. Ich denke an Momente wie meinen Doppel-Olympiasieg in Sotschi 2014. Und sage mir: „Wenn du jetzt nicht weitermachst, dann erlebst du so etwas nie wieder!“

Ohne Fleiß kein Preis also?

Genau. Erfolg ist ein Weg, keine Tür. Das gilt für den Sport, den Beruf, aber auch für Beziehungen. Für Erfolge musst du arbeiten, die kommen nicht von allein. Und du kannst das auch nicht planen. Es ist ein Prozess und zu dem gehören auch Rückschläge. Die sind sogar extrem wichtig: Sie machen stärker und erden auf eine gewisse Art und Weise.

Gibt immer alles für den Sport: Natalie Geisenberger.
Gibt immer alles für den Sport: Natalie Geisenberger. | © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Welches war der bislang härteste Moment deiner Karriere?

Einen hatte ich bereits als Kind beim Training in Königssee. Ich flog immer wieder aus der gleichen Kurve. Immer wieder. Es war wahnsinnig frustrierend. Ich dachte irgendwann: „Warum tust du dir das eigentlich an?“ Und habe ernsthaft überlegt, mit dem Rodeln aufzuhören. Das war eine wirklich harte Zeit. Solche Momente hatte ich dann im Laufe meiner Karriere immer wieder. Bei der WM in Innsbruck 2016 zum Beispiel, da ging einfach alles schief. Im Sprintrennen ist mir gleich nach dem Start ein großer Fahrfehler passiert. Das Rennen war gelaufen. Auch im Einzelrennen machte ich im ersten Lauf einen Fahrfehler, etwa auf der Hälfte der Bahn. Mit einem Schlitten, der etwas sicherer gewesen wäre, hätte ich das leicht korrigieren können. Aber so war ich im Kampf um die Medaillen komplett raus. Im zweiten Lauf habe ich das Schlitten-Setup verändert und mir ist ein sehr guter Lauf gelungen. Ich bin sogar Bahnrekord gefahren. Zwar reichte es nicht mehr für eine Platzierung, aber so bekam ich zumindest zum Ende doch wieder ein bisschen besseres Gefühl.

Wie gehst du mit solchen Momenten um?

Ich denke an meine Erfolge. Und sage mir: „Hey, du kannst das besser! Das hast du doch schon so oft gezeigt!“ Am Ende kommt einfach immer wieder die Kämpferin in mir durch. Dieses Jahr habe ich den Weltcup in Innsbruck dann gewinnen können.

Die Kämpferin, die für den Sport aber sicher auch auf viel verzichten muss …

Das stimmt. Als Leistungssportler gibst du alles für den Sport. Freizeit ist Mangelware. Schon als Kind war das so: Während Freunde auf einem Kindergeburtstag waren, war ich beim Training. Ich war permanent unterwegs und oft weg von zu Hause. Das hatte aber auch gute Seiten: Ich musste früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Und habe Dinge erlebt, die mir keiner mehr nehmen kann – und die ohne den Sport gar nicht möglich gewesen wären. Ich würde alles genauso wieder machen.

Im Leistungssport bedeutet Stillstand immer Rückschritt.

Natalie Geisenberger, fordert sich täglich neu heraus

Welcher war dein persönlicher #BeatYesterday-Moment?

Den erlebe ich tatsächlich jeden Tag. Als Leistungssportler stehe ich immer im direkten Vergleich zu meinen Konkurrenten. Ich muss mich täglich neu herausfordern, mich immer wieder übertreffen wollen. Sich ausruhen und denken „Mir kann keiner was!“, das wäre fatal. Im Leistungssport bedeutet Stillstand immer Rückschritt. Weil alle anderen weitermachen und dich abhängen.

Du trainierst mit einer fenix5S. Wie nutzt du die Uhr im Training?

In allererster Linie finde ich die Auswertungen einfach spannend. Und das, obwohl ich mich als Sportlerin sehr gut kenne. Intensiv nutze ich die Uhr bei den Ausdauereinheiten, beim Laufen und Radfahren zum Beispiel. Da können wir anhand der Auswertungen das Training immer wieder optimieren. Aber auch im Alltag bin ich Fan, zum Beispiel vom Schrittzähler. Ich habe schon meine komplette Familie angesteckt! Da haben jetzt alle einen Fitness-Tracker und unsere Challenge heißt: Wer schafft die meisten Schritte in der Woche? Das macht einfach Spaß, motiviert alle, sich zu bewegen – und erfüllt so genau seinen Zweck!

Was machst du in deiner Freizeit noch als Ausgleich zum Sport?

Noch mehr Sport (lacht)! Ich bewege mich einfach gern. Und ich wandere an trainingsfreien Tagen mit meinem Hund in den Bergen. Das ist das Schönste für mich. Nichts macht zuverlässiger meinen Kopf frei als diese Touren.

Ich habe schon meine komplette Familie angesteckt! Da haben jetzt alle einen Fitness-Tracker und unsere Challenge heißt: Wer schafft die meisten Schritte in der Woche?

Natalie Geisenberger, nutzt ihren Fitness-Tracker auch im Alltag - ihr Model: fenix5S von Garmin

Denkst du dann daran, was du noch erreichen möchtest? Welche sportlichen Ziele hast du noch?

Ich habe als Rodlerin alles erreicht, was man erreichen kann. Und das sogar mehrfach. Es klingt vielleicht komisch, aber es gibt nichts, von dem ich sage: Das musst du noch schaffen. Alles, was jetzt noch kommt, ist quasi die Zugabe – wie ein Sahnehäubchen.

Klingt entspannt – dann könntest du ja eigentlich jetzt in Rente gehen.

Auf keinen Fall! Ich bin super motiviert. Das Gefühl, ganz oben auf dem Siegertreppchen zu stehen, das ist einfach unbeschreiblich. Erfolge machen nun mal auch ein kleines bisschen süchtig (lacht).

Portrait Natalie Geisenberger
© Natalie Geisenberger/privat

Über Natalie Geisenberger


Natalie Geisenberger (29) ist Deutschlands erfolgreichste Rennrodlerin. 2004 wurde sie Junioren-Weltmeisterin, 2007 nahm die Münchnerin an ihrem ersten Weltcuprennen teil – und fuhr mit gerade einmal 18 Jahren aus dem Stand auf Platz 2. Ein Jahr später gewann sie in Winterberg ihren ersten Weltcup. Und sicherte sich seither Medaille um Medaille: darunter allein sieben WM-Titel, fünf Europameisterschaftstitel, fünf Gesamt-Weltcupsiege und zwei Mal olympisches Gold.

Veröffent­lichungsdatum: 15.12.2017
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