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Snowkiten von seiner schönsten Seite – Wind, Schnee und unberührte Natur lassen das Herz von Jonas höherschlagen! | © Raphael Ottiger

Snowkiten extrem: 300 Kilometer durch Norwegens Wildnis

VAKE gilt weltweit als härtestes Snowkite-Rennen. Jonas Lengwiler stellt sich erneut den ultimativen Herausforderungen Kälte, Distanz und raues Terrain.

Nicht nur für das Team „The Windy Alpboys”, das sich aus den Snowkitern Jonas Lengwiler (23 Jahre) und Florian Gruber (25 Jahre) zusammensetzt, ist das in Norwegen stattfindende VAKE (Varanger Arctic Kite Enduro) das härteste Rennen des Jahres. Eines, bei dem es nicht allein reicht, ein hervorragender Snowkiter zu sein, sondern eines, bei dem die beiden Freunde an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen.

Das Snowkite-Rennen auf Skiern findet auf der Halbinsel Varanger hoch im Norden von Norwegen statt. Gestartet wird im Dorf „Berlevåg“. Die leicht hügelige, manchmal sehr raue Landschaft sorgt für jede Menge Hindernisse – häufig wechselnde Schneeverhältnisse tun ihr übriges. Launische Windverhältnisse zwingen die Snowkiter nicht selten, teils weit ab vom gesteckten Kurs über den Schnee zu gleiten. Wer am Ende des Rennens im Dorf Vardo ankommt, hat das Ziel erreicht. Allerdings schaffen das nur etwa 10 von 39 Teams.

Durch den Schnee von früh bis spät

Das Rennen läuft rund um die Uhr, bis in die Dunkelheit hinein und geht bis zu fünf Tage lang. Über diese Dauer muss die Psyche trotz eisigen Windes, brennender Oberschenkel und schmerzender Füße stabil sein. Zurückzulegen sind 300 Streckenkilometer. Stimmen die Wetterbedingungen, können die Teilnehmer sich von ihrem Kite durch die Schneelandschaft ziehen lassen. Fehlt der Wind, heißt es, das Equipment auf eine „Pulka“ – einen Lastenschlitten – spannen und auf Skiern weiter marschieren. Das Gepäck ist trotz größtmöglicher Gewichtsreduktion etwa 30 Kilogramm schwer. Denn ein Zelt, ein Kocher, Schlafsäcke, Verpflegung und fünf Kites in verschiedenen Größen müssen auf jeden Fall mit.

Die Schwierigkeit des Rennens ist, die eigene Kraft und Konzentration über eine längere Zeit aufrechtzuerhalten, ohne einen Fehler zu machen!

Jonas Lengwiler

Denn bereits kleine Fehler könnten den Sieg kosten. Es ist zum Beispiel entscheidend, die richtige Schirmgröße zu wählen, um möglichst bei einer großen Windrange snowkiten zu können und den Schirm nicht ständig wechseln zu müssen. Das kostet schließlich wertvolle Zeit.

Kurz nach dem VAKE-Start. | © Ingerid Jordal/VAKE

Schweizer Gründlichkeit und Intuition treffen norwegische Härte

Der Schweizer Jonas Lengwiler bereitet sich auf das VAKE vor, indem er sich intensiv mit der Technik zur Orientierung, mit dem „Lesen“ des Geländes und dem richtigen Equipment auseinanderzusetzt. Snowkiten können schließlich alle Teilnehmer. Am Ende zählen neben Fitness und Kondition Strategie und das Agieren in Ausnahmesituationen, wie beispielsweise bei „Whiteouts“.

Whiteout

Ein „Whiteout“ ist ein in Polarkreisen auftretendes meteorologisches Phänomen, das den Kontrast der Umgebung so stark verringert, dass man komplett orientierungslos ist.

Diese Erfahrung machten die „Windy Alpboys“ bei ihrer ersten VAKE-Teilnahme im Jahr 2016. „Es war alles weiß um uns herum und es war enorm schwierig, Kurs zu halten“, erinnert sich Jonas. Das „Whiteout” kam ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als das GPS seines Teamkollegen versagte. „Die Sicht lag unter zwanzig Meter. Die Gefahr, sich zu verlieren oder einen Graben zu übersehen, war extrem groß.“ Dennoch beschloss Jonas, seinem Teamkollegen sein GPSMAP 64st von GARMIN zu geben, da er seinem intuitiven Orientierungssinn im Gelände vertraute – und um seinem Freund Sicherheit zu geben. Die Rechnung ging auf:

Wir waren in dieser Situation sehr ruhig und fokussiert. Da war kein Platz für negative Gedanken.

Jonas Lengwiler

300 Kilometer durch eingeschneite Wildnis – da muss der Teamspirit stimmen

Technik, Wetterkenntnisse und Equipment sind das eine. Das andere ist der richtige Sparringspartner für so ein Abenteuer. Zwischen Jonas und Florian stimmt die Chemie definitiv. Beide besitzen großen Humor, beide snowkiten auf dem gleichen professionellen Level. „Wir sind einfach auf derselben Wellenlänge“, beschreibt Jonas die Freundschaft.

Ausgeschiedene werden mit der Schneeraupe eingesammelt

Um sicher zu gehen, dass alle Snowkiter mehr oder minder den gleichen Weg zurücklegen, müssen alle Teams während des Rennens 18 Checkpoints umfahren. Welchen Weg sie zu den Checkpoints wählen, bleibt jedem selbst überlassen und ist Teil der eigenen Strategie. Jeder im Team trägt einen Sender am Körper, der von der Rennleitung während des Wettkampfes getrackt wird. So ist zu jeder Zeit bekannt, wo sich die Snowkiter befinden. Sollte ihnen etwas zustoßen oder die Erschöpfung zu groß sein, werden die Sportler mit einer Schneeraupe eingesammelt.

Selbst „blind“ snowkiten muss gehen

Die Outdoor-Sportler sind für das VAKE von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr in der Nacht auf den Beinen. Entsprechend kitet das Team Schweiz/Deutschland nicht nur bei Tageslicht, sondern auch im Dunkeln. In der Dunkelheit setzen sich die beiden Extremsportler Stirnlampen auf ihre Helme. Geführt einzig und allein durch GPS-Daten und ein Blickfeld von ein paar Metern Lichtkegel. „Wir lachen jedes Mal, wenn vom einen die Frage kommt, ob er noch was sieht und der andere dann verneint“, reflektiert Jonas schmunzelnd.

Wir kiten quasi blind.

Jonas Lengwiler

Am Ende eines langen Renntages bauen sie sich ihr Zelt direkt in der Schneelandschaft auf und stärken sich. „Bei uns gibt es jeden Tag Spaghetti Bolognese. Wir haben davon 16 Packungen dabei.“ Gemeint ist eine Trockenmischung, auf die lediglich kochendes Wasser gekippt wird. Die Geschmacksrichtung verrät den Sportlern, dass es sich um Spaghetti Bolognese handelt, nicht aber die Optik. Gesättigt legen sie sich dann schlafen, so können sie ihre Körper etwas regenerieren – für ungefähr fünf Stunden. Bis es wieder heißt: startklar werden für den nächsten Streckenabschnitt.

Morgens, mittags, abends: „Spaghetti“. | © Raphael Ottiger

VAKE 2019 – zum dritten Mal dabei und Top-Favoriten

2016 hatten Jonas und sein Teamkollege als jüngste Teilnehmer ihr VAKE-Auftaktdebüt und heimsten direkt ihren ersten Sieg ein. Mehr als das: Sie stellten einen Rekord auf, denn sie erreichten das Ziel in nur zwei Tagen – so schnell wie noch kein Team jemals zuvor. Im Jahr 2017 wurde das VAKE-Rennen offiziell von der World Ice and Snow Sailing Association als „WISSA World Champion Title” anerkannt. Seitdem wird der Weltmeistertitel für die „lange Distanz“ vergeben. Diese Chance ließen sich Jonas und Florian nicht nehmen und gewannen den Titel 2017 auch prompt. 2018 fand leider kein Rennen statt.

Die „Jungspunde“ gelten also 2019 als heiße Favoriten. Und auch sie selbst sind davon überzeugt, dass sie im kommenden April ihren Weltmeistertitel verteidigen werden. Das Magazin #BeatYesterday drückt die Daumen.

Werden die beiden Freunde auch 2019 wieder als Erste die Ziellinie überschreiten? | © Samuel Bay/VAKE

© Christian Graber

Über Jonas Lengwiler


Jonas arbeitet in den Wintermonaten als Snowkite-Lehrer in der Schweiz. Wenn du gerne Snowkiten lernen möchtest – auf Skiern oder einem Board – bringt es dir der Experte gerne persönlich bei. Bist du bereits erfahren, kannst du auch die Tour fernab der Piste mit ihm buchen.

© Kite Masters

Über Florian Gruber


Florian ist 25 Jahre alt und wohnt in Garmisch-Partenkirchen. Im Winter arbeitet als Skilehrer. Im Sommer ist er hauptsächlich mit dem Hydrofoil unterwegs und fährt Wettkämpfe auf der ganzen Welt. Wenn er gerade mal nicht über Schnee oder Wasser brettert studiert er Business International Management (BIM) für Spitzensportler.

© Chris Zielecki

Über #BeatYesterday-Autorin Wiebke Heygster


Wiebke Heygster arbeitet seit nun 20 Jahren im Medienbereich. Sie ist viel gereist, beruflich wie privat. Seit der Geburt ihrer beiden Kinder ist das Thema Nachhaltigkeit für Wiebke noch ein bisschen wichtiger geworden. Ihre persönliche Challenge ist, jeden Tag ein bisschen ökologischer zu leben und ihren Kindern eine saubere Umwelt zu hinterlassen. Sportlich ist das geborene „Küstenkind” entweder auf der Yogamatte oder am Strand beim Kitesurfen zu finden.

Veröffent­lichungsdatum: 01.02.2019
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