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Früher haben sich Fußballer nach Spielschluss erschöpft auf den Kabinenboden geworfen. Heute setzen sich die Spieler abwechselnd auf die Spinning-Räder. | © iStock.com/Wavebreakmedia

Spinning - darum ist Strampeln besser für Profi-Fußballer als Auslaufen

Kampf dem Muskelkater: Statt noch ein paar Runden über den Rasen zu joggen, setzen sich die Kicker auf ein Spinning-Rad.

Besonders treue Fußballfans und solche, die den Stadionbesuch bis ganz zum Schluss auskosten wollen, kennen die Bilder noch von früher: Nach 90 Minuten Sprinten, Grätschen, Passen und Springen schleppen sich die Spieler in die Kabine, kommen zur Ruhe, erfrischen sich – und kommen dann noch einmal für zwei, drei Runden zum Auslaufen auf den Rasen. Die verbliebenen Anhänger auf der Tribüne feiern ihre Helden ganz persönlich, von denen viele in Badeschlappen ihren Runden im Slo-Mo-Trab erledigen. Die Kicker lassen das Spiel noch einmal Revue passieren, der Körper wird von Betriebstemperatur wieder auf ein Normalmaß reguliert.

Gestresste Muskeln werden wieder beruhigt

Im Wesentlichen geht es beim Auslaufen aber nicht um die Körpertemperatur (die Aus- und Abkühlung findet unmittelbar nach der letzten Kraftanstrengung statt), sondern um Muskelpflege. Muskeln, Sehnen und Bänder eines Stürmers (sagen wir Timo Werner oder Ägyptens Mo Salah) haben just zweimal 45 Minuten lang wahrscheinlich maximalen Stress erlebt, durch Sprints, Passen oder Torschüsse, die meist mit maximaler Anspannung erfolgten. Unmittelbar nach Spielschluss geht es darum, die wichtige Phase der Rehabilitation einzuleiten, damit die Spieler spätestens in drei Tagen wieder Topleistung abrufen können. Das lockere und gleichmäßige Traben im gefühlten Zeitlupentempo sorgt dafür, dass überbeanspruchte Muskeln wieder „geordnet“ und minimal gereizt werden, damit überdehnte Fasern und Bänder wieder auf ihr Normalmaß reguliert werden.

Auslaufen war gestern: Jetzt ist Spinning angesagt! | © iStock.com/Pavel1964

Warum Spinning besser ist als Auslaufen

Seit ein paar Jahren ist das klassische Auslaufen in Verruf geraten, weil es viele Fitness-Experten als kontraproduktiv einstufen. Der Tenor: Um übersäuerte Muskeln zu entlasten und Laktat abzubauen, sind die Spieler unmittelbar nach dem Spiel noch viel zu erschöpft. Die Reha-Phase sollte viel sanfter eingeleitet werden, zumal sich auch viele Kicker über just erlittene Blessuren beklagen und mitunter gar nicht in der Lage sind, noch ein paar Runden durch das Stadion zu drehen. Der eigentliche Grund, warum die Mannschaft nach dem Spiel nicht mehr klassisch auf dem Rasen ausläuft, ist aber ein anderer: Dank der Technologisierung des Sports und seiner Hilfsmittel, gibt es für Profi-Fußballer und den Betreuerstab längst professionellere Mittel, um die müden Glieder der Spieler zu pflegen. Spinning-Räder sind somit – neben Massage, Eisbad und mitunter Sauna – zurzeit der wichtigste Baustein für die erfolgreiche Rückkehr auf den Platz.

Strampeln bis die Laktatwerte stimmen

Früher haben sich Fußballer nach Spielschluss erschöpft auf den Kabinenboden geworfen, Bierflaschen geöffnet und mitunter auch eine Zigarette kreisen lassen. Heute setzen sich die Spieler abwechselnd auf die Spinning-Räder, von denen in der Regel zwei bis drei in die Umkleidekabine mitgebracht werden. Die Standräder haben nur ein Schwungrad, das vorne sitzt, deshalb ist es sehr schwer, einen gleichmäßigen Tritt zu gewährleisten, wie man es sonst vom Fahrrad oder vom Ergometer kennt. Statt gedankenverloren vor sich hinzustrampeln, muss also koordinativ aktiv mitgearbeitet werden, damit sich die Räder auch sinngemäß drehen und der körpereigene Reha-Prozess eingeleitet wird. Ähnlich wie bei Fixie-Rädern oder Kunstradfahrern, haben auch Spinning-Modelle weder Leerlauf noch Bremsen. Durch die extrem konzentrierte Kraftanwendung ist das Treten hier auch weitaus effektiver als klassisches Radfahren, wo man das Tempo automatisch durch Verkehr und Beschaffenheit der Straße variieren muss.

Spinning als Feierabend-Workout für Fußballer

Eine gewöhnliche Spinning-Einheit für Kicker, die direkt vom Platz kommen, dauert (je nach individuellem Fitnesslevel) zwischen fünf und zehn Minuten. Dabei unterscheidet man zwischen drei unterschiedlichen Performance-Phasen:

  1. Zum Start sitzt man aufrecht im Sattel, die Hände liegen (wie beim Fahrradfahren) auf den Griffen. Wichtig ist eine minimale Bewegung der Beine mit nur leichter Kraftanstrengung. Die Muskeln müssen zunächst in einen sanften Rhythmus finden, damit das Laktat in den übersäuerten Muskeln abgebaut werden kann. Dauer: 1-2 Minuten.
  2. Jetzt beugt man sich nach vorne und stützt die Ellenbogen ab. Das Tempo wird minimal forciert. Dauer: 2-3 Minuten
  3. Man steht aufrecht auf dem Spinning-Rad, die Hände sind auf den Griffen abgestützt. Dauer: 2-3 Minuten.

Die Vorteile von Spinning

Grundsätzlich gilt, dass die Aktivität auf den Standrädern das Herzkreislaufsystem und die Ausdauer stärkt. Dass auch Profi-Radrennfahrer (mit Vorliebe im Winter) auf die Spinning-Cycles steigen, versteht sich von selbst. Profi-Fußballer profitieren aber deshalb besonders davon, weil die Standräder die Gelenke schonen und nicht so stark belasten wie die Joggingrunde im Zeitlupen-Trab. Hinzu kommt, dass die Rumpfmuskulatur auf schonende Art trainiert und stabilisiert wird. Vor allem wer das Tempo erhöht und im Stehen radelt, muss vom Rumpf her mehr Ausgleichsarbeit leisten. Fitness-Experten, etwa DFB-Athletik-Coach Mark Verstegen, sind zudem der Meinung, dass Spinning den Spielern unmittelbar nach dem Match hilft, sich mental wieder zu sammeln und Stress abzubauen. Eine unglückliche Niederlage, Frust und Enttäuschung kann somit kanalisiert werden. Ein Umstand, den man der deutschen Mannschaft natürlich nicht unbedingt wünscht. Wäre es nicht schöner, wenn man Thomas Müller diesmal mit dem WM-Pokal auf einem Spinning-Cycle sehen würde?

Portrait David Siems

Über #BeatYesterday-Autor David Siems


David Siems wohnt in unmittelbarer Nähe der Hamburger Außenalster und hat damit die beste und schönste Laufstrecke der Stadt quasi vor der Haustür. Blöderweise hat er trotzdem regelmäßig mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Früher lief er bei Marathon-Wettkämpfen gerne als Björn Borg oder Andre Agassi verkleidet (Schläger inklusive), um sich zu pushen. Heute reicht gute Musik auf den Ohren, etwa das „Revolver“-Album von den Beatles oder Leonard Cohen.

Veröffent­lichungsdatum: 22.06.2018
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