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Ehrgeizige Kinder können die Eltern gleichermaßen beflügeln und motivieren. I © iStock.com/Kikovic

Sport mit Kids – Spaß für Groß und Klein

Eltern haben zu wenig Zeit für ihren Sport – müssen die Kleinen aber zum Sport bringen und zuschauen. Warum nicht gleich zusammen aktiv sein?

Die 6-jährige Holly kann recht raffiniert sein, wenn sie Kontakt aufnehmen will. „Du bist aber stark!“, sagt sie zu dem fremden und in der Tat sehr durchtrainierten Mann, der gerade in einer kleinen und brandneuen Trimm-Dich-Anlage in einem Hamburger Park Klimmzüge macht. „Danke“, stöhnt der aus zusammengebissen Zähnen hervor. Das ist für Holly eine Einladung: „Guck mal!“ Und hangelt sich mit Händen und Füßen die kleine Reckstange daneben hoch. Hollys Papa, der auch im Park trainiert, kann derweil in Ruhe Sit-ups machen.

Eltern im Zeitstress: Sport muss warten

Sechs Jahre, das ist ungefähr das Alter, in dem es schwierig wird: Die Kleinen passen nicht mehr in „Eltern-Kind“-Kurse der Sportvereine, dafür wird das Zeitmanagement der Familie mit zahlreichen Kinderaktivitäten immer komplizierter. Viele Erwachsene geben genau hier ihre eigene sportliche Laufbahn vorerst auf. Nach verschiedenen Untersuchungen sind mehr als 80 Prozent der Eltern unzufrieden, was die eigenen Aktivitäten angeht. Die „AOK-Familienstudie 2018“ mit 5.000 befragten Vätern und Müttern ergab, dass nur 28 Prozent überhaupt Sport oder Fitnesstraining betreiben. Da taucht die praktische Frage auf: Papa oder Mama wollen sich bewegen, Kind sollte und könnte auch – aber was geht zusammen?

Schwimmen bietet sich für Groß und Klein als gemeinsame Sportart an. | © iStock.com/endopack

Wenn 12-Jährige dich überflügeln

Was bietet sich als Sportart an, wenn beide Seiten Spaß haben und gefordert werden wollen? Ein klassischer Versuch: Kind begleitet joggendes Elternteil mit dem Rad – leider ist da die kindliche Geduld meist eher erschöpft als der Jogger. Dann lieber richtig als Familie Rad fahren, das funktioniert, sobald die Kleinen mehr als eine Stunde schaffen. Und wenn der Ausflug interessant genug ist. Wie Radtouren mit Kindern Spaß machen, liest du hier.

Schwimmen geht eigentlich immer, das Trampolin im eigenen Garten (oder dem vom Nachbarn) auch. Darüber hinaus ist Eigeninitiative gefragt.

Vereine bieten Sport für Eltern und größere Kinder kaum an. „Man muss suchen und ausprobieren“, sagt Sebastian, PR-Berater aus Berlin. In seiner Familie war Tennis die Lösung: Mutter Claudia hatte als Jugendliche gespielt und erst mit den halbwüchsigen Töchtern wieder angefangen. Jetzt ist die 12-Jährige Helene drauf und dran, die Mutter zu überflügeln – eine perfekte Motivation, auch wenn eigentlich die Freundinnen schon interessanter sind als die Eltern. „Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie die Kinder besser werden“, sagt Sebastian.

Basketball ist besonders bei amerikanischen Vätern und ihren Kindern verbreitet. I © iStock.com/monkeybusinessimages

„Alt gegen Jung“, bis die Gelenke knacken

Groß und Klein zusammen – das funktioniert auch im Freizeit-Fußball. Sonntags um halb Zwölf im Hamburger Stadtpark treffen sich seit Jahrzehnten Fußball-Familien, inzwischen wächst die dritte Generation rein. Die beliebteste Konstellation heißt „Alt gegen Jung“. Das ist, wenn die Kinder etwa zwischen 9 und 14 und halbwegs unerschrocken sind, die ultimative Herausforderung für beide Seiten. Beim Kampf der Generationen werden die Kleinen schon mal über den Haufen gerannt, umgekehrt muss man sich um Muskeln und Bänder der „Alten“ durchaus sorgen.

Basketball spielen Generationen von amerikanischen Vätern mit ihren Kindern, Eins gegen Eins an der Garagenwand. Aber anders als beim Fußball lohnt es erst richtig, wenn die Kinder in die Höhe geschossen sind. Der Korb in der Einfahrt ist so oder so eine gute Idee – dann kann Papa schon mal ein paar Jahre vorher alleine trainieren.

Beim Bouldern ist gemeinsames Training der Generationen keine Seltenheit. I © iStock.com/AlexBrylov

Gemeinsam besser werden

Sehr oft, und erfreulicherweise, geben Eltern „ihren“ Sport an die Kinder weiter. Ein vielversprechender Ansatz für gemeinsame Aktivität geht umgekehrt: einen anspruchsvollen Sport lernen und beide gemeinsam von Null beginnen. Wenn es darum geht, grundlegende Techniken erst zu erlernen, können beide ungefähr Schritt halten. Was der Erwachsene an Kraft voraushat, macht das Kind durch Beweglichkeit wett – vielleicht mehr als das.

Ein gutes Beispiel ist Klettern oder Bouldern: eine der wenigen Sportarten, wo gemeinsames Training der Generationen öfter angeboten wird. Das kann auch beim Skaten, Kung Fu oder bei Rückschlagspielen, wie Tennis, Badminton oder Volleyball funktionieren. Im Tennis hat sich beispielsweise als Anfängertraining für Erwachsene eine Methode durchgesetzt, die aus dem Kindersport stammt. Man beginnt mit langsameren Schaumstoffbällen, die praktisch sofort ein gemeinsames Spiel erlauben. Damit entfallen die quälenden Monate, bis die schnelle Filzkugel auch nur halbwegs unter Kontrolle ist und der Spaß einsetzen kann. Das gleiche Prinzip gibt es beim Volleyball: Die Beach-Bälle sind leichter und weniger schmerzhaft als das knallharte Leder-Original. Damit können Eltern und Kinder gemeinsam versuchen, den Ball erst mal in der Luft zu halten, im Sand oder auf einer Wiese.

„Das machst du aber gut!“

Auf dem Fitness-Parcour in Hamburg ist inzwischen ein neuer Kandidat eingetroffen, der auf dem Barren recht imponierende Kraftübungen macht. „Das machst du aber sehr gut“, sagt Holly. Papa kann also noch etwas weiter trainieren. Die Bilanz des Trainingsausflugs ist nicht schlecht: Vater und Tochter haben sich bewegt, sind außer Atem und gut gelaunt. Einige andere Sportler hatten vielleicht mehr Pausen als geplant …

Über #BeatYesterday-Autor Raimund Witkop


Raimund Witkop hat als Sportjournalist (u.a. Welt am Sonntag, FAZ) auch über den Profi-Radsport berichtet. Privat kommt er vom Fußball und ist beim Tennis gelandet. Seine 6-jährige Tochter vermittelt ihm einen neuen Blick auf den Sport: Wettkampf zu mögen, muss man lernen. Die Übung, in der sie ihn als erstes überflügeln wird, steht aber schon fest: ein Rad schlagen.

Veröffent­lichungsdatum: 22.11.2018
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