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Nicht nur Wakeboarder auf dem Wasser kickt das Adrenalin, auch Zuschauer halten bei den spektakulären Tricks die Luft an. | © Wilfried Rick

Wakeboarderin Julia Rick tritt oft auch gegen Männer an

Julia Rick ist Deutschlands beste Wakeboarderin. Im Porträt erfährst du unter anderem, wie die Ausnahmesportlerin vom Profifußball zum Profi-Wakeboarden kam.

Am besten ist dieser kurze Moment, bevor der Zug wieder maximale Spannung aufnimmt und Julia Rick mit Schwung in die Luft zieht. „Grab“ nennen Fahrer dieses Phänomen. Nicht nur Wakeboarder auf dem Wasser kickt dann das Adrenalin, auch Zuschauer halten in diesen Momenten ganz kurz die Luft an, wenn sie Zeuge von spektakulären Tricks werden. Sie heißen „Blind Judge“ oder „KGB“, jene waghalsigen Manöver mit maximalem Schwierigkeitsgrad. Julia Ricks Lieblingstrick ist aber der „Mobe 5“: ein Rückwärtssalto mit 540-Grad-Drehung und Handübergabe hinterm Rücken. Aktuell gibt es keine andere Frau auf dem Planeten, die dieses Kunststück beherrscht. Wird es demnächst also Zeit für einen Signature-Move? Also einen Trick, den sie erfindet und andere zum Nachahmen einlädt, wie es Skateboarder Tony Hawk und Snowboarder Shaun White gemacht haben? „So etwas gibt es bislang nur bei Männern, aber wer weiß, vielleicht ist es tatsächlich eines Tages so weit“, sagt Julia Rick selbstbewusst.

Immer am Limit: Julia Rick kam vom Profifußball zum Profi-Wakeboarden! | © Wilfried Rick

Meisterin aller Klassen auf dem Wasser

Die 24-Jährige ist aktuell das Maß aller Dinge im Wakeboarding. Zigfache Weltmeisterin und Deutsche Meisterin, unterstützt von zahlreichen Sponsoren und Supportern. Beheimatet in Brühl, trainiert sie am knapp zehn Autominuten entfernten Bleibtreusee, wo eine von knapp einhundert Wakeboardanlagen Deutschlands steht. Die Saison in Deutschland geht von April bis Oktober, der vergangenen Winter verbrachte sie im thailändischen Phuket, wo es perfekte Bedingungen und eine professionelle Anlage gibt. Danach reiste sie in die USA und die Dominikanische Republik, um sich auf Wettbewerbe vorzubereiten.

Am liebsten fahre ich bei spiegelglattem Wasser, dann kann man mit dem Board am besten ankanten und wird bei Sprüngen in vier Metern Höhe nicht weggepustet.

Julia Rick

Harte Landungen gehören zum täglichen Geschäft

Jeden Tag absolviert sie zwei Trainingseinheiten von je zwei Stunden. Wenn sie nicht im Wasser ist, trainiert sie mit Freihanteln, Langhantel und macht unzählige Kniebeugen. Neben der Rumpfmuskulatur stabilisiert sie Rücken und Bauch, danach stehen Laufeinheiten auf dem Programm, um die Ausdauer zu verbessern. Wer glaubt, Wakeboarden hätte nur etwas mit Balance zu tun, der irrt. Dahinter steckt insgeheim ein Ganzkörpertraining. „Um harte Landungen wegstecken zu können, muss man vor allem die Beinmuskulatur trainieren, sonst kann man sich schnell das Knie verletzen“, sagt Julia Rick.

Julia Rick: „Als ich aus dem Wasser kam, wusste ich auf der Stelle: Das ist mein neuer Sport." | © Wilfried Rick

Früher 2. Bundesliga, heute Überfliegerin

Julia Rick hat auch Talent auf anderen Brettern: Ob Windsurfen, Snowboarden oder Kitesurfen, überall wo man ein Board braucht, ist sie ganz vorne mit dabei. Ihre eigentliche Begabung war ursprünglich aber eine ganz andere: Fußball. Bis zum Abitur kickte sie in der 2. Bundesliga beim 1. FC Köln auf der Position der zentralen Mittelfeldspielerin. Sie trainierte täglich und verbrachte die Wochenenden mit langer An- und Abreise zu Heim- oder Auswärtsspielen in ganz Deutschland. Eher zufällig probierte sie an einem freien Tag zum ersten Mal Wasserski am Bleibtreusee aus, war aber nach wenigen Malen schnell gelangweilt. Irgendwie fehlten die Action, der Kick und vielleicht auch das Adrenalin, das sie von packenden Fußballspielen kannte. Bis sie ein paar Jungs mit einem Wakeboard entdeckte – und sich zum ersten Mal aufs Brett stellte: „Ich habe sofort eine neue Leidenschaft entdeckt und konnte nach wenigen Anläufen direkt meine ersten Runden fahren. Als ich aus dem Wasser kam, wusste ich auf der Stelle: Das ist mein neuer Sport.“

Man darf sich einfach nicht zu viele Gedanken machen, was passieren kann.

Julia Rick

Am besten spiegelglattes Wasser und kein Wind

Aus der anfänglichen Liebe zum Wakeboard wurde schnell eine echte Passion, während das runde Leder fast komplett aus ihrem Leben verschwand. Heute spielt sie überhaupt kein Fußball mehr, nicht mal mit Freunden im Park. „Klar, mein Trainer war damals natürlich nicht gerade begeistert, als ich aufgehört habe, aber heute bin ich froh, dass ich einen kompletten Schlussstrich gezogen habe“, sagt sie. Wahrscheinlich war der radikale Cut auch notwendig, sonst wäre sie niemals so gut geworden. Die vielen Trainingsstunden haben sich bislang ausgezahlt, auch wenn die Witterungsbedingungen in Deutschland nicht immer die besten sind: „Am liebsten fahre ich bei spiegelglattem Wasser, dann kann man mit dem Board am besten ankanten und wird bei Sprüngen in vier Metern Höhe nicht weggepustet.“

Um harte Landungen wegstecken zu können, muss vor allem die Beinmuskulatur gut trainiert sein. | © Wilfried Rick

„Angst erhöht die Verletzungsgefahr“

Wer Wakeboarden ausprobieren will, muss eine gewisse Portion Mut mitbringen. Harte Stürze sind vorprogrammiert, alle Fahrer tragen Helm und Mini-Schwimmweste als Schutz. „Respekt ist gut, aber Angst ist hinderlich und bremst dich total aus. Wenn ich mir beim Fahren zu viele Gedanken mache, dann komme ich nicht voran. Das ist insgeheim auch der Grund, warum der Leistungsunterschied zwischen Frauen und Männern noch so groß ist: Viele Frauen haben noch nicht den gleichen Mut wie Männer, bestimmte Tricks auszuprobieren und sind zu verkopft“, sagt Julia Rick. Ihr Tipp: Sich Schritt für Schritt an die Tricks herantasten, nicht überhasten. „Man darf sich einfach nicht zu viele Gedanken machen, was passieren kann. Aber klar, Wakeboarden ist auch ein Extremsport.“

Viele Frauen haben noch nicht den gleichen Mut wie Männer, bestimmte Tricks auszuprobieren und sind zu verkopft.

Julia Rick

Die „Welt“ schrieb: „Vor dieser Frau zittern sogar harte Männer“

Weil ihr bei Wettbewerben mitunter die Konkurrentinnen abhandenkommen, tritt sie manchmal auch gegen Männer an. Ist es wirklich so, dass man ihr dort mit Angst und Ehrfurcht begegnet? „Nein, eigentlich nicht, aber in jedem professionellen Sport begegnet man sich mit höchstem Respekt. Es ist nicht so, dass wir alle die besten Kumpels sind und ständig gemeinsam abhängen. Jeder will gewinnen, egal ob Frauen oder Männer.“

Julia Rick ist aktuell das Maß aller Dinge im Wakeboarding. | © Wilfried Rick

Damit Wakeboarden noch bekannter und professioneller wird, muss man raus aus der Funsport-Nische, da sind sich viele Experten einig. Als Vorbild orientiert man sich vielerorts am Snowboarding, das einst ebenfalls als Spaß belächelt wurde und mittlerweile als olympische Disziplin in verschiedenen Varianten (Race oder Halfpipe) gefeiert wird. Was muss passieren, damit Julia Rick bei Olympischen Sommerspielen starten kann? „Wir haben aktuell zwei Weltverbände, die bislang nicht immer an einem Strang ziehen. Dort müssten erst einmal gewisse Differenzen beigelegt werden, damit der Sport weiter professionalisiert und irgendwann vielleicht auch olympisch werden kann“, sagt die 24-Jährige. Bis dahin versucht Julia Rick weiterhin Pionierarbeit zu leisten und kümmert sich dank eines Sportförderprogramms der Bundeswehr um ihre C-Trainer-Lizenz. Vielleicht sieht man sie dann eines Tages bei Olympia als Coach am Ufer. Genügend Adrenalin würde sie wahrscheinlich auch dann noch spüren.

Links / Linksammlung

© Wilfried Rick

Mehr Infos über Julia Rick:

Portrait David Siems

Über #BeatYesterday-Autor David Siems


David Siems wohnt in unmittelbarer Nähe der Hamburger Außenalster und hat damit die beste und schönste Laufstrecke der Stadt quasi vor der Haustür. Blöderweise hat er trotzdem regelmäßig mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Früher lief er bei Marathon-Wettkämpfen gerne als Björn Borg oder Andre Agassi verkleidet (Schläger inklusive), um sich zu pushen. Heute reicht gute Musik auf den Ohren, etwa das „Revolver“-Album von den Beatles oder Leonard Cohen.

Veröffent­lichungsdatum: 28.05.2018
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