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Einkaufsguide: die wichtigsten Bio-Siegel im Überblick

Bio ist nicht gleich Bio. Die einzelnen Siegel haben unterschiedlich strenge Kriterien. Hier kommt ein Überblick für deinen nächsten Einkauf.

Ist Bio wirklich besser? Bei dieser Frage scheiden sich die Ernährungsgeister. Tatsächlich kommt es darauf an, aus welcher Sicht man das Thema betrachtet. Zwingend gesünder als konventionelle Produkte sind Bio-Lebensmittel nämlich nicht, denn sie enthalten in der Regel nicht mehr Nährstoffe. Aber im Öko-Landbau werden oft weniger Pestizide verwendet und auch den Tieren geht es in der Regel besser. Zudem wird mehr auf Nachhaltigkeit geachtet. Sind dir diese Aspekte wichtig, kann Bio also eine gute Wahl sein. Orientierung beim Einkauf geben dir unterschiedliche Bio-Siegel.

Gut zu wissen:
Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ sind durch die EG-Öko-Verordnung gesetzlich geschützt. Wo sie draufstehen, ist also tatsächlich auch Bio drin. Auch die Abwandlungen „biologisch/ökologisch“, „kontrolliert ökologisch/biologisch“, „biologischer/ökologischer Landbau“, „biologisch-dynamisch“ und „biologisch-organisch“ kennzeichnen, immer in Kombination mit einem Siegel, Bio-Produkte.

Bio-Produkte: Vorsicht vor schwammigen Begriffen

Doch einige Hersteller spielen nur mit dem Image einer „schönen und heilen“ Bio-Welt. Viele Begriffe sind nicht geschützt, können frei von jedem Hersteller verwendet werden und sind allein kein Merkmal für Bio-Qualität. Zudem gibt es keine Kontrollen, ob die Behauptungen im Einzelfall tatsächlich stimmen. Zu den nicht geschützten Formulierungen gehören zum Beispiel:

  • „aus kontrolliertem Anbau“
  • „von staatlich anerkannten Bauernhöfen“
  • „unter unabhängiger Kontrolle“
  • „ungespritzt“
  • „ohne Spritzmittel“
  • „aus integrierter Landwirtschaft“
  • „aus Vertragsanbau“
  • „aus alternativer Haltung“
  • „aus umweltschonendem Anbau“

„Bio light“: EU-Bio-Siegel und Deutsches Bio-Siegel

Die EU regelt seit 1991 durch die EU-Öko-Verordnung, wie Öko-Produkte erzeugt, verarbeitet und gekennzeichnet werden. Alle verpackten Öko-Lebensmittel, die in der EU produziert wurden, müssen das EU-Bio-Siegel tragen (das sechseckige deutsche Bio-Siegel kann freiwillig zusätzlich genutzt werden) und die in der EU-Ökoverordnung festgelegten Mindeststandards erfüllen. So müssen beispielsweise 95 Prozent der Zutaten eines Produktes aus biologischem Anbau stammen, chemische Dünger und Pestizide sind größtenteils verboten und der Einsatz von Gentechnik und Zusatzstoffen ist beschränkt. Die Tierhaltung muss artgerecht sein – also mit ausreichend Platz und Auslauf im Freien. Doch besonders konkret sind die Kriterien hier nicht. Kritiker bemängeln, dass auch in Bio-Betrieben mitunter zu viele Tiere auf zu engem Platz gehalten werden, die Enthornung nicht grundsätzlich verboten ist, teilweise auch konventionelles Futter gefüttert werden darf und generell zu wenig Kontrollen stattfinden.

Auch in Sachen Klimaschutz könnte es noch strenger zugehen, heißt es immer wieder. Denn viele Bio-Produkte stammen aus dem Ausland. Die Energiebilanz beim Transport oder auch der Wasserverbrauch bei der Produktion vor Ort berücksichtigt das Siegel nicht. Bauern müssen außerdem keinen reinen Bio-Hof führen, sondern können eine Bio-Zertifizierung auch nur für einen Teil der Produktion erhalten.

Mehr Infos findest du auf www.oekolandbau.de.

Deutlich strenger: die Bio-Siegel der Anbauverbände

Viele Biobauern haben sich in privaten und unabhängigen Anbauverbänden mit eigenen Siegeln organisiert, die zusätzlich zum EU-Bio-Siegel auf einem Produkt zu finden sind. Die Kriterien der Verbände gehen meist deutlich über die Standards des EU-Bio-Siegels hinaus. Zwar werden jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt – grundsätzlich ähneln sich die strengen Regeln der Verbände aber. Pflicht ist beispielsweise bei allen, dass sämtliche Zutaten eines Produktes aus biologischer Erzeugung stammen müssen. Gentechnik ist tabu und es sind weniger Zusatzstoffe erlaubt. Auch die Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und artgerechte Tierhaltung stehen bei den Anbauverbänden stärker im Fokus als bei der EU-Öko-Verordnung. Achte beim Kauf also ruhig darauf, ob zusätzlich zum EU-Siegel noch eines der folgenden Siegel auf der Packung zu finden ist.

Demeter

Ein echter Öko-Pionier: Demeter ist der älteste Bioverband Deutschlands (gegründet 1924), steht für eine biodynamische Landwirtschaft und gilt als besonders streng. Er erlaubt die wenigsten Zusatzstoffe und ist sehr kritisch auch in Sachen Tierwohl. So ist zum Beispiel die Enthornung von Tieren grundsätzlich verboten. Das Futter muss nicht nur Bio sein – sondern zu großen Teilen in Demeter-Qualität. Dabei muss mindestens die Hälfte vom eigenen Hof oder einer Betriebskooperation stammen. Im Sommer ist viel Grünfutter, im Winter möglichst viel Heu vorgeschrieben. Um das Siegel tragen zu können, müssen mindestens 90 Prozent der Zutaten eines Produktes aus Demeter-Herstellung stammen.

Mehr Infos findest du auf www.demeter.de.

Naturland

Naturland ist einer der größten ökologischen Anbauverbände und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Der Verband steht unter anderem für nachhaltiges Wirtschaften, für soziales Engagement, praktizierten Natur- und Klimaschutz und setzt sich für den Erhalt von Boden, Luft und Wasser ein. Auch in Sachen Tierwohl sind die Kriterien strenger als beim EU-Siegel und detailliert geregelt. Das betrifft nicht nur die Haltung, sondern auch Transport und Schlachtung. Durch eine zusätzlich zur EU-Kontrolle stattfindende externe Tierwohlkontrolle werden Betriebe zudem regelmäßig überprüft und die Öko-Tierhaltung so ständig weiterentwickelt.

Mehr Infos findest du auf www.naturland.de.

Biopark e.V.

Der Biopark-Verband wurde 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Heute gehören ihm mehr als 500 Betriebe in ganz Deutschland an. Auch bei Biopark-Landwirten stehen Umweltschutz, Landschaftspflege und eine artgerechte Tierhaltung im Fokus. So ist zum Beispiel die Anbindehaltung komplett verboten, das Futter für die Tiere sollte vollständig dem produzierenden Betrieb entstammen. Wasserressourcen werden besonders nachhaltig genutzt.

Mehr Infos findest du auf www.biopark.de.

GÄA e.V.

Der Name des Verbandes Gäa leitet sich aus dem griechischen „Gaia“ („Urmutter Erde“) ab. Die Richtlinien des Verbandes beinhalten so auch Auflagen zu Naturschutz und sozialen Kriterien. Insbesondere setzt Gäa sich auch für den Schutz von Bienen ein und verbindet Imker mit Öko-Landwirten.

Mehr Infos findest du auf www.gaea.de.

Biokreis

Der Verband Biokreis entstand ursprünglich aus einer Verbraucherinitiative heraus. Heute fördert der Verband die ursprüngliche, bäuerliche Landwirtschaft auf Basis des Öko-Landbaus. Und stärkt insbesondere regionale Netzwerke zwischen Biobauern und ökologischen Lebensmittelproduzenten. Mit der Initiative „regional & fair“ wird außerdem die Zusammenarbeit von Bio-Vermarktern mit regionalen Biolandwirten rund um ihren Firmensitz gefördert.

Mehr Infos findest du auf www.biokreis.de und www.regional-und-fair.de.

Ecovin

Der Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V. wurde 1985 gegründet und steht für verantwortungsvollen und zukunftsorientierten ökologischen Weinbau. Durch die Nutzung natürlicher Ressourcen soll die Umwelt geschont und die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleiben. Ziel ist die konsequente Reduktion des Energieverbrauchs und der Emission klimaschädlicher Treibhausgase während der gesamten Produktionskette. Auch der aktive Artenschutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten ist ein zentraler Punkt der Richtlinien.

Mehr Infos findest du auf www.ecovin.de.

Fazit

Das EU-Bio-Siegel kennzeichnet Produkte, die festgelegte Mindeststandards erfüllen. Die privaten Anbauverbände, wie Demeter, Naturland oder Bioland, haben strengere Kriterien, die in den meisten Punkten über die EU-Richtlinien hinausgehen. Gut zu wissen: Auch viele kleine, nicht bio-zertifizierte Höfe, achten auf die Themen Tierwohl und Nachhaltigkeit. Ein Hof aus deiner Region, der transparent arbeitet, kann also auch eine gute Alternative sein.

Nicole Benke
© Martin Szymanski

Über Nicole Benke


Nicole Benke (37) liebt gutes Essen – am liebsten selbst gekocht aus frischen Produkten der Saison. Von Crash-Diäten hält die Food-Journalistin gar nichts. Sie findet: Eine gesunde Ernährung soll Spaß machen, darf nicht verkrampft sein und muss auch mal Raum für Genuss bieten. Denn strikte Verbote machen nur schlechte Laune. Und wer kann die schon gebrauchen?

Veröffent­lichungsdatum: 19.10.2017
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