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Boris the Bee King

Heute ist Boris der Herrscher über drei Völker. Doch der Weg vom Honigfan zu eigenen Bienenvölkern war für ihn ein echtes "BeatYesterday". Ein Erfahrungsbericht.

Honey makes the World go round

© Boris Erdmann

Stadtimkern ist in. Ein Trend, der Schule macht. 1,2 Kilo Honig essen wir Deutschen pro Kopf und Jahr. Tendenz steigend. Doch nur 20 Prozent davon kommt aus Deutschland. Das Gros wird tonnenweise aus Mexiko, Argentinien und China importiert, zumeist in billiger Quetscheflaschen-Qualität. Alles schmeckt gleich. Als würde man billigen Wein wieder und wieder trinken. Für einen Honigliebhaber eine Qual. Deshalb fing ich selber an zu imkern. Es war längst überfällig. Ein permanent überarbeiteter Großstädter, Vater von vier Kindern, ein Stressmensch mit zu wenig Schlaf und zu hohen Zielen. Ich musste mir den Alltag etwas versüßen.

Zwei Imker, drei Meinungen

© Boris Erdmann

Es war „More than Honey“ – ein aufrührender, nachdenklicher Film über den Kosmos der Bienen, die sanfte Liebeserklärung des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof an seinen imkernden Großvater. Ein Film mit einer eindeutigen Botschaft: Die Biene stirbt. Schuld ist wie so oft der Mensch. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Mein Plan stand damit fest. Du tust was dagegen! Du wirst der kleine Öko-Aktivist, der eines Tages stolz in die Welt ruft: „Die Biene stirbt? Nicht durch mich!“ Doch wie wird man Imker, Bienenzüchter, Honigproduzent? Indem man grünschnabelgleich einfach loslegt. Klingt super, nicht wahr? Doch schon über die erste Hürde stolperte ich: Woher kommen die Bienen? Welche Sorte? Bei Tengelmann gibt es keine, ebenso wenig in der Zoohandlung und auch nicht bei Amazon. Und der Imker in meiner Nähe ließ mich muffelig abblitzen: „Kein Interesse!“. Okay.

Es war der berühmte Freund von Freunden, ein Api-Therapeut mit dem Sendungsbewusstsein eines gemütlichen Buddhas, einer, der fast alles über die Bienen und Honig weiß. Der mich aber trotzdem warnte: „Zwei Imker, das sind immer drei Meinungen.“ Das erste Mal am offenen Bienenstock war ein Schock. So viele wimmelnde Tiere auf so engem Raum, das Brummen beängstigend, die Anzahl der Stachel zum Fürchten, die Wabenfülle chaotisch. Nimm mal eine Brutwabe mit mehreren hundert krabbelnden Bienen in die Hand, ohne loszulassen … drei Stiche in den Finger, einen in die Niere und in den Nacken waren der Lohn der Angst. Doch ich hatte nicht losgelassen. Vier Stunden später fuhr ich mit drei Bienenbeuten im Kofferraum wie auf Eiern nach Hause. Ein Crash und mehr als 120 000 Bienen hätten mich wohl in einen wimmernden Teigklumpen verwandelt.

Honey, I love you!

© Boris Erdmann

Apropos Honig – für viele Menschen ist dieser einzigartige Extrakt aus Nektar, Enzymen und Eiweiß purer Zucker, mal hell, mal dunkel, mal flüssig, mal fest. Doch für Imker wie mich ist es ein leckeres Wundermittel der Natur. Es heilt Wunden und entzündete Rachen, es lässt Kinder wie Erwachsene zu Schleckermäulern werden. Der Naturextrakt aus Tausenden Bienen ist mehr als nur Zuckerersatz. Seit ich kiloweise Honig esse und Bienengift durch meine Adern fließt, bin ich immun gegen Erkältungen. Und ein neuer Bienenstock in unserem kleinen Privatgarten nahe am Wohnhaus sorgt für mehr Blütenglanz als früher und es summt den ganzen Tag. So fühlt sich gesunde Natur an. Honig gibt es nun gläserweise zu Geburtstagen und Partys.

Es lebe der König!

© Boris Erdmann

Mein Plan ist aufgegangen. Ich bin ein kleiner Bienenkönig geworden, der sein Volk mit sanfter Hand regiert. Es ist meine Art der Wiedergutmachung an Mutter Natur. #BeatYesterday heißt für mich, dafür zu sorgen, dass die Biene nicht ganz so schnell weiterstirbt. Zumindest nicht dort, wo ich lebe. Und übrigens: Ich summe ziemlich oft herum. Auch das habe ich von meinen tierischen Mitbewohnern gelernt. Die Gelassenheit kommt später.

Veröffent­lichungsdatum: 29.08.2016
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