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Ohne Bienen wird es uns in naher Zukunft an so manchem Lebensmittel mangeln. | © iStock.com/kojihirano

Du willst Lebensmittelvielfalt? Engagiere dich für Bienen!

Bienen sind die drittwichtigsten Nutztiere Deutschlands. Ohne Bestäubung kein Obst. Doch leider ist ihre Existenz bedroht. So kannst du die Bienen retten.

Schon die Jüngsten unter uns wissen, dass uns Kühe Milch, Hühner Eier und Bienen Honig liefern. Lassen wir die Kühe und Hühner heute gedanklich „im Stall” und widmen unsere Aufmerksamkeit den Bienen. Es ist an der Zeit, uns und unseren Kindern nicht nur die süße Gaumenfreude Honig schmackhaft zu machen, sondern auch die Wichtigkeit der kleinen schwarz-gelben Flügelschläger. Denn der goldene Sirup ist genau genommen nur ein schmackhaftes Nebenprodukt, viel wichtiger für unsere Lebensmittelvielfalt ist der Akt des Pollensammelns.

Bienen sind wichtige Nutztiere

Nach Rindern (Platz 1) und Schweinen (Platz 2) sind Bienen in Deutschland die drittwichtigsten Nutztiere. Wer hätte das gedacht? Doch was nutzen sie uns denn nun eigentlich? Allergiker schreien an dieser Stelle auf. Schmerzende Stiche und heftige Reaktionen sind wahrlich nutzlos! Wobei es meist die aggressiveren Wespen sind, die gerne zustechen. Ich persönlich gebe mir Mühe, meine „Bienenstichängste” zu überwinden und dem kleinen Insekt seinen bedrohten Lebensraum ganz in meiner Nähe zu erweitern. Ich werde den Bambus aus meinem Garten entfernen und eine bunte Blumenmischung säen.

Wir alle sollten eine gute und gesunde Beziehung zu den fleißigen Bestäubern aufbauen. Vor allem aber die Landwirte, die für einen möglichst hohen Ertrag ihre Felder mit Pestiziden bearbeiten und damit nicht nur ungeliebte Fressfeinde, sondern leider auch ganze Bienenvölker vernichten.

Fakt ist: Ohne Bienen wird es uns in naher Zukunft an so manchem Lebensmittel mangeln.

Nicht nur für Bestäuber sind in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide schädlich. Diese und andere Gifte können über viele Lebensmittel auch auf deinem Teller landen. Lies hier mehr über mögliche Schadstoffe in unserem Essen.

Ein Discounter schockiert seine Kunden

Um das Bewusstsein zu schärfen und uns Konsumenten die Augen deutlich zu öffnen, startete ein Penny Markt in Hannover Langenhagen am 20. Mai dieses Jahres die Aktion „Stummer Frühling”. Über Nacht wurden alle Produkte, die abhängig von der Bienenbestäubung sind, für einen Tag aus dem Sortiment genommen.

In Zahlen bedeutete das: Von den 2.500 Artikeln in der Produktpalette sind rund 60 Prozent direkt oder indirekt von der Insektenbestäubung abhängig. Das waren in diesem Fall 1.500 Produkte! Die Regale waren quasi leergefegt.

Die Aktion „Stummer Frühling” sorgte im Mai für leere Supermarkt-Regale. | © PENNY Markt GmbH

Lernen kommt vom Anfassen. So ist es wohl. Ich halte mich für eine relativ aufgeklärte Person, dennoch war mir nicht bewusst, dass so viele Lebensmittel von den fleißigen Summern abhängig sind. Durch das Sammeln der Pollen bestäuben sie gleichzeitig die Pflanzen. Erst dann können sich die Früchte entwickeln.

Bienen sind reinste „Biodetektive”! Kränkelt die Umwelt, machen sie schlapp. Besonders in der Landwirtschaft eingesetzte Insektizide machen ihnen das Leben schwer. Umweltverbände fordern seit langer Zeit ein Verbot dieser Gifte. Sie stehen im Verdacht, die Verursacher des aktuellen Bienensterbens zu sein.

Die neuesten Giftverbote gelten europaweit

Ein erster Schritt ist gemacht.

Der Freilandeinsatz von den drei Stoffen – Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – ist künftig europaweit verboten. Nach Einschätzungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stellen die Insektengifte auch dann ein Risiko für Bienen dar, wenn die Blüten selbst nicht damit behandelt wurden. Es reiche, wenn der Boden, auf dem die Pflanzen wachsen, kontaminiert sei. Es muss also noch mehr passieren!

Alle der drei genannten Insektizide gehören der Gruppe der Neonicotinoide an.

Ein Teufelszeug! Hat es die Biene erst einmal aufgenommen, wird ihr Nervensystem angegriffen und damit ihr Orientierungssinn gestört. Die Biene schafft es einfach nicht mehr zurück in ihren Stock!

Das Verbot der Insektizide ist gut, reicht aber bei Weitem nicht aus. Denn der Biene fehlt es an Lebensraum. Sie findet immer weniger Nisträume und eine bunte Mischung an Futterpflanzen. An dieser Entwicklung ändert auch ein Verbot von Pestiziden nichts.

„Die Biodetektive vom Airport”

Wir brauchen nicht immer Messstationen oder aufwendige Laborverfahren, um die Dysbalance des Ökosystems frühzeitig zu erkennen. Der Hamburger Flughafen nutzt in Zusammenarbeit mit Hobbyimker Ingo Fehr Bienen als Umweltbarometer, um Hinweise auf Schadstoffe frühzeitig zu erhalten. Denn dort, wo es den Bestäubern gut geht, ist auch die Umwelt intakt. Acht Bienenvölker schwirren zwischen April und August auf und um das Flughafengelände herum, um Nektar und Pollen zu sammeln.

1999 begann die „Beziehungsgemeinschaft: Biene, Imker, Flughafen” ihre Arbeit.

© Michael Penner, Hamburg Airport
© Michael Penner, Hamburg Airport

Biene, Imker, Flughafen - seit fast zehn Jahren ein Team: Der Hamburger Flughafen nutzt in Zusammenarbeit mit Hobbyimker Ingo Fehr Bienen als Umweltbarometer.

Mit unserem Projekt nutzen wir die Eigenschaft der Biene als Indikator und Sammler und auch die mögliche Anhäufung von Schadstoffen in Pollen, Wachs und Honig. So können wir das Ausmaß von Immissionen in unserer näheren Umgebung einschätzen.

Ingo Fehr, Imker

Um auf Nummer sicher zu gehen und Kontrollwerte zu erhalten, wird der „Flughafen-Honig” jedes Jahr vor Verkauf von einem unabhängigen Umweltschutzlabor untersucht. Bislang war der Honig stets unbelastet. Auch die Pollen werden vom Institut für Bienenkunde in Celle untersucht. Seit Beginn der Honigernte gab es auch hier immer einwandfreie Werte.

Die Pionierarbeit des Hamburger Flughafens kommt gut an. Ingo weiß von zehn weiteren Flughäfen, die sich nun ebenfalls Bienenvölker als Umweltbarometer halten.

Und was kannst du tun?

Die Politik kannst du nur schwer und, wenn überhaupt, sehr langsam beeinflussen. Wir können bei uns selbst anfangen, Verantwortung zu übernehmen. Ganz einfach zu ändern ist dein Kaufverhalten. Wähle Produkte aus ökologischem und regionalem Anbau. Diese sind frei von Pestiziden.

Erweitere den „gesunden” Lebensraum für Bienen und bepflanze deinen Balkon, deinen Garten, deine Dachterrasse und deine Fenstersimse bienengerecht. Weg mit der grünen Monokultur, her mit der bunten, heimischen Blumenpracht! Es gibt die „bunte Bienenmischung” als Saat zu kaufen. Wird aus der Saat ein hübsches Blumenbeet, erfreuen sich nicht nur die Bienen an den Blüten und deren Nahrungsvielfalt. Du kannst aber auch Insektenhotels aufstellen, in denen die Bienen und andere Insekten einen Nistplatz finden.

Wer noch einen Schritt weiter gehen mag, kann Hobbyimkerlehrgänge besuchen und sich einen eigenen Stock halten. Wenn Raum, Zeit und Lust dies zulassen, wird der Honig aus dem eigenen Stock sicher ein Geschenke-Knaller und sehr beliebt:

Video

Alternativ zum „Selberimkern” empfehle ich das Nachhaltigkeitsprojekt „bee-rent”. Wie der Name bereits verrät, können Bienenstöcke auf Zeit von Privatpersonen, Schulen oder Verbänden geleast werden. Du stellst den bienenfreundlichen Raum für den Stock und ein Imker aus der Nähe kümmert sich ganzjährig um dein persönliches Bienenvolk. Das Wunderbare daran ist, der zu erntende Honig geht an dich und du darfst bei der Pflege deiner Bienen dabei sein. Die Kosten für den Imker und die Hardware liegen zwischen 170 und 199 Euro pro Monat (je nach Leasing Laufzeit). „Karmapunkte” für diesen Einsatz gibt es natürlich gratis!

Drohnen als Bienen der Zukunft?

Sollten die Bienen als Bestäuber ausfallen, hält Japan bereits einen „Plan B” in der Hinterhand. Im Land des Lächelns sollen nicht nur Pakete mit Drohnen ausgeliefert werden. Nein, die technischen Flugobjekte sollen mit Pferdehaarpinseln versehen, den Bestäubungsjob der Bienen übernehmen. Im Labor funktioniert die irrwitzige Idee bereits. Möglich, dass es auch in der freien Wildbahn funktioniert. Zumindest hätten wir dann weiterhin Früchte, allerdings bestimmt keinen Honig. Aber ganz ehrlich: Wollen wir das?

Ich persönlich empfinde das Bestäuben durch motorisierte, fliegende „Roboter-Bienen” als beängstigende Science-Fiction. Wir sollten alle unsere Kräfte mobilisieren und der Biene eine echte Überlebenschance geben. Es ist noch nicht zu spät. Jetzt können wir noch etwas tun!

© Chris Zielecki

Über #BeatYesterday-Autorin Wiebke Heygster


Wiebke Heygster arbeitet seit nun 20 Jahren im Medienbereich. Sie ist viel gereist, beruflich wie privat. Seit der Geburt ihrer beiden Kinder ist das Thema Nachhaltigkeit für Wiebke noch ein bisschen wichtiger geworden. Ihre persönliche Challenge ist, jeden Tag ein bisschen ökologischer zu leben und ihren Kindern eine saubere Umwelt zu hinterlassen. Sportlich ist das geborene „Küstenkind” entweder auf der Yogamatte oder am Strand beim Kitesurfen zu finden.

Veröffent­lichungsdatum: 17.07.2018
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