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Mit dem Rad durch die Hauptstadt Andalusiens: Sevilla bietet mittlerweile eine tolle Fahrradkultur. I © iStock.com/JULIAN74

Sevilla – so erkundest du die andalusische Stadt auf zwei Rädern

Autorin Despina hat Sevilla im Mai besucht und mit dem Fahrrad entdeckt. Hier kommen ihre Tipps für eine Sightseeingtour im Zentrum der andalusischen Hauptstadt.

Ein Morgen im Mai. Sevilla – die Stadt des Sherrys, der Tapas und des Flamencos erwacht gerade zum Leben. Orangenbäume säumen die Straßen und tauchen die Stadt in ihren Duft. Die Temperaturen sind noch mild. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um mich auf den Weg zu machen, bevor es heiß wird.

1. Stopp: Leihstation

Es gibt zahlreiche Shops, in denen du dir ein Fahrrad leihen kannst. Ich wähle das Centerbici. Es liegt unweit der Plaza de la Encarnación, wo ich übernachte – der perfekte Ausgangspunkt, um die Stadt zu erkunden. 12 Euro kostet hier ein Leihrad pro Tag – auch die Miete für wenige Stunden und geführte Stadttouren mit dem Rad sind möglich. Abgesehen von Fußgängerzonen und Bürgersteigen kannst du überall cruisen.

Tipp: Leih dir einen Fahrradkorb und einen Spanngurt dazu, um eventuelle Einkäufe mühelos zu transportieren.

Autorin Despina hat Sevilla im Mai besucht und mit dem Fahrrad entdeckt. | © Stephen Kraakmo on Unsplash

2. Stopp: Frühstück

Mein Weg führt mich zuerst in die Er Tito Bar in der Calle Jose Gestoso 11. Wer ein schnelles Frühstück für kleines Geld mag ist hier genau richtig. Die Gäste sitzen draußen an Bistrotischen oder auf Barhockern an schmalen Stehtischen und genießen knusprige Tostaditas, leckeren Kaffee und natürlich frisch gepressten Orangensaft. Alternativ bietet das Filo in der Calle de Hernando Colon 19 alles für ein ausgedehntes Frühstück. Es ist nur eine Minute von La Giralda, meinem nächsten Stopp, entfernt. Im Filo kannst du noch abseits des Trubels, in den du dich gleich stürzen wirst, leckere Sandwiches, Salate, frische Säfte und guten Kaffee in geschäftiger Atmosphäre genießen. Auch Vegetarier und Veganer kommen hier zu jeder Tageszeit auf ihre Kosten.

Blauer Himmel über der Plaza de la Encarnación. | © Despina Borelidis

3. Stopp: La Giralda

In weniger als fünf Minuten bin ich unter dem „Dach der Stadt“ angekommen – so nennen die Andalusier liebevoll ihr historisches Erbe. La Giralda, das ehemalige Minarett der Hauptmoschee, thront mit 97,5 Metern weit über dem reizvollen Viertel El Arenal und darüber hinweg. Es bildet so den perfekten Orientierungspunkt, wenn du planlos durch die Gassen der Stadt streifst. Das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt vereint arabische Architektur mit den Elementen der Renaissance. 1196 wurde der Grundstein gelegt. Der Glockenturm beherbergt 24 Glocken, die du zu jeder vollen Stunde besonders laut zu hören bekommst. La Giralda wurde 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – ebenso wie die mächtige Kathedrale Santa María de la Sede, die sich direkt neben La Giralda befindet.

Weltkulturerbe: die Kathedrale Santa María de la Sede. | © Henrique Ferreira on Unsplash

4. Stopp: Kathedrale Santa María de la Sede

Ich umrunde die prachtvolle Bischofskirche und lasse ihr Ausmaß auf mich wirken: Die Santa María de la Sede ist die größte gotische Kathedrale Spaniens und eine der größten Kirchen weltweit. Sie erstreckt sich auf beeindruckenden 116 Metern Länge und 76 Metern Tiefe. Ihr Bau begann 1401 und dauerte insgesamt 118 Jahre. Es heißt, der Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus ruhe hier. Solltest du dich dazu entscheiden, die Kathedrale zu besichtigen, lohnt sich der Ticketkauf vorab. So umgehst du lange Warteschlangen. Buche eine Dachführung, wenn du schwindelfrei bist und dir den Blick über die Stadt nicht entgehen lassen willst. Die Kathedrale öffnet frühestens um 11 Uhr und ist an Montagen ab 15:30 Uhr geschlossen. Achte also in jedem Fall auf die Öffnungszeiten. Ich bin an diesem Morgen zu früh dran und bestaune die riesigen Mauern, in die filigrane Figuren gemeißelt sind, und die massiven gusseisernen Türflügel nur von außen.

Der imposante Eingangsbereich der Kathedrale Santa María de la Sede. | © Despina Borelidis

5. Stopp: Stadtviertel Santa Cruz

Mich treibt es weiter ins Labyrinth des benachbarten Viertels Santa Cruz. Seine Plätze und schmalen Gassen laden dazu ein, sie in Ruhe zu erkunden. Die teilweise gefliesten Passagen des ehemaligen Judenviertels sind schattig und riechen wie die Seiten eines alten Buches. Ab und an kannst du einen Blick in pittoreske, marmorne Innenhöfe erhaschen, in denen Palmen wachsen, oder sogar in die Kursräume einer Flamenco-Schule. Oder du versuchst dein Glück gleich beim La Casa del Flamenco in der Calle Ximénez de Enciso 28. Vielleicht laufen ja gerade die Proben für die Flamenco-Show am Abend? Denn in diesem historischen Haupthof eines ehemaligen Palastes aus dem 15. Jahrhundert werden nächtliche Flamenco-Shows dargeboten.

Die Bistros an der Calle Argote de Molina erfrischen ihre Gäste mit Wassernebel. | © Despina Borelidis

6. Stopp: Markt von Triana

Es ist Zeit, nach dem entspannten Cruisen mal ordentlich in die Pedale zu treten. Ich bin jetzt schon zwei Stunden unterwegs und möchte, bevor die Mittagshitze brütet, noch auf die andere Seite des Río Guadalquivir (Fluss) und dort auf den gut zwei Kilometer entfernten Markt von Triana. Auf meinem Weg streife ich die Stierkampfarena Real Maestranza de Caballería de Sevilla und überquere den Fluss auf der Puente de Isabel II. Die Brücke verbindet die touristische Altstadt mit dem ruhigen Stadtteil Triana. Dort quillt ein kleiner, aber üppiger Lebensmittelmarkt über von frischem Gemüse, Obst, Käse, Fisch und Fleisch. In der Markthalle gibt es kleine Stände und Mini-Restaurants, die lokale Spezialitäten zu günstigen Preisen zubereiten. Viele Einheimische essen und kaufen hier ein. Tipp: Möchtest du ein Stück Manchego mit nach Hause bringen? Hier kannst du es dir für deine Reise in Vakuum verpacken lassen. Ich nehme mir einige Köstlichkeiten für ein Picknick im Park mit und fahre über die Triana-Brücke wieder zurück und weiter am Flussufer des Guadalquivir entlang.

Sevilla hat erst in den letzten 20 Jahren eine Fahrradkultur aufgebaut. Der Anteil von Radfahrern betrug 1990 gerade mal 0,6 Prozent. Spanische Stadtplaner nahmen sich Städte wie Amsterdam und Kopenhagen zum Vorbild und entwickelten mittlerweile eine Infrastruktur für Fahrradwege, die mehr als 164 km misst. Heute nutzen über 10 Prozent der Einwohner die grün gekennzeichneten Strecken der Stadt.

7. Stopp: María Luisa Park

Die Temperaturen steigen, es zieht mich an einen luftigen, schattigen Ort. Der María Luisa Park ist knapp drei Kilometer vom Markt entfernt. Mein Weg dorthin führt mich über den Paseo Alcalde Marqués del Contadero – eine wunderschöne Radstrecke entlang des Guadalquivir, vorbei am Torre del Oro („Goldturm“) und der Universität von Sevilla. Nach einer Viertelstunde tauche ich schließlich in die grüne Oase der Stadt ein: Mit 34 Hektar ist der María Luisa Park der größte öffentliche Park der andalusischen Hauptstadt. Radfahrer und Kutschen teilen sich die breiten Sandwege, Springbrunnen plätschern in angelegten Teichen, in denen Schwäne majestätisch um Patios schwimmen. Wilde Papageien sitzen in Palmen und Orangenbäumen. Es ist ein zauberhafter Ort für eine Radtour und ein kleines Picknick. Architektur- und Geschichtsliebhaber werden sich über das Archäologische Museum und die Prachtbauten an der Plaza de España freuen, die ich, vom Picknick gestärkt, bei meiner Fahrt zurück in Richtung der Altstadt streife.

Der María Luisa Park in Sevilla. | © Despina Borelidis

8. Stopp: Real Alcázar im Park Jardines de Murillo

Mein Weg führt mich nach fünf Minuten vorbei an den Jardines de Murillo. Die Parkanlage liegt direkt an den Gärten des königlichen Palastes Real Alcázar. Hundertjährige Gummibäume säumen die Sandwege. Springbrunnen und mit bunten Kacheln verzierte Bänke laden zum Verweilen ein. Die imposante Schlossanlage gehört zu den ältesten der Welt. Es wirkt, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Der malerische Palast ist heute noch eine Residenz der Königsfamilie und diente unter anderem der Serie Game of Thrones als Filmkulisse.

Mich zieht es nach der Tour zurück ins Hotel zu einer Siesta. Es ist kurz nach 13 Uhr, die Temperaturen liegen bei 27 Grad. Ich habe zu diesem Zeitpunkt etwa 14 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt und war mit zahlreichen Stopps und kurzen Spaziergängen fast vier Stunden unterwegs. Zum Glück ist der zwei Kilometer lange Weg zurück ins Hotel flach. Ich muss nicht wirklich in die Pedale treten und lasse mich im wahrsten Sinne des Wortes treiben.

Ein Blick in die Gärten des königlichen Palastes Real Alcázar. | iStock.com/Vladislav Zolotov

9. Stopp: Tapas

Cerveza, Mazamorra, Salmorejo, Gazpacho und Porra – Sevilla betört mit einzigartiger Kulinarik. Sein Sherry und seine Tapas sind weltberühmt und seine Bars haben lange Tradition. Nach meiner ausgedehnten Siesta ist es Zeit für das El Rinconcillo, die wohl berühmteste Ecke Sevillas. „Das Eckchen“ in der Calle Gerona Nr. 40 ist seit 1858 im Besitz der Familie De Rueda. Seine Geschichte als Taverne reicht zurück bis 1670. In der ältesten Tapas-Bar der Stadt werden unwiderstehlich leckere Tapas in Windeseile serviert. Das Weinregal reicht bis unter die meterhohe Decke. Fragst du nach der Rechnung, schreibt sie dir der Kellner schwungvoll mit Kreide auf den Tisch.

Tapas in Sevilla | © Despina Borelidis

10. Stopp: Shopping

Nach dem Essen ist ein guter Moment, um mit dem Fahrrad in Richtung der Fußgängerzone Calle Tetuán zu fahren und zu shoppen. Mein Fahrrad stelle ich dort ab, denn von 10 bis 22 Uhr ist das Fahrradfahren hier verboten. Ich spaziere auf der Calle Tetuán und ihren umliegenden Straßen und Gassen vorbei an Juwelieren, Modegeschäften, Cafés, Gourmetrestaurants und Schaufenstern voller Flamenco-Kleider. Vor einem mit Fächern aller Art bleibe ich stehen. Fächer sind in Sevilla ein Must-have. An heißen Tagen sind sie nicht wegzudenken. Die Andalusier nutzen sie mit Stolz.

Tipp: Neben seinem Kühlungseffekt ist ein Fächer aus Seide ein wunderschönes Accessoire, Souvenir und Mitbringsel.

Shopping-Bummel in der Fußgängerzone von Sevilla. | © Despina Borelidis

11. Stopp: Metropol Parasol

Bevor es in Richtung der Plaza de la Encarnación zurückgeht, gebe ich mein Fahrrad ab. Es hat mir gute Dienste geleistet, das Hotel ist auch nicht mehr weit weg. Direkt vor seinen Türen erstreckt sich das Metropol Parasol. Entworfen wurde das futuristische Bauwerk vom Berliner Architekturbüro Jürgen Mayer H. Unter seinem Dach befinden sich unter anderem ein Museum, ein Markt, ein Restaurant und ein Café. Es beeindruckt mit einer luftigen, modernen Konstruktion aus Holzpaneelen – ein klarer Kontrast zu den vergleichsweise schwerfällig wirkenden, mittelalterlichen Bauten der Stadt. Die größte jemals erbaute Holzkonstruktion erstreckt sich schirmartig und weitläufig über die Plaza de la Encarnación. In Sevilla wird das Gebäude auch Las Setas („die Pilze“) genannt. Man kann das Metropol Parasol auch besteigen. Ich erklimme es im Licht des Sonnenuntergangs. Von Weitem sehe ich all meine Stopps, an denen ich tagsüber haltgemacht habe. Parallel gehen nach und nach die Lichter der Stadt an. Traumhaft!

Das Metropol Parasol aus der Vogelperspektive. | © Willian Justen de Vasconcellos on Unsplash

© Vanessa Madec

Über #BeatYesterday-Autorin Despina Borelidis


School’s never out! Unsere Autorin treibt die Wissbegierde. Ihre Faszination: Menschen, Wissen, Lebenskunst und der Faktor Zeit. Ihr Liebstes: Menschen kennenlernen, Interviews führen, Fachwissen teilen, das das Leben erlebenswerter macht und – ganz wichtig – die Zeit langsamer verstreichen lässt. Und ja, Despina hat mindestens einen Spleen: Zurück nimmt die studierte Germanistin lieber einen anderen Weg als hin. Und selten besucht sie den gleichen Ort. Soll helfen.

Veröffent­lichungsdatum: 27.02.2019
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07.02.2018

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