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Wenn's unten schmerzt – einfach mal den Sattel wechseln

Ist intensives Biken gefährlich für den Unterleib der Männer? Im Gespräch mit Dr. Michael Wiese, Chefarzt der urologischen Klinik am Sana HANSE-Klinikum in Wismar gehen wir das Tabuthema an.

Herr Dr. Wiese, kann es für Männer ungesund sein, wenn sie zu lange auf einem Fahrradsattel sitzen?

Das ist wie mit allem: Die Dosis macht das Gift aus. Ein Schaden kann entstehen, aber normales Fahrradfahren ist mit Sicherheit für Männer ungefährlich.

Was kann denn passieren, wenn ich es übertreibe?

Generell können letzten Endes durch den Sattel Hautnerven gequetscht werden, so dass dann eine Gefühlsstörung auftritt, die bis in die Oberschenkelinnenseiten hineinzieht. Nerven, die für die Hautsensibilität zuständig sind, können gequetscht werden.

Woran merkt der Radfahrer das? Hat er ein Taubheitsgefühl, Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen?

Das würde passieren, wenn er nach einer Operation zu früh wieder anfängt. Dann kann es anfangen zu bluten, dann kann das Blut verklumpen, dann kann es Probleme beim Wasserlassen geben. Aber ansonsten nicht.

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Bei solchen Problemen sollte man aber schnell einen Arzt aufsuchen?

Selbstverständlich. Wenn Blut kommt in jedem Fall. Das tritt im Normalfall nur nach einem operativen Eingriff auf, aber auch wenn man Medikamente zur Blutverdünnung nimmt. Dann kann so etwas durch diese mechanische Belastung auftreten. Ich empfehle nach einer Operation immer entspannende Sportarten, zum Beispiel Joggen. Da werden diese Körperregionen nicht von außen gepresst oder gedrückt.

Sollten Männer mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Vorschädigungen besonders aufpassen?

Es gibt Patienten, die eine Operation im Blasen- oder Prostatabereich hatten. Die müssen sich erst einmal drei Monate schonen, bevor sie wieder anfangen, da der Sattel im Bereich des Dammes, das ist die Region zwischen Hodensack und After, natürlich drücken kann und darunter liegen in der Nähe die Prostata und die Blase und dann kann natürlich zu frühes Fahrradfahren einen Schaden verursachen. Nach einer Operation kann es anfangen zu bluten. Auch eine Narbenbildung kann entstehen. Das sind die Dinge, die hauptsächlich auftreten können, wenn man zu früh wieder anfängt.

Deshalb geben wir allen Patienten nach einer Operation auch einen Merkzettel mit, auf dem darauf hingewiesen wird, was sie alles nicht tun sollten, und da zählt das Fahrradfahren auch für drei Monate dazu.

Stichwort „mechanische Belastung“. Gerade beim Fahren mit dem Mountainbike hat der Körper wesentlich mehr Stöße auszuhalten als beim Dahinrollen auf asphaltierten Radwegen. Welche Probleme können dadurch entstehen?

Im schlimmsten Fall kann das zu einem Schaden der Harnröhre führen, die durch die Dammregion verläuft. Ein starker Schlag zum Beispiel durch den Sattel oder die Fahrradstange kann solche Schäden hervorrufen. Wenn dann Blut im Urin ist, sollte man das in jedem Fall untersuchen lassen, ob da nicht ein langfristiger Schaden entsteht. Denn dort wo Urin durchfließt und die Schleimhaut von außen verletzt wird, kann es Probleme geben. Urin ist ein sehr guter Narbenbilder. Dort entsteht dann eine Engstelle und dann wird das Wasserlassen immer schwerer. Diese Narbe kann dann immer stärker und größer werden.

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Kann ich durch den Sattel oder eine besondere Sitzposition urologische Probleme ausschließen?

Natürlich entlastet man den ganzen Bereich, wenn man stehend fährt. Beim Downhillfahren steht man ja meistens auf den Pedalen. Es gibt aber auch Sattel, die genau im Mittelbereich, dort wo die Harnröhre liegt, eine Aussparung haben. Die sind geteilt und es gibt sogar welche, auf denen man nur hinten sitzt und die ganze vordere Körperregion wird keinem Druck ausgesetzt. Gerade zum bergauf fahren ist das eine gute Sache. Empfiehlt sich also durchaus auch für Mountainbiker. Wenn man sehr intensiv fährt, sollte man sich schon überlegen, einen Satteltyp zu wählen, der entlastet. Dabei geht es weniger darum, einen Sattel mit oder ohne Gel zu verwenden, sondern um diese Aussparung, die durchaus Sinn macht.

Generell lässt sich aber sagen, wer gesund ist, keine Operation hatte und auch ansonsten keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigung vorweist, kann sich bedenkenlos aufs Rad setzen und muss keine urologischen Probleme befürchten?

Ja. Wenn jemand allerdings regelmäßig Medikamente nehmen muss, sollte er vorher auch mit seinem Arzt sprechen. Wenn dann doch eine gewisse Taubheit auftritt, wird es eine Überbelastung sein. Bei diesen genannten Gefühlsstörungen hilft es durchaus, mal den Sattel zu wechseln. Weil dann vielleicht durch den Wechsel die entsprechende Region nicht mehr gepresst wird.

© Dr. Michael Wiese/privat

Über Dr. Michael Wiese


Dr. med. Michael Wiese ist seit 2008 Chefarzt der urologischen Klinik am Sana HANSE-Klinikum in Wismar. Nach dem Studium in Marburg war Dr. Wiese u.a. an Kliniken in Herne, Giessen, Berlin, Deggendorf und Bielefeld beschäftigt. Zusatzqualifikationen hat er sich auf dem Gebiet der medikamentösen Tumortherapie und der Andrologie erworben. Dr. Wiese ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Veröffent­lichungsdatum: 29.03.2017
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