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Rosi radelt durch die Welt: Fünf Tipps für dein Abenteuer

Roswitha „Rosi” Söchtig fuhr mit dem Fahrrad 18.000 Kilometer um Australien herum. Mit 72 Jahren. Die Braunschweigerin hat das „Entdecker-Gen” und gibt dir fünf Tipps für dein Abenteuer.

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Mit ihren geflochtenen Zöpfen ist Roswitha Söchtig kaum zu übersehen. Auf ihren Abenteuern sind sie und der markante, rote Hut zu ihren Markenzeichen geworden. Die gebürtige Braunschweigerin umrundete Australien auf dem Fahrrad und fuhr in 138 Tagen von ihrem Wohnort durch 13 Länder bis nach China. Roswitha Söchtig liebt es, zu entdecken. Woher die Leidenschaft für lange und extreme Reisen kommt, beschreibt sie mit nur einem Satz: „Ich habe das Entdecker-Gen”.

Die Leidenschaft dafür hatte sie bereits in ihrer Kindheit entwickelt. Schon ihrer Oma erzählte sie: „Wenn ich groß bin, steige ich auf die hohen Berge.” Und das tat sie. Schon damals war sie gern draußen und wanderte, wenn es die Zeit zuließ. „Als Kind konnte ich im Sommer nicht raus und musste immer die Arbeit in der Küche übernehmen”, berichtet die heute 73-Jährige. Ihre Mutter arbeitete in der Landwirtschaft und war deshalb selten zu Hause. „Ich wollte raus aus meinem Leben und Dinge entdecken.” Als Kind wanderte Roswitha Söchtig oft zur Asse. Ein bewaldeter Höhenzug in der Nähe von Wolfenbüttel. Dort verbrachte die Entdeckerin viel Zeit und genoss die Stille und die Freiheit in der Natur.

Entfachte Leidenschaft

Nachdem sie begonnen hatte, zu arbeiten, erkundete Roswitha Söchtig andere Länder. Der Ortler, ein Berg in Italien, war das Ziel ihrer ersten großen Reise. Beim Skifahren in der italienischen Region packte die Reisende endgültig die Leidenschaft. Die Landschaft und die Kultur faszinierten die Braunschweigerin. Die Liebe fürs Reisen und neue Kulturen war entfacht. Fortan setzte sich Roswitha Söchtig regelmäßig auf ihr Fahrrad, um neue Orte zu entdecken. Die Reiselust ist bis heute geblieben. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, steigt sie auf ihr Rad und macht sich auf den Weg.

In Griechenland folgte sie ihrer Leidenschaft und stieg auf den Olymp. © Söchtig

Lust am Lernen

Neben dem Reisen zieht sich eine weitere Konstante durch ihr Leben. Bildungsabschlüsse. Neun davon hat sie bisher in der Tasche. Jetzt möchte sie gern einen Zehnten machen. Ihre Promotion. Ihre Motivation dafür hat ihren Ursprung bereits in der Kindheit. „Es gab Lehrer, die sagten mir, dass ich dumm sei”, erinnert sie sich. Die Schülerin hatte sich dadurch aber nicht unterkriegen lassen. Ihr Motto: Ellenbogen ausfahren. Das Mädchen aus der „unteren Unterschicht” überwand alle Hürden. Und so wurde das Lernen und Arbeiten zu einem wichtigen Teil ihres Lebens.

„Ich habe schon immer gearbeitet. Mit sechs Jahren habe ich in der Landwirtschaft geholfen, mit 14 arbeitete ich nach der Schule in einer Fabrik und mit 16 im Büro.” Auch während ihres Studiums ging sie nebenbei arbeiten. So ist es bis heute geblieben. Die studierte Lehrerin gibt Nachhilfe und schreibt Bücher. „Für meine Reisen brauche ich ja Geld.” Sponsoren für ihre Touren, hatte der Reisefan bislang nicht. Außerdem sagt Rosi von sich selbst, sie sei keine Ja-Sagerin. Wenn ihr die Bedingungen eines möglichen Sponsors nicht gefallen, sagt sie ab.

Auf dem Fahrrad nach China

Ihr erstes großes Projekt ist so eher durch Zufall entstanden. Die Diplom-Pädagogin hörte, dass die Olympischen Spiele 2008 in Peking stattfinden sollten. Kurzerhand entschloss sie: „Da fahre ich mit dem Fahrrad hin.” Viele in ihrem Umfeld hielten die Braunschweigerin für verrückt. Aufhalten konnte Roswitha Söchtig trotzdem niemand. So fuhr die damals 62-Jährige auf ihrem Fahrrad nach China. Als sie auf einer anderen Route erneut nach China fuhr, wurde sie erstmals mit Problemen konfrontiert. Zu diesem Zeitpunkt dachte sie sogar ans Aufgeben.

„In Polen wurde mir täglich das Fahrrad kaputtgemacht”, erinnert sie sich. Viele Polen waren ihr gegenüber sehr schroff und unhöflich. „Da hab ich mir gedacht, wenn es in der Ukraine so weitergeht, dann breche ich ab.” Dort machte sie ganz andere Erfahrungen und setzte ihre Reise fort. Trotz der Anfeindungen hat sie vor Menschen keine Angst. „Der Großteil war immer nett und freundlich.”

Wilde Tiere sind es, die ihr Angst machen. „Wenn du drei Meter entfernt von einem Braunbären stehst, dann wird dir schon anders.” Im Laufe der Jahre gewann die ehemalige Lehrerin viele Freunde auf der ganzen Welt. Und „durch Facebook kann man so schön einfach in Kontakt bleiben.”

Auf ihren Reisen fand die Abenteurerin viele Freunde © Söchtig

Auf dem Fahrrad über den roten Kontinent

Mit 72 Jahren umrundete die Braunschweigerin Australien. Das Land, in das ihr Bruder vor Jahren auswanderte. 80 bis 150 Kilometer pro Tag auf dem Fahrrad. Zwischen 6.000 und 8.000 Kalorien verbrannte sie täglich. Eine Reise, auf der die leidenschaftliche Radfahrerin viele Höhen und Tiefen erlebte. Auf einer ihrer Touren geriet sie in einen Waldbrand und fand allein keinen Ausweg. „Da hatte ich Todesangst”, gibt sie zu. Eine australische Radfahrerin half ihr aus dem Feuer und beide konnten sich in Sicherheit bringen. Ein weiteres Mal fürchtete Rosi um ihr Leben, als sie durch die sengende Hitze Australiens fuhr. „Bei solchen Temperaturen brauchst du jede Menge Getränke, sonst verreckst du jämmerlich. Ich habe von anderen Radfahrer gehört, die vom Fahrrad fielen und tot waren. Natürlich hab auch ich mir Sorgen gemacht, ob meine Wasservorräte reichen würden”, sagt sie.

Ayers Rock in Australien: Ein Wahrzeichen im Northern Territory © Söchtig

Kreative Lösungen

Von Problemen auf ihren Reisen, lässt sich „Rosi“ nicht aufhalten. Mit Kreativität und Mut, findet sie immer eine Lösung. „Wie in Australien. Da musste ich oft auf der Straße fahren. Dabei haben mich die Wohnmobile immer an den Satteltaschen gestreift.” Eine lebensgefährliche Situation. Kurzerhand kaufte sich die Reisende eine Poolnudel. Auf dem Gepäckträger festgeschnallt, hielt sie die Autos auf Abstand. Um sich vor angreifenden Vögeln zu schützen, befestigte sie Kabelbinder auf ihrem Helm.

Durch solche Aktionen war Roswitha Söchtig schnell im ganzen Land bekannt. Diese Bekanntheit half der Abenteurerin in vielen Situationen. Alle Menschen begegneten ihr in Australien sehr hilfsbereit.

Einmal blieb sie mitten auf der Straße mit dem Fahrrad stehen, um eine Emu-Familie vorbeizulassen. Dadurch kam allerdings auch kein Auto mehr an ihr vorbei. „Als die Polizei dann auch noch dazu kam, erkannten sie mich und drückten ein Auge zu. Eine Strafe bekam ich nicht.”

Momentan schreibt Roswitha Söchtig an einem neuen Buch, indem sie über ihre Erlebnisse in Australien berichtet. Die Reisen werden ihr natürlich immer in Erinnerung bleiben. Andenken sammelt sie trotzdem. „Wenn es die Möglichkeit gab, habe ich mir Badges gekauft. Die habe ich auf einer Weste. Die Leute, denen ich begegne, sind jedes Mal erstaunt, wo ich schon überall war.”

In guter Erinnerung: Ihre Fahrt durch Australien war eine der besten Entscheidungen ihres Lebens. © Söchtig

Die richtige Entscheidung

Zwei Mal in ihrem Leben, habe sie rückblickend die richtige Entscheidung getroffen. „Die eine war es, mein Abitur nachzuholen.” In ihrem ersten Beruf als Stenotypistin fühlte sie sich eingeengt. Sie wollte nicht für immer „einen kleinen Mann im Ohr haben.“ Als 20-Jährige holte sie deshalb ihren Abschluss nach und ist bis heute glücklich darüber. „Die zweite war definitiv meine Australienreise.” Beide Entscheidungen waren existenziell für die Braunschweigerin. Nach ihrem neuen Buch und der Promotion soll es wieder auf Reisen gehen. „Putin und Lenin stehen als Nächstes auf meiner Liste.” Gemeint sind natürlich die Berge in Kirgistan und Tadschikistan. Die nächsten großen Reisen und zwei weitere Badges auf ihrer Weste.

Sollte dich das Reisefieber jetzt auch gepackt haben, hat Roswitha Söchtig fünf Tipps für dich, an die nicht jeder denkt. Deine Vorbereitung sollte allerdings schon beginnen, bevor du deine Sachen packst. „Ich habe mich vorher immer mit den Menschen und der Kultur des Landes beschäftigt.” Und das solltest auch du tun. Informiere dich ausführlich über Länder und Routen, die du bereisen möchtest.

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Die richtige Kleidung

Die vielen Stunden auf dem Fahrrad bei einer langen Reise können anstrengend sein. Und sogar wehtun. Aufgescheuerte Stellen können unangenehm sein und machen dich langsamer. Dagegen kennt Roswitha Söchtig zwei Hilfsmittel:„Eine Leggings und Papierunterhosen.” Die Leggings liegt eng an der Haut und kann somit nicht scheuern. Papierunterhosen sind sehr dünn und passen deshalb gut unter die Leggings. Außerdem musst du sie nicht waschen und sie sind leicht. Dein Gepäck wird schwer genug sein.

Passende Ausrüstung

Wenn du lange mit deinem Fahrrad unterwegs bist, solltest du die passende Ausrüstung haben. Für Reisen, bei denen du vielleicht draußen schlafen musst, empfiehlt sie dir, einen Biwaksack und eine Daunenjacke dabei zu haben. „Selbst in Australien sind die Nächte manchmal sehr kalt.” Mit dieser Ausrüstung bist du für eine Nacht im Freien vorbereitet. Für unerwartete Zwischenfälle solltest du immer ein Reparaturset für dein Fahrrad dabei haben. Damit kannst du kleinere Schäden direkt reparieren und musst deine Tour nicht unterbrechen.

Vorbereitet sein

Ein wichtiges Thema auf Reisen ist das Geld. Nicht immer kannst du alle Kosten vorausahnen. Neben den fixen Kosten für Schlafplätze können auch unerwartete Ausgaben auf dich zukommen. So könnte dir jederzeit ein Reifen platzen oder dein Rucksack kaputt gehen. Auch dafür solltest du immer ein bisschen Geld dabei haben. Bedenke dabei auch: In manchen Ländern kannst du deine Ausrüstung nicht in jedem Ort erneuern.

Der Schlafplatz

„Wenn dein Schatten dich auf dem Fahrrad oder beim Laufen überholt, solltest du wissen, wo du die Nacht verbringen wirst.” Die Abenteurerin weiß, wie wichtig ein Schlafplatz ist. Sie selbst schlief in manchen Nächten sogar unter Brücken. Der Schatten dient dir dabei im übertragenden Sinn als Erinnerung für die Suche nach einem geeigneten Nachtquartier.

Ein Lächeln auf den Lippen

Auf ihren Reisen trifft Roswitha Söchtig jede Menge Menschen. Alle unbekannt. Trotzdem hat sie eine Regel für sich, die sie auch dir weitergeben möchte: „Gehe immer offen und freundlich auf alle Menschen zu.” In vielen Situationen hat ihr das weitergeholfen. Im Laufe der Jahre hat sie so sogar viele Freunde auf der ganzen Welt gefunden.

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Kevin Berg

Kevin Berg, Jahrgang 1993, studierte Journalismus in Berlin, ehe es ihn nach Schwerin verschlug. Wann immer der gebürtige Neubrandenburger Zeit findet, verfolgt er in diversen Medien alle möglichen Sportarten. Seit Kevin neun Jahre alt ist, steht er selbst regelmäßig in der Sporthalle und trainiert Qwan Ki Do, eine asiatische Kampfkunst.

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