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Katharina Nüser - glückliche Siegern des Bremen Marathons 2017 | © Thomas Sobczak

Katharina Nüser - die schnellste Frau des Bremen Marathon 2017

Einen Marathon zu laufen, ist eine Sache - diesen dann aber auch noch zu gewinnen, eine andere! Katharina Nüser ist das bei ihrem zweiten Marathon gelungen.

Nach ihrem stolzen Marathon-Debüt in Frankfurt 2016, den Katharina Nüser in 2:58:35 Stunden finishte, zog es sie bei ihrem zweiten 42,195-Kilometer-Lauf auf Bremer Asphalt. Dort findet der Marathon alljährlich am ersten Oktoberwochenende statt.

Mit im Gepäck nach Bremen hatte Katharina (kurz „Katha“) ihren Pacemaker Jannis Kellermann, ihren Coach Wolfgang Soukup (kurz „Wolle“‘), glücklicherweise einen linken und rechten Laufschuh und ihre Forerunner-Laufuhr von Garmin, die sie ebenfalls auf Kurs halten sollte. Laufen aber musste sie trotz Supports schon selbst …

Mit dem falschen Fuß aufgestanden?

Eigentlich fühlte sich Katha ganz gut. Überraschend entspannt und weniger aufgeregt als beim ersten Mal. Mit den Füßen, bzw. ihren Laufschuhen gab es allerdings ein Problem: Von ihrem bewährten Wettkampfmodell DS Racer von ASICS, von dem Katha gleich zwei Paar besitzt, hatte sie leider jeweils nur den rechten Laufschuh eingepackt.

„Das ist mir schon einmal im Training passiert.”

Das wühlte ihr anfangs gelassenes Gemüt dann aber doch noch ganz schön auf. Schließlich sind die Schuhe beim Laufen nicht ganz unbeteiligt.

Glücklicherweise hatte sie noch ein Paar ihrer ASICS Dynaflyte dabei, mit dem sie schließlich an den Start ging. Sollte der Schuh seinem Namen tatsächlich alle Ehre machen und Katha würde als Überflieger nach 42,195 Kilometern zum Landen kommen?

Aber lassen wir den Marathon erstmal starten ...

Ihr Pacemaker Jannis sollte das Tempo vorauslaufen, so lange es geht. Geplant war, die ersten Kilometer eher ruhiger anzugehen, durchschnittlich zwischen 4:15 und 4:20 min/km. Die zweite Hälfte sollte Katha dann entsprechend mit ausreichend Kraft schneller laufen können – ein sogenannter ‚Negativ-Split‘. Jedoch waren die beiden bereits zu Beginn recht flott unterwegs – um die 4:10 min/km.

Der erste Verpflegungspunkt bei Kilometer 5 – Katha’s Zeit: 20:59 Minuten

Katha mit ihrem Pacemaker Jannis Kellermann beim Run To Tree, Klovensteen 2015 | © Thomas Sobczak

Neben dem Blick auf die Pace besteht die entscheidende Aufgabe des Pacemakers auch darin, unnötiges Störfeuer klein zu halten – sprich: Katha brauchte sich eigentlich weder um die Vorgabe des Tempos noch um ihre Verpflegung selbst zu kümmern.

Wie gesagt, eigentlich: Gleich beim ersten Verpflegungspunkt griff Jannis zwar zu den Getränken, vergaß allerdings seinem Schützling links von sich etwas im Becher übrig zu lassen. Und in Sachen Tempo musste er schnell feststellen, dass Katha den Takt vorgab. Und nicht er. Jannis musste eher einen Zahn zulegen, bzw. sie immer wieder bremsen.

10 Kilometer in 41:58 Minuten

Auf den ersten zehn Kilometern entwickeln sich dann meistens einzelne Gruppen, in die man sich reinhängen kann. Doch lange konnte sich Katha in keiner so wirklich festbeißen.
 So arbeiteten sich die beiden Gruppe um Gruppe immer weiter nach vorne. Vielleicht war ein Antriebsfaktor die Frau hinter Katha, deren Schatten sie immer wieder aus dem Augenwinkel sehen konnte. Jannis bemerkte die Irritation und versuchte Katha zu beruhigen: „Stress dich nicht. Sie wird das Tempo nicht lange halten können. Sie hat mir vorhin gesagt, dass es ihr erster Marathon ist und dass sie drei Stunden anpeilt oder versuchen möchte, knapp drunter zu bleiben.“

Allerdings musste sich Jannis zwischendurch selbst fragen, ob Katha die Pace halten wird. Im Schnitt lief sie weiter um die 4:08 bis 4:10 Minuten auf den Kilometer.

 

Katha zusammen mit ihrem möglichen Antriebsfaktor - der „2. Frau“ (Bild links) | Marathon-Teilnehmer Frank Mesecke (Bild rechts) | © Thomas Sobczak

Katha zusammen mit ihrem möglichen Antriebsfaktor – der „2. Frau“ (Bild links) | Marathon-Teilnehmer Frank Mesecke (Bild rechts)Katha zusammen mit ihrem möglichen Antriebsfaktor – der „2. Frau“ (Bild links) | Marathon-Teilnehmer Frank Mesecke (Bild rechts) | © Thomas Sobczak
Das zügige Tempo bemerkte auch ein anderer Teilnehmer namens Frank Mesecke, der sich kurz vor Kilometer 15 in ihrer Gruppe befand: „Jetzt werden wir aber schneller!“, meinte dieser nur. Normalerweise herrscht innerhalb einer Gruppe ein recht konstantes Tempo, doch Katha gewöhnte sich offenbar jedes Mal sehr schnell daran. Sie gab auch dieses Mal dem Kitzeln in den Beinen nach und setzte sich erneut ab.

So passierte sie auch die Halbmarathonmarke, gestärkt mit einem Gel, zwei Minuten schneller als angedacht.

Kilometer 21,1 in exakt 1:27:00 Stunden

Der Übergang in die zweite Marathonhälfte kann sich mental in zwei Richtungen auswirken: Während sich die einen nämlich mit einigen Kilometern im Rücken sicher fühlen und erst richtig aufdrehen, verlieren die anderen allein bei dem Gedanken daran, was ihnen noch bevorsteht, Kraft und Motivation.

Katha fühlte sich aber gut und passierte zuversichtlich die „magische“ Halbmarathonmarke.

„Ich hatte die ganze Zeit einfach Spaß und zwischendrin immer mal wieder mit den Leuten in meiner Gruppe geklönt. Das Tempo konnte ich auch auf beiden Hälften recht gleichmäßig halten.

Kilometer 30 in einer Zeit von 2:05:22 Stunden

Katha ließ sich von Jannis das zweite Gel reichen. Nachdem sie alle fünf Kilometer eigentlich nur Wasser getrunken hatte, gab es jetzt das erste Mal auch ein isotonisches Getränk und zum Ende hin auch noch Cola.

„Ab Kilometer 30 merkt man es dann langsam und denkt sich: 12 Kilometer, das ist doch noch mal ein ordentliches Stück.“

Etwas irritierend fand Katha, dass ihr Pacemaker öfters hinter anstatt vor ihr lief. Jannis wollte den Marathon als Tempo-Dauerlauf nutzen und Katha eigentlich bis ins Ziel begleiten. Er schaffte es zwar ins Ziel, aber nicht wie geplant an ihrer Seite. Krämpfe waren der Grund, warum Jannis sein Tempo schließlich drosseln musste und Katha sich ab Kilometer 35 gestärkt durch ihr drittes Gel weiter Richtung Spitze absetzte.

Im Profibereich laufen die wenigstens Pacemaker auch tatsächlich bis zum Schluss mit. Für die meisten Taktgeber ist spätestens bei Kilometer 30 Schluss. Laufen sie doch durch, gewinnen sie am Ende manchmal überraschend selbst – speziell im Männerbereich.

Die letzten sieben Kilometer also im Alleingang

Bis Kilometer 39 wurde es doch noch etwas zäh: „Irgendwann ist die Luft einfach raus und man sehnt sich nur noch nach der Zielgerade.“ Als es aber auf die Promenade entlang der Weser ging, wurde Katha dank der tollen Stimmung noch einmal zu zwei extra schnellen Kilometern gepusht.

Kilometer 41 in 2:51:41 Stunden

Ein kurzer Blick auf ihre Smartwatch prophezeite eine Zielzeit von knapp unter 2 Stunden und 57 Minuten.

„Jetzt bloß nicht einsacken. Ich möchte auf jeden Fall unter 2 Stunden 57 Minuten bleiben. Das wäre echt super!“, versuchte sich Katha zu motivieren.

Es ging um die letzte Kurve in diesem Lauf – was Katha noch nicht wusste. Doch der Mann auf dem Führungsbike rief ihr zu, dass es jetzt nur noch 600 Meter bis ins Ziel wären. „So, die letzten Meter gehören dir!“, damit rüttelte er sie noch mal wach!

„600 Meter? Wirklich?“, gefühlt ein kleiner Sprung. Und schon rannte Katha als erste Frau durchs Ziel und verbesserte ihre Zeit um stolze vier Minuten auf 2:54:02!

Kathas Zieleinlauf nach 2:54:02 Stunden (Bild links) | Ganz oben auf dem Treppchen - da stört auch das Mikro vor der Nase nicht. (Bild rechts) | © Thomas Sobczak

„Ich konnte das erst gar nicht glauben. Das Gefühl war einfach toll. Du wirst als schnellste Frau ausgerufen. Im nächsten Moment hast du schon ein Mikro vor der Nase und von allen Seiten wird dir gratuliert.“ Zehn Minuten lang dreht Katha sich im Siegestaumel von einer zur nächsten Person. „Ich habe auch erst einmal nichts trinken können. Einfach unbeschreiblich, was da um und in mir los war.“

Nicht nur der Moment des Sieges fühlte sich „mega!“ an, sondern auch der gesamte Lauf.

„Ich habe ihn richtig genossen! Alles lief einfach so perfekt. Zwar ist die Stimmung nicht mit den großen Läufen wie in Frankfurt, Berlin oder Hamburg zu vergleichen, aber ich bin einen Marathon reicher an Erfahrung. Ich habe die Strecke gut verkraftet und spüre, da ist noch mehr drin. Ich möchte mich weiter verbessern!“

Das macht jetzt natürlich neugierig, was die nächsten Jahre noch so bringen werden. Schließlich war es erst ihr zweiter Marathon!

 

Geärgert hat mich persönlich, dass Kathas Leistung, abgesehen von einer Medaille und einem Blumenstrauß, nicht entsprechend gewürdigt wurde. Ein Marathon schluckt inklusive Vorbereitung viel Zeit und Kraft. Es ist einfach eine Form der Anerkennung, für diesen Aufwand nicht nur mit dem Siegertitel honoriert zu werden. Zumal ein Startplatz mit bis zu 60 Euro auch nicht unbedingt günstig ist. Da sollte doch mehr drin sein als Blumen, die – sofern man sie nicht trocknen lässt – schnell verblüht sind. Zwar mag irgendwann auch das Siegerfoto am Kühlschrank verblassen, aber die Erinnerung an das Gefühl des Triumphs bestimmt nicht - in diesem Sinne: Großen Respekt für diese Leistung, Katha!

Ramona Richter, rasende Reporterin

Das war Kathas Vorbereitung für den Siegerlauf

Das war Kathas Vorbereitung für den Siegerlauf
In der Vorbereitung spulte Katha lediglich zwei lange Läufe von 32 und 30 Kilometern ab. Die maximalen Wochenkilometer lagen zwischen 90 und 100. Vermehrt standen jedoch Tempodauerläufe auf dem Programm und Katha nahm immer mal wieder an geeigneten Wettkämpfen teil. Darunter die 10 Kilometer des alljährlichen Alsterlaufs in Hamburg oder der Berlin City Night, sowie den Hella Halbmarathon oder den Syltlauf über 33,3 Kilometer, an dem Katha eigentlich jedes Jahr teilnimmt und den sie auch regelmäßig gewinnt.

© Inger Diederich

Über Ramona Richter


Ramona Richter ist sprichwörtlich als „Rasende Reporterin“ bei Laufevents mit Kamera, Diktiergerät und Laufschuhen dabei. An der Startlinie als passionierte Asics-Frontrunnerin, im Ziel mit der Laufelite vor der Kamera. Die studierte Bewegungswissenschaftlerin ist sportlich vielseitig aktiv und lebt im Norden von Hamburg.

Veröffent­lichungsdatum: 20.12.2017
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