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"Fasten reduziert das Gewicht und verbessert die Stimmung"

Fasten ist „in“ – doch wie gesund ist der Nahrungsverzicht wirklich? Kann jeder fasten und welche Fastenarten gibt es? #BeatYesterday hat einem Experten auf den Zahn gefühlt.

Die Fastenzeit beginnt traditionell am Aschermittwoch und dauert 40 Tage bis Karsamstag. Auch wenn die Menschen heute meist nicht aus religiösen Gründen aufs Essen verzichten, liegt Fasten im Trend – viele sehen den bewussten Verzicht nicht nur als Challenge, sondern versprechen sich gesundheitliche Vorteile. Stimmt das wirklich?

Diplom-Ökotrophologe und Ausbildungsleiter an der Deutschen Fastenakademie, Andrea-Ciro Chiappa, stand für das #BeatYesterday-Magazin Rede und Antwort.

Herr Chiappa, ist 40 Tage lang zu fasten überhaupt noch zeitgemäß?

Grundsätzlich ist die Chance, dass jemand nach 40-tägiger Fastenzeit bewusster lebt, ja gegeben. Diese Zeit hat ihren Ursprung im christlichen Glauben als Vorbereitung auf das Osterfest. In der Bibel wurde öfter 40 Tage lang gefastet. Aus medizinischer Sicht gibt es aber keinen Grund, so lange zu fasten.

Was bedeutet Fasten eigentlich konkret? Den vollständigen Verzicht auf Nahrung?

Wenn wir in Deutschland vom Fasten sprechen, meinen wir in der Regel die Methode nach Buchinger. Hierbei wird im Optimalfall zweimal im Jahr für jeweils eine Woche auf feste Nahrung verzichtet. Wasser, Kräutertees mit Honig, Säfte und Fastenbrühen sind erlaubt. Zusätzlich zur Kalorienreduzierung werden durch Einläufe, Leberwickel, Bewegung und Entspannung die Ausscheidungsorgane sowie der Stoffwechsel gefördert.

Aber benötigt mein Körper nicht alle Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung, wie zum Beispiel Proteine?

Ein gesunder Mensch hat sowohl Gewichtsressourcen als auch physiologische und psychologische Ressourcen, die es ihm erlauben, eine Woche auf feste Nahrung zu verzichten. Wer allerdings beispielsweise von einer Grippe geschwächt ist, sollte nicht fasten.

Gibt es noch andere Personengruppen, die lieber nicht fasten sollten?

Untergewichtige, schwangere und stillende Personen und Menschen mit ernsthaften Erkrankungen sollten entweder gar nicht fasten oder ärztlichen Rat in einer Fastenklinik hinzuziehen.

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Wie sehen die positiven Effekte des Fastens für gesunde Menschen denn aus?

Richtig durchgeführt kommt es innerhalb dieser Woche zu einer Gewichtserleichterung und einer Reduzierung des Bauchumfangs, auch erhöhte Blutwerte wie Cholesterin werden wieder auf ein Normalmaß gebracht. Das Darm- und Immunsystem wird entlastet. Der Fastenstoffwechsel scheint zudem Regenerations- und Reparaturvorgänge auf Zellebene auszulösen, haben letzte Studien ergeben. Für viele Menschen hat das Fasten auch eine stimmungsaufhellende Wirkung.

Wenn ich bloß einen Tag nichts esse, ist meine Stimmung eher im Keller …

Während der ersten beiden Fastentage kann es zu Umstellungsproblemen kommen, da der Fettstoffwechsel hochgefahren werden muss. Zudem verändern sich die Wasserverhältnisse im Körper und der Blutdruck sinkt. Und dann ist da natürlich noch die psychologische Komponente, dass das Essen als stabilisierendes Alltagsmittel wegfällt. Dadurch ist der Fastende unter Umständen zu Beginn etwas gereizter und wehleidiger. Das kehrt sich im Laufe der Woche dann aber um, sofern die Fastenwoche professionell betreut wird.

Aber wenn ich mich danach wieder ernähre, wie gewohnt? Droht dann nicht der Jojo-Effekt?

Untersuchungen haben ergeben, dass der oder die Fastende nach einer Woche mit ausreichender Bewegung im Schnitt drei bis sechs Kilo abnimmt. Und dieses Gewicht wird von vielen gehalten, weil sie ihren Lebensstil etwas modifizieren: Sie integrieren mehr Bewegung in den Alltag, führen ein Entspannungsverfahren weiter oder ernähren sich schlichtweg bewusster.

Können gesunde Menschen während des Fastens denn ganz normal ihrem Alltag nachgehen?

Ein Büroangestellter kann sicherlich eher fasten als ein Arbeiter an schwerem Gerät. Die Konzentrationsfähigkeit ist etwas reduziert, das Ruhebedürfnis wird vergrößert. Man sollte sich also eine Woche auswählen, die beruflich eine gewisse Schonung zulässt und das auch mit dem Arbeitgeber absprechen. Denn wie schon erwähnt umschließt das Fasten nicht nur den Verzicht auf Nahrung, sondern ebenso ausreichende Bewegung und Entspannung. Stress ist das größte Gift in der Fastenwoche.

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Viele Menschen fasten, um ihren Körper zu entgiften und entschlacken. Können diese Ziele durch eine Fastenwoche wirklich erreicht werden?

In der Tat. Mediziner tun sich mit diesen Begriffen oft ein wenig schwer, für uns als Fastenexperten sind Schlacken aber überschüssige körpereigene als auch körperfremde Stoffe, die die Gesundheit des Menschen belasten. Beispiel: Überschüssiges Bauchfett, Leberverfettung und erhöhte Entzündungs- oder Cholesterinwerte im Blut belasten den Stoffwechsel. Wenn ich faste, normalisieren sich diese Werte. Darüber hinaus zeigt die aktuelle zellbiologische Grundlagenforschung, dass sich alte und beschädigte Moleküle in den Zellen ablagern, die ebenfalls als Schlacke benannt werden können. Und auch diese werden laut ersten Studien durch das Fasten abgebaut.

Wir sprechen die ganze Zeit über das Fasten nach Buchinger. Jetzt gibt es noch eine ganze Reihe von anderen Fastenarten. Was verbirgt sich denn hinter dem sogenannten Suppenfasten? Oder der F.X. Mayr-Kur?

Beim Suppenfasten nach Moll werden für eine Woche morgens, mittags und abends süße oder herzhafte vegane Suppen verzehrt. Das ist sinnvoll für Teilnehmer, die nicht so große Gewichtsreserven mitbringen, zum Frieren neigen und im Alltag viel Kraft einbringen müssen. Die Kur von Franz-Xaver Mayr ist noch etwas gehaltvoller und dient in erster Linie der Sanierung des Darms durch den Verzehr von Milch und getrockneten Semmeln sowie einer verstärkten Kautätigkeit. Eine Kauschulung gehört genauso dazu wie Bauchmassagen.

Dauern denn alle Fastenarten genau eine Woche?

Nein, es existieren viele Formen des Intervallfastens, die medizinisch gesehen ebenfalls interessant sind. Es handelt sich dabei um mehrere Miniperioden des Fastens, die in der Regel in jeden Alltag integriert werden können. Ein Beispiel wäre es, an zwei Tagen in jeder Woche die Zufuhr auf 500 Kalorien zu beschränken. Das Thema ist sehr in Bewegung, auch das 1:1-Fasten, also ein Tag Essen, ein Tag Pause, gehört dazu. Der Fastende wird bei diesen Arten aber nicht in die intensive Entlastung des Stoffwechsels gelangen, wie beim durchgehenden Fasten.

Immer öfter ist auch von der Fasting-Mimicking-Diet die Rede ...

Bei dieser sogenannten fastenimitierenden Diät handelt es sich um ein Abnehmprogramm von Professor Valter Longo aus Kalifornien. Er konnte nachweisen, dass eine Kost mit 750 Kalorien an fünf verschiedenen Tagen pro Monat das Körpergewicht und einige Blutwerte wie Blutdruck und Entzündungswerte verbessert.

Zusammenfassend gesagt: Fasten, egal in welcher Form, ist für einen gesunden Menschen also durchaus zu empfehlen.

Auf jeden Fall. Der Erstfaster sollte sich aber in die Hände von gut ausgebildeten Fastenleitern begeben – sonst kann das Fasten auch nach hinten losgehen.

Gut ausgebildete Fastenbetreuer findest du unter www.fastenakademie.de.

Über Andrea-Ciro Chiappa

© Andrea-Ciro Chiappa

Andrea-Ciro Chiappa ist Diplom-Ökotrophologe und Ausbildungsleiter an der Deutschen Fastenakademie. Der Vater von drei Kindern lebt in Schifferstadt bei Speyer und arbeitet seit 1996 an den Themen Ernährung, Fasten und Naturheilkunde – immer mit dem Anliegen, sowohl sein Wissen als auch seine Begeisterung für eine lebendige Gesundheit und möglichst naturbelassene, genussorientierte Ernährung weiter zu geben. Im Fasten sieht der 45-Jährige den idealen Einstieg in einen bewussteren Lebensstil.

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Veröffent­lichungsdatum: 27.02.2017
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