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Kann man heute noch bedenkenlos Fisch essen?

Fisch ist gesund. Doch Überfischung, Einsatz von Antibiotika und Umweltbelastungen durch Zuchtfarmen verunsichern viele Verbraucher. Und tatsächlich solltest du vorm Kauf einiges beachten!

Wir Deutschen zählen im internationalen Vergleich nicht gerade zu den größten Fischfans. Das liegt auch daran, dass viele sehr unsicher sind, wenn es um Fisch geht. Wie gesund ist er wirklich? Kann man in Zeiten der Überfischung überhaupt noch jeden Fisch bedenkenlos kaufen? Und wie steht es um die Belastung mit Schwermetallen und den Einsatz von Medikamenten in der Fischzucht? Unsere Autorin Nicole Benke hat sich mit den Fragen auseinandergesetzt.

Fisch schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zunächst einmal die gute Nachricht: Grundsätzlich gehören Fische zu den gesündesten Lebensmitteln, die wir kennen und liefern viele gute Nährstoffe. Darunter leicht verdauliche Proteine, Vitamin A und D, B-Vitamine und Selen; Seefische enthalten zudem auch noch viel Jod. Dazu kommen, insbesondere bei fetten Fischen, viele der mehrfach ungesättigten langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese sind unter anderem wichtig für die Entwicklung des Gehirns, beugen Ablagerungen in den Blutgefäßen vor und fördern Muskelfunktionen und Immunreaktionen. Dank dieses Nährstoffmixes kann Fisch bei regelmäßigem Verzehr unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Fettstoffwechselstörungen minimieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche. Eine Portion (70 g) sollte aus fettreichem Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering bestehen, die zweite Portion (80–150 g) aus fettärmeren Fischen wie zum Beispiel Kabeljau, Seelachs, Scholle oder Rotbarsch.

Zuchtlachs enthält weniger Omega-3-Fettsäuren

Ein weiterer Unterschied zwischen Fisch aus Wildfang und Zuchtfisch ist das Futter. In Aquakulturen besteht es meist hauptsächlich aus Sojamehl, Getreide und Pflanzenöl. Fischmehl und Fischöl machen nur etwa ein Fünftel bis ein Viertel des Futters aus. Und das bleibt nicht ohne Folgen: Der hohe Pflanzenanteil führt unter anderem dazu, dass Zuchtlachs deutlich weniger Omega-3-Fettsäuren als Wildlachs enthält. Denn auch die Fische müssen die Fettsäuren über die Nahrung aufnehmen. Noch dazu ist das pflanzliche Futter leicht verderblich. Haltbarer wird es mit dem Pflanzenschutzmittel Ethoxyquin gemacht, das deshalb in vielen Zuchtlachsen nachgewiesen wurde. Zwar scheint ein mäßiger Fischkonsum unbedenklich, doch niemand weiß genau, ob und ab welchen Mengen Ethoxyquin gefährlich wird. Ab 2020 ist der Einsatz von Ethoxyquin im Fischfutter deshalb in der gesamten EU verboten.

Fischfarm in Norwegen | © iStock.com/Evgeny Sergeev

Das pflanzliche Futter macht zum Beispiel beim Lachs auch den Einsatz von Farbstoffen nötig. Nur durch sie erhält das Fleisch vom Zuchtlachs seine charakteristische Farbe. Wildlachse hingegen fressen viele Krebstiere – was ihr Fleisch auf natürliche Weise rot färbt.

Spezielle Siegel helfen dir, bei Fisch die richtige Wahl zu treffen

Orientierung beim Einkauf von Fisch geben dir zwei spezielle Siegel. Bei Fisch aus Wildfang kennzeichnet das Siegel vom Marine Stewardship Council (MSC) Produkte aus nachhaltiger Fischerei. Die Non-Profit-Organisation achtet unter anderem darauf, dass Fischbestände sich erholen und nachwachsen können und die Fischereien das gesamte Ökosystem schonen.

Für Zuchtfisch ist das Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC) entscheidend, bestenfalls noch in Kombination mit einem Bio-Siegel von Naturland oder Bioland. Der ASC fordert mehr ökologische und soziale Verantwortung und kontrolliert unter anderem Wasserqualität und Futter (das Fischmehl für das Futter darf nicht aus bereits überfischten Beständen stammen), die Sterblichkeitsrate in der Aquakultur und reguliert den Einsatz von Antibiotika.

Mein Fazit

Fisch ist gesund, keine Frage. Doch das Thema Fischgenuss ist auch ein heikles: Die Weltmeere sind teils überfischt und Tiere aus Zuchtfarmen mitunter mit Medikamenten belastet oder schlichtweg nährstoffärmer. Wenn du Fisch essen möchtest, dann achte beim Einkauf auf Nachhaltigkeit und wähle den Fisch verantwortungsbewusst aus. Ich halte es mit dem Fischgenuss ähnlich wie mit Fleisch: Und esse Fisch seltener, aber dafür in guter Qualität.

Nicole Benke
© Martin Szymanski

Über Nicole Benke


Nicole Benke (37) liebt gutes Essen – am liebsten selbst gekocht aus frischen Produkten der Saison. Von Crash-Diäten hält die Food-Journalistin gar nichts. Sie findet: Eine gesunde Ernährung soll Spaß machen, darf nicht verkrampft sein und muss auch mal Raum für Genuss bieten. Denn strikte Verbote machen nur schlechte Laune. Und wer kann die schon gebrauchen?

Veröffent­lichungsdatum: 27.10.2017
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