Obst verpackt in einem wiederverwendbaren Stoffbeutel schont die Umwelt
Für Obst- und Gemüseeinkäufe kannst du auf wiederverwendbare Stoffbeutel zurückgreifen. © iStock/Photographer

Plastikfrei leben: Tipps für deinen Alltag

Plastik schadet der Umwelt, ist aber überall. Plastikfrei zu leben ist unvorstellbar? Wir sagen: Es ist möglich und zeigen dir wie.

Plastikmüll ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. In Deutschland werden laut Umweltbundesamt (2018) durchschnittlich 400 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr produziert. Allein in privaten Haushalten sammeln sich 8 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Industrieller Abfall ist dabei noch nicht mit eingerechnet (Stand 2015, BMU 2018).

In unsere Ozeane gelangen jährlich bis zu 10 Millionen Tonnen Plastik (laut Deutsche Umwelthilfe e.V.) – eine Belastung für Natur und Mensch. Eine im Meer schwimmende Angelschnur braucht beispielsweise 600 Jahre, bis sie vollständig abgebaut ist. Wegwerfwindel und Plastikflasche bringen es auf 450 Jahre (Fraunhofer Umsicht, 2019). Die chemischen Bestandteile im Müll gelangen dabei auch als kaum sichtbares Mikroplastik in die Nahrungskette.

Plastikmüll schwimmt im Meer an der Küste
Sogar Plastikmüll, den wir glauben zu recyclen, landet am Ende oft im Meer. © iStock/oriredmouse

Als Mikroplastik bezeichnet man kleinste Kunststoffe (kleiner als 5 Millimeter), die durch den Zerfall von Plastikgegenständen entstehen. Es ist tonnenweise in unseren Meeren, an Land und sogar in der Luft zu finden. Selbst in der Arktis wurde Mikroplastik in der Luft nachgewiesen. Durch das Atmen und über unsere Nahrung nehmen wir die Partikel auf und riskieren damit schwerwiegende Folgen. Mikroplastik kann beim Menschen Krebserkrankungen, Asthma, Alzheimer, Diabetes und viele weitere Krankheiten verursachen. Seitdem bekannt ist, welche Folgen Plastikmüll im menschlichen Organismus hervorrufen kann, wird der Wunsch nach einem plastikfreien Leben immer größer. Der Weg dorthin ist lang und voller Plastik, denn fast alle Produkte, die wir täglich nutzen, enthalten Kunststoff.

Aber: Ein Leben mit weniger Plastik ist möglich und ein Trend zu nachhaltigem Konsum erkennbar. Wann und wo du auf Kunststoff verzichten kannst, soll dir unser Alltags-Check für Plastik zeigen.

Plastikfrei Lebensmittel einkaufen

Die meisten Lebensmittel des täglichen Bedarfs sind in Plastik verpackt. Angefangen bei Milch, über Käse und Fleisch bis hin zur Gurke. Sogar Salat wird häufig in portionierten Plastikbeuteln angeboten. Eine Gegenbewegung gibt es seit einigen Jahren in Form von verpackungsfreien Supermärkten, die inzwischen in vielen deutschen Städten zu finden sind. In Berlin beispielsweise existiert mit „Original Unverpackt“ der erste Supermarkt ohne Einwegverpackungen. In solchen Geschäften kannst du alle Lebensmittel ohne Verpackung kaufen. „Bulk Shopping“ nennt sich das Ganze. Dabei nutzt du zum Beispiel einen mitgebrachten Behälter oder Beutel zum Verpacken deiner Ware. Du kannst auch die nachhaltigen Verpackungsmaterialien vor Ort verwenden. Der plastikfreie Einkauf als Schritt in die richtige Richtung.

Auch wenn du keinen plastikfreien Supermarkt in deiner Nähe hast, kannst du mit ein paar Tricks Plastik einsparen. Die wichtigste Regel: Nimm immer einen Korb oder einen Stoffbeutel mit zum Einkauf, um so die Plastiktüte an der Kasse zu vermeiden. Achte außerdem darauf, ob gleichwertige Produkte auch unverpackt angeboten werden. Sollte keine Alternative vorhanden sein, kaufe das Produkt entweder gar nicht oder werfe die unnütze Kunststoffverpackung in den Müllbehälter hinter dem Kassenbereich. Damit gibst du dem Geschäft zu verstehen, dass du die Plastikverpackung nicht brauchst. Verzichte auf die Plastikbeutel für Obst und Gemüse und nutze stattdessen Gemüsenetze.

An der Wurst- und Käsetheke kannst du den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin darum bitten, die Ware nach dem Wiegen in einen mitgebrachten Behälter zu legen. Aufgrund von Hygienevorschriften kommen allerdings nicht alle Geschäfte einer solchen Bitte nach. Es gibt aber auch Lebensmitteltheken, an denen Käse und Fleisch zum Beispiel in Papier eingeschlagen werden. Halte die Augen offen und schaue dich nach diesen umweltfreundlichen Alternativen um. Auch kleine Veränderungen machen den Unterschied.

Bei Getränken solltest du generell auf Einwegverpackungen verzichten und stattdessen zu Produkten greifen, die in Mehrwegflaschen lagern.

Brot und Brötchen bekommst du beim Bäcker in Papiertüten oder direkt in deinen Stoffbeutel statt wie im Supermarkt in Plastiktüten.

Joghurt, Milch und Sahne werden auch in Glasbehältern angeboten. Milch kannst du inzwischen auch an Milchtankstellen zapfen. Immer mehr Landwirte und Supermärkte bieten diese frische Alternative an. Suche im Internet einfach nach einer Milchtankstelle in deiner Nähe, fülle die Milch in die Glasflasche und bringe sie beim nächsten Zapfen wieder mit.

Um Plastik zu sparen, kannst du außerdem Großpackungen kaufen. Vor allem kurz vor den Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern bieten die Supermärkte Süßigkeiten an, die in der Umverpackung noch mal einzeln verpackt sind. Am Ende hat man bei diesen Produkten mehr Plastikmüll als Süßigkeiten zu Hause. Meide solche Produkte unbedingt und greife lieber zu den herkömmlichen Süßwaren.

Frau und Verkäuferin schauen sich die Waren in einem verpackungsfreien Supermarkt gemeinsam an.
In verpackungsfreien Supermärkten kannst du Lebensmittel ganz ohne Einwegverpackungen kaufen. © iStock/Getty Images Plus/ Newman Studio

Plastik in Hygieneprodukten

Duschgel, Shampoo, Creme und Zahnpasta: Im Badezimmer reihen sich die Plastikverpackungen nur so aneinander. Dazu kommen zahlreiche Reinigungsprodukte. Doch nicht nur die Verpackungen sind aus Plastik, sondern auch ihre Inhalte. Oft enthalten sie Mikroplastiken, die als „Mikroperlen“ oder „Mikro-Kügelchen“ umschrieben werden. Sie stecken zum Beispiel in einigen Zahncremes oder Peelingprodukten. Da mittlerweile der Trend zu nachhaltigem Plastikkonsum geht, kannst du in verpackungsfreien Supermärkten, im Internet und in einigen Bioläden Seife, Shampoo, Duschgel und Reinigungsmittel ohne Kunststoff kaufen.

Abschminkpads oder Kosmetiktücher gehören zu den Produkten, die wohl den größten Müllberg im Bereich Hygiene verursachen. Im Durchschnitt nutzt jede Frau im Jahr 1.500 Wattepads. Mit waschbaren Abschminkpads tust du nicht nur deiner Haut etwas Gutes, sondern auch deiner Umwelt.

Auch Hygieneartikel wie Tampons und Binden erzeugen jährlich einen riesigen Berg an Müll. Nicht nur, dass jeder Tampon und jede Binde einzeln in Plastik verpackt ist, auch die Produkte an sich bestehen aus einem Mix aus Kunststoff, Zellulose und Baumwolle. Nach der Nutzung landen sie auf dem Müll und brauchen über 500 Jahre, um zu verrotten. Mittlerweile gibt es zum Glück einige Alternativen, die nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schonen. Probier doch mal die Menstruationstasse, periodensichere Slips oder Stoffbinden aus. Sicherlich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber Geldbeutel und Umwelt werden dir danken.

Frau packt eine Menstruationstasse aus, die die Umwelt schont.
Alternativen zu Tampons und Binden schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. © iStock/Getty Images Plus/Antonio_Diaz

Plastik in unserer Kleidung

Unsere Kleidung ist ein oft unvermutetes Plastikversteck. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts UMSICHT ist Kleidung sogar eine der wesentlichen Quellen für die Freisetzung von Mikroplastik. Besonders preiswerte Mode aus synthetischen Textilien wie Polyester enthält Kunststoff. Auch Fleece-Bekleidung weist einen hohen Anteil an Kunststofffasern auf. Um im Kleiderschrank dauerhaft plastikfrei leben zu können, solltest du beim Kauf auf Alternativen wie Baumwolle, Bambus oder Hanf aus biologischem Anbau zurückgreifen. Wenn du doch ein Kleidungsstück mit Plastikanteil kaufst, achte darauf, dass zumindest keine Polyvinylchloride (PVC) oder Polycarbonate (PC) enthalten sind. Diese sind schadstoffbelastet und sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für deinen Körper.

Weniger Plastik am Arbeitsplatz

Auch auf Arbeit kannst du leicht Plastik einsparen. Packe dein mitgebrachtes Essen zum Beispiel einfach in Keramik- oder Glasdosen und benutze keine Mehrwegflaschen aus PET. Verwende stattdessen Glasflaschen oder Gläser, die du in der Küche auffüllen und abspülen kannst.

Auf Arbeit und gerade im Büro werden Unmengen an Papier produziert und auch entsorgt. Drucke nur so viel, wie nötig und spare wo, es geht. Musst du trotzdem mal Kopien wegschmeißen, dann heißt es: Trenne deinen Müll. Die Bananenschale sollte nicht im gleichen Eimer wie das Papier landen.

Übrigens: Die Rückseite einer unnötigen Kopie eignet sich hervorragend als Schmierzettel.

Plastikfrei ein Leben lang

Wenn du deinen Plastikverbrauch dauerhaft reduzieren möchtest, solltest du dich mit dem Plastik in deiner Umgebung auseinandersetzen. Keine Sorge, dafür musst du nicht jegliche Plastikprodukte aus deinem Haushalt entfernen. Du kannst, auch ohne dein Leben völlig umzukrempeln, viel für die Umwelt tun.

Verwende weniger neues Plastik. Achte bei all deinen Produkten darauf, dass sie kein oder möglichst wenig Plastik enthalten. Informiere dich, wo du in deiner Nähe plastikfrei einkaufen kannst. Wochenmärkte oder Hofläden sind eine gute Alternative und obendrauf sind die Produkte superfrisch. Verzichte bei deinem nächsten Kaffee auf den Pappbecher, den Plastikdeckel oder Strohhalm. Bringe stattdessen deinen eigenen Becher mit ins Café. Achte zusätzlich auf die Inhaltsstoffe deiner Produkte und deiner Kleidung. Viele Reinigungs- und Hygieneprodukte kannst du auch in Großpackungen kaufen oder sie ganz einfach selber machen. Entsorge deinen Plastikmüll fachgerecht. Trenne Mischpackungen aus Papier und Plastik und entsorge sie in die entsprechenden Container.

Ärgerst du dich über umständlich eingepackte Produkte? Werde aktiv! Schreibe dem Hersteller eine Mail, um ihn auf das Problem aufmerksam zu machen, oder frage den Marktleiter im Supermarkt nach plastikfreien Alternativen, um so zum Nachdenken anzuregen. Es gibt inzwischen auch Apps, ReplacePlastic zum Beispiel, die eine automatisierte Mail an den Hersteller senden und darauf hinweisen, dass das Produkt eventuell keine Verpackung braucht. Dafür musst du nur den Barcode einscannen und die Mail wird verschickt.

Du siehst, es gibt viel Einsparpotenzial bei unserem Plastikmüll. Bewusst Kaufen und Verwenden lautet deshalb die Devise. Du kannst plastikfrei!

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Veröffent­lichungsdatum: 20.01.2020
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