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Jule Schwarz: Neues Lebensgefühl per Rad

Früher ist Jule Schwarz unsportlich gewesen. Heute bloggt sie übers Radfahren und ist ein völlig anderer Mensch geworden. #BeatYesterday erzählt sie, wie sie bikesüchtig wurde.

Das Risiko fährt immer mit

„Mir ist ganz kribbelig“, sagt Jule Schwarz. An Radfahren ist derzeit für sie nicht zu denken. Letzte Woche hat sich die 31-Jährige Essenerin als Guide bei einem MTB-Camp für Frauen verletzt. Während sie den teilnehmenden Mädels erklärt, welche Fehler man besser nicht machen soll, macht Jule selbst einen. Sie kommt von der Strecke ab, stürzt in einen Graben. Nicht ohne Folgen: Die Bänder in der rechten Schulter sind stark in Mitleidenschaft gezogen, der Mittelfinger der rechten Hand ist heftig gestaucht.

“Das Risiko fährt beim Mountainbiken immer mit“, sagt Jule und lächelt. Noch muss sie das Schultergelenk ruhig halten. Aber in wenigen Tagen will sie wieder zurück auf den Sattel. Endlich. Sie braucht das einfach. Ihre tägliche Dosis Zweirad – hätte ihr das mal einer vor acht Jahren gesagt. Jule hätte denjenigen ausgelacht.

Ich habe mich in meinem Körper nicht mehr wohl gefühlt

Denn ehe Jule damals aufs Rad steigt und daraus mehr als nur ein Hobby wird, hat sie mit körperlicher Ertüchtigung nicht viel am Hut. Kurz: Sie ist mit etwas mehr als 20 Jahren unsportlich, ihre stattlichen 76 Kilogramm Gewicht verteilten sich auf eine Körpergröße von 1,65 Meter. „Ich war nicht fett, aber ich habe mich in meinem Körper auch nicht wirklich wohl gefühlt.“ Dann beginnt, was Jule Schwarz heute ihre „Transformation“ nennt.

Im Alter von 23 Jahren beginnt Jule zur Überwindung ihres Trennungsschmerzes eher beiläufig mit dem Radfahren. Die 10-Kilometer-Touren zum schönen Baldeneysee in ihrer Heimatstadt Essen machen Jules Kopf wieder frei von den Gedanken an den Ex. Radfahren mochte Jule schon immer irgendwie, die eleganten Rennradfahrer insbesondere. Bald gehört Jule selbst dazu. Sie kauft sich ihr erstes eigenes Rennrad, indem sie sich Geld von allen möglichen Leuten leiht und ihr Erspartes investiert.

Was geht, wenn ich richtig Ernst mache?

Ihr bis heute maßgeblicher #BeatYesterday-Moment kommt vier Monate später, als sie bei ihrem ersten Straßenrennen, einem Jedermann-Event in Bochum, ohne großes Training sensationell als Fünfte ins Ziel kommt. „Was geht denn da noch alles, wenn ich erst mal richtig Ernst mache?“, fragt sie sich. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Jule wird Mitglied in einem Radsportverein und startet auch gleich bei sportlich anspruchsvollen Eliterennen, sie trainiert nach einem Trainingsplan und fährt gut damit. „Ich konnte sehen, wie ich immer besser wurde, das motivierte enorm“, erinnert Jule sich. Und sie wird nicht nur schneller – auch die Kilos purzeln auf 59, Muskulatur baut sich auf. „Ein völlig neues Lebensgefühl.“

Heute schreibt Jule, die im richtigen Leben als Grafikerin Custom-made-Radklamotten für das hippe Label Royalbikewear gestaltet, übers Radfahren. Egal ob über MTB, Rennrad, Federwegmaschine, Stadt- oder Klapprad: Geschichten schreiben sich überall – sie wollen gefunden werden. In ihrem Blog jule-radelt.de und auf ihrer Facebook-Seite beschreibt sie ihre große Zweirad-Leidenschaft und teilt sie mit dem Rest der Welt.

Der Mensch, der ich heute bin

„Weißt Du“, sagt Jule. „Radfahren hat mich so stark geprägt. Ich habe mich als Mensch total verändert. Früher war ich schüchtern und zurückhaltend. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Heute bin ich offen, fröhlich, gehe auf Menschen zu und mache sehr gern Quatsch. Eine Radfahrt ins Leben sozusagen. Der Mensch, der ich heute bin, mit dem bin ich glücklich.“

Radfahren als Eigentherapie?

„So weit“, sagt Jule, „würde ich nicht gehen. Aber das Radfahren gibt mir so viel. Ob in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten oder auch allein: ich kann dabei abschalten, mir den Stress regelrecht von der Seele strampeln, jede Minute genießen und meinen Akku wieder aufladen.“ Im Moment hindert sie allerdings ihre lästige Schulterverletzung daran, aufs Rad zu steigen und den Pedalen Feuer zu geben. „Stürze passieren und es ist wie es ist. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, aber die Beine jucken natürlich. Ich will endlich wieder raus und trainieren“, sagt sie. „Jeder Tag ist schließlich der Tag, um wieder ein Stück besser zu werden.“

4 Tipps von Jule für Rad-Einsteiger

  1. Du brauchst ein geiles Rad, das Du gerne fährst, und Klamotten, in denen Du Dich wohl fühlst.
  2. Schließ Dich einem Verein an. In einem Team motiviert man sich gegenseitig. Du wirst von den anderen gefordert und kannst die Fortschritte, die Du machst, viel besser erleben.
  3. Übertreibe es nicht mit der Intensität Deines Trainings. Lieber mal einen Tag ausruhen – gute Regeneration ist das A und O.
  4. Love cycling and talk about it – and don’t forget the cookies. Lieb‘ was du tust, teile deine Leidenschaft und vergiss nicht, dass das alles Spaß und Freizeit ist.
Veröffent­lichungsdatum: 24.09.2016
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