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„Sehen und gesehen werden" ist das A und O für die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr. I © iStock.com/David_Sch

Licht an für mehr Fahrradsicherheit: Sehen und gesehen werden

Die dunkle Jahreszeit bringt es ans Licht: die Fahrradbeleuchtung macht rasante Fortschritte. Wer nicht leuchtet, bringt sich und andere in Gefahr.

Paragraph 67 der StVZO ist keine leichte Lektüre, wie schon der volle Name „Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung“ erahnen lässt. Aber für Fahrrad-Fans ist die seit gut einem Jahr geltende Fassung eine wahre Freude: Endlich ist beim Thema Beleuchtung auch erlaubt, was gut wirkt. Die Verordnungen – und damit die kontrollierenden Polizisten –  sind beim für Radler lebenswichtigen Thema „Sehen und gesehen werden“ in der Gegenwart angekommen.

„Geräte werden smarter und besser“

„Die Situation ist besser geworden, ganz eindeutig“, sagt Dirk Lau vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club ADFC Hamburg. Hauptgrund für ihn ist die StVZO-Zulassung für portable Leuchten mit Akkus oder Batterien, die bis Mitte 2017 nur für Sporträder bis 11 Kilo gestattet waren. Vermutlich haben viele Radfahrer unwissentlich gegen die StVZO-Zulassung verstoßen, denn in der Praxis sorgen die leistungsstarken und handlichen Leuchten schon länger für mehr Sicherheit im Verkehr. „Die Geräte werden immer smarter und besser“, sagt Dirk Lau. Standlicht, Fernlicht und automatische Steuerung der Ausleuchtung werden immer alltäglicher. Dazu gibt es ein rasant wachsendes Angebot an reflektierenden Accessoires und intelligenten Sicherheits-Tools (mehr dazu weiter unten).

LED - Leuchten an Fahrrädern können in Qualität und Verlässlichkeit mit denen von Autos mithalten. I © iStock.com/Britus

Fahrrad-Elektrik war ein einziges Ärgernis

Wer noch mit Seitenlauf-Dynamos und Glühdraht-Funzeln groß geworden ist, weiß zu schätzen, was sich inzwischen getan hat. Noch gar nicht so lange her, war es Glückssache, ob es überhaupt Licht gab. Der Dynamo fräste seitlich am Reifen entlang oder rutschte durch, die Leitungen neigten zum Wackelkontakt, die Glühlämpchen zum Durchbrennen. Das ganze Thema Fahrrad-Elektrik war ein einziges Ärgernis. Zudem fiel das Fahren mit umgelegtem Dynamo gefühlt 3 Gänge schwerer.

Der Segen der LEDs

Zwei technische Entwicklungen haben das Thema auf eine neue Stufe gehoben: Naben-Dynamos und LED-Leuchten. Endlich gibt es Licht, das in Qualität und Verlässlichkeit mit der Autobeleuchtung mithalten kann. Sogar günstig ausgestattete Räder haben eine Anlage, die den Spitzenprodukten von früher überlegen ist. Und wer etwas mehr Geld ausgibt, kann endlich auch dunkle Wege richtig ausleuchten – definitiv eine lohnende Investition.

Wer ohne Licht fährt bringt sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. I © iStock.com/David_Sch

Sehen bedeutet nicht „gesehen werden“

Das finstere Zeitalter der Fahrrad-Elektrik könnte also zu Ende sein – wenn da nicht einzelne Radfahrer wären, die sich einfach nicht darum scheren und ohne Licht durch den Winter geistern. Nach dem Motto: Die Straßenlaternen spenden genug Licht. „Selbst die Strecke zu kennen und zu sehen, bedeutet nicht, auch von anderen gesehen zu werden“, bestätigt der ADFC-Sprecher eine simple, aber von manchen ignorierte Wahrheit. Die inzwischen verbreiteten Fahrrad-Staffeln der Polizei, spezialisiert auf die Zweirad-Sicherheit, haben da viel zu tun und verteilen fleißig Geldbußen.

Wichtig

Wirst du im Dunkeln ohne Licht erwischt, ist in der Regel „nur“ die Standard-Buße von 20 Euro fällig. Ist damit eine Verkehrsgefährdung verbunden, werden es schnell 80 Euro.

Schwerer wiegt im schlimmsten Fall, dass du ohne Licht bei einem Unfall Schadensersatz und/oder Schmerzensgeld zahlen musst, dich eventuell sogar wegen fahrlässiger Körperverletzung strafbar machst.

Auch zu viel des Guten ist riskant

Kein Licht ist gefährlich, das falsche allerdings auch: Wie in anderen Technik-Bereichen spielen auch hier asiatische Billig-Importe aus dem Internet eine Rolle. Nicht alle sind gut – ein kräftiger LED-Strahler kann, falsch konstruiert oder eingestellt, den Gegenverkehr erheblich blenden. Zudem arbeiten viele Strahler mit Blink-Effekten. In diesem Punkt allerdings bleibt die StVZO bei ihrer festen und gut begründbaren Haltung: Blinklichter sind vorne wie hinten nicht erlaubt.

Wer auf der rechtlich sicheren Seite bleiben will, achtet beim Kauf auf ein amtliches Prüfzeichen, eine Wellenlinie mit einer Zulassungsnummer. Fehlt die, hängt es vom guten Willen des Polizisten ab, eine gut funktionierende Anlage nicht zu beanstanden. Das gilt auch für die vielen interessanten Produkte von Start-ups aus den USA und Großbritannien, die mit LEDs an den Speichen futuristische Effekte erzielen, zum Beispiel geschwindigkeitsabhängige Leuchtbilder. Sehen toll aus und erhöhen natürlich die Sichtbarkeit – irritieren aber und lenken die anderen Teilnehmer im Straßenverkehr ab und sind deshalb nicht zugelassen.

Das Thema Rad und Licht lockt Erfinder und Tüftler an. So auch im Fall des „Blinker-Handschuhs“, der in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ Furore machte. Der Handschuh verfügt über blinkende LEDs in der Zeigefingerspitze und soll die optische Wirkung des ausgestreckten Arms beim Abbiegen verbessern. In der Dunkelheit scheint das ein klarer Vorteil gegenüber dem ausgestreckten Arm, der im Winter meist in einer dunklen Jacke steckt. Am Fahrrad verbaute Richtungsanzeiger sind laut StVZO übrigens nur an „mehrspurigen“ Rädern zulässig.

Warn-Radar im Helm-Display

Zusatz-Lampen oder -reflektoren, die nicht am Rad befestigt sind, werden durch die StVZO nicht behandelt. Helmlampen dürfen also theoretisch zum Einsatz kommen. Da der Lichtkegel von oben kommt, kannst du mit ihr dunkle Strecken besser ausleuchten als mit einer fest verbauten Lichtanlage. Achte aber dennoch vor dem Kauf auf die Produktbeschreibung, denn manche Lampen sind von ihrer Lichtintensität nur off road erlaubt. Was technisch noch möglich ist, zeigt Garmin mit einem aufeinander abgestimmten Set aus Beleuchtung und Radar-Warnung. Das Kernelement heißt Varia RTL511 und kombiniert einen kräftigen roten Rückstrahler (mit StVZO-Siegel) mit einem Radar-Warner, der von hinten kommende Fahrzeuge aus bis zu 140 Metern erkennt und ein optisches und akustisches Warnsignal überträgt.

Das Rücklicht Varia RTL 55 von Garmin strahlt extra hell und fungiert dank Warn-Radar als „Rückspiegel“. | © Garmin

Vielleicht gehörst du zu den vielen Radlern, die im ersten Moment sagen: das ist nun doch zu viel Technik – ob hinter mir jemand kommt, kann ich ja hören und mit Schulterblick sehen. Habe ich auch gedacht. Aber die Praxis lehrt mich etwas anderes. Am Rand einer stark befahrenen Straße tut es zum Beispiel gut, auf dem Display zu sehen, dass gerade zwei Autos auf eine Gelegenheit lauern, mich zu überholen, und ein drittes schnell von weiter hinten kommt. Genau zu wissen, was hinter mir passiert, kann mich gezielt reagieren lassen und trägt objektiv und subjektiv zur Sicherheit bei.

Angezeigt wird das vom Radar sehr zuverlässig ermittelte Geschehen in deinem Rücken auf einem kompatiblem Edge-Gerät oder einer speziellen Displayeinheit, die am Helm befestigt wird. Das ist ein weiterer Schritt zum „Connected Bike“ – die Entwicklung geht weiter.

Über #BeatYesterday-Autor Raimund Witkop


Raimund Witkop hat als Sportjournalist (u.a. Welt am Sonntag, FAZ) auch über den Profi-Radsport berichtet. Privat kommt er vom Fußball und ist beim Tennis gelandet. Seine 6-jährige Tochter vermittelt ihm einen neuen Blick auf den Sport: Wettkampf zu mögen, muss man lernen. Die Übung, in der sie ihn als erstes überflügeln wird, steht aber schon fest: ein Rad schlagen.

Veröffent­lichungsdatum: 29.10.2018
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