Was sind Bitterstoffe?
Bitterstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu gehören beispielsweise Humulon (Bestandteil von Hopfen) oder Genitiopircin (Bestandteil von Wermut). Pflanzen entwickeln diese Bitterstoffe, um sich vor Fressfeinden in der Natur zu schützen. Auch wenn bitter nicht immer lecker ist, können Bitterstoffe eine positive Wirkung auf uns Menschen haben.
Welche Wirkung haben Bitterstoffe?
Schon im Mittelalter spielten Bitterstoffe eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden. Denn sie steigern nachweislich die Magensaftsekretion, die Produktion der Gallenflüssigkeit und kurbeln die Verdauung an. Darüber hinaus stimulieren sie die Leber, die effektiver arbeiten kann, wirken Blähungen sowie Verstopfung entgegen und sind bei einer Darmsanierung oder Antipilztherapie gute Helfer.
Da sie die Schleimhäute unterstützen und elastisch halten, kannst du zudem noch Nährstoffe und Vitamine besser aufnehmen.
Zusätzlich stärken Bitterstoffe auch dein Immunsystem, das sich zum Großteil im Darm befindet. Und wenn es diesem gut geht, profitieren auch deine Abwehrkräfte.
Auch wenn du Heißhunger auf Süßes verspürst, können Bitterstoffe helfen: Der Appetit auf Süßes verliert sich, wenn du etwas Bitteres isst. So helfen Bitterstoffe beim Abnehmen.
Gut zu wissen: Die Wirkung der Bitterstoffe tritt bereits ein, wenn du den Geschmack auf der Zunge spürst. Das liegt daran, dass ihre gesamte Oberfläche mit Bittersensoren ausgestattet ist, die den Körper in Alarmbereitschaft versetzen können. Der Grund: Bitterer Geschmack warnt den Körper auch vor einer möglichen Vergiftung.
Wir essen heute weniger Bitterstoffe als früher
Doch die bittere Wahrheit ist: Wir essen heute meist zu wenig davon, haben uns nach und nach geschmacklich umerzogen und die Bitterstoffe aus den Lebensmitteln verbannt. Aus den meisten Gemüsesorten sind sie regelrecht weggezüchtet worden, damit diese milder und angenehmer schmecken. Damit haben wir uns das Geschmacksempfinden für bittere Lebensmittel abtrainiert. Die Reizschwelle für Bitterstoffe ist heute bei vielen Menschen sehr hoch. Frauen reagieren laut NDR sogar empfindlicher auf den bitteren Geschmack als Männer.
Die gute Nachricht: Unser Bitterempfinden kann trainiert werden. Da die Wirkung der Bitterstoffe beginnt, wenn unsere Rezeptoren im Mund sie wahrnehmen, sollten wir uns nach und nach wieder an den Geschmack gewöhnen. Bittere Lebensmittel geschmacklich abzumildern kann langfristig nicht die Lösung sein. Menschen, die sehr empfindlich sind, können anfangen, leicht bittere Lebensmittel in ihren Alltag zu integrieren – wie etwa Spargel, Oliven, Olivenöl, Sprossen.
Gemüsesorten, die Bitterstoffe enthalten:
Artischocken regen die Verdauung an

Artischocken sehen mit ihrer bläulichen Farbe und den Knospen nicht nur elegant aus, sondern schmecken auch richtig gut: feinherb, leicht bitter und nussig. Dazu sind sie gesund: Die Bitterstoffe (wie Cynarin) und Flavonoide regen den Stoffwechsel an, stärken die Leber, können die Cholesterinwerte senken und gegen Übelkeit wirken. Dazu punktet die Artischocke mit viel Kalium, Magnesium, Eisen und mehreren Vitaminen (wie etwa Vitamin C, B1, Provitamin A).
Zubereitung:
Artischocken können roh gegessen werden, ihren typischen Geschmack entwickeln sie aber beim Garen in Salzwasser (wichtig: immer Zitrone mit dazu geben, da sie sich sonst verfärben). Vorher die ganze Artischocke abspülen, den Stiel abbrechen (etwa über einer Tischkante) und die äußeren Blätter und die Spitze abschneiden.
Grünkohl stärkt das Immunsystem

Der Krauskopf trumpft mit einem Nährstoffmix auf, der unser Immunsystem stärkt und die Zellen schützt. Mit einem Vitamin-C-Gehalt von 105 Milligramm pro 100 Gramm schlägt Grünkohl ganz locker Zitronen (53 mg / 100 g) oder Orangen (50 mg /100 g). Er enthält außerdem viele verdauungsfördernde und sättigende Ballaststoffe sowie Kalium, Kalzium, Magnesium und vieles mehr.
Gut zu wissen:
Grünkohl kann sehr viele Bitterstoffe enthalten. Je länger der Grünkohl allerdings auf dem Feld stehen geblieben ist, desto milder ist er. Die Kälte wandelt in den Blättern einen Teil der Stärke in Zucker um, der Kohl wird dadurch bekömmlicher, sein Aroma nimmt zu.
Zubereitung:
Heute genießt man ihn roh im Salat, knabbert ihn abends als Chips oder mixt ihn zu kerngesunden Smoothies – Grünkohl ist vielseitig zuzubereiten, sollte aber vorher gehackt oder püriert werden. So kann unser Körper alle Inhaltsstoffe optimal aufnehmen. Vorsicht nur beim Kochen: Wenn Grünkohl zu lange und zu heiß gart, gehen wichtige Nährstoffe verloren.
Löwenzahn regt die Leber an und stärkt die Galle

Löwenzahn wurde bereits in der Antike als Magenmittel eingesetzt. Er enthält reichlich Gerb- und Bitterstoffe, jede Menge Vitamine (wie A, C, E) und wichtige Mineralstoffe (wie Kalzium, Magnesium, Eisen, Kalium). Darüber hinaus liefert er viele Proteine, was ihn auch für Vegetarier und Veganer interessant macht. Mit seinem Wirkstoffmix regt Löwenzahn die Leber an, stärkt die Gallenfunktion und hat eine antibakterielle Wirkung. Außerdem ist er harntreibend und entwässernd.
Zubereitung:
Löwenzahnblätter können Salaten, Suppen, Säften oder grünen Smoothies einen besonderen Geschmacks- und Vitalkick geben. Ab Frühjahr kannst du Löwenzahn selbst am Wegesrand pflücken – aber etwas Abstand von den Straßen halten.
Diese Lebensmittel haben ebenfalls viele Bitterstoffe
Bitterorange, Grapefruit, Endiviensalat, Kresse, Meerrettich, Steckrübe, Radiccho, Chicoree, Rosenkohl – und Schokolade.
Ja, richtig gelesen – allerdings ist hier die Rede von dunkler Bitterschokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 70 Prozent. Die Kakaobohne trumpft mit sekundären Pflanzenstoffen auf, die den Blutdruck senken können, gut fürs Herz sein sollen und Glückshormone freisetzen können.
Bitterstoffe in Form von Tee, Tropfen oder Pulver
Da die Bitterstoffe aus Gemüse meist weggezüchtet wurde, kannst du sie auch in Form von Tee, Tropfen oder Pulver zu dir nehmen und so von ihrer Wirkung profitieren. In Apotheken oder Reformhäusern findest du eine große Auswahl und kannst dich beraten lassen.
Diskutiere über diesen Artikel und schreibe den ersten Kommentar:
Jetzt mitdiskutierenDiskutiere über diesen Artikel