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Heißer Trend: Knochenbrühe. | © iStock.com/ALLEKO

Trendgetränk Knochenbrühe – wie gesund ist sie wirklich?

Energie-Booster mit Anti-Aging-Effekt – Knochenbrühe ist der neueste Wellness-Drink. Mythos oder Allzweckwaffe? Autorin Anna-Lena klärt auf.

Kind, trink erstmal eine Hühnerbrühe! Denn wenn es nach Müttern und Omas geht, heilt diese traditionelle Geheimwaffe so gut wie alles: Erkältung, Liebeskummer, ja sogar den schlimmsten Kater. So einfach wie genial. Doch was ist eigentlich dran, beziehungsweise drin? Wir erklären dir, welche extrem wichtigen und stärkenden Nährstoffe sich tatsächlich in einer selbstgemachten Knochenbrühe finden lassen – und warum diese klassische Suppe plötzlich zum neuen Superfood-Drink avanciert, erst in Hollywood und jetzt auch bei uns.

Die natürlichen Kräfte der Knochenbrühe

Eine Knochenbrühe wird meist aus Hühner-, Rinder- oder Kalbsknochen zubereitet und je nach Belieben mit weiteren Zutaten wie etwa Zwiebeln, Sellerie, Karotten, Salz und Pfeffer ergänzt. Bedeckt mit Wasser lässt man sie mehrere Stunden köcheln, um so viele Nährstoffe wie möglich aus dem Knochenmark zu lösen. Doch was ist dran an dem Volksglaube, dass eine selbstgemachte Brühe ein einzigartiger und super gesunder Energy-Drink ist? Es heißt schließlich, dass sie das Immunsystem stärkt, die Verdauung unterstützt, den Körper leistungsfähiger macht und darüber hinaus wahre Beauty- und Anti-Aging-Effekte erzielt.

„In einer Knochenbrühe befinden sich zum Beispiel die Mineralstoffe Kalzium und Magnesium, die aus den Knochen gelöst werden. Sind noch Fleischreste dran, ist der Eiweißgehalt der Brühe höher, allerdings vermutlich immer noch niedriger als der von Milch“, erklärt Diplom-Oecotrophologin Melanie Kirk-Mechtel. „Ob Hühnerbrühe oder Rinderbrühe – die aus den Knochen gelösten Stoffe sind im Prinzip dieselben und können sicher einen (kleinen) Beitrag zur Versorgung mit den vorher genannten Nährstoffen leisten“. Was jedoch die entzündungshemmende Wirkung von Brühe angeht, dürfte diese laut der Expertin vor allem aus dem mitgekochten Gemüse und den Kräutern, wie Zwiebeln, Sellerie und Lorbeer, ausgehen. Genauer gesagt, von den darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen. Somit kann auch eine vegane Brühe viel Gutes tun.

Ein großer Faktor für den neu entfachten Hype um Knochenbrühen ist neben dem enthaltenen Keratin, das kräftigere Nägel und Haare zaubern soll, vor allem das darin gelöste Kollagen. Das Eiweiß wird für den Aufbau von Knochen, Sehnen und Bändern benötigt und ist zudem für die Festigkeit des Bindegewebes zuständig. Daher soll eine Brühe sogar Cellulite mindern. Doch kann der menschliche Körper die tierischen Proteine, die aus den Knochen herausgekocht werden, tatsächlich über die Verdauung aufnehmen? Die Vorstellung, dass Kollagen aus der Suppe direkt in die eigenen Knochen wandert, klingt genial, wird von Ärzten – wie auch von Oecotrophologin Kirk-Mechtel –jedoch stark angezweifelt. Dafür sei der menschliche Stoffwechsel schlicht zu vielschichtig. Auch wissenschaftliche Studien, die diesen Effekt bestätigen, gibt es bisher nicht.

Rinderknochen und weitere Zutaten für Omas traditionelle Geheimwaffe: Knochenbrühe! | © iStock.com/Madeleine_Steinbach

Grundrezept für eine Knochenbrühe


Zutaten für ca. 3,5 Liter:
3 kg Rinder- oder Lammknochen, Markknochen oder Hühnerkarkassen

Optional:
Zwiebeln • Porree • Karotten • Sellerie • getrocknete Lorbeerblätter • ein Schuss Apfelessig oder Zitronensaft • 1 EL schwarze Pfefferkörner • Salz

Alles in einem großen Topf mit kaltem Wasser ansetzen, das die Zutaten 5 cm überdeckt. Unter einem Deckel zum Kochen bringen und bei reduzierter Hitze köcheln lassen: Rinder- und Lammbrühe mindestens 12 Stunden, Geflügelbrühe mindestens 6 Stunden. Danach durch ein feines Sieb abseihen. In Schraubgläsern im Kühlschrank aufbewahren oder portionsweise einfrieren.

Omas Brühe ist jetzt Trend

Obwohl die tatsächlichen Benefits von Knochenbrühe nicht konkret belegt werden können, ist sie plötzlich geradezu omnipräsent. Nicht nur in der Küche von Oma, selbst in unternehmerischen TV-Sendungen wie „Die Höhle der Löwen“ wird sie als neuestes Superfood angepriesen. In dem Format stellten die Gründer des Berliner Start-ups Brox kürzlich ihre Superfood-Brühe vor, die ausschließlich aus Bio-Zutaten und Quellwasser zubereitet wird. In 18 Stunden werden im Slowfood-Verfahren alle Nährstoffe aus den Zutaten herausgekocht, sodass sie beinahe übernatürliche Kräfte verleihen soll. „Eine gute Brühe lässt die Toten auferstehen“, so der Slogan der Firma. Ist so langes Kochen tatsächlich nötig, damit maximal viele Nährstoffe in das Wasser übergehen? Oder erreicht man damit vielleicht sogar das Gegenteil? „Beim Auskochen der Knochen gilt schon, dass mit der Zeit mehr Nährstoffe herausgelöst werden. Für den Mineralstoffgehalt und den Gehalt an Proteinen, wie Keratin und Kollagen trifft die Annahme also zu. Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine aus Gemüse dürften durch langes Kochen aber eher zerstört werden“, sagt Melanie Kirk-Mechtel.

Die Gründer von „Bone Brox“ haben den angebotenen Deal letzten Endes abgelehnt, weil er ihnen zu schlecht war. Sie sind überzeugt davon, dass ihr Produkt mehr Wert ist und sehen in Omas Knochenbrühe, nun verpackt in einem neuen, hippen Design, eine echte Alternative zum Coffee To-Go. Zu Recht?

Trend: Brühe to go im Pappbecher. | © Bone Brox
Knochenbrühe mit Chilifäden-Topping. | © Judith Sylla
Brox Pop-up Stand in Hamburg. | © Judith Sylla

Meine Kollegin Judith hat Brox to go getestet: So schmeckt der „Brühen-Smoothie“

Der kleine Pop-Up-Stand von Brox in der Rindermarkthalle in Hamburg ist schnell entdeckt. Ich entscheide mich für die Rinderknochenbrühe verfeinert mit Weidebutter, Kakaopulver und Zimtöl. Alles landet im Mixer und ist nach ein paar Umdrehungen fertig. Ab in den To-go-Becher damit und noch mit Chilifäden garniert, fertig. 3,90 Euro für 200 ml – hier zahlt man Starbucks-Preise. Mal sehen, ob der neue Wellnessdrink sein Geld wert ist. Ein wohliger Duft steigt mir in die Nase. Ich konzentriere mich auf meinen ersten Schluck. Ein Chilifaden bleibt an meiner Unterlippe kleben. Schnell schiebe ich ihn nach, damit sich das Chili mit dem eingenommenen Schluck geschmacklich vereinen kann. Es schmeckt erstaunlich gut. Der würzige Geschmack der Brühe harmoniert perfekt mit der süßherben Note des Kakaos und der Schärfe der Chili. Das Zimtöl lässt das Ganze etwas weihnachtlich anmuten und der Geschmacksträger Fett potenziert all diese Aromen zum Maximum.Aber ist dadurch jetzt eine neue Begierde nach diesem herzhaften Mix bei mir entbrannt, der ich fortan regelmäßig Befriedigung verschaffen möchte? Ein klares Nein! Im selben Gedankengang schaltet sich jedoch ein spontanes aber dazwischen: Auch wenn die Brühe to go für mich nicht zum Smoothie-, Slow Juice– oder gar Wachmacher-Ersatz für Kaffee wird, als wärmende und vor allem nicht knallsüße Alternative zu Glühwein, etwa auf dem Weihnachtsmarkt, kann ich mir den herzhaften Mix durchaus vorstellen. Am Ende ist und bleibt es aber wie so oft Geschmacksache.

Omas Knochenbrühe wird zum angesagtesten Superfood

Wenn man Richtung USA blickt, aus denen die meisten der Lifestyle-Trends ja zu uns hinüberschwappen, könnten die „Bone Brox“-Erfinder mit ihrer Business-Strategie voll ins Schwarze treffen. Dort nämlich ist sie schon längst der hot shit – im wahrsten Sinne des Wortes. New Yorker Health-Junkies haben Hafermilch-Flat-White oder Matcha-Latte längst gegen heiße Brühe in Bechern getauscht, dafür nehmen sie bei einer der Brodo-Suppentheken bereitwillig Warteschlangen in Kauf. Die dort angebotenen Drinks, von denen es sogar eine vegane Variante mit Seetang und Shiitake-Pilzen gibt, können auf Wunsch individuell mit Extras wie Ingwersaft, Kurkuma, Koriander, geräucherten Algen oder Koksöl verfeinert werden.

Auch Topmodels und Hollywood-Stars wie Gwyneth Paltrow schwören auf die Kraft der Brühe, letztere empfiehlt sie auf ihrem Lifestyle-Blog Goop nicht nur als Energie-Booster oder idealen Detox-Drink, sogar ein Rezept für eine Bone Broth Latte mit Sriracha-Ghee-Topping statt geschäumter Milch findet man dort.

Klar, dass nach dem US-Hype schon bald Großbritannien nachzog und auch an Londoner U-Bahn Stationen Brühe auf die Hand verkauft wird. Nun ist der Trend um Suppe to go auch in Deutschland angekommen.

Brauchen wir diesen Trend?

Sie mag besonders bei kühleren Temperaturen angenehmer zu trinken sein als ein kalter, grüner Smoothie, aber ob man Knochenbrühe zukünftig auf dem Frühstückstisch stehen haben möchte? Davon sind jedenfalls die Kochbuch-Autoren Melissa und Jasmine Hemsley überzeugt, die zu den neuen Superstars der internationalen Food-Szene zählen.

Und auch erprobte Partygänger, die auf Brühe als lebensrettendes Elixier schwören und sich entweder direkt abends nach dem Heimkommen oder morgens nach dem Aufstehen eine Suppe zubereiten, weil sie dem erschöpften Körper Salze und Nährstoffe zurückgibt und einen Kater mildert, wären sicherlich dankbar für ein fertig zubereites Gläschen im Kühlschrank.

Ob Knochenbrühe nun tatsächlich Tote auferstehen, Haare glänzen und Cellulite verschwinden lassen kann, sei dahingestellt. Tatsache hingegen ist aber, dass allein der Geruch wohlige Kindheitserinnerungen wachruft. Vielleicht sollten wir Brühe daher einfach wie eine kulinarische Umarmung von Oma betrachten – danach ging’s einem schließlich auch immer sofort ein bisschen besser. „Aus meiner Sicht ist der Wohlfühl-Effekt nicht zu unterschätzen. Die Brühe wärmt auf und versorgt uns mit Flüssigkeit, aber auch mit guten Gefühlen“, so auch das Fazit von Ernährungsexpertin Melanie Kirk-Mechtel. „Essen und Trinken sind stark mit Emotionen verknüpft, eine selbst gekochte Brühe steht daher für Fürsorge und Geborgenheit. Und wenn man das alles zusammennimmt, ist es sicher nicht verkehrt, ab und zu eine heiße Brühe zu genießen.“

Portrait Anna-Lena Koopmann

Über Anna-Lena Koopmann


Für ihren Job hat die Lifestyle-Journalistin Anna-Lena Koopmann schon die verrücktesten Fitness- und Food-Trends ausprobiert, von absurden Promi-Diäten bis hin zu abgefahrenen Workout-Hypes. Das Einzige, was sie bisher wirklich überzeugt hat: HIIT-Training und die basische Ernährung. Warum? Beides ist gesund, wahnsinnig effektiv und macht zuverlässig bessere Laune. Was will man mehr?

Veröffent­lichungsdatum: 11.12.2017
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