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Selbstversorgung ist schwer im Kommen: Urban Gardening wird zum Lifestyle-Trend. | © Gräfe und Unzer Verlag/Kerstin Mumm

Urban Gardening: So wirst du in der Stadt zum Selbstversorger

Schon ein Balkon genügt, um Obst und Gemüse anzubauen. Ein Experte erklärt, welche Pflanzen für Einsteiger ideal sind – und welche Fehler man vermeiden sollte.

Immer mehr Menschen machen sich Gedanken um eine bewusste und nachhaltige Ernährung und hinterfragen kritisch, wo ihre Lebensmittel herkommen. Die Folge: Urban Gardening wird aktuell zum absoluten Lifestyle-Trend. Raus aus dem Bett und rein ins Beet, denn es braucht gar nicht viel Platz, um sich mit frischen Lebensmitteln selbst zu versorgen. Und es ist auch überhaupt nicht so kompliziert und aufwendig, wie man denken könnte. Vorausgesetzt, du weißt, worauf du achten solltest. Balkon, Terrasse oder kleiner Stadtgarten – mehr braucht es nicht, um Gemüse, Obst und Kräuter für den Eigenbedarf anzubauen.

Schon ein Balkon genügt, um Obst und Gemüse anzubauen. | © Gräfe und Unzer Verlag/Kerstin Mumm

Vom Blumentopf direkt in den Mund – frischer geht’s nicht!

Klar, wenn man morgens frische Kräuter für ein Omelette benötigt oder sich abends zu Hause einen Salat zubereiten möchte, dann spart man sich den Weg in den Supermarkt, wenn man die nötigen Basics direkt auf seinem Balkon ernten kann. Doch es gibt noch weitere gute Argumente für eine Selbstversorgung: Man kann sichergehen, dass die Pflanzen nicht mit Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, und so einer Bio-Qualität entsprechen – auch was den Nährstoffgehalt angeht. Zudem schmeckt Selbstgemachtes doch immer besser. Und so frisch wie ein Salat, der direkt vor der Tür gepflückt wird, kann nicht mal ein Produkt vom Wochenmarkt sein. Außerdem macht es ja auch Freude, etwas zu säen, das Wachstum zu beobachten und am Ende stolz die Lorbeeren, oder in diesem Fall das angebaute Obst und Gemüse zu ernten.

Eigenanbau auf kleinstem Raum ist ganz einfach

© Gräfe und Unzer Verlag/Kristijan Matic

Kräuter kann man problemlos in der Wohnung halten, vorausgesetzt, sie bekommen ausreichend Licht. Mit Obst und Gemüse klappt das nicht, doch bereits ein kleiner Balkon oder eine Terrasse bieten alle notwendigen Voraussetzungen.

Einsteigern, die erste Erfahrungen mit dem Gärtnern machen wollen, rät unser Garten-Experte Folko Kullmann und Autor des Buches „Selbstversorger Basics – Obst- und Gemüseanbau für Anfänger“, zu schnell wachsenden und anspruchslosen Gemüsesorten.

Anleitung / How to

Diese Gemüsesorten sind laut Folko Kullmann ideal für Balkon und Terrasse

Für den Balkon und die Terrasse sind kleinere oder schlankere Gemüse ideal, die man über einen langen Zeitraum ernten kann, also:

  • Mangold
  • Stangenbohnen
  • Tomaten
  • Paprika
  • kleine Gurken(lassen sich schön am Spalier ziehen)
  • Radieschen
  • Kohlrabi
  • Pak Choi
  • Asia-Salate

Auch größere Pflanzen lassen sich problemlos auf dem Balkon anbauen. „Zwiebeln kann man gut in Töpfen verteilen. Am besten sind Winterheckenzwiebeln, die sind mehrjährig und man kann die grünen Blätter über einen langen Zeitraum ernten. Auch Kartoffeln wachsen gut in großen Pflanztöpfen oder Säcken. Beim Salat ist Pflücksalat besser als Kopfsalat, letzterer hinterlässt nach der Ernte eine Lücke im Kasten, die erst wieder gefüllt werden muss. Pflücksalat kann viel länger beerntet werden“, so der Gartenpraktiker. Gleiches gilt auch für Grünkohl, Palmkohl oder Sprossenbrokkoli.

Darauf solltest du beim Kauf von Samen und Saatgut achten

Auch bei Samen, Saat und Setzlingen gibt es große Preisunterschiede. Doch woran erkennt man gute Qualität? „Samen und Saatgut sollte man immer frisch und beim Gärtner oder im Gartencenter kaufen. Dort wird regelmäßig kontrolliert und altes, unverkauftes aussortiert“, rät Folko Kullmann. Denn nicht alle Samen bleiben unbegrenzt keimfähig, so verliert beispielsweise Schnittlauch schon nach einem Jahr seine Keimfähigkeit. Für Jungpflanzen gilt dasselbe. „Finger weg von Billigangeboten im Supermarkt. Zuverlässige Bezugsquelle sind Gärtner, lokale Betriebe auf dem Wochenmarkt oder gute Gartencenter.“ Wer einen Selbst-Check machen möchte: Die Jungpflanzen sollten kompakt sein, nicht zu groß und dürfen noch nicht zu lange in den Schalen oder Töpfchen stehen. Dichte Wurzelballen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass sie „überständig“ sind.

Mit Urban Gardening wirst du auch in der Stadt zum Selbstversorger. | © Gräfe und Unzer Verlag/Kerstin Mumm

Was du beim Anpflanzen berücksichtigen solltest

Generell solltest du Pflanzenarten, die nah miteinander verwandt sind, wie etwa Möhren und Petersilie, nicht nebeneinander anbauen, da sie sich gegenseitig Konkurrenz um Nährstoffe machen. Außerdem werden sie oft von denselben Schädlingen befallen. Ebenfalls wichtig: Große Pflanzen dürfen nicht neben kleinen wachsen, da sie denen das Licht wegnehmen. Heißt: nicht die Radieschen unter die Zucchini säen.

Was muss man tun, wenn die „Saison“ vorbei ist?

Im September sind die Beete abgeerntet und die Saison ist vorbei. Gartenpraktiker Kullmann erklärt genau, was man tun sollte, bevor es in den Herbst/Winter geht. „Im Garten lohnt es sich, eine sogenannte Gründüngung einzusäen. Das sind Pflanzen wie Bienenfreund (Phacelia), Klee oder Luzerne, die die Nährstoffe, die noch im Boden vorhanden sind, fixieren, indem sie sie aufnehmen.“ So verhindert man, dass Stickstoff in Form von Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen wird oder in tiefe Bodenschichten gespült wird, wo er vom Gemüse nicht mehr erreicht werden kann. Praktischer Nebeneffekt: Der bedeckte Boden wird weniger von Unkraut bewachsen, der Humusgehalt steigt und der Boden bleibt gesund.

Hochbeete sind sehr gut für den Anbau von Kräutern und Gemüse geeignet. | © Gräfe und Unzer Verlag/Kristijan Matic

Welchen Dünger brauchen Balkon- und Kleingarten-Pflanzen?

„Organische Dünger wie Schafwollpellets und Hornspäne sind ideal, da sie langsamer wirken und das Bodenleben fördern. Normaler Gartenboden ist meist durch Kompost und frühere Düngungen ausreichend mit Nährstoffen versorgt“, so Folko Kullmann. Hier gilt: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht, denn zu viel Dünger schadet dem Boden und kann bei Salat zu hohen Nitratwerten führen. Der Experte rät deshalb dazu, unbedingt die Mengenangaben auf der Verpackung einzuhalten. Für alle, die mit Kompost düngen: maximal 2 Liter Kompost pro Quadratmeter.

Richtig komposten – Recycling gehört zur Selbstversorgung dazu

Wer einen Garten hat, sollte organische Küchenabfälle auf keinen Fall in den Müll werfen, sondern dort kompostieren. Denn diese sind echtes Powerfood für die Pflanzen und können in wertvollen Humusdünger verwandelt werden. Am besten baut man dafür eine Kompostmiete aus alten Brettern oder Paletten, es gibt aber auch Bausätze im Gartencenter. Für Balkon-Gärtner gibt es mittlerweile sogar Indoor-Komposter, hier sollte man unbedingt darauf achten, dass die Gefäße wasserdicht sind, also kein Sickerwasser austreten kann. Wer diesen aus hygienischen Gründen – oder wegen des Geruchs – nicht in der Wohnung haben möchte, sollte die Abfälle in den Biomüll werfen, auf dem Balkon oder der Terrasse werden die Reste meist zu warm.

Und nun auf in den Baumarkt und losgelegt!

Buch / Literatur

© Gräfe und Unzer Verlag-Verlag

Buchtipp:

In dem Ratgeber „Selbstversorger Basics: Obst- und Gemüsegärtnern für Anfänger“ erklärt Gartenpraktiker Folko Kullmann leicht verständlich alle wichtigen Grundlagen zu Anbau, Pflege und Ernte von Gemüse, Obst und Kräutern auf dem Balkon, der Terrasse oder im kleinen Garten. Inklusive übersichtlichem Aussaatkalender und praktischen Tipps zum Einfrieren und Einmachen. Happy Gardening!

(über Gräfe und Unzer Verlag-Verlag, 16,99 Euro)

Portrait Anna-Lena Koopmann

Über #BeatYesterday-Autorin Anna-Lena Koopmann


Für ihren Job hat die Lifestyle-Journalistin Anna-Lena Koopmann schon die verrücktesten Fitness- und Food-Trends ausprobiert, von absurden Promi-Diäten bis hin zu abgefahrenen Workout-Hypes. Das Einzige, was sie bisher wirklich überzeugt hat: HIIT-Training und die basische Ernährung. Warum? Beides ist gesund, wahnsinnig effektiv und macht zuverlässig bessere Laune. Was will man mehr?

Veröffent­lichungsdatum: 23.07.2018
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