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Dario Cologna: „Langlauf ist eine der härtesten Sportarten!“

Im Interview spricht der Langlaufprofi über die Bausteine seiner Karriere, warum es sich lohnt, nie aufzugeben und darüber, was Langlauf wirklich ist - Einsteigertipps inklusive!

Dario Cologna hat mit 26 Jahren bereits alle großen Titel im Skilanglauf gewonnen und als erster Schweizer in dieser Disziplin olympisches Gold geholt. Seither wird er im Langlaufsport als Superstar gefeiert. Bodenständig wie er ist, macht der heute 31-Jährige selbst keine große Welle um seinen Erfolg.

Seit du fünf Jahre alt bist, stehst du auf Skiern. Angefangen mit alpinem Skifahren, dann der Wechsel auf die Langlaufbretter – was war der Auslöser? Und wann war dir klar, dass daraus eine Profikarriere werden wird?

Einen konkreten Auslöser gab es eigentlich nicht. Beim Alpin Ski fand ich das Liftfahren immer langweilig (lacht). Ich habe dann im Alter von elf Jahren mit Langlauf angefangen – relativ spät. Aber ich war talentiert und hatte schnell Erfolg. Mit 15 Jahren bin ich aufs Skigymnasium gekommen und habe an Juniorweltmeisterschaften teilgenommen. So ging es immer weiter und die Sportkarriere wurde immer konkreter.

Doch Potenzial und Ehrgeiz sind das eine, ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich mein Ziel nicht erreicht. Ich bin in einem sehr abgelegenen kleinen Tal in der Schweiz aufgewachsen. Ich war darauf angewiesen, dass mich meine Eltern weite Strecken zum Training und zu den Wettkämpfen fahren. Dass sie das auf sich genommen haben, weiß ich sehr zu schätzen. Auch heute unterstützen sie mich noch voller Freude. Genauso wie meine Freundin, die es akzeptiert und versteht, dass ich viel unterwegs bin und wir uns längere Zeit nicht sehen. Dafür können wir die gemeinsamen Momente umso mehr genießen.

Was geht dir bei einem Rennen durch den Kopf?

Das ist unterschiedlich. Beim Einzelrennen bin ich immer hoch konzentriert und fokussiere mich auf den nächsten Aufstieg oder die nächste Abfahrt. Und ich rede mit mir selbst, feuere mich an.

Was war bisher dein absoluter #BeatYesterday-Moment?

Definitiv Olympia 2014. Drei Monate vorher hatte ich alle Bänder am Fuß gerissen und es war nicht klar, ob ich es rechtzeitig zurückschaffen würde. Aber ich habe alles versucht. Ich wollte nicht weitere vier Jahre warten. Wer weiß, was dann wieder ist. Der Plan ist aufgegangen. Ich bin nach Sotschi gefahren und habe Gold geholt. „BeatYesterday“ ist aber auch ohne Verletzung mein Motto, das mich vorantreibt. Ich schaue immer nach vorn und nicht mehr zurück. Ruhe mich nicht auf vergangenen Erfolgen aus, sondern versuche, meine persönlichen Rekorde zu brechen. Das ist oft schwierig, aber durch abwechslungsreiches Training schaffe ich Leistungssteigerung. Trainiert man immer gleich, bedeutet das Stillstand oder sogar Rückschritt. Das gilt eigentlich für jede Sportart: neue Impulse setzen und so vergangene Resultate überbieten.

© Stephan Bögli
Du beschreibst eine deiner Stärken damit, dass du nie aufgibst. 2014 hat sich das gelohnt. In welchen Momenten kam deine Schwäche durch und du musstest dir eingestehen, dass du dieses Mal doch zu viel wolltest?

Was ich am Anfang meiner Karriere lernen musste: Man kann in einer Langlaufsaison nicht alle Wettkämpfe laufen und gleichzeitig das Niveau halten. Man muss sich auf die wichtigsten konzentrieren und die erfolgreich meistern. Ich habe damals nicht genug auf Erholung geachtet. Typischer Denkfehler: Viel hilft viel! Doch man muss auf seinen Körper hören. Pausen machen, damit man sich verbessern kann. Die Muskeln bauen ihre Kraft in der Erhohlungsphase auf, nicht im Training. Da setzt man nur den Reiz.

Die Wettkampfsaison im Skilanglauf geht von November bis März. Wann startet die Vorbereitung und wie sieht die in den schneefreien Monaten aus?

Wenn man das ganze Trainingsjahr betrachtet, dann ist der April, unmittelbar nach der Wettkampfsaison, der ruhigste Monat. Sofern es die Schneeverhältnisse zulassen, stehe ich zwar noch so oft es geht auf den Skiern, aber ich trainiere nicht so lange und so hart. Meist mache ich in dieser Zeit auch Urlaub. Ab Mai geht es wieder los mit dem Training für die kommende Saison. Ich sattle dann um auf Rollski. Rollen auf Asphalt haben zwar nicht den gleichen Effekt wie Bretter auf Schnee, aber der Bewegungsablauf ist doch sehr ähnlich. Ansonsten mache ich viel Ausdauertraining in Form von Laufen und Radfahren. Regelmäßiges Krafttraining gehört dazu und Klettern gibt auch einen guten Trainingsreiz.Ich trainiere im Sommer viel intensiver als im Winter. Da schaffe ich die Grundlage für die Rennen. 30 bis 35 Stunden Training pro Woche sind dann normal. In der Wettkampfsaison selbst reduziere ich das Pensum und achte auf körperliche Erholungsphasen, um meine Akkus aufzuladen. Am Tag vor einem Rennen trainiere ich kaum, sondern bereite mich mental vor, schaue mir die Strecke an und teste meine Skier.

Das klingt nach einem Fulltime-Job.

Der Sport ist ja mein Beruf und ich kann mich glücklich schätzen, dass er auch gleichzeitig meine Leidenschaft ist. Ich bin motiviert, das ist eine Grundvoraussetzung, einen guten Job zu machen. Und klar, solange der Erfolg da ist, macht es noch ein bisschen mehr Spaß. Dann weiß ich, dass sich das harte Training lohnt.

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Wie und wann verschaffst du dir Entspannung?

Viel schlafen! (lacht) Nein, ich versuche immer, eine Auszeit zu nehmen. Die finde ich eher in kleinen Dingen. Gut Essen gehen, mich mit Freunden treffen – einfach mal ein bisschen genießen und gedanklich für einen Moment abschalten.

Lass uns ein für alle Mal aufräumen mit den Vorurteilen „Langlaufen sieht voll einfach aus!“ und „Das ist doch nur was für Senioren!“. Was ist Langlauf wirklich?

Bestimmt nicht einfach! Anfänger haben große Mühe, wenn sie das erste Mal auf den Skiern stehen. Aber wenn man die Technik gut beherrscht, ist Langlauf eine der härtesten Sportarten überhaupt. Ein Ganzkörpertraining, das fast alle Muskeln im Körper fordert, dabei aber gelenkschonend ist. Gleichzeitig trainiert es die Ausdauer. Langläufer haben die höchste Sauerstoffsättigung im Blut. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

Obwohl es technisch anspruchsvoll und von der Umsetzung her sehr intensiv ist, ist Langlauf dennoch für jedermann geeignet. Ein gutes Beispiel sind Menschen in Managerpositionen. Vor 20 Jahren waren die noch unfit, bedingt durch langes Sitzen am Schreibtisch und ungesunde Ernährung. Meist haben sie auch noch geraucht. Heute schaffen sich Manager Ausgleich durch Triathlontraining oder eben Langlauf und sind rundum fit. Und im Zuge des momentanen Fitnessbewusstseins machen es auch immer mehr Leute aus allen Altersgruppen.

Deine Einsteigertipps für Neugierige, die sich nach diesem Interview auf die Loipe wagen?

Langlauf ist am Anfang sehr schwierig und mitunter auch frustrierend. Es dauert, bis man die Technik beherrscht. Deshalb bitte auf jeden Fall Geduld mitbringen! Es lohnt sich auch, in einen Langlauflehrer zu investieren. Wenn man die Technik gezeigt bekommt, kann man schon früh richtig gleiten. So macht es viel mehr Spaß. Beim Langlaufen wird einem sehr schnell warm. Als Faustregel gilt, dass man beim Start leicht frösteln sollte, dann ist das Betriebsklima nach den ersten Metern perfekt. Allerdings gilt das nur, wenn man gute, enganliegende Funktionskleidung trägt. Dicke Skikleidung ist für diesen Sport nicht geeignet. Darin überhitzt man sehr schnell. Ansonsten wählt man wie beim Alpin anfangs einfachere Strecken und später dann die anspruchsvolleren.

Über Dario Cologna


Der Schweizer Langlaufprofi Dario Alonzo Cologna ist 1986 in Santa Maria Val Müstair (Münstertal) geboren und aufgewachsen. Dario spricht Rätoromanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. Seit seiner frühen Kindheit steht er auf Skiern, zum Langlauf wechselt er allerdings erst im Alter von elf Jahren. Auf dem Sportgymnasium stellt sich schnell heraus, dass sein Talent für Ausdauersportarten, seine Disziplin und sein Ehrgeiz ihn weit bringen würden. 2008/09 gewann er im Alter von 26 Jahren dann den Gesamtweltcup und holte 2010 als erster Schweizer in dieser Disziplin Olympiagold. Sein Lieblingsrennen ist die Tour de Ski, weil es bei diesem Wettkampf darum geht, über mehrere Tage hinweg Höchstleistungen zu erbringen.

Veröffent­lichungsdatum: 11.04.2018
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