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Proteinreich, nachhaltig und leicht: Insekten sind der neue Food-Trend. | © iStock.com/structuresxx

Da ist der Wurm drin: Insekten als neuer Food-Trend

Essen wir bald Heuschrecke statt Steak und bestellen uns einen Mehlwurm-Burger? Proteinreich, nachhaltig und leicht - warum Insekten der neue Food-Trend sind.

Für die einen sind sie gewöhnungsbedürftiges Zeugs, viele halten sie schlicht für ekelig – aber es gibt immer mehr Experten, die in ihnen die Zukunft der Welternährung sehen: Insekten. Ja, du hast richtig gelesen: die sechsbeinigen Krabbeltierchen. Und nein, wir sprechen hier nicht von der RTL-Dschungelprüfung.

Insekten liefern viel und brauchen wenig

Die Welternährungsorganisation FAO bescheinigt Insekten, dass sie – genau wie andere tierische Lebensmittel – wertvolle Proteine liefern und darüber hinaus auch noch reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sind. Und ach ja, Fett und Cholesterin enthalten sie auch kaum. Doch damit noch nicht genug: Auch beim Thema Nachhaltigkeit lassen Insekten herkömmliche Nutztiere alt aussehen. Schließlich brauchen sie wesentlich weniger Futter und Wasser. Auch der Ausstoß von Treibhausgasen liegt weit unter dem von Rindern. Und Schweine verursachen bei ihrer Zucht zehn bis hundertmal mehr CO₂ als etwa Mehlwürmer.

Es gibt 1.400 essbare Insektenarten

In ihrem 230 Seiten dicken Bericht „Humans bite back“ führt die FAO an, dass es mehr als 1.400 essbare Insektenarten gibt. Geht es nach der Welternährungsorganisation, wird die ständig wachsende Menschheit in Zukunft ohne Insekten nicht mehr satt. Was in Ländern wie China, Thailand, Nigeria oder Mexiko schon lange normal ist, soll demnach auch in westlichen Ländern künftig auf den Teller kommen: Käfer, Maden, Grillen. Die Art der Zubereitung in Fernost oder Afrika variiert stark: Mit Grillen, Dämpfen oder Frittieren werden die Krabbeltiere schmackhaft gemacht.

Insekten auf einem Markt: In Ländern wie China, Thailand, Nigeria oder Mexiko schon lange normal. | © iStock.com/krithnarong

Erste Restaurants tischen Insekten auf

Aber wird es demnächst auch bei uns wirklich ganz normal, Heuschrecke statt Steak zu essen oder Mehlwurm-Burger zu bestellen? Bislang ist der Verzehr von Insekten hierzulande nur etwas für sehr Mutige oder sehr Neugierige. Ein paar Restaurants haben Insekten auf die Speisekarte gesetzt – sei es aus Überzeugung oder als Marketing-Gag. So gibt es in „Seidels Salatbar“ in Ludwigsburg Insekten als knuspriges Dressing, die „Australian Bar Kitchen“ (Nürnberg) tischt Heuschrecken-Variationen auf und in München bietet „Der verrückte Eismacher“ essbare Insekten als Eis-Toppings an.

Ameisen-Lollis aus dem Internet

Wer Insekten zu Hause zubereiten will, ist bislang auf Internet-Spezialanbieter angewiesen, die meist „laborgetestete Insekten für den menschlichen Verzehr“ aus dem Ausland importieren. Vom Ameisen-Lolli bis zu mit Schokolade überzogenen Mehlwürmern wächst die Angebots-Palette beständig. In der Regel werden die Sechsbeiner aus Farmen im Ausland eingeführt und in Tütchen verzehrfertig verschickt. „Snackinsects“ etwa hat Heuschrecken, Grillen, Mehl- und Buffalowürmer als vollständige Tiere, Riegel oder Mehl im Angebot. Online orderbare Skorpione oder Rhino-Riesenkäfer dagegen dürften eher in den Bereich Party-Gag oder Mutprobe fallen.

Der Hamburger „Snackinsects“-Gründer Folke Dammann räumt ein, dass Insekten noch ein Nischenmarkt sind: Doch inzwischen kann der Unternehmer, der 2015 in der „Höhle der Löwen“ pitchte, immerhin von seiner Geschäftsidee leben. Er setzt darauf, dass sich die Ernährungsgewohnheiten ändern – so wie das einst auch bei dem anfangs belächelten Sushi der Fall war.

Insekten Lollis gibt es bisher nur im Internet. | © iStock.com/Crissy1982

Seit 2018 offiziell Nahrungsmittel

Der Handel in Deutschland fand jahrelang in einer Grauzone statt – doch seit Anfang 2018 ist in der EU eine neue Verordnung in Kraft getreten, die Insekten zum ersten Mal ausdrücklich als neuartige Lebensmittel einstuft. Damit werden Zucht, Handel und Verkauf von Insekten auch bei uns erleichtert – auch wenn Anbieter ihre Produkte noch bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zulassen müssen. Das heißt: Bevor Käfer & Co. als Lebensmittel in den Handel kommen, müssen beispielsweise toxikologische Risiken und mögliche allergieauslösende Stoffe bewertet und ausgeschlossen werden. Doch nimmt eine Insektenart diese Hürden, darf sie in ganz Europa verkauft werden – die umständlichen Zulassungsverfahren für jedes einzelne Land entfallen.

Proteinreiches Sportler-Food?

Kein Wunder, dass nun weitere Start Ups bereitstehen, um von dem Trend zu profitieren. Sie heißen Bugfoundation oder SWARM Protein und sie vertreiben Burger aus Mehlwürmern oder Grillenmehl-Proteinriegel für Sportler. Sie werben damit, dass Insekten dem Proteingehalt von Eiern oder Hühnerfleisch nahekommen. Gerne zitiert wird dabei eine mexikanische Studie, aus der hervorgeht, dass 100 Gramm Grillen 12,9 Prozent Eiweiß, 76 Milligramm Kalium und 9,5 Milligramm Eisen enthalten. Im Vergleich schneidet etwa Hackfleisch bei Kalium und Eisen deutlich schlechter ab.

Für die Zucht sind noch einige Fragen zu klären

Bislang gibt es allerdings noch kein deutsches Unternehmen, das Insekten industriell für den menschlichen Verzehr herstellt. Denn noch sind wesentliche Fragen offen. Zum Beispiel die des Groß-Einsatzes von Medikamenten, der mutmaßlich notwendig wird, wenn man etliche Millionen Insekten auf engem Raum züchten und füttern will. In Asien ist das, etwa bei der Garnelen-Produktion, gängige Praxis. In Europa dagegen ist die Akzeptanz bei Verbrauchern für diese Art von Chemie-Keule zunehmend geringer. Auch die hygienisch einwandfreie Massenproduktion von hochwertigem Futter für Insekten nach deutschen Hygienestandards ist bislang ungeklärt.

Snack gefällig? Es gibt knusprige Skorpione auf Spießen. | © iStock.com/Roman_Novak

Insekten gegen den Welthunger

Aufzuhalten sein dürfte der Trend zu sechsbeinigen Lebensmitteln angesichts der Probleme der modernen Massentierhaltung und der gewaltigen Herausforderung bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers aber nicht. Zumal die Europäische Union gezielt entsprechende Projekte fördert und finanziert.

Doch das größte Hindernis bei der Etablierung von Insekten als Alltags-Lebensmittel bleibt bis auf weiteres die tief sitzende Abneigung gegen Krabbeltiere in unserem Kulturkreis. Auch wenn Test-Esser hierzulande den nussig-knusprigen Geschmack von gerösteten Grillen loben und Trend-Köche nicht müde werden zu betonen, wie gesund Würmer und Käfer im Gegensatz zu Fleischgerichten doch sind: Bis wir bei Tisch ohne Hintergedanken sagen, „Da ist der Wurm drin“ oder „Ich spüre ein Kribbeln im Bauch“ dürfte noch einige Zeit vergehen.

Gesunde Fleisch-Alternative: Mehlwurm-Bolognese. | Fotografie © Oliver Brachat, AT Verlag

Mehlwurm-Bolognese

Zutaten für 4-6 Personen:

  • 1 Zwiebel
  • 2 Karotten
  • 1 Lauchstange
  • 100 g Sellerie
  • 1 Knoblauchzehe
  • 100 g Champignons
  • 250 g tiefgekühlte Mehlwürmer
  • 4 EL Olivenöl
  • 3 EL passierte Tomaten aus der Dose
  • 300 ml Rotwein
  • 100 ml Gemüsebrühe
  • 400 g geschälte Tomaten (aus der Dose), gewürfelt
  • 1 EL Salz
  • 1 TL Rohrzucker
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1 TL getrockneter Rosmarin
  • 1 TL getrockneter Thymian
  • 1 TL getrockneter Oregano
  • ½ Bund Petersilie, gehackt
  • ½ Bund Basilikum, gehackt

Zubereitung:

    1. Das Gemüse in grobe Würfel schneiden und im Fleischwolf auf der mittleren Lochscheibe zerkleinern. Falls kein Fleischwolf vorhanden ist, das Gemüse in sehr feine Würfel schneiden.Die Mehlwürmer in einem Sieb auftauen lassen und anschließend ebenfalls durch den Fleischwolf drehen.
    2.  Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und das Gemüse und die Mehlwürmer darin kurz andünsten. Die passierten Tomaten dazugeben und ebenfalls kurz mitdünsten. Mit dem Rotwein ablöschen und mit der Gemüsebrühe und den geschälten Tomaten auffüllen.Das Salz, den Zucker, das Lorbeerblatt und die getrockneten Kräuter dazugeben und unter gelegentlichem Umrühren etwa 40 Minuten bei niedriger Hitze köcheln lassen. In den letzten 5 Minuten die Petersilie und das Basilikum hinzufügen. Vor dem Servieren das Lorbeerblatt entfernen.

Fotografie © Oliver Brachat, AT Verlag

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Buchtipp:
50 Rezepte mit Insekten gibt es in dem Buch „Grillen, Heuschrecken und Co.“ von Christian Bärtsch und Adrian Kessler. Die Palette reicht von knusprigen Snacks über Alltagsgerichte bis hin zu süßen Variationen mit Schokolade und Karamell. Dazu liefern die beiden viel Basiswissen und Hintergrundinformation.
(Über AT Verlag, 29,95 Euro.)

Über Bruntje Thielke


Job und Familie halten die Hamburger Journalistin Bruntje Thielke (44, verheiratet, ein Sohn) ordentlich auf Trab. Was früher nur Bauchgefühl war, spiegelt sich in Zahlen wider, seit die Food-Expertin eine Fitness-Uhr trägt. An den meisten Tagen zeigt das Gerät weit mehr als die empfohlenen 10.000 Schritte an, die wir pro Tag zurücklegen sollten.

Veröffent­lichungsdatum: 19.03.2018
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