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Langstrecken-Touren sind Fahrten ins Ungewisse: Du weißt nie, was alles passieren wird. | © iStock.com/Tomas Hliva

Faszination Langstrecke: Auf Achse mit dem Rennrad

Wenn du eine Herausforderung suchst; der Weg und nicht die Zeit das Ziel sein soll, dann starte bei einem Langstrecken-Wettbewerb.

Anspruchsvoll und außergewöhnlich – das sind Langstrecken-Events auf dem Rennrad. Bei ihnen zählt allein das Durchkommen; und so ist jeder ein Sieger, der das Ziel erreicht. Du musst ja jetzt nicht gleich die Mutter aller Langstreckenrennen Paris-Brest-Paris in Angriff nehmen. Eine Veranstaltung, die nonstop über 1.200 Kilometer von der französischen Hauptstadt in die Hafenstadt in der Bretagne und wieder zurückführt und unter 90 Stunden bewältigt werden muss. Es geht auch gemäßigter, viel gemäßigter.

Zu Beginn vielleicht ein Marathon über 200 Kilometer, dann 300 Kilometer bei der Vätternrundan im Mittsommer in Schweden oder dem deutschen Pendant der Mecklenburger Seenrunde. Wenn du nicht nur einen ganzen Tag, sondern auch noch die Nacht dazu im Sattel sitzen möchtest, sind die 540 Kilometer von Trondheim Oslo oder die Teilnahme als Einzelstarter bei einem 24-Stunden-Rennen genau das Richtige für dich.

Egal, wo du auch teilnimmst, all diesen Langstrecken-Veranstaltungen ist eines gemein: Es wird eine Fahrt ins Ungewisse, denn du weißt nicht, was alles passieren wird. Sicher aber ist, dass du an deine Grenze gehen wirst; manches Mal vielleicht auch darüber hinaus. Genau das aber macht ja die Faszination und den Reiz aus, sich in den Sattel zu schwingen und eines der letzten großen Abenteuer auf dem Rennrad zusammen mit Gleichgesinnten zu erleben.

Wie du dich auf solch ein Event vorbereiten kannst, erfährst du hier.

Ab und zu sehr lange Touren im Training fahren

Es geht nicht darum, die Distanz vorher im Training schonmal gefahren zu sein – das ist wie bei den Läufern. Da rennt keiner im Training für den Marathon in der Vorbereitung 42,195 Kilometer am Stück. Was dir aber hilft, sind vorher mal ein paar Touren von fünf Stunden Dauer oder mehr. Es geht hier weniger um den klassischen Trainingsreiz, sondern darum, wie dein Körper mit der langen Belastung umgeht: Wie reagiert dein Rücken auf die statische Belastung, dein Po auf den Druck im Sattel, wie verträgt dein Magen auch nach Stunden im Sattel flüssige wie feste Nahrung? Mit all diesen Erkenntnissen kannst du gegebenenfalls das eine oder andere fürs Highlight besser machen.

Das Rad auf Komfort „tunen“

Gerade wenn du auf längeren Strecken Probleme wegen einschlafender Gliedmaßen und Verspannungen bekommst, solltest du über ein Bike-Fitting beziehungsweise eine Optimierung deiner Sitzposition nachdenken. Um generell aufrechter zu sitzen, hilft oft schon ein kürzerer Vorbau oder – wenn du überwiegend in Bremsgriffhaltung fährst – das Ankippen des Lenkers. Um mehr Komfort zu erhalten und nicht so schnell im Sattel zu ermüden, kannst du für „kleines Geld“ viel erreichen. Die Vibrationen minimieren beziehungsweise die Dämpfung erhöhen, lässt sich durch das Wickeln eines schockabsorbierenden Lenkerbandes bzw. das Unterlegen von speziellen Gel-Pads unter dem Lenkerband sowie einem Wechsel auf breitere Reifen. Viele Komfort- beziehungsweise Marathon-Rennräder werden mittlerweile serienmäßig mit 25 oder sogar schon 28 Millimeter breiten Reifen ausgeliefert. Fahrbahnunebenheiten werden so durch die breitere Abrollfläche der Reifen besser gedämpft.

Bei Nacht fahren

Da du bei vielen dieser Events entweder abends startest oder in die Nacht hineinfährst, solltest du dich darauf im Training vorbereiten. Denn in der Dunkelheit erscheint vieles in „neuem Licht“. Du nimmst die Geschwindigkeit ganz anders war – du glaubst, du seist viel schneller unterwegs. Du wirst dich auch wundern, wie sich die Stecke veränderst, da du deine Sinne ganz automatisch anders einsetzt. So wirst du einige Zeit brauchen, um dich an das grelle punktuelle Scheinwerferlicht, schemenhafte Umrisse und auch die ungewohnte Zeit zu gewöhnen. Gib auch deinem Organismus die Chance, sich an Belastungen zu gewöhnen, die er normalerweise nicht um diese Zeit erbringt. Denn du kämpfst dann auch unweigerlich, mitten in der Nacht, gegen deine eigene innere Uhr.

Gerade auf langen Touren profitierst du davon, im Windschatten zu fahren. | © iStock.com/Dolomites-image

In der „Gruppe fahren“ trainieren

Gerade auf so „langen Riemen“ profitierst du vom Windschatten einer Gruppe. Bis zu 30 Prozent lassen sich hier einsparen; Kraft, die du am Ende sicher brauchen wirst. Wenn du nicht eh schon mit Kumpels zusammenfährst, solltest du vor dem Langstreckenevent ein paar Mal an Gruppentrainings teilnehmen und/oder bei RTFs mitfahren, um Sicherheit für das Rad an Rad fahren zu bekommen. Da lernst du nicht nur die Formation zu fahren und die Ablösung von der Spitze technisch sauber zu beherrschen, sondern auch deine motorischen Fähigkeiten zu schulen, da hier oft mit hohem Tempo und hoher Kadenz bei vergleichsweise geringer Leistung pedaliert wird.

Trittfrequenz schulen

Wer hochfrequent in kleinen Gänge kurbelt, dessen Muskeln ermüden nicht so schnell. Daher solltest du auch als Vorbereitung auf die Langstrecke deine Trittfrequenz schulen und herausfinden, bei welcher Umdrehung du dich dauerhaft am wohlsten fühlst. Positiver Nebeneffekt: Da du nach Stunden im Sattel auch mental ermüdest und deine Konzentrationsfähigkeit nachlässt, helfen solche Übungen ebenfalls. Ideal für solche Motorik-Schulungen sind zehnminütige Intervalle, bei denen deine Trittfrequenz dauerhaft bei 110 bis 120 Umdrehungen pro Minute liegen sollte – ohne dass du im Sattel hüpfst. Eine andere Möglichkeit ist das Absolvieren einer Trittfrequenzpyramide. Bei 70 Umdrehungen angefangen steigerst du jede Minute die Kadenz um 10 Umdrehungen. In der Regel ist die Spitze dieser Frequenzpyramide bei 130 Umdrehungen erreicht. Wenn du dich aber immer noch wohl fühlst, kannst du bis 150 Umdrehungen erhöhen. Ist die Spitze der Pyramide erreicht, verringerst du die Trittfrequenz je Minute um 10 Umdrehungen – bis das Ausgangslevel wieder erreicht ist.

Vor dem langen Ritt medizinisch durchchecken lassen

Eigentlich eine Binsenweisheit, wird aber trotz allem gerne mal vernachlässigt. Denn: Wer geht schon gerne zum Arzt? Dabei kann ein Check-up des Herzkreislaufsystems, der Lunge, weiterer Organe sowie des Bluts etwaige Risiken aufdecken. Und: Ein Großteil der gesetzlichen Krankenkassen übernimmt anteilig die Kosten einer sportmedizinischen Untersuchung. Also, worauf wartest du noch?

© Daniel Beck

Über #BeatYesterday-Autor Daniel Beck


Der Radjournalist aus Hamburg hat ein Faible für den Profiradsport – nicht nur beruflich – und hat mit einigen Profis sogar schon zusammen eine Runde gedreht – rein beruflich. Wenn es die Zeit zulässt, trainiert er am Deich gegen den Wind, um für Rad-Marathons in den Bergen in Form zu kommen.

Veröffent­lichungsdatum: 13.06.2018
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