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Mehr als 10 Millionen Zuschauer verfolgen die Tour de France in diesem Jahr live an der Strecke. Alexander Balow war einer von ihnen und mittendrin. | © Marieke Sobiech

Tour de France: mittendrin beim wichtigsten Etappenradrennen

Mehr als 10 Millionen radsportbegeisterte Zuschauer verfolgen die Tour de France in diesem Jahr live an der Strecke. Alexander Balow war einer von ihnen.

Bislang habe ich über Jahre nur im Fernsehen das Peloton durch Städte rauschen sehen. Jetzt wollte ich mir das vielzitierte Spektakel einmal live vor Ort anschauen: die Tour de France, das Rennen, den Mythos. Gar nicht so leicht, das mit dem Anschauen. Und viel spektakulärer als gedacht. Eine Mischung aus Karneval, Schaulaufen und Sportevent.

Tour de France versus Friedensfahrt

Doch vorab: Mit Radrennen habe ich, ein Kind der DDR, bis 1989 einzig und ausschließlich die Tour de France des Ostens verbunden, die Friedensfahrt. Die Helden meiner Kindheit hießen Täve Schur und Olaf Ludwig. Unser Paris war abwechselnd Warschau, Prag oder Berlin. Wir haben Wandzeitungen über die Friedensfahrt gebastelt. Und waren vernarrt in Uwe Ampler, Falk Boden und eben jenen Olaf Ludwig.

Welche Begeisterung die Tour de France erzeugt, welche Dimensionen ein Radrennen auf diesem Planeten annehmen kann – das war mir fremd. Bis vor ein paar Tagen.

Tour de France: Die „Caravane“ zieht weiter

Etappe 7, mit 231 Kilometern die längste der diesjährigen Tour, führte durch Alençon. Ich wollte am Straßenrand stehen, das Feld an mir vorbeirauschen lassen. Einmal die Tour de France atmen. Ich musste mich in Geduld üben.

Alençon, wie auch jeder weitere Zentimeter der Strecke, ist weiträumig abgesperrt. „Route barrée“ kann einen in den Wahnsinn treiben. Dank netter Franzosen und glücklicher Zufälle parkte ich dennoch nur 20 Meter Fußweg von der Strecke entfernt.

„Route barrée“: Parken wird zum Gedulds- und Glücksspiel - die Rennstrecke ist weiträumig abgesperrt. | © Marieke Sobiech
© Marieke Sobiech

Am Straßenrand hatten sich bereits Franzosen aller Altersklassen eingefunden. Und nicht nur das: Die Kleinstadt hatte sich herausgeputzt, war bunt geschmückt, beflaggt und mit handgemalten Grüßen an die Fahrer verziert. Hundert Meter weiter laute Musik, Einheizen für den einen Moment. Es war noch Zeit. Laut Timetable der Etappe war für knapp zwei Stunden vor der ungefähren Ankunft des Pelotons die „Caravane“ eingeplant. Was das war, wusste ich bis dahin nicht.

Es wurde voller am Straßenrand. Liegestühle, Sitzmöbel, Getränke. Partystimmung. Immer wieder Polizei-, Kamera- und Begleitmotorräder auf der sonst gesperrten Straße.

Und dann: Lautes Wummern und um die Ecke bog das, was sich hinter der „Caravane“ verbarg. Ein nicht enden wollender Korso von bunten, irrwitzigen, lauten Fahrzeugen mit Menschen, die Dinge in die Zuschauerreihen warfen. Caps, Pins, Anstecker, Tröten, Luftballons, Angebotsflyer, Würste, Trinkflaschen, Gutscheine, Coupons, Süßigkeiten, Stifte … elf Kilometer lang ist die Werbekarawane, etwa eine Dreiviertelstunde dauerte das ungewöhnliche Spektakel. Die Franzosen am Straßenrand nahmen es mit Humor – und die Werbegeschenke gerne mit. Mehr als 16 Millionen sollen es bis zum Ende der gesamten Tour werden.

© Marieke Sobiech
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© Marieke Sobiech
© Marieke Sobiech
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Tour de France: eine Mischung aus Karneval, Schaulaufen und Sportevent.

Das Peloton rast durch die Stadt

Ein Moment der Ruhe, dann die ersten Helikopter am Himmel. Ein sicheres Zeichen für die nahende Ankunft – oder besser: Durchfahrt – der Profis. Yoann Offredo (Wanty-Groupe Gobert, kurz WGG) rast etwa acht Minuten vor dem Feld durch Alençon. Ein Ausreißer. Für die Zuschauer am Straßenrand interessanter, denn so hat man etwas mehr vom Rennen. Offredo auch: Begleitet von fast zwei Dutzend Motorrädern und Autos wird er während der Durchfahrt auf dem Rad interviewt. Das hätte es bei Olaf Ludwig nicht gegeben.

Ausreißer Yoann Offredo wird während der Durchfahrt auf dem Rad interviewt. | © Marieke Sobiech

Nur wenig später nimmt die Anzahl der Helikopter am Himmel zu, ich zähle sechs. Das Feld naht. Und dann ist es genau dieser eine Moment, den ich mir nie wirklich vorstellen konnte: Das Peloton rast an mir vorbei. Ein lautes Surren liegt in der Luft. Nicht von den rasanten Einlagen der Begleitfahrzeuge, sondern von den Rädern. Irre. Und ein Windzug bringt den Geruch der Tour de France. Riecht erstaunlicherweise eher „frisch geduscht“ als durchgeschwitzt. Dann war es das auch schon, vereinzelt noch ein paar Nachzügler und Begleitfahrzeuge. „Route barrée“ in Alençon wird eingepackt – um in Dreux, dem Start der 8. Etappe am Folgetag, wieder aufgebaut zu werden.

Entspannte Atmosphäre im Fahrerlager

Am Morgen danach fahren die Nightliner und Busse der Rad-Teams  wie die Wagen der Gladiatoren in die Arena (keine Sorge: niemand von den Fahrern übernachtet wirklich in einem Bus). In Dreux heißt die Arena Messeparkplatz und ist das Fahrerlager für 22 Busse, 176 Fahrer und 450 Begleitpersonen. Auch hier hat der Kommerz den Sport fest im Griff. Das Messegelände platzt bei all den Sponsorenständen, VIP-Bereichen und der „Caravane“ förmlich aus allen Nähten. Kein Quadratzentimeter ohne Logo, Slogan oder Merchandise.

© Alexander Balow
© Alexander Balow
© Alexander Balow
© Alexander Balow
© Alexander Balow
© Alexander Balow
© Alexander Balow

Das Fahrerlager auf dem Messegelände in Dreux platzt aus allen Nähten.

Und trotz des Trubels und der Anspannung vor dem Rennen: Hier herrscht eine extrem gelassene, freundliche Atmosphäre. Rigoberto Uran vom Team EF Education First – Drapac p/b Cannondale posiert für Fotos, während Teamkollege Sep Vanmarcke Interview um Interview gibt, bevor er seinen Garmin Edge am Lenker checkt. Marcel Kittel wirkt wie ein erholter Urlauber, Michael Hepburn vom Team Mitchelton-Scott albert mit einem Fernsehteam herum und Chris Froome, Vorjahressieger und nicht unumstrittener Favorit, steht in einer Traube von Journalisten und Fans. Entspannt, anders kann man das nicht bezeichnen.

Begehrtes Fotomotiv: Rigoberto Uran (Vorjahreszweiter) posiert mit seinen Fans. | © Alexander Balow
Sep Vanmarcke gibt Interview um Interview. | © Alexander Balow
Sep Vanmarcke checkt vor dem Startschuss seinen Garmin Edge. | © Alexander Balow
Marcel Kittel (fünfmaliger Etappensieger) gibt relaxt Interviews. | © Alexander Balow
Michael Hepburn albert mit einem Fernsehteam herum. | © Alexander Balow
Favorit und Vorjahressieger Chris Froome ist von Journalisten und Fans umringt. | © Alexander Balow
Romain Bardet (Vorjahresdritter) trägt sich ins Startbuch ein. | © Alexander Balow

Trotz des Trubels und der Anspannung herrscht im Fahrerlager eine entspannte Atmosphäre.

Nacheinander befahren alle Sportler die Bühne, tragen sich in das Startbuch ein. Tosender Applaus für die Lokalmatadore wie Romain Bardet, gellendes Pfeifkonzert für eben jenen Chris Froome. Das Publikum ist dicht dran und wird dennoch gefordert: Die Sonne brennt schon jetzt. Während die Fahrer sich eingecremt und vorbereitet auf den Weg zur Startlinie machen, kommt langsam Hektik auf. Auto um Auto schiebt sich durch die Menschenmenge, schließlich wollen und müssen Betreuer, Ersatzräder und helfende Hände unmittelbar am Team sein. Der Startschuss fällt, die Räder surren – die Party in Dreux ist vorbei.

Party is over. | © Alexander Balow
Veröffent­lichungsdatum: 25.07.2018
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