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Der #BeatYesterday-Moment von Jonny und Stefan (v.l.n.r.) bei den Hamburger Cyclassics: Die beiden Radsportler landeten im über 6.000 Mann starken Teilnehmerfeld überraschend in den Top 30. | © privat

Zwei Hobby-Radler rocken die Cyclassics

Die Rennrad-Freunde Stefan und Jonny wollten bei den Hamburger Cyclassics vor allem nicht abgehängt werden. Plötzlich waren sie beim „Hunderter“ in der Spitzengruppe.

Die Hobby-Radler Stefan, 38, und Jonny, 32, traten am 19. August 2018 über 108 Kilometer bei den Cyclassics in Hamburg an. Ihr Ziel war es, unter die besten 50 zu kommen. Am Ende wurde Stefan Siebzehnter und Jonny Dreißigster von über 6.000 Startern, mit durchschnittlich 43 km/h. Zum Vergleich: die Durchschnittsgeschwindigkeit aller gestarteten Männer (ca. 5.000) lag bei durchschnittlich 34,6 km/h.

Schon vor dem Start bester Laune: Jonny und Stefan mit einem befreundeten Cyclassics-Starter (v.l.n.r.). | © privat

Mit welchen Erwartungen seid ihr in das Rennen gegangen?

STEFAN: Die zwei Jahre davor bin ich so etwas wie Fünfhundertster und Hundertzwanzigster gewesen. Da dachte ich: das kann nicht alles gewesen sein. Ich wollte eine deutlich bessere Platzierung erreichen.

JONNY: Ich hatte keine konkreten Ziele. Stefan hat das ganze Jahr hart trainiert, das ist ein Radverrückter. Er ist im April 1.500 Kilometer gefahren, so viel wie ich im ganzen Jahr. Ich war zu der Zeit zwei Monate in Elternzeit, da bin ich höchstens mal mit dem Kleinen im Anhänger gefahren. Stefan hat vor den Cyclassics mal eben geheiratet und aufgrund der Vorbereitungen zwischenzeitlich auch weniger in die Pedale getreten. Vielleicht hat uns das gerade motiviert, noch mal für eine begrenzte Phase richtig intensiv zu trainieren.

Wir haben beide in den Randzeiten trainiert, ganz früh morgens oder sehr spät. Das geht nur mit großer Disziplin und viel Willen. Das Ergebnis hat uns dann umgehauen. Ich glaube, dass wir in etwa die gleiche Leistung gebracht haben, wurmt Stefan allerdings ein bisschen.

STEFAN: Überhaupt nicht! Wir gönnen uns das gegenseitig. Ich bin den ganzen Winter durchgefahren, um mich auf Langstreckenrennen über 300 Kilometer vorzubereiten, wie „Mallorca 312” . Die Grundlage war also da. Die vier Wochen intensiven Trainings mit Jonny haben den Kick für die kurze Distanz gebracht.

Wie lief dieses 4-Wochen-Training?

STEFAN: Ich habe vorher recherchiert und für diese vier Wochen einen echten Crash-Kurs in Planung und Umsetzung gemacht. Wir haben abwechselnd Höhenmeter gemacht, Intervalleinheiten und sind viermal die Rennstrecke abgefahren, um sie kennenzulernen. Faszinierend, dass uns das so weit gebracht hat.

JONNY: Wir hatten auch etwas „technische Hilfe” zur Dokumentation unseres Trainings. Stefan nutzte den Edge für sein Training, ich schnallte meine Multisportwatch Forerunner 735XT um den Lenker. Die Geräte haben uns praktisch dorthin trainiert, wo wir dann gelandet sind.

STEFAN: Man wird ja datengeil, wenn man das intensiver macht. Puls, Trittfrequenz, Leistung, das alles ist immer zur Hand. Ohne die Navigation fahr ich sowieso nicht los, es macht mir Spaß, immer neue Routen zu finden. Und die Leistungsdaten haben uns in diesen vier Wochen perfekt geleitet.

Zur Trainingsdokumentation schnallte Jonny seine Multisportwatch Forerunner 735XT kurzerhand um den Lenker. | © privat
Höhentraining in Blankenese: Datenanalyse nach erfolgreich absolvierter „Bergeinheit”. | © privat
Ruhe vor dem Sturm: Intervalltraining am Deich. | © privat

Wann habt ihr gemerkt, dass ihr vorn dabei seid?

STEFAN: Im Sachsenwald haben wir das Führungsmotorrad gesehen und gewusst, wir sind in der Nähe der Spitze. Das war total überraschend und hat noch mal was freigesetzt. Adrenalin ist immer in hoher Dosis im Blut während eines Rennens, man muss ja äußerst konzentriert fahren, gerade unter Amateuren, die das nicht jeden Tag machen. Aber dieses Renn-Feeling war noch einmal besonders.

JONNY: „Wir sehen uns auf dem Treppchen“, hab ich gesagt. Ein Scherz, aber auch ein bisschen mehr …

STEFAN: Als es kurz vor dem Ziel auf den Ballindamm an der Alster ging, waren da unsere Familien, die genauso überrascht waren wie wir. In der Euphorie haben wir noch Spaß gemacht, „geile Nummer, Stefan“, hat Jonny mir zugerufen. Wahrscheinlich hätten wir ohne das Winken noch ein paar Plätze besser sein können.

JONNY: Das war ein total emotionaler Moment. Der Rausch aus dem Rennen, das Gefühl, unser eigentliches Ziel, irgendwie in die Top 50 zu kommen, schon weit übertroffen zu haben, das jubelnde Publikum auf dem Jungfernstieg, der Sprint zum Ziel mit richtig Feuer – das war schon cool.

Habt ihr jetzt Blut geleckt für weitere Rennen?

JONNY: Ich glaube, wir haben unseren Peak erreicht. Meine Idee für das nächste Rennen ist, die Sache mit ein paar Kumpels richtig zu genießen.

STEFAN: Ich bin da zwiegespalten. Zum einen reizt es mich, noch mal anzugreifen, weil ich das Gefühl habe, es wäre noch mehr drin gewesen. Andererseits ist so ein Rennen gefährlich, gerade zum Ziel hin, wenn manche keine Kraft mehr haben und unsicher werden. Eigentlich liegen mir Langstrecken eher, wo es nicht um den Platz geht. Aber es war irre, wir waren total geflasht danach. Wer weiß … Jetzt genießen wir erst mal diesen Moment, bevor wir uns neue konkrete Ziele setzen.

Jonny und Stefan (v.l.n.r.) | © privat

Über Stefan Gericke und Jonny Böhm


Stefan Gericke, 38, arbeitet in der Versicherungsbranche. Wechselte vor 3 Jahren vom Fußballplatz aufs Rennrad.

Jonny Böhm, 32, ist Senior Berater in der Werbung. Kam vom Mountainbike, dann zog es ihn raus aus dem Wald und runter vom Schotterweg auf die Straße.

Raimund Witkop

Über #BeatYesterday-Autor Raimund Witkop


Raimund Witkop hat als Sportjournalist (u.a. Welt am Sonntag, FAZ) auch über den Profi-Radsport berichtet. Privat kommt er vom Fußball und ist beim Tennis gelandet. Seine 6-jährige Tochter vermittelt ihm einen neuen Blick auf den Sport: Wettkampf zu mögen, muss man lernen. Die Übung, in der sie ihn als erstes überflügeln wird, steht aber schon fest: ein Rad schlagen.

Veröffent­lichungsdatum: 29.08.2018
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