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Von Minden bis nach Jena - entlang von Weser, Werra und Saale führen einige der beliebtesten und schönsten Radrouten des Landes. | © Wolfgang Witkop

Weser, Werra, Saale – auf (Rad)tour durch Deutschlands Mitte

Von Minden bis nach Jena - entlang von Weser, Werra und Saale führen einige der beliebtesten und schönsten Radrouten des Landes. Ein Reisebericht.

Eigentlich wollten wir in die Alpen. Über die Großglocknerstraße an die Drau und dann in die Dolomiten. Doch der Wetterbericht warnte vor massiven Regenfällen im gesamten Alpenraum und Dauer-Gewitter in den Dolomiten. Eine so weite Anreise für so unsicheres Wetter – das wollten wir dann doch nicht riskieren. Also lieber in der Nähe bleiben; Weser und Werra kannte ich zwar schon, meine Lebensgefährtin Eva jedoch nicht. Außerdem war ich seinerzeit flussabwärts gefahren, und die Gegenrichtung eröffnet andere Perspektiven.

Hügeliger Alpen-Ersatz

Wir starten in Minden: gut erreichbar mit der Bahn und knapp nördlich der Stelle, wo die Weser in die Norddeutsche Tiefebene durchbricht. Die schenken wir uns – ein bisschen hügelig soll es beim Alpenersatz schon sein. Der Weg entlang der Weser führt durch malerische Hügellandschaften und berührt die berühmten Städte der Weserrenaissance mit ihren historischen Stadtkernen: Rinteln, Hessisch-Oldendorf, Hameln, Höxter und zum Schluss Hannoversch Münden, wo die Weser für uns endet, aber eigentlich durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda noch weiterfließt.

Die Radler-Dichte nimmt zu. Wir merken, dass wir auf einem der beliebtesten Fernradwege Deutschlands sind. Die anmutige Landschaft, charmanten Orte und die durchweg guten Oberflächen machen ihn so attraktiv. Von Überfüllung jedoch kann zumindest jetzt, vor den Sommerferien, keine Rede sein, zumal die meisten Radler mit kleinem Gepäck unterwegs sind.

Der Weg entlang der Weser führt durch malerische Hügellandschaften. | © Wolfgang Witkop

Immer wieder über die Werra

Täglich wird es heißer, daher ist es angenehm, zunächst auf einem schattigen Weg entlang der Werra zu radeln. Beides wird sich ändern, der Sonnenschutz wie die Flussnähe. Der Werratal-Radweg mäandriert durch das gesamte weite Tal, klettert auch schon mal ein wenig an den Rändern hoch. Und immer wieder überqueren wir die Werra und verlassen ihre Ufer. Manchmal ist sie kilometerlang nur in der Ferne zu erahnen. Das ändert aber nichts an der Schönheit der Landschaft. Der Weg ist zwar nicht überall asphaltiert, gelegentlich schmal, aber überall gut zu befahren. Die pittoresken Städte am Unterlauf stehen denen an der Weser nicht nach: Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Wanfried; Eisenach mit der Wartburg liegt nur knapp zehn Kilometer von der Strecke entfernt. Weiter oben folgen Meiningen und Hildburghausen.

In Hannoversch Münden fließen Fulda und Werra zur Weser zusammen. | © Wolfgang Witkop

Monte Kali überragt Heringen

Kurz vor Treffurt passieren wir die Grenze zwischen Hessen und Thüringen, und wir werden noch einige Male zwischen diesen Bundesländern hin- und herwechseln, ohne es immer zu merken. Entlang eines Teiles der Werra verlief die innerdeutsche Grenze, und über die damalige Situation wird immer wieder auf Tafeln informiert. Wahrscheinlich ist das der Anlass für einen erstklassig ausgebauten Radweg, der nur wenig befahren wird – ganz anders als an der Weser. Kurz vor Mihla ist der Weg durch eine Baumkrone versperrt. Das macht aber nichts, denn auf der anderen Seite ist bereits ein Gemeindearbeiter mit einer Motorsäge angetreten. Später erfahren wir, dass die Region in den vergangenen Wochen immer wieder von Unwettern heimgesucht wurde. Wir stellen fest, unser leises Jammern über die Hitze geschieht auf hohem Niveau. Hinter Gerstungen schieben sich ungewöhnliche Bergformationen ins Blickfeld. Es sind Kalisalz-Abraumhalden. Deutschlands höchste, heißt „Monte Kali“ und überragt Heringen an der Werra.

„Monte Kali“: Deutschlands höchste Kalisalz-Abraumhalde überragt Heringen an der Werra. | © iStock.com/Teka77

„Da müssen Sie schieben“

In Meiningen wird unsere Bergfestigkeit erstmals richtig auf die Probe gestellt. Als wir nach dem Weg zum Campingplatz fragen, beschreibt man ihn uns, verbunden mit der sorgenvollen Bemerkung: „Da müssen Sie schieben, das geht nicht anders, Sie müssen.“ Derart provoziert, kommt Schieben nicht in Frage. Wir sind also vorbereitet für den Schlussanstieg zur Werraquelle im Thüringer Wald. Dieser stellt sich aber als angenehme Forststraße mit moderater Steigung heraus. Oben befinden wir uns bereits auf dem Rennsteig-Radweg, der teilweise direkt auf dem berühmten Wanderweg verläuft, teilweise auf eigenen Wegen parallel dazu. Eine gemischte Erfahrung: Neben Passagen auf hervorragend asphaltierter Strecke gibt es auch ausgeprägte Off-Road-Gefühle. Gelegentlich sind die Steigungen heftig, aber nie lang, da der Weg auf dem Kamm verläuft. Wir biegen ab, um die Saale auf direktem Weg ein Stück weiter unten zu erreichen. Aber es bleibt anstrengend – jedes Dorf liegt in einer Senke, eingebettet von Hügeln. In der Dämmerung erreichen wir Saaldorf.

© Wolfgang Witkop

Über die Saale-Kaskade

Wir befinden uns am oberen Ende des Talsperrensystems, das „Saale-Kaskade“ genannt wird. Es lässt den Fluss über fast 100 Kilometer wie einen See, mindestens wie einen breiten Fluss erscheinen. Keine Städte, kaum Dörfer – pure, wunderbare Landschaft. Aber anstrengend. Hier 16 Prozent, dort 17 auf kürzere Steigungen. Immer wieder müssen wir aber auch die Kuppe erklimmen. Die Belohnung sind ständig wechselnde Perspektiven. Einer unserer Campingplätze liegt idyllisch am Ufer der Hohenwarte-Talsperre – zu erreichen per rasanter Abfahrt auf einer Stichstraße. Zwischendurch gibt es Angebote, besonders mühsame Passagen per Busshuttle zu genießen. Aber das ist nicht unsere Art zu reisen – ganz oder gar nicht. Saalfeld ist die erste Stadt nach den vielen Talsperren, kurz darauf durchqueren wir Rudolstadt, bekannt für das jährlich dort stattfindende Folk-Roots-Weltmusik-Festival. Schließlich erreichen wir Jena. Ab hier wird der Saale-Radweg familienfreundlich, und wir beenden in dieser lebendigen Stadt eine Radtour, die weit mehr war als nur ein Alpenersatz.

Obere Saale: Keine Städte, kaum Dörfer – pure, wunderbare Landschaft. | © Wolfgang Witkop

© Wolfgang Witkopf

Über #BeatYesterday-Autor Wolfgang Witkop


Wolfgang Witkop, Volkswirt und Anglist, hat früher Fußball gespielt, bis ein Kreuzbandriss ihn vor die Entscheidung stellte: gar kein Sport oder Radfahren. Seitdem hat er mehr als 300.000 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt, im Alltag und auf Reisen. Auf #BeatYesterday teilt er gerne seine Erfahrungen und gibt nützliche Tipps.

Veröffent­lichungsdatum: 03.08.2018
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