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Urlaub mit Gleichgesinnten: Laufcamps lassen dem inneren Schweinehund keine Chance. | © Carsten Stegner/privat

Laufcamps – die perfekte Verbindung von Training und Urlaub

Organisierte Laufcamps kombinieren professionell angeleitetes Training mit Urlaubsfeeling. Tapetenwechsel und neue Bekanntschaften pushen die Leistung zusätzlich.

Jeder Läufer hat bekanntlich unterschiedliche Herangehensweisen an sein Training: Manche laufen gerne alleine, andere brauchen die Gruppe, um den Schweinehund zu überwinden oder lieben einfach die Gesellschaft und den Austausch mit Gleichgesinnten. Das hat auch Carsten Stegner erkannt, der regelmäßig Laufcamps anbietet, die zum Beispiel nach Mallorca führen, wo man perfekte Bedingungen vorfindet.

Wer ist eigentlich Carsten Stegner?

Langfinger aufgepasst, der 42-Jährige trägt den Titel „schnellster Polizist in Franken“ und ist einer der fittesten Beamten in Deutschland. 2016 wurde er Deutscher Meister in der Altersklasse M40 im 6-Stunden-Lauf, 2015 Deutscher Meister in den Disziplinen 100-Kilometer-Straßenlauf und 50-Kilometer-Lauf sowie 2013 Dritter mit der Mannschaft bei der Ultratrail-WM. Man kann also sagen: Der Mann kennt sich ganz gut aus im Laufsport.

Ich bin eigentlich auch jemand, der gerne alleine läuft, aber das Tolle an Laufreisen ist dieses Gemeinschaftsgefühl. Man begleitet hier nicht die Leute aus seiner privaten Trainingsgruppe, die man eh jede Woche zuhause sieht, sondern fremde Läufer unterschiedlichster Couleur. Da treffen die unterschiedlichsten Leistungsklassen aufeinander.

Carsten Stegner im Interview mit #BeatYesterday

Dieser Weg wird ein leichter sein

Das letzte Laufcamp fand im März 2018 in Cala Millor auf Mallorca statt. Insgesamt 33 Teilnehmer konnten dort tolle Trainingsbedingungen genießen. Bei angenehmen Temperaturen von 15 bis 20 Grad freuten sich viele Läufer, den langen deutschen Winter hinter sich zu lassen und endlich wieder in Shirt und kurzer Hose auf Trainingsrunde zu gehen. Mit dabei waren neben Carsten Stegner auch sechs Trainer, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen und Schwerpunkte auf verschiedene Bereiche legen. Um ein ganzheitliches und ergänzendes Programm anzubieten, gibt es Einheiten in Kickboxen, Krafttraining oder Yoga. So werden Körperbereiche stabilisiert, die für Läufer extrem wichtig sind, etwa die Rumpfmuskulatur. Am ersten Tag gibt es einen lockeren „Kennenlernlauf“, bei dem Trainer und Teilnehmer einen ersten Eindruck über das individuelle Leistungslevel bekommen: „Wir lassen die Leute selbst entscheiden, in welche Gruppe sie wollen. Wir Trainer schauen dann auch, wer in welche Gruppe passen würde. Die Entscheidung treffen aber immer die Teilnehmer“, sagt Stegner.

Professionell angeleitetes Training mit Urlaubsfeeling: das diesjährige Laufcamp in Cala Millor auf Mallorca. | © Carsten Stegner/privat

Das Motto: Alles kann, nichts muss

Wie bei allen Läufern haben auch die Teilnehmer im Laufcamp ganz unterschiedliche Ansprüche und Ziele. Manche trainieren zum ersten Mal für einen Wettbewerb oder haben sich einen Halbmarathon als langfristiges Ziel gesetzt. Andere bereiten sich (zum wiederholten Male) auf die Marathondistanz vor und suchen nach neuen Trainingsmethoden und hilfreichem Input, mitunter gibt es auch ganz ambitionierte Läufer, die einen Ultramarathon anpeilen. Im Gegensatz zu anderen Trainingscamps macht sich Carsten Stegner frei von Drill und straffem Programm.

Mein Motto lautet: Alles kann, nichts muss. Niemand ist gezwungen, das ganze Programm mitzumachen und darf individuell entscheiden, was ihm guttut und wann eine Pause besser ist.

Carsten Stegner, der 42-Jährige organisiert seit 2017 Laufcamps

Morgens um 7 Uhr startet die erste Einheit

Kurz nach Sonnenaufgang werden zum ersten Mal die Laufschuhe geschnürt. Noch vor dem Frühstück starten die verschiedenen Gruppen in die frühmorgendliche Trainingsrunde, allerdings „nicht mit leerem Magen“, wie Carsten Stegner sagt, „das können gerne die Profis machen. Wir achten darauf, dass jeder zumindest eine halbe Banane gegessen oder ein Glas Orangensaft getrunken hat, damit der Blutzuckerspiegel nicht ganz unten ist.“ Bei der ersten Runde geht es „ganz easy“ entlang der Strandpromenade oder man macht einen kurzen Abstecher ins Naturschutzgebiet. Zwischendurch werden ein paar Kraftübungen für die Beine oder die Rumpfstabilität eingestreut. Nach dem Warm-up-Lauf wird gemeinsam gefrühstückt und entspannt. Am Vormittag findet ein normaler Dauerlauf statt, bei dem sich jeder auch ein bisschen auspowern soll. Der Nachmittag wird ganz individuell gestaltet: Manche machen Yoga- und Dehnübungen, andere widmen sich einer Kraftsporteinheit. Wen es auch danach noch in den Füßen juckt, kann auf der benachbarten, 700 Meter langen Pferdebahn Verschiedenes ausprobieren, etwa Fahrtspiele, Intervalltraining oder die Grundlagen des Lauf-ABC lernen.

Auch Kraftübungen für die Beine oder die Rumpfstabilität gehören zum Trainingsprogramm im Laufcamp. | © Carsten Stegner/privat

„Die Letzten an der Bar, sind oft die Ersten auf der Laufstrecke“

Nach den drei bis vier Einheiten pro Tag, geht es auch abends in gemütlich-geselliger Runde weiter. Carsten Stegner: „Abends sitzt man gemeinsam an der Bar und tauscht sich aus. Was hast du schon erlebt? Bei welchem Laufevent willst du unbedingt noch mitmachen? Ich bin immer wieder überrascht, dass es Teilnehmer gibt, die abends die Letzten an der Bar und morgens die Ersten auf der Laufstrecke sind.“ Das Kennenlernen und das kollektive Erlebnis sind für alle Teilnehmer nicht nur eine tolle Abwechslung zum Alltag, sondern auch ein Kurzurlaub unter Gleichgesinnten, die neue Ziele erreichen möchten. Am Ende der einwöchigen Laufcamps hat auch der 42-Jährige immer wieder eine neue Erkenntnis gewonnen:

Ich lerne sehr viel bei den Camps. Es ist für mich immer wieder sehr motivierend, wenn ich sehe, dass Leute, die noch nie einen Halbmarathon geschafft haben, bei mir am letzten Tag 21 Kilometer packen und weinend vor Glück am Hotel ankommen.

Carsten Stegner, seit 2012 Betreuer und Trainer in Laufcamps

Mallorca calling: 2019 ist es wieder so weit

Im kommenden Frühjahr möchte Stegner das nächste Laufcamp anbieten. Parallel arbeitet er bereits an weiteren Zielen in Deutschland, etwa im Mittelgebirge, Harz oder Schwarzwald, um auch Einblicke ins boomende Trailrunning zu geben. Seine Philosophie, die bestimmt auch viele fitte Langfinger unterschreiben würden: „Laufen ist einfach ein gesamtheitlicher Ausdauersport, der für gute Laune sorgt, gut für die Gesundheit ist und nicht unbedingt dazu beiträgt, länger zu leben, aber länger selbstständig zu bleiben.“

Laufcamps sind die perfekte Verbindung von Training und Urlaub. | © Carsten Stegner/privat

© Jörg Schüler

Zur Person Carsten Stegner


Carsten Stegner wurde 2016 Deutscher Meister (Altersklasse M40) im 6-Stunden-Lauf, 2015 Deutscher Meister in den Disziplinen 100-Kilometer-Straßenlauf und 50-Kilometer-Lauf und 2013 Dritter mit der Mannschaft bei der Ultratrail-WM. Seit 2012 ist er Betreuer und Trainer in Laufcamps, seit 2017 organisiert er Laufcamps selbst.

Weitere Infos zu Carsten Stegner und seinen Laufcamps: www.pure-run.de

Portrait David Siems

Über #BeatYesterday-Autor David Siems


David Siems wohnt in unmittelbarer Nähe der Hamburger Außenalster und hat damit die beste und schönste Laufstrecke der Stadt quasi vor der Haustür. Blöderweise hat er trotzdem regelmäßig mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Früher lief er bei Marathon-Wettkämpfen gerne als Björn Borg oder Andre Agassi verkleidet (Schläger inklusive), um sich zu pushen. Heute reicht gute Musik auf den Ohren, etwa das „Revolver“-Album von den Beatles oder Leonard Cohen.

Veröffent­lichungsdatum: 16.05.2018
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19.04.2018

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